Archiv für die Kategorie 'NATO'

Türkei: Ärger mit den deutschen Kameraden – türkischer General rangelt mit deutscher Feldjägerin (Video)

Samstag, 2. März 2013

PATRIOT-Einsatz Operation Active Fence Turkey
Deutsche Luftwaffensoldaten sind als 1. deutsches Einsatzkontingent AF Tur als Verstärkung (neben US- und NL-Soldaten) der integrierten NATO-Luftverteidigung in der Türkei eingesetzt. Als Mittel der militärischer Abschreckung sollen sie mit verhindern, dass sich der Konflikt innerhalb Syriens auf den NATO-Partner Türkei ausweitet - soweit die sicherheitspolitische Dimension und Begründung. Die Verlegung deutscher Patriot-Systeme nach Kahramanmaras/Türkei erfolgte im Januar-Verlauf und das Unheil nahm seinen Lauf, der Verteidigungsminister und die Bundeskanzlerin besuchten Ende Februar 2013 die deutschen Soldaten und der Wehrbeauftragte ging den ersten Beschwerden und Nöten der deutschen Soldaten nach.

Das Ergebnis liegt seit gestern dem Bundestag und damit der Öffentlichkeit vor: Toiletten in “anderem” Zustand, landeskulturelle Mißverständnisse über Gastfreundschaft und Gastrechte, deutsche Beflaggung und Beschilderung  im türkischen Feldlager unwerwünscht, gegenseitiges Verständnis enorm ausbaufähig, deutsche Military Police ohne Waffen unterwegs, deutsche MP-Streifentätigkeit unerwünscht, Schikane im Umgang, Einkesselung der Bewegungsfreiheit in der Green Zone, atmosphärische TR-D Spannungen, deutsche Kameraden weniger willkommen als erwartet und ein türkischer General, der sich eine deutsche Feldjägerin “vorknöpft”.
Wer bereits in multinationalen Einsätzen war, der weiß, dass unsere türkischen Kameraden nunmal anders ticken als wir und insbesondere deutsches Feldjäger-Gebaren auf türkischem Kasernengelände oder Territorium konfliktträchtig werden kann und schwarz-rot-goldene Flaggendichte mit deutschen Ortsschildern unter dem türkischen Halbmond wenig förderlich ist. Wir sind dort, damit das türkische Bündnis-Ego gestärkt wird an der türkisch-syrischen NATO-Borderline. Die Türkei ist kein Einsatzland wie Afghanistan, Bosnien oder Kosovo und kein Lieblingsalliierter wie die USA, sondern NATO-Partnerland mit muslimischer Prägung und einem Militär mit besonderem Machtverständnis, das ist für manche immer noch eine neue Erfahrung.

Der SPIEGEL berichtet unter Beruf auf den Wehrbeauftragten-Bericht zur Lage der deutschen Bundeswehr-Soldatinnen und Soldaten im Einsatzgebiet Türkei über die gefühlten und tatsächlichen Schwierigkeiten des deutsch-türkischen Miteinanders:
Bundeswehr-Einsatz in der Türkei – Gerangel in der “Patriot”-Kaserne zum völlständigen SPIEGEL-Artikel

Dazu auch das Bundesregierung-Video: Die Woche der Kanzlerin 27.02. bis 01.03.2013

In dieser Folge reist die Kanzlerin in die Türkei zu den deutschen Soldaten und nach Kappadokien. Sie trifft den neuen US-Außenminister …

(Bilderquelle: Bundeswehr.de, Vergleichsfotos: Bundeskanzlerin besucht Patriotsoldaten in der Türkei – In verschiedenen Gesprächen mit Kontingentangehörigen, verschaffte sich die Kanzlerin nicht nur einen Überblick über die Arbeitsweise und Abläufe der einzelnen Bereiche im Kontingent, sondern erkundigte sich auch nach den Problemen und Eindrücken der Soldatinnen und Soldaten;
Verteidigungsminister besucht die Türkei – Begrüßung des Ministers durch Oberst Ellermann. Verteidigungsminister Thomas de Maizière besucht Patriotsoldaten in der Türkei. PIZ AF TUR
Videoquelle, Textauszug: Bundesregierung.de)



PATRIOT-Einsatz rein defensiv – Verteidigungsminister de Maiziere in der Türkei (Videos)

Sonntag, 24. Februar 2013

Die Verteidigungsminister der Türkei, Deutschlands und der Niederlande haben sich im Süden der Türkei über den Einsatz des Patriot-Luftabwehrsystems an der türkisch-syrischen Grenze informiert. Deutschland, die Niederlande und die USA stellen jeweils zwei Patriot-Batterien.

Die Minister betonten den defensiven Charakter des Einsatzes: “Wir sind hier, um gemeinsam das türkische Hoheitsgebiet und die türkische Bevölkerung zu schützen. Wir wissen nicht, ob sich die Syrer der NATO-Grenze nähern, aber einer der Gründe, warum wir hier sind, ist dass wir das Risiko einer Eskalation verringern wollen. Das muss allen beteiligten klar sein”, erklärte die niederländische Verteidigungsministerin Jeanine Hennis-Plasschaert.
“Unsere Präsenz dient dazu, dass aus syrischen Fähigkeiten keine syrischen Handlungen werden”,betonte der deutsche Verteidigungsminister Thomas de Maizière.
Die Türkei hatte die Nato um Hilfe gebeten, nachdem im Grenzgebiet zu Syrien mehrfach Granaten aus Syrien eingeschlagen waren. Dagegen können die Patriots zwar nichts ausrichten. Syrien verfügt aber auch über Raketen mit einer Reichweite von 700 Kilometern. Vor Angriffen mit diesen sollen die Nato-Abwehrraketen schützen.
Syrien hatte die Stationierung der Patriot-Raketen als Provokation bezeichnet, der Iran und Russland kritisierten den Einsatz als “konfliktverschärfend”. (euronews-Zitatende)

Dazu auch das Deutsche Welle Journal-Video: Türkei: Verteidigungsminister besucht deutsche Soldaten

Der Bürgerkrieg in Syrien sorgt in der Region für große Unsicherheit. In der Türkei sind deshalb seit einem Monat auch Patriot-Luftabwehrsysteme der Bundeswehr stationiert. Sie sollen syrische Übergriffe auf das Nato-Partnerland verhindern. Bundesverteidigungsminister de Maizière verwies bei seinem Besuch der deutschen Soldaten in der Türkei erneut auf den rein defensiven Charakter der Mission. (Deutsche Welle-Zitatende)

Wir erinnern uns: Thomas de Maiziere zur Entsendung von Patriot-Raketen in die Türkei – Statement vom 06.12.2012

(Video-, Textquellen: euronews.com; Deutsche Welle; PHOENIX.de
Bildquelle: Defensie.nl, Hennis: Er gaat van onze aanwezigheid een afschrikwekkende werking uit. We laten onze tanden zien om juist het gebruik van meer geweld te voorkomen.)

NATO: Mit neuer Strategie im Einsatz? | Interview mit General Domröse (Video)

Sonntag, 17. Februar 2013

Im Gespräch: Der NATO-General Hans-Lothar Domröse. Der Befehlshaber des Joint Force Command der NATO in Brunssum NL) spricht über den ISAF-Einsatz in Afghanistan, die Schwierigkeiten bei der Rückverlegung der Kampfverbände und die neuen Strategien der Allianz.

(Videoquelle: Deutsche Welle.de / Journal Interview;
Bildquelle: Allied Joint Force Command Brunssum NATO.int, Foto: COM General Hans-Lothar Domröse)

PATRIOT-Einsatz in der Türkei: Wesentliche Fragen der deutschen Soldaten ungeklärt

Donnerstag, 10. Januar 2013

Vor der Bundestagsdebatte zur Patriot-Mission

Kirsch: Einsatz entspricht der Bündnissolidarität – wesentliche Fragen der Soldaten noch ohne Antwort

Vor der bevorstehenden Patriot-Mission erklärt der Bundesvorsitzende des Deutschen BundeswehrVerbandes, Oberst Ulrich Kirsch: “Dieser Einsatz entspricht dem Prinzip der Bündnissolidarität. Auch wir sehen Deutschland grundsätzlich in der Pflicht, einen Beitrag zu leisten.”

Tatsächlich sei der Nato-Beitrag eher symbolisch und damit politisch, so Kirsch. “Die Grenze zwischen Syrien und der Türkei ist 900 Kilometer lang. Die maximal sechs vorgesehenen Nato-Staffeln können sie allenfalls punktuell schützen.”

Für die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr stelle der Einsatz mitten in der Neuausrichtung allerdings eine weitere unvorhergesehene Belastung dar.

“Für die Debatte gilt: Breite UND Tiefe!”

Kirsch sagte weiter: “Gerade die betroffenen Frauen und Männer haben eine Menge Fragen, auf die sie noch keine Antwort erhalten haben.“ So sei nicht nur offen, ob die Bundeswehr überhaupt noch ausreichend Flugkörper in ihrem Bestand habe, es sei auch ungeklärt, welcher ABC-Schutz für die eingesetzten Soldaten vorgesehen ist. Es gebe auch keine Exit-Strategie, und was die Nato für den Fall plane, dass Syrien die “rote Linie” überschreitet und tatsächlich Chemiewaffen einsetzt, sei ebenfalls unbekannt. Kirsch: “Anders als beim Ansatz der Neuausrichtung muss für die sicherheitspolitische Debatte gelten: Breite UND Tiefe! Wir erwarten vom Deutschen Bundestag Antworten!” (DBwV-Zitatende)

Soldatenglück.de berichtete zuletzt am 04. Januar 2013 zum Thema: Bundeswehr-Soldaten des PATRIOT-Vorkommandos für “Active Fence Turkey” verlegen in die Türkei (Video)

(Textauszüge: DBwV.de)

Hintergrundinformationen bei NATO.int: NATO Support to Turkey

Bundeswehr-Soldaten des PATRIOT-Vorkommandos für “Active Fence Turkey” verlegen in die Türkei (Video)

Freitag, 4. Januar 2013

Am 08. Januar 2013 verlegen gemeinsam die ersten deutschen und niederländischen Soldaten des Vorkommandos für den Einsatz “Active Fence Turkey” in die Türkei. Vom militärischen Teil des Flughafens Eindhoven in den Niederlanden verabschiedet der Befehlshaber des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, Generalleutnant Rainer Glatz, die ersten rund zwei Dutzend deutschen Soldaten des Vorkommandos in den Einsatz. Ebenfalls am 08. Januar beginnt parallel der Transport der deutschen Waffensysteme und des Materials vom Hafen Travemünde auf dem Seeweg in die Türkei. Die Verlegung des deutschen Hauptkontingents mit insgesamt bis zu 350 Soldatinnen und Soldaten ist für die dritte Kalenderwoche geplant. Den Luftwaffenanteil des deutschen “Einsatzmoduls PATRIOT” stellen hauptsächlich Soldatinnen und Soldaten der Flugabwehrraketengruppen 21 (Sanitz) und 24 (Bad Sülze) aus Mecklenburg-Vorpommern. Zum “Einsatzmodul PATRIOT” zählen zwei Feuereinheiten sowie ein Führungs- und Versorgungselement. Truppenteile aus den Bereichen Logistik, Sanität, Feldjäger sowie weiterem Unterstützungspersonal komplettieren das Modul.
Weitere Informationen zum Einsatz entnehmen Sie bitte Luftwaffe.de.

Dazu das Bundeswehr-Video: Vorauskommando PATRIOT

Das Video daiert vom 20.12.2012: Ein Vorauskommando der Bundeswehr hat in die Türkei verlegt, um dort den Einsatz deutscher Soldaten mit dem Flugabwehrraketensystem PATRIOT vorzubereiten. In Kahramanmaras, rund 100 Kilometer von der türkisch-syrischen Grenze entfernt sollen bis zu 400 Frauen und Männer stationiert werden. Der Bundestag hatte in Woche zuvor ein entsprechendes Mandat verabschiedet. Die PATRIOTS der Bundeswehr, der niederländischen Streitkräfte sowie des US-Militärs sollen den NATO-Partner Türkei vor möglichen Raketenangriffen aus dem benachbarten Unruheland Syrien schützen.

(Text-, Video-, Bilderquelle: Luftwaffe.de bzw. Bundeswehr.de;
Grafikquelle: CIA.gov, Türkei-Karte)

Hintergrundinformationen bei NATO.int: NATO Support to Turkey



Zum Bundeswehreinsatz in der Türkei

Freitag, 7. Dezember 2012

Die Bundeswehr steht vor ihrem nächsten Auslandseinsatz: Nach Afghanistan, dem Kosovo und dem Anti-Piraten-Einsatz vor Somalia ist das deutsche Militär nun an der türkisch-syrischen Grenze gefragt, um den NATO-Partner Türkei vor einem Übergreifen des syrischen Bürgerkriegs auf sein Territorium zu bewahren. Oder, wie es Verteidigungsminister Thomas de Maizière ausgedrückt hat: “Damit in Damaskus niemand auf falsche Ideen kommt, setzen wir auf Abschreckung.” Doch wirksame Abschreckung setzt den unbedingten Willen voraus, die Drohungen im Notfall wahr zu machen – mit allen Konsequenzen, die sich daraus ergeben können. Einschließlich des direkten militärischen Eingreifens Deutschlands in den syrischen Bürgerkrieg. Es besteht mehr als nur eine theoretische Gefahr, dass es dazu auch kommen wird. Unabhängig davon, welche Ideen jemand in Damaskus hat: Aus dem türkisch-syrischen Grenzgebiet hat sich das Assad-Regime schon weitgehend zurückgezogen. Kurden und Kämpfer der – offenbar zunehmend von Islamisten unterwanderten – syrischen Opposition sind dort inzwischen die bestimmenden Kräfte. Sie könnten Grenzzwischenfälle provozieren – entweder um den verhassten Westen an einer weiteren Flanke anzugreifen oder in der Hoffnung, dass die NATO mit einem Eingreifen dem Assad-Regime ein schnelles Ende bereiten wird. Und Baschar al-Assad selbst hat schon mehrfach angekündigt, vor seinem eigenen Untergang die gesamte Region zu destabilisieren – auch er könnte mit gezielten Provokationen das westliche Verteidigungsbündnis in einen Waffengang locken, was wiederum schwere Konflikte mit Syriens Schutzmacht Russland auslösen würde. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Deutschland hat die Pflicht, einem bedrängten NATO-Partner beizustehen. Deshalb ist der vom Bundeskabinett gebilligte Einsatz richtig. Im konkreten Fall aber laufen Deutschland genauso wie die ebenfalls beteiligten Niederlande und die USA Gefahr, zwischen alle Fronten zu geraten. (Zitatende)

Berichtet und kommentiert der “Weser-Kurier” aus Bremen.

(Textquelle: Weser-Kurier.de;
Grafiken: NATO.int, CIA.gov)

NATO-Partner Türkei beschiesst syrisches Territorium, Reaktion auf Granatenbeschuss

Mittwoch, 3. Oktober 2012

NATO-Rat wurde gemäß Artikel 4 zu Dringlichkeitssitzung einberufen, “Vergeltung für Granatenbeschuss – Türkei greift Ziele in Syrien an”, in der Türkei sind 5 Menschen durch syrische Granate getötet worden, meldet SPIEGEL ONLINE.
Soldatenglück.de berichtete über den Syrien-Konflikt und über den Abschuss eines PHANTOM-Aufklärers der Türkei durch die Syrische Armee: Abgeschossene türkische PHANTOM: SAR-Kräfte finden Leichen (Video), NATO, Türkei und ein militärisch starkes Syrien (Video) und Syrien schiesst türkische PHANTOM in Küstennähe ab, Besatzungsmitglieder vermisst (Videos).

(Grafikquelle: CIA.gov)

1. (GE-NL) Corps: Comprehensive Approach mit Studenten (Video)

Samstag, 30. Juni 2012

Studenten von 8 verschiedenen Universitäten aus den Niederlanden und Deutschland im Summer Course zu Gast beim 1. Deutsch-Niederländischen Korps in Münster, um den Comprehensive Approach zu üben. Im September wird in Wildflecken das Szenario mit 6.000 Soldaten weiter geübt.

This year’s Summer Course has kicked off on Monday 25 June. Many times this week, several rooms of the Headquarters of 1 (German/Netherlands) Corps will be filled with German and Dutch students instead of soldiers.
The Summer Course — organised in close cooperation with the Münster Wilhelms University — contains briefings from professors, officers and civilians, yet also case studies and student presentations. The topics vary from ‘Comprehensive Approach’ to ‘Interagency cooperation’ and ‘Disaster Response’. It’s the second time a Summer Course like this is held on the premises of the Headquarters.

(Video-, Grafikquelle, Textauszüge engl.: D-NL Korps.org)

NATO, Türkei und ein militärisch starkes Syrien (Video)

Dienstag, 26. Juni 2012

Syrien ist zu stark

Die harsche Rhetorik der Türkei darf nicht blenden: Zwar dröhnt Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan von der “brennenden Qual”. Der Zorn seines Landes sei gewaltig und vernichtend, meint er. Tatsächlich bleibt Ankara, und ebenso der NATO, im Konflikt mit Syrien über den Abschuss eines türkischen Kampfjets aber nichts anderes übrig, als eine diplomatische Lösung anzustreben.

Die donnernden Parolen Erdogans sind lediglich ein sprachliches Signal an die heimische Bevölkerung. Dem steht gegenüber, dass es mit Sicherheit keinen direkten militärischen Gegenschlag geben wird. Der Verzicht der NATO auf die Androhung militärischer Gewalt ist zudem mit einem Blick auf die Aktionen des Bündnisses in Libyen zu erklären. Erinnert doch der Abschuss des türkischen Flugzeugs daran, wie viel stärker die syrische Luftwaffe im Vergleich zu der des gestürzten Machthabers Muammar al-Gaddafi ist.

Statt einen Luftkrieg vom Zaun zu brechen, ist es wahrscheinlicher, dass die Türkei ihrem Nachbarn am Boden weitere Nadelstiche zufügen wird. Das erreicht sie zum einen dadurch, dass sie ihr Land für die ohnehin bereits hierhin geflohenen 30 000 syrischen Flüchtlinge noch attraktiver macht. Zum anderen kann sie im Verborgenen den Waffenschmuggel an die Rebellen tolerieren, oder sogar unterstützen. (Zitatende)

Kommentiert die “Neue Osnabrücker Zeitung”.

Die “Rheinische Post”, Matthias Beermann, aus Düsseldorf kommentiert:
Erdogan riskiert viel
Ein Krieg mit Syrien ist gewiss keine Wunschvorstellung der türkischen Regierung. Trotzdem ist ein bewaffneter Konflikt zwischen dem Assad-Regime und dem Nato-Mitglied Türkei seit gestern erheblich wahrscheinlicher geworden. Nach dem Abschuss eines türkischen Kampfjets durch die syrische Flugabwehr wird es zwar keine Vergeltungsaktion geben. Der türkische Ministerpräsident Erdogan kündigte aber an, dass sein Land bei weiteren Übergriffen künftig sofort zurückschießen will. Damit geht er ein erhebliches Risiko ein. Denn derartige Provokationen hat es an der türkisch-syrischen Grenze schon einige gegeben. Bisher hielt die türkische Armee, die zweitgrößte der Nato, still. Aber nun gibt es einen Schießbefehl und damit die Gefahr einer Kettenreaktion. Man darf bezweifeln, ob Erdogan klug beraten war, sich selbst derart unter Zugzwang zu setzen. Aber der Premier steht innenpolitisch erheblich unter Druck. Die Opposition und eine kriegsschreierische Presse verlangen eine harte Haltung. Und schließlich darf man nicht vergessen, wer hier der Aggressor ist. Trotzdem: Die Verbündeten der Türkei sollten Ankara jetzt diskret zur Besonnenheit drängen. Es darf nicht sein, dass Assad nach Belieben den ganz großen Krieg anzetteln kann. (Zitatende)

Soldatenglück.de berichtete in der Vorwoche: Syrien schiesst türkische PHANTOM in Küstennähe ab, Besatzungsmitglieder vermisst (Videos).

Dazu das Video: NATO unterstreicht Solidarität mit Türkei

Die NATO hat den Abschuss des türkischen Militärflugzeugs durch Syrien als inaktzeptabel bezeichnet. Direkte Konsequenzen wird die Tat jedoch nicht haben. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen unterstrich stattdessen die Solidarität mit der Türkei.
Diese Tat sei nicht hinnehmbar, sie werde aufs Schärfste verurteilt, erklärte Fogh Rasmussen. Sie sei ein weiteres Beispiel für die Missachtung internationaler Normen, des Friedens, der Sicherheit und von Menschenleben durch das syrische Regime.
Ein militärisches Eingreifen stand auch vor der Sondersitzung nicht zur Debatte: Das NATO-Mitglied Türkei hatte sich auf Artikel 4 und nicht 5 des Vertrags bezogen, der ein militärisches Eingreifen verlangt. Auf die Frage der Presse, was die NATO bei einem weiteren Abschuss vornehme, kündigte Fogh Rasmussen neue Beratungen an.

(Textquellen kursiv: Neue Osnabrücker Zeitung.de; Rheinische Post.de;
Videoquelle, Textauszüge: euronews.com;
Bildquelle: NATO.int, Statement by NATO Secretary General Anders Fogh Rasmussen following the North Atlantic Council Meeting on the subject of the shooting down of a Turkish aircraft by Syria;
Grafikquelle: CIA.gov, Syrien-Karte)

Deutschland braucht die NATO (Video)

Dienstag, 22. Mai 2012

Beim Nato-Gipfel war viel Kritik an den Deutschen zu hören: Sie sollten sich mehr engagieren im Bündnis, mehr Geld und Personal geben, sich so ins Zeug legen, wie sie es bei der Rettung des Euro täten. Da konnte der Eindruck entstehen, dass Berlin eigentlich nur noch pro forma in dem Bündnis sei, das doch maßgeblich die Integration der alten Bundesrepublik in die westliche Welt ermöglicht hat. Deutschland ist an aufwendigen und riskanten Missionen beteiligt, wie dem Einsatz bei der Internationalen Schutztruppe in Afghanistan. Deutschland gibt viel Geld für die Nato und ihre Einsätze aus.

Das Problem scheint, dass die deutsche Politik dieses Engagement nicht immer überzeugend an die Partner verkauft. Und es wird der deutschen Öffentlichkeit zu selten erklärt, warum eine engagierte Mitgliedschaft im transatlantischen Bündnis mindestens so wichtig ist, wie der Einsatz für die EU. Seit dem Ende des Kalten Krieges und dem Wegfall der ideologischen Differenzen zwischen Ost und West haben viele Deutsche den Eindruck gewonnen, es gebe keine Bedrohung mehr. Die Russen sind jetzt unsere Geschäftspartner und auf die schießt man ja nicht.

Die Gefahren sind für unser Land heute andere als zu Zeiten der Berliner Mauer: Spionage, Kriegführung im Internet, Terrorismus. Diese Bedrohungen kann man nur gemeinsam bekämpfen, durch koordinierte Aufklärung, durch gemeinsame Abwehr, aber auch durch den Versuch, die Abschreckung durch immer weniger Waffen zu erreichen. Man brauche, hat Verteidigungsminister de Maizière in Chicago gesagt, weniger Panzer, aber mehr Aufklärung. Dass es dazu für Deutschland die Nato braucht, steht für die deutschen Regierungsmitglieder am Nato-Gipfel außer Frage. Die große Aufgabe wird aber sein, der deutschen Öffentlichkeit zu erklären, dass der Abzug aus Afghanistan keinesfalls das Ende des Engagements in der Nato bedeutet, mit viel Geld und vielen Soldaten. Auch und vor allem, weil die Nato unsere Sicherheit garantiert. (Zitatende)

Kommentiert die “Schwäbische Zeitung” aus Leutkirch in ihrem Leitartikel.
Dazu das Video:
NATO Summit Chicago: Press Conference by the NATO Secretary General after meeting on Afghanistan

Press Conference by the NATO Secretary General following the meeting on Afghanistan in Heads of State and Government Format

(Text-, Videoquelle kursiv: Schwäbische Zeitung.de;
Bildquelle: NATO.int, Official photo of participants at the meeting on Afghanistan, Chicago Summit – 20-21 May 2012)