Archiv für die Kategorie 'Militärgeschichte'

Starfighter – Mit Hightech in den Tod (Video)

Sonntag, 14. April 2013

Bw-Starfighter

Sendetermin: Dienstag, 16. April um 20:15 Uhr bei arte

Als wahrer Politthriller aus den Anfängen der Bonner Republik, als Wirtschaftskrimi rund um einen der größten Rüstungsfabrikanten der Welt und als Melodram über die verzweifelten Anhänger eines Kampfflugzeuges, das Ursache einer unglaublichen Häufung von Unfällen war, erweist sich dieser Dokumentarfilm.

Der Starfighter galt als das modernste Kampfflugzeug seiner Zeit. Doch bekannt wird er vor allem als “Witwenmacher” oder “fliegender Sarg”. Jede dritte der zum Aufbau der westdeutschen Luftwaffe angeschafften Maschinen stürzte ab. Über Hundert Piloten kamen dabei ums Leben. Filmemacher Kai Christiansen schildert die Hintergründe des größten und teuersten Rüstungsprojektes in der Geschichte der Bundesrepublik und gewährt Einblicke in ein Dickicht aus militärischen Geheimnissen, parteipolitischen Ränkespielen, aus Korruption und gezielten Fehlinformationen. Im Mittelpunkt steht der verzweifelte Kampf der Pilotenwitwen um Klärung der Unfallursache und die Hoffnung auf ein Ende der Absturzserie. Der Dokumentarfilm zeigt aber auch die Piloten, die – ungeachtet der Todesfälle – weiter jeden Tag mit glühender Begeisterung in ihre Maschinen gestiegen sind. Denn trotz des offensichtlichen Scheiterns hielten die verantwortlichen Politiker und Militärs am Starfighter fest und verhinderten eine umfassende Aufklärung. In San Francisco klagten die deutschen Pilotenwitwen gegen den amerikanischen Flugzeughersteller Lockheed. Aber als klar wurde, dass die Bundesregierung keinen Einblick in ihre Akten gewähren würde, schloss der amerikanische Staranwalt Melvin Belli einen Vergleich. Insgesamt musste Lockheed den Witwen sechs Millionen Mark bezahlen – so viel wie ein Starfighter kostete.

(Sendehinweis-Text, Video: arte.tv;
Bildquelle: Bundeswehr.de)



“Unsere Mütter, unsere Väter”, eine andere Zeit – der Zweite Weltkrieg (Videos)

Sonntag, 17. März 2013

Wie hättest Du gehandelt?

Über 67 Jahre sind seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges vergan­gen, fast ein Menschenleben. Nicht mehr lange bietet sich die Chance, dass die Kriegsteilnehmer mit ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln in einen Dialog treten können. Der Dreiteiler “Unsere Mütter, unsere Väter” soll Anlass sein, zu fragen und zu hinterfragen, den Dialog zu intensivieren.

Sie heißen Wilhelm und Friedhelm, Charlotte, Greta und Viktor. Sie sind jung und haben den Kopf voller Ideen, voller Pläne. Die Welt liegt ihnen zu Füßen. Doch der Krieg ändert alles.
Der ZDF-Dreiteiler “Unsere Mütter, unsere Väter” zu sehen ab dem 17. März um 20:15 Uhr! Mehr unter umuv.zdf.de

ZDF-Dreiteiler “Unsere Mütter, unsere Väter”. Ausstrahlung am Sonntag, 17., Montag, 18. und Mittwoch 20. März 2013 um jeweils 20.15 Uhr im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF).
Pressestimmen dazu: “Ein Dreiteiler, der unter die Haut geht”, “Wahrhaftig, ergreifend und mifühlend. Ein großes Fernsehereignis”, “Großartiges Ensemble, eindrucksvoll umgesetzt”, “Porträt einer Generation”.

Wie hättest Du gehandelt?

“Unsere Mütter, unsere Väter” geht zu einem Zeitpunkt auf Sendung, da die Letzten jener Generation noch am Leben sind, von deren Jugend er handelt. Die Filme sollen Anlass sein, zu fragen und zu hinterfragen. Wie hättest Du gehandelt? Und ist dieser Krieg immer noch Teil unserer Identität? Sag Deine Meinung und tausch Dich mit anderen Zuschauern aus! Zur ZDF-Dialog und -Spezialseite

[Videoquelle: ZDF.de; UFAFiction.de;
Textauszüge, Bildquelle: ZDF.de, die Freunde: Viktor Goldstein (Ludwig Trepte), Greta (Katharina Schüttler), Wilhelm (Volker Bruch), Friedhelm (Tom Schilling), Charlotte (Miriam Stein)]

Jetpiloten-Ausbildung – Bundeswehrfilm der 1970er Jahre (Video)

Sonntag, 17. Februar 2013

Militärische Strahlenflugzeuge Starfighter, Phantom und Fiat der Luftwaffe der Bundewehr in den 1970er Jahren, ein Ausbildungsfilm für Jetpiloten (Strahlenflugzeugführer) vor Tornado und Eurofighter.

(Videoquelle: Bundeswehr via YouTube;
Bilderquelle: Luftwaffe der Bundeswehr.de,
F-104 G Starfighter und PHANTOM RF-4E in Bauchlage)

Mythos und Wirklichkeit. Die Geschichte des operativen Denkens im deutschen Heer

Freitag, 8. Februar 2013

Mythos und Wirklichkeit. Die Geschichte des operativen Denkens im deutschen Heer von Moltke d. Ä. bis Heusinger
von Gerhard P. Groß

Moltke, Schlieffen, Seeckt, Manstein, Heusinger: Sie stehen beispielhaft für die Entwicklung des operativen Denkens im deutschen Heer von der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts von den deutschen Einigungskriegen über das Zeitalter der Weltkriege bis zum Kalten Krieg, von der Armee Preußens bis zur Bundeswehr. In einem souveränen Überblick, wie es ihn bisher nicht gab, führt der Potsdamer Militärhistoriker Gerhard P. Groß durch Kontinuität und Wandel des operativen Denkens in fünf deutschen Armeen. Er beschränkt sich nicht auf die rein militärische Perspektive, sondern stellt die Vorstellungen und Planungen seiner Protagonisten überzeugend in das politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Umfeld ihrer Zeit. Und er rückt lieb gewordene Mythen der deutschen Generalität und des deutschen Generalstabs in ein neues, kritisches Licht. Ein Buch, das eine große Lücke schließt.

1. Aufl. 2012, 361 Seiten, 29 s/w + 21 farb. Abb., 3 Graf., Festeinband, ISBN: 978-3-506-77554-2, EUR 39.90
zur Bestellseite des Verlages

Soldatenglück.de-Empfehlung:
Mit unverstelltem Blick und militärgeschichtlich analytisch weist der Autor, ein Oberst der Bundeswehr, auf die hausgemachten Defizite der deutschen Kriegsführung bei Nachschub bzw. Logistik (von Moltke bis heute) hin und räumt auf mit Vorstellungen von einer Panzer-Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, sie war eine Pferde-Armee, deren operatives Denken mit “Kästchenkunde”, Generalstabskarte und heutigem Dauer-PowerPoint bis dato auch die Generalstabsausbildung der Einsatzarmee Bundeswehr prägt.

(Text-, Bildgrafikquelle: Ferdinand Schöningh Verlag.de)

Drogen im Krieg: Doping für das Vaterland “Wunderpille” Pervitin (Videos)

Mittwoch, 6. Februar 2013

Eine “Wunderpille” ließ im Zweiten Weltkrieg die deutschen Soldaten stundenlang marschieren. Das Medikament Pervitin (Bild oben) förderte Ausdauer und Konzentration, hob die Stimmung — und trieb viele in die Abhängigkeit; auch nach dem Krieg blieb Pervitin auf dem Markt: es war damals gesellschaftlich voll akzeptiert. Dazu auch der 3sat-Bericht

Dazu auch die Dokumentation: Schlaflos im Krieg – Die pharmazeutische Waffe (Pervitin)

[Videoquellen: ARD.de, Quarks & Co des WDR; via YouTube;
Bildquelle: Dose Pervitin aus dem Zweiten Weltkrieg, gefüllt mit 30 Tabletten für Frontsoldaten. (Foto: Jan Wellen, Lizenz: CC BY-ND 3.0)]



Die Stalingrad-Protokolle (Video)

Freitag, 1. Februar 2013

Sowjetische Augenzeugen berichten aus der Schlacht

Im Dezember 1942 reiste eine Gruppe von Moskauer Historikern nach Stalingrad. Sie wollten die seit Monaten anhaltende Schlacht, die von der Weltöffentlichkeit mit angehaltenem Atem verfolgt wurde, für die Nachwelt festhalten. Im Beisein von Stenographinnen sprachen sie mit Kommandeuren und einfachen Soldaten, mit Kommissaren, Scharfschützen und Sanitäterinnen. Auch Bewohner der Stadt berichteten schon während der Kämpfe von ihren Erlebnissen – offen und hautnah. Diese einzigartigen Gesprächsprotokolle verschaffen einen gänzlich neuen Blick auf die Schlacht,die den Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg markierte. Sie enthüllen das Selbstverständnis und die Motivation der Rotarmisten und ihre Wahrnehmung der deutschen Gegner. Nach dem Krieg gerieten die Stalingrader Protokolle unter Verschluss und verschwanden im Archiv. Siebzig Jahre nach der Schlacht werden sie nun von Jochen Hellbeck in Zusammenarbeit mit Historikern der Russischen Akademie der Wissenschaften präsentiert.

Jochen Hellbeck, geboren 1966 in Bonn, hat in Berlin, Leningrad, Bloomington und New York Geschichte und Slawistik studiert und lehrt an der Rutgers University (USA). Veröffentlichungen u. a.: ›Tagebuch aus Moskau 1931-1939‹ (1996), ›Autobiographische Praktiken in Russland‹ (2004), ›Revolution on My Mind: Writing a Diary underStalin‹ (2006).

Sachbuch, Hardcover, 608 Seiten, gebunden, Preis € (D) 26,00 | € (A) 26,80 | SFR 36,50
ISBN: 978-3-10-030213

Dazu der (Deutschlandfunk) dradio-Beitrag in Text und Audio: “Russische Perspektive der Stalingrader Schlacht”

und das RusslandTV-Video: Stalingrad von beiden Seiten

Das Ende der Schlacht von Stalingrad jährt sich nun zum siebzigsten mal. Zum Jahrestag erscheinen zwei Bücher, die vorwiegend Augenzeugen zu Wort kommen lassen. Russland.TV stellt sie vor und zeigt Originalaufnahmen aus der Schlacht.

(Bildgrafik-, Textquelle: Fischer Verlage.de;
Videoquelle: RusslandTV)

Wertewandel prägt Traditionspflege – Bundeswehrsoldaten und die moralische Dimension ihres Tuns (Videos)

Sonntag, 25. November 2012

Oberst Dr. Winfried Heinemann: Wir wollen Bundeswehrsoldaten, die um die moralische Dimension ihres Tuns wissen

Ist der “Wüstenfuchs” Erwin Rommel ein vorbildlicher Vertreter der deutschen Militärgeschichte? Was kann die Bundeswehr bewahren? Gerade in Zeiten einer sich wandelnden Truppe brauchen Soldaten Vorbilder. “Männer des militärischen Widerstands lassen die moralische Dimension erkennen, die dem Beruf erst Sinn gibt”, meint Oberst Dr. Winfried Heinemann vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt Potsdam.

Brauchen Soldaten Helden als Vorbilder?

Oberst i.G. Dr. Winfried Heinemann: Nein, sie brauchen keine Helden, sondern Menschen aus Fleisch und Blut als Vorbilder.

Genügt Soldaten der aktuelle Auftrag, um den Sinn ihres Dienstes zu sehen?

Oberst Dr. Heinemann: Ein Auftrag ist ein Auftrag und Sinn ist Sinn: Ein Auftrag ist lediglich der Befehl, um etwas Bestimmtes zu erreichen. Der Sinn des Dienstes liegt tiefer: der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und Recht und Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.

Die Bundeswehr hat eine 57-jährige Geschichte. Bietet diese Ära nicht genug Stoff, um eine eigene Tradition zu begründen?

Oberst Dr. Heinemann: Die Geschichte der Bundeswehr – gerade im Kalten Krieg – bietet in der Tat genug Anknüpfungspunkte für eine Tradition. Wenn die Soldaten ihre Vorbilder aber auch in anderen Epochen der deutschen Geschichte suchen, ist das in meinen Augen auch nicht unanständig. Wir können deutsche Geschichte nicht auf die Jahre nach 1945 reduzieren. Aber wir müssen in all diesen Epochen sehr sorgfältig auswählen.

200 Jahre war beispielsweise höchst umstritten, ob man von Clausewitz etwas lernen könne. Heute studieren Generalstabsoffiziere an den Führungsakademien der Bundeswehr wieder “Vom Kriege”. Was hat sich geändert?

Oberst Dr. Heinemann: Es hat sich in den vergangenen 50 Jahren nicht allzu viel geändert, wenn man die wesentliche Aussage Clausewitz’ darin sieht, dass Krieg eine Fortsetzung der Politik ist, das heißt, dass Krieg eine politisch kontrollierte Sache ist. Das ist gute alte deutsche Militärtradition, die zur Zeit des Dritten Reiches in Vergessenheit geraten ist, weil damals Krieg völlig entgrenzt worden ist. Von daher ist die Rückbesinnung auf Clausewitz eine Rückbesinnung auf das Primat der Politik, wie es das Grundgesetz ohnehin vorsieht. Von daher ist das kein schlechter Trend.

Ist Krieg als Fortsetzung der Politik mit speziellen Mitteln auch deswegen nicht mehr verpönt, weil sich die Abschreckungsarmee in eine Interventionsarmee wandelt?

Oberst Dr. Heinemann: Die Bundeswehr ist keine Interventionsarmee und wandelt sich auch nicht in diese Richtung. Sie ist nach wie vor ein Instrument von Politik. Die muss sich heute anderen Bedrohungen stellen als vor 30 Jahren. Deshalb wandelt sich auch der Auftrag für die Bundeswehr. Das ändert aber nichts daran, dass die Bundeswehr letztlich Teil der staatlichen Sicherheitsvorsorge ist.

Reicht der Rückgriff auf die friedensbewahrende Rolle im Kalten Krieg wegen der aktuell völlig anderen Aufgaben nicht mehr aus, um sich als Teil einer Tradition zu sehen?

Oberst Dr. Heinemann: Wir dürfen Tradition nicht auf Vorbilder reduzieren, wenn es auch dazugehört, sie mit Namen zu verknüpfen. Aber die Bereitschaft, sich als Staatsbürger ganz für dieses Land einzubringen, sich auch massiv am Sicherheitsdialog zu beteiligen – wie das die Bundeswehr in den 80er-Jahren getan hat, als dies ein sehr kontroverses Thema war –, ist auch Teil der Tradition. Es ist ebenso Teil der Tradition, dass sich Soldaten in ihren Standorten aktiv am gesellschaftlichen Leben beteiligen. Aber obwohl ich Traditionspflege nicht nur an Namen knüpfen möchte, gibt es Personen gerade aus dieser Zeit, die Vorbildfunktion haben können: Da sind die Väter der Philosophie der inneren Führung: Wolf Graf von Baudissin und Ulrich de Maizière. Da sind die ersten Verteidigungsminister, die die Bundeswehr geprägt haben: Theodor Blank und Franz Josef Strauß. Aber auch andere wie der Generalinspekteur Admiral Armin Zimmermann, der im Dienst starb.

Soldaten wollen sich gerne als Teil einer langen Generationenfolge von Soldaten sehen, denen sie sich verbunden fühlen. Verhindern Hitlers Kriege eine derartige Selbstdefinition?

Oberst Dr. Heinemann: Die Erfahrung der verbrecherischen Kriege, die von Deutschen geführt wurden – es ist nicht Hitler alleine gewesen, der Verbrechen verübte -, macht es sicher schwerer, unbefangen militärische Traditionen zu pflegen. Aber wir haben vor 1933 und vor 1914 vorzeigbare Elemente in der deutschen Militärgeschichte, an die wir anknüpfen können. Nehmen wir etwa Clausewitz, Scharnhorst und die anderen preußischen Reformer: Natürlich waren sie keine Anhänger der parlamentarischen Demokratie. Trotzdem waren sie in ihrer Zeit vorbildlich. Darauf können sich auch heutige Soldaten beziehen.

Ist es nicht willkürlich, sich ausschließlich in der Tradition der Widerstandskämpfer in Uniform zu sehen?

Oberst Dr. Heinemann: Das tut die Bundeswehr schon seit 1955, ganz bewusst – aber dennoch ist es nicht willkürlich. Denn die Bundeswehrführung ist sich in all den Jahren bewusst gewesen, dass man mehr braucht als nur den konkreten Auftrag, nämlich einen konkreten Sinn. Das heißt, dass man in seinem Beruf auch eine moralische Dimension erkennen können muss. Und dafür stehen Männer wie Stauffenberg und Hans Scholl, der auch Soldat war. Das sind geeignete Vorbilder für die Bundeswehr.

Andere Namen sind umstritten: Kasernen dürfen seit 2005 nicht mehr nach dem hochdekorierten Jagdflieger Mölders benannt werden. Welche Kriterien müssen Vorbilder für die Bundeswehr erfüllen?

Oberst Dr. Heinemann: Zwar müssen Soldaten auch aus ihrer Zeit heraus begriffen werden. Dennoch darf man nicht übersehen, dass Soldaten, die im Dritten Reich gedient haben, ihr Engagement, ihre taktisch-operativen Fähigkeiten und ihre Tapferkeit in den Dienst einer verbrecherischen Sache gestellt haben. Und das entwertet ein Stück weit die Vorbildfunktion solchen Handelns. Wir wollen keine Soldaten, die sich bedingungslos jedem denkbaren Auftrag zur Verfügung stellen. Wir wollen Soldaten, die wissen, dass ihr Handeln moralisch rückgebunden ist. Deshalb können Soldaten, die sich unmoralischen Aufträgen bedingungslos zur Verfügung gestellt haben, keine Vorbilder für Soldaten der Bundeswehr sein.

Die Grenze zwischen Schwarz und Weiß verläuft oft fließend. Über Erwins Rommels Nähe oder Distanz zum Nationalsozialismus wird derzeit diskutiert. Welchen Sinn macht Traditionspflege, die von neuen Historikerfunden ad absurdum geführt werden kann?

Oberst Dr. Heinemann: Traditionspflege wird heute nicht durch Aktenfunde von Historikern ausgehebelt. Sie haben das Beispiel Mölders genannt: Wir wissen über Mölders heute nicht wesentlich mehr als 1973, als Bundespräsident Heinemann zugestimmt hat, das Jagdgeschwader 74 nach Mölders zu benennen. Was sich verschoben hat, sind die Werte. Wir leben in einer Welt des schnellen Wertewandels – und Tradition ist wertebezogen. Dazu müssen wir stehen. Dinge werden heute anders bewertet als noch vor Jahrzehnten. So wurde 2005 entschieden, dass ein Mitglied der Legion Condor nicht als Namensgeber für die Bundeswehr taugt. In Sachen Rommel nehme ich eine eigene Position ein: Natürlich ist der “Wüstenfuchs” auch eine Propandagestalt gewesen. Würde sich seine Rolle darin erschöpfen, wäre ich auch der Meinung, dass Rommel kein Traditionsträger für die Bundeswehr sein kann. Aber Rommel war jemand, der am Ende seiner Karriere und seines Lebens begriffen hat, dass sein hoher Rang als Generalfeldmarschall von ihm verlangt, jetzt tätig zu werden und den Krieg im Westen zu beenden. Dafür traf er konkrete Vorbereitungen. Grund genug für Hitler, Rommel zum Selbstmord zu zwingen. Das, finde ich, macht ihn schon traditionswürdig. Aber bei Rommel kann man natürlich auch mit Fug und Recht anderer Auffassung sein. Das ist aber entscheidend: Soldaten diskutieren letztlich den Wertebezug ihres Berufes, wenn sie analysieren, ob ein so ambivalenter Offizier zum Vorbild taugt.

Inwieweit prägen Traditionen auch die Strategie?

Oberst Dr. Heinemann: Das Auftragswesen als Führungsprinzip ist selbstverständlich deutsche Militärtradition. Die Weiterentwicklung der Bundeswehr zu einer Armee im Einsatz hat auch auf dieses Führungsprinzip Auswirkungen, steht zum Teil auch im Spannungsverhältnis dazu. Aber das ist mehr als Tradition, weil dieses Prinzip auch einen Wertebezug hat: Es nimmt den unterstellten Soldaten als Person ernst und ermöglicht ihm eigenständige Entscheidungen. Gleichwohl ist es auch einfach ein Element militärischer Führung, weil es letztlich bei einem unübersichtlichen Gefechtsgeschehen zweckmäßig und sinnvoll ist.

Angelsächsische Historiker vergleichen die Kampfkraft der Wehrmacht mit anderen Armeen und loben diese – wobei sie dabei deren Rolle im Vernichtungskrieg ausklammern. Vermissen Bundeswehrsoldaten die Unbefangenheit in der Traditionspflege?

Oberst Dr. Heinemann: Mag sein, dass sie diese Unbefangenheit vermissen. Wir können aber mit der deutschen Militärgeschichte nicht so unbefangen umgehen wie andere Nationen. Wir müssen sehr kritisch hinterfragen, was wir als positiv besetzt aus der deutschen Militärgeschichte auswählen.

Das Interview führte Joachim Zießler

(Textquelle: Landeszeitung Lüneburg.de;
Bilderquelle: Bundeswehr.de, Sicherungssoldat vor einem Konvoi, während der Aufstellung eines Roadblocks im Einsatzland Afghanistan in der Nähe von Mazar-e Sharif
Videoquelle: via YouTube)

Dazu auch: Graf Nayhauß bloggt über Rommel – Herausgeber der Edition Lingen Stiftung zur Faszination des “Wüstenfuchses”
Mainhardt Graf von Nayhauß, seit einem Jahr Herausgeber der politischen Edition Lingen Stiftung, erklärt in seinem neusten Blog, warum Feldmarschall Rommel besonders bei den Soldaten beliebt war. Nayhauß zitiert dafür aus den Memoiren des ehemaligen Regierungssprechers unter Brandt, Rüdiger von Wechmar, der als 19-jähriger Soldat im Afrika-Korps zwei Mal dem “Wüstenfuchs” begegnete und ein Schulfreund von Nayhauß wa. Der Blog-Artikel: Rummel um Rommel mit Kommentar: “Früher wurde von vorne gerommelt, heute wird von hinten gefunkt.”

Hintergrundinformationen: Militärgeschichtliches Forschungsamt (MGFA) der Bundeswehr; Standortübungsplatz München Drehort des ARD-Films “Rommel”; Erwin Rommel – Bitte mehr Sachlichkeit!; Für Deutschland

Dazu die Videos von ARD/SWR Fernsehfilm: “Rommel”

und vom ZDF “Hitlers Krieger : Erwin Rommel”

Roms erste Garnison auf deutschem Boden lag bei Trier

Sonntag, 26. August 2012

ARCHÄOLOGIE

Reste der vermutlich ältesten römischen Garnison auf deutschem Boden entdeckte die Mainzer Archäologin Sabine Hornung kürzlich bei Hermeskeil, südlich von Trier. Das Magazin GEO berichtet in seiner September-Ausgabe, dass das 18,2 Hektar große Römerlager wohl bereits in der Endphase des Gallischen Krieges, also zwischen 53 und 51 v. Chr., von Truppen Julius Cäsars errichtet wurde. Damals siedelten im Gebiet die Treverer, ein keltischer Stamm, von dem um 53 vor der Zeitenwende ein vergeblicher Aufstand gegen die römischen Besatzungstruppen ausgegangen war.

Der römische Lagerplatz selbst war der archäologischen Forschung bereits bekannt, im Dunkeln lag allerdings seine Datierung. Hornung löste das Problem nun mit eher ungewöhnlichen Hilfsmitteln: Schuhnägeln. Denn zwischen den ausgegrabenen Pflastersteinen eines ursprünglichen Torweges fand die Archäologin der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität rund 70 abgebrochene Schuhnägel, die Cäsars Legionären offenbar aus den Sandalen gefallen waren. Größe und Bearbeitung ähnelten jenen aus anderen Lagern, die in die Jahre 52/51 vor der Zeitenwende datieren, und seien typisch für die spätrepublikanische Periode, schreibt die Wissenschaftlerin. Aus derselben Periode stammen auch Keramikscherben, die in der Anlage gefunden wurden.

“So weit nordöstlich hätten wir zu dieser Zeit ein römisches Militärlager nicht erwartet”, betonte die Archäologin gegenüber GEO. Es sei damit das erste in Deutschland nachgewiesene Fort der cäsarischen Invasionstruppen.

(Textquelle: GEO.de;
Bildquelle: Asterix)

Churchills größtes Spiel (Video)

Freitag, 6. Juli 2012

Winston Churchill gilt als Galionsfigur Großbritanniens. Er ist bekannt als der Mann, der seine Nation durch den Zweiten Weltkrieg geführt hat, und als ein Held, der für die Befreiung Europas steht. Doch war Churchill wirklich dieser strahlende Retter? Der britische Premierminister hat hoch gepokert und dabei das Versprechen gebrochen, für das sein Land in den Krieg gezogen ist: die Rettung Polens.

“Ich habe nichts anzubieten außer Blut, Mühe, Tränen und Schweiß”, verkündet Winston Churchill am 10. Mai 1940, dem Tag, an dem die Deutschen über Frankreich herfallen. Und es gelingt ihm mit seiner mitreißenden Rede, die englische Nation auf seine Seite zu ziehen. Churchill wird zur Ikone des Kampfes gegen Nazi-Deutschland. Doch nicht nur gegen Hitler muss Churchill bestehen. Im Kampf um ein freies Europa gibt es noch weitere Akteure, vor allem Josef Dschugaschwili aus Moskau, besser bekannt als Stalin, und Franklin D. Roosevelt, der Präsident der USA. Churchill wird gezwungen, in den Machtpoker um Europa einzusteigen.

Am Ende muss man in Winston Churchill einen tragischen Helden erkennen, einen Mann, der nicht nur angetreten ist, um sein Land zu retten, sondern auch, um seinem Bündnispartner Polen zur Seite zu stehen. Doch am Ende muss er resignieren, und sein Amt als Premierminister übernimmt in der Stunde des größten Triumphes ein anderer, nämlich Clement Attlee, der Churchill noch während der Potsdamer Konferenz im Juli 1945 als Premierminister folgt.

(Deutschland, 2012, 94mn) ZDF

(Videoquelle: arte.tv, 7 Tage sichtbar)

Militärmusik beim Ba-Wü-Landestreffen der historischen Bürgerwehren und Stadtgarden (Video)

Sonntag, 1. Juli 2012

60 Jahre Baden-Württemberg
Landestreffen des Landesverbandes historischer Bürgerwehren und Stadtgarden Württemberg und Hohenzollern

Musikalischer Appell in Ehingen an der Donau für einen guten Zweck

Aus besonderem Anlass des 60-jährigen Bestehens des Landes Baden-Württemberg und im Rahmen des Landestreffens (29.06.-01.07.2012) des Landesverbandes historischen Bürgerwehren und Stadtgarden Württemberg und Hohenzollern sind in Ehingen (Donau) 28 historische Bürgergarden und sieben Musikkapellen und zahlreiche Festwagen und einige Fußgruppen bei dem heutigen (01. Juli 2012) Großen Festzug durch die Stadt unter dem Motto: “Ehingen und die Garden und Wehren, Tradition und Brauchtum erhalten für die Zukunft” dabei.
Das 12:41 Video zeigt Aufnahmen vom Freitag, 29. Juni 2012, u.a. das Heeresmusikkorps 10 aus Ulm und das Schwedisches Musikkorps des Territorial-Heeres aus Bohus-Dal bei Göteborg sowie die Historische Bürgerwache/Musikzug Ehingen.
Der Reinerlös dieses Tages geht für einen guten Zweck an das Bundeswehr-Sozialwerk.

(Videoquelle: via YouTube, Dank an Josef A. Duffner aus Ehingen für die Aufnahmen und die Bearbeitung)

Hintergrundinformationen: Landestreffen des Landesverbandes historischer Bürgerwehren und Stadtgarden Württemberg und Hohenzollern. Wir feiern in die Zukunft rein – 60 Jahre Baden-Württemberg

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