Die Taliban greift im Nordwesten Pakistans in der Grenzregion zu Afghanistan dauernd “weiche” und “harte”Ziele an. Die pakistanische Armee ist offensiver denn je, doch die Taliban versuchen mit spektakulären Anschlägen zu demonstrieren, dass ihre Schlagfähigkeit ungebrochen ist. Mit etwa 10 Angreifern stürmten sie mit Schnellfeuergewehren, Panzerfäusten und Sprengstoff das US-Konsulat, ließen vier Explosionskörper detonieren, schossen sich den Weg frei und rießen mehrere Menschen in den Tod. Für die Taliban bekannte sich deren Sprecher Azam Tariq zu dem Anschlag: “Amerikaner sind unsere Feinde, wir haben den Angriff auf das U.S. Konsulat durchgeführt”. Der gestrige Anschlag auf das US-Konsulat in Peschawar, Provinzhauptstadt der Nordwest Grenzprovinz, soll Symbolik haben, Peschawar ist Logistik-Zentrum für den Nachschub der ISAF-Truppe über Land via Kyper-Pass. Der Südasien-Analyst von STRATFOR Global Intelligence, Kamran Bokhari, nimmt in dem Video Stellung.
“Es ist ein bemerkenswertes Zeichen, wenn der pakistanische Sicherheitsapparat die Deckung für die Taliban fallenlässt und die Verhaftung von Kommandeuren ermöglicht.
Während in Deutschland das Parlament bei der Mandats-Abstimmung einen für den Hausgebrauch inszenierten Tanz aufführt, bewegen sich in Afghanistan die Ereignisse in hohem Tempo. Im Süden meldet die Isaf erste Erfolge – die zusätzlich eingesetzten Soldaten können in Gebiete vordringen, die bisher nicht zu sichern waren. Damit werden die Taliban nach Pakistan zurückgedrängt …”. Kommentiert Stefan Kornelius, Ressortleiter Außenpolitik der Süddeutschen Zeitung lesenswert.
(Textauzug: Süddeutsche.de;
Bildquelle: NATO.ISAF.int, Gen. Ashfaq Parvez Kayani, Chief of Army Staff of the Pakistan Army and Gen. Stanley A. McChrystal, Commander of NATO International Security Assistance Force and U.S. Forces Afghanistan lead participants towards the conference area to meet for the 29th Tripartite Commission meeting. The Tripartite Commission, comprised of senior military and diplomatic representatives from Afghanistan, Pakistan and the United States. Photo by U.S. Army Sgt. David E. Alvarado.)
In Karachi im südlichen Pakistan konnten der US-Geheimdienst gemeinsam mit pakistanischen Sicherheitsbehörden (CIA und ISI) den im hierarchischen Taliban-Kommandeur-System zweiten Führer nach Mullar Omar, den Mullah Abdul Ghani Baradar, festsetzen.
Die Taliban sind im Sinne des Wortes Grenzgänger im unwegsamen, bergigen Gelände zwischen Afghanistan und Pakistan, zukunftig möglicherweise gestern Terroristen und morgen schon Verhandlungspartner. Pakistans Durchsetzungsfähigkeit und Interesse am Festnahmen oder Ausschalten von führenden Köpfen der Taliban ließ in der Vergangenheit oft zu Wünschen übrig, es waren häufig die US-Amerikaner die die Initiative in die Hand nahmen und auch auf pakistanischem Boden entweder mit Drohnen zuschlugen oder mit nachrichtendienstlichen Aktivitäten operierten.
Die pakistanische Militäroffensive in Waziristan im vergangenen Jahr gegen Taliban und Al Qaida Ableger und deren Rückzugs- und Versorgungsräume und die ständigen islamistischen Anschläge in Pakistan gegen Zivilbevölkerung und staatliche Ziele sowie Militär, haben offenbar den Leidensdruck der Pakistani erhöht bei Handlungsdruck-Verschärfung und Unterstützung durch die USA und deren Alliierten im Kampf am Hindukusch.
Die AfPak-Strategie hat das pakistanische Vorgehen gegen organisierte, radikale Islamisten mit Al Qaida- und Taliban-Struktur mit im Erfolgs-Kalkül, bislang fehlten allzu oft pakistanische Ergebnisse – aufgrund möglicher Verstrickung der pakistanischen Sicherheits-Akteure im Geflecht der radikal-islamischen Strukturen und Finanzströme oder mangels Fähigkeit und wegen Korruptionsanfälligkeit.
Die Festsetzung des zweiten Mannes in der Taliban-Führung passt gut, gut auch in die Zeitphase der offensiven ISAF-Operation Moshtarak, die das größten Drogenanbau-Gebiet im südafghanischen Helmand von Taliban bereinigt und damit über kurz oder lang eine der wichtigen Einkommensquelle zum Versiegen bringen wird.
Ein Etappenziel zumindest ist erreicht, die Hoffnung auf Informationsgewinnung durch den Festgenommenen ist groß, allerdings gilt: bei den Taliban ist niemand unersetzbar und es stellt sich die Frage mit welchen langjährigen einflussreichen Taliban-Kommandeuren soll verhandelt werden, wenn durch Festnahme “enthauptet wird”.
Hintergrundinformationen in den Videos:
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Der CBS News Berater für Sicherheitspolitik, Jere Van Dyk, spricht über die Auswirkungen der Festnahme des Taliban-Führers und die Zusammenarbeit der US-amerikanischen und pakistanischen Nachrichtendienste.
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Afghan Talibans No. 2 leader, Mullah Abdul Ghani Baradar, reportedly has been captured in a joint ISI-CIA operation in Karachi. Competing theories about the purported arrest have emerged, analyst Kamran Bokhari says.
Der Premierminister der Islamischen Republik Pakistan, Syed Yousuf Raza Gilani, wird am 30. November 2009 zu einem offiziellen Besuch für drei Tage in Deutschland erwartet. Während seines Besuchs wird Premierminister Gilani mit Bundespräsident Horst Köhler, Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem Präsidenten des Deutschen Bundestages, Herrn Norbert Lammert, und mit den Mitgliedern des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages zusammentreffen.
(Premierminister Syed Yousaf Raza Gilani, Bildmitte, sein Außenminister Shah Mehmood Qureshi, links, und der afghanische Präsident Hamid Karzai am 13. Mai 2009 bei der Third Regional Economic Cooperation Conference on Afghanistan im Jinnah convention Center)
Bundeskanzlerin Angela Merkel wird den pakistanischen Premierminister Gilani mit militärischen Ehren im Bundeskanzleramt am 1. Dezember empfangen.
Mittelpunkt des Treffens mit der Bundeskanzlerin werden Gespräche über die wirtschaftlichen und bilateralen Beziehungen sowie regionale und globale Fragen sein. Danach folgt eine gemeinsame Pressekonferenz von den beiden Staats- und Regierungschefs, mit dem Schwerpunkt Sicherheit und Frieden sowie Kampf gegen den internationalen Terrorismus
Am 1. Dezember mittags reist Premierminister Gilani nach Frankfurt, wo er eine Key-Note-Rede zum 50-jährigen Jubiläum eines bilateralen Investitionsabkommens zwischen Pakistan und Deutschland, unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie halten wird. Am 2. Dezember erfolgt eine Rede in der pakistanischen Gemeinschaft Frankfurt am Main.
(Textquelle: s-haq.com für die Pakistanische Botschaft Berlin;
Karten, Flaggengrafikquelle: CIA.org; Bildquelle: Ministry of Foreign Affairs, Government of Pakistan, MOFA.gov.pk)
Während die Militäroffensive in den Stammensgebieten an der afghanischen Grenze gegen Taliban und Al-Qaida, insbesondere in Süd-Wazirsitan, angelaufen ist, bleibt die Sicherheitslage auch im gesamten restlichen Pakistan angespannt. Sicherheitskräfte, wie in der von häufigen Selbstmordanschlägen heimgesuchten Stadt Dera Ismail Khan (Nordwestgrenz-Provinz), zeigen Präsenz und kontrollieren die Zivilbevölkerung auf den Straßen. In Lahore wurde am 18. gegen die USA demonstriert.
Mullah Nazeer Ahmad, Emir der Taliban Mujahideen in Süd-Waziristan, im Video. Genau in dieser Gegend liegt die Wurzel des Problems, das westlich der Berge den internationalen Truppen Arbeit macht, östlich der Berge die Pakistanis terrorisiert, die Weltgemeinschaft beschäftigt und eine friedliche Entwicklung zu verhindern weiß. Weitere Videos und das gesamte Progaganda-”Interview” hier bei YouTube.
Kleine Landeskunde Waziristan, dem pakistanischen Stammesgebiet in der Grenzregion zu Afghanistan und Rückzugs-Terrain der Taliban sowie Brutstätte der Al Qaida-Kämpfer.
Diese Region bedroht die Stabilität der gesamten Region. Der Staat Pakistan hat dort werder rechtlich noch polizeilich das Sagen. Eine unabhängiges Staatsgebilde Paschtunistan wird von den Stammesführern gefordert. Die Kämpfer in der unzugänglichen Bergregion verstehen sich als Kombination aus etnischen Freiheitskämpfern und islamistischen Dschihadisten. Al Qaida Ausbildungslager hatten und haben in dieser Region ihre Basis. Die Taliban nutzt diesen rechtsfreien Raum als Rückzugs- und Nachschubgebiet und Ruheraum. Zum Beispiel 80 % der Selbstmordattentäter, die die ISAF-Truppen angreifen, kommen aus Waziristan. In Süd-Waziristan werden auch die deutschen Dschihad-Terroristen der Islamischen Bewegung Usbekistan (IBU) vermutet. Der noch immer nicht gefundene Osama bin-Laden dürfte sich ebenfalls in dieser Region aufhalten.
Hier wird erneut deutlich, dass es für den Afghanistan-Einsatz einer Afghanistan-Pakistan-(AfPak-)Strategie bedarf.
In den so genannten “Stammesgebieten unter Bundesverwaltung” leben etwa 3,5 Millionen Menschen auf einer Fläche von 27.000 km2. Damit sind sie zusammen genommen etwas kleiner als Belgien.
Die Stammesgebiete umfassen 7 “Tribal Agencies” (in rot), darunter Nord- und Süd-Waziristan, sowie 6 kleinere Grenzgebiete (in rosa).
(Video-, Kartenquelle: arte.tv, Erstausstrahlung bei arte 12.01.2008 um 20:00 Uhr, Text zur Sendung: Die kleine Bergregion Waziristan hat als Teil der pakistanischen “Stammesgebiete unter Bundesverwaltung” einen ganz besonderen Status und steht im Zentrum von Spannungen auf regionaler und internationaler Ebene)
Seit dem frühen Morgen greifen pakistanische Streitkräfte in Wazirsistan an. Ziel sind Taliban-Stellungen, Taliban- und Al Qaida-Kämpfer und deren logistischen Basen in der Stammesregion Süd-Waziristan, die in der pakistanisch-afghanischen Grenzprovinz unter Führung von Hakimullah Mehsud ihre Hochburg haben.
Die radikal-islamischen Terroristen hatten nach dem tödlichen Schlag gegen ihren Führer Baitullah Mehsud unter dem neuen Terror-Chef Hakimullah Mehsud eine Terror-Offensive in Pakistan begonnen, die UN, das Hauptquartier der Armee Pakistans, pakistanische Sicherheitskräfte und vor allem die Zivilbevölkerung mit Bombenattacken terrorisiert, allein in den letzten eineinhalb Wochen kamen 150 Menschen ums Leben.
In Süd-Waziristan werden auch die deutschen Dschihad-Terroristen der Islamischen Bewegung Usbekistan (IBU) vermutet.
Die Stadt Peshawar ist östlich der so genannten Stammesgebiete gelegen, dort liegen die ärmsten Gebiete Pakistan (u.a. Nord- und Süd-Waziristan), 60 % der Bevölkerung leben von unter 1 Dollar am Tag. Weder rechtliche noch polizeiliche Gewalt aus, die Landschaft ist eine schwer zugängliche Gebirgsregion und ein Grenzgebiet zu Afghanistan. Ein idealer Nährboden für islamistischen Terror. Hier wird erneut deutlich, dass es für den Afghanistan-Einsatz einer Afghanistan-Pakistan-(AfPak-)Strategie bedarf.
Wieder neue Islamisten-Propaganda,
diesmal im Reportage-Format
Die einstündige propagandistische Dokumentation zeigt das Wirken der Taliban. Szenen von der Gefechts- und Schießausbildung der Terror-Aktivisten, Waffenreinigen, bei und vor Bombenanschläge, Übungsszenarien mit erbeutetem Afghan National Police (ANP) Pickup, beim Beobachten und Beschiessen von ISAF-Camps sind zusammen geschnitten worden als mediale Mitteilung aus den Bergen im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet, der Region, in der sich Osama bin Laden umgeben von Terror-Gefährten aufhalten soll: