Archiv für die Kategorie 'Militärgeschichte'

Ostfront und Berlin zwischen 1941 bis 1946, ZDF sucht weibliche Zeitzeugen und Amateurfilmaufnahmen

Freitag, 3. Februar 2012

Doku soll Zeit zwischen 1941 bis 1946 an der Ostfront und in Berlin zeigen

Für eine mehrteilige Dokumentation zum Zweiten Weltkrieg und die Erfahrungen der damals Anfang 20-Jährigen sucht die ZDF-Redaktion Zeitgeschichte Frauen, die den Kriegsalltag in Berlin oder in einem Frontlazarett miterlebt haben. Zeitzeugen werden gebeten, sich beim ZDF zu melden.

Gesucht werden außerdem Amateurfilmaufnahmen aus den Jahren 1941 bis 1946, die das Geschehen an der Ostfront und in der Heimat ungefiltert jenseits der offiziellen Propagandabilder zeigen. Hinweise auf Originalfilme aus jener Zeit nimmt die Redaktion gerne entgegen. Im Gegenzug kann eine DVD-Kopie des Filmmaterials erstellt werden. Eine spätere Verwendung in den Dokumentationen wird honoriert.

Die ZDF-Kontaktadressen:
Per E-Mail: ostfront@zdf.de
Per Post: ZDF, Redaktion Zeitgeschichte, Kennwort: “Ostfront”, 55100 Mainz



Otto von Bismarcks Stimme im 21. Jahrhundert angekommen (Audio-Video)

Mittwoch, 1. Februar 2012

Der Reichskanzler und Fürst Otto von Bismarck lebte vom 01. April 1815 bis 30. Juli 1898. 114 Jahre nach seinem Ableben meldet sich seine Stimme von der Ostküste der USA aus dem Edison-Archiv im Bundesstaat New Jersey. Das Tondokument ist einmalig, vor 123 Jahren entstand die Aufnahme auf einer Wachswalze. Die aufgezeichnte Stimme ist nach mittlerweile über einem Jahrhundert von keiner guten Qualität mehr, Nebengeräusche der rotierenden Walze sind präsenter als die aufgezeichnete Bismarck-Stimme, dennoch ist die Entdeckung bzw. technische Wiederherstellung des Audio-Vermächtnisses nicht nur für Bismarck-Anhänger ein zeithistorsischer Erfolg dn interessantes Dokument.

Im Jahr 1889 hatte Fürst Bismarck in Friedrichsruh bei Hamburg am 07. Oktober Besuch von einem Amerikaner mit deutschen Wurzeln, der als Mitarbeiter von Thomas Alvin Edison kam, dem technischen Erfinder, dem wir auch die Glühbirne verdanken, der Besucher führte dem 74-jährigen den Edison-Phonograph als Vorgänger aller Audio-Aufzeichnungsgeräte praktisch vor und Bismarck im Alter von 74 war dem Neumodischen gegenüber offen und machte mit Freude mit. Mehrsprachig unter anderem die französiche “Hymne Marseillaise” rezitierte und das Studentenlied ”Gaudeamus igitur” schmetterte Otto von Bismarck in die neumodische Apparatur, was uns noch heute im Jahr 2012 seine Stimme hören lässt.

(historisches Bild: Otto von Bismarck als Ministerpräsident von Preußen;
Videoquelle: via YouTube, Sensation, die Stimme des “Eisernen Kanzlers” Bismarcks. Tonaufnahme: Friedrichsruh am 07. Oktober 1889)

Hintergrundinformationen: Otto-Bismarck-Stifung.de in Friedrichsruh und Schönhausen

300 Jahre Friedrich der Große – Der schwule Fritz (Video)

Dienstag, 24. Januar 2012

“Genialer Feldherr, toleranter Fürst, Philosoph auf dem Thron: Friedrich II. avancierte in den vergangenen drei Jahrhunderten zum gut ausgeleuchteten deutschen Vorbild. Am nächsten stand dem Preußenkönig sein Kammerdiener Fredersdorf. Ihm vertraute Friedrich blind bei Geld, Spionen und Hämorrhoidenleiden. Der erhaltene Briefwechsel zwischen König und Diener zeigt den Alten Fritz ohne Legende – dafür voller Liebe”, schreibt Oliver Das Gupta bei Süddeutsche.de:
Zum vollständigen Artikel 300 Jahre Friedrich der Große – Der schwule Fritz mit Comic-Bildern aus Fritzens Leben.

Dazu das Video: Flötenkonzert e-Moll -Allegro ma non tanto, Ensemble Sans-Souci Berlin

[Textauszug: Süddeutsche.de;
Bilder: Flötenkonzert Friedrichs des Großen zu Sanssouci von Adolph Menzel, 1850/52;
Friedrich II. (der Große), König von Preußen, im Jahr 1781 im Alter von 68 Jahren; Ölbild von Anton Graff (1736–1813);
Videoquelle: via YouTube]

Hintergrundinformationen: Friedrich300.eu

Der Alte Fritz (Video)

Dienstag, 24. Januar 2012

Der Sohn des Soldatenkönigs

Slideshow über Friedrich II., auch Friedrich der Große oder der Alte Fritz genannt, Sohn von Friedrich Wilhelm I., dem Soldatenkönig. Musik: Präsentiermarsch des Leib-Kürassier-Regiments “Großer Kurfürst” (schlesisches) Nr. 1 von Cuno Graf von Moltke (1896).

(Videoquelle: Military Music, YouTube-Kanal von Winnie9212;
Bildquelle: Militärgeschichtliche Forschungsamt, MGFA.de, der Bundeswehr, Schloß Sanssouci in der Residenzstadt Potsdam)

300 Jahre Friedrich der Große, der mehr als Geschichte ist (Video)

Dienstag, 24. Januar 2012

Friedrich der Große ist mehr als Geschichte

Mit der Geschichte des eigenen Volks ist es wie mit der Familie: Man kann sie sich nicht aussuchen; man muss sie nehmen, wie sie ist. Im Guten wie im Bösen. Selbst nach Jahrhunderten. Der Preußenkönig Friedrich II., im 19. Jahrhundert zum Großen befördert, ist ein schönes Beispiel dafür. Ein Monarch mit zwei Gesichtern. Als Philosoph eine Ausnahmeerscheinung schon zu Lebzeiten, der der Aufklärung, also den Prinzipien von Vernunft, Toleranz, Freiheit und Gerechtigkeit nicht nur das Wort redete. Er setzte sie – freilich in Grenzen – als erster Herrscher in Europa auch durch. Pflichterfüllung als preußisches Führungsprinzip kam hinzu und gipfelte im Anspruch des “Alten Fritz”, erster Diener seines Staates zu sein. Es gibt aber auch den anderen Friedrich; den ziemlich skrupellosen Machtpolitiker. Ein Feldherr und Schlachtenlenker, der weder Risiken scheute noch Menschenleben schonte, um aus dem Flickenteppich Preußen in den drei Schlesischen Kriegen eine europäische Großmacht neben Frankreich, Russland, Österreich und England zu formen. Diese Sucht nach Macht und Ruhm gehört ebenso zu Fridericus Rex und drückt die Ambivalenz im Charakter des bedeutendsten Königs Preußens aus, der uns bis heute wie kein anderer fasziniert. Heute vor 300 Jahren erblickte er in Berlin das Licht der Welt. Über die Zeitläufe standen mal seine reformerischen Tugenden, mal seine kriegerischen Ambitionen im Zentrum der Betrachtungen. Weder das eine noch das andere für sich genommen wird ihm gerecht. Die verkrampften Urteile über den Monarchen schwanden denn auch noch während der Teilung Deutschlands, als die SED-Führung den lange Jahre verunglimpften Friedrich am Forum Fridericianum Unter den Linden wieder auf den Sockel hob. Seitdem ist er anerkanntes, zumindest respektiertes gesamtdeutschen Erbe. Keiner, der im Herzen Berlins oder in Potsdams Schlössern und Gärten auf den Spuren des heutigen Geburtstagskönigs wandelt, kann sich der Faszination entziehen, die mit seiner Person und Geschichte verbunden ist. Zugleich sind es die von ihm vorgelebten Werte, die in unserer hedonistisch geprägten Welt eine Renaissance erleben. Pflichterfüllung, Bescheidenheit im Amt, dem Staate, was des Staates ist (aber auch nicht mehr), Toleranz – das sind Prinzipien, nach denen wieder Sehnsucht herrscht in der Gesellschaft. Zu Recht. Es ist kein Zufall, dass vielleicht etwas langweilige, aber verlässliche, pflichtbewusste Politiker wie Thomas de Maizière oder Angela Merkel mit den preußischen Tugenden in Verbindung gebracht werden und deshalb mehr Respekt und Vertrauen genießen als andere. Auch unserem Staatsoberhaupt sei empfohlen, sich ein bisschen mehr für den König zu interessieren, in dessen Bruders Haus er residiert. Nur ein Drittel der Deutschen weiß noch, dass Friedrich der Große ein preußischer König war. Das wird sich am Ende dieses Jahres mit den Ausstellungen, Schauen und Lesungen ihm zu Ehren hoffentlich ändern. Wir haben in unserer Geschichte nicht so viele Könige, Kanzler oder Präsidenten, von denen wir auch heute noch etwas lernen können. (Zitatende)

Kommentiert die BERLINER MORGENPOST des Axel-Springer-Verlages.

300 Jahre Friedrich der Große

Ein Hohenzoller in der Kutsche! Aber niemand schaut hin. Als im Sommer Georg Friedrich, der Chef der Dynastie, seine Prinzessin Sophie heiratete, nahm die Republik davon keine Notiz. Jetzt würde ein kleiner, gebeugter Herr mit Hut und Gehhilfe 300 Jahre alt – und die Republik feiert. Nein, tut sie nicht. Da müssen erst die Windsors kommen . . . Berlin ruft »Vivat, Fritz!«, kleine Ortschaften, in denen noch ein pensionierter Oberstudienrat lebt, der diesen Friedrich vom gleichnamigen Hohenstaufen unterscheiden kann, bestücken ein Regal mit vergilbten Altertümern und dörflichen Devotionalien, der Rest ist Schweigen. Dabei lässt sich über den Alten Fritz noch viel sagen, der Aufklärer auf dem Thron ist überraschend wenig erforscht. Tatsächlich hat sich Friedrich als Greis mit Knotenstock und Dreispitz in die napoleonische Ära verabschiedet und ist im Wilhelminismus als gesamtdeutsche Lichtgestalt wieder aufgetaucht. Das Haus Hohenzollern brauchte ihn, um in protodemokratisch unruhigen Zeiten die eigene Existenz zu rechtfertigen, die Bürger schätzten ihn als hochwohlgeborenen Bruder im aufgeklärten Geiste, und der Arbeiter, der mit Macht zum Bürger aufschloss, übernahm bereitwillig dessen großes Vorbild. 150 Jahre lang hätten die Deutschen irre werden können an den gewaltigen Veränderungen ideengeschichtlicher, wirtschaftlicher, globalpolitischer Art, aber Friedrich gab ihnen Halt. Passé. »Aus der preußischen Flasche kommt kein friderizianischer, bismarckscher oder wilhelminischer Geist mehr«, bemerkt Adam Krzeminski, und aus den Worten des polnischen Historikers hört man die Erleichterung heraus. Wir aber, die dasselbe denken, nehmen den Satz gleichmütig hin: Was hätte Friedrich uns noch zu sagen? Wir werden doch alle nach unserer Façon selig. Aber ob das stimmt? Und ob das alles sein kann? Dass Friedrich seinen 300. Geburtstag in relativer Stille begeht, stimmt ein wenig melancholisch. Auch deswegen, weil es so viele seines Formats ja nicht gibt, den die Deutschen feiern dürften. Karl der Große fällt uns ein, aber der war zur anderen Hälfte Franzose – er könnte zur Identifikationsfigur für jene Zukunft taugen, die sich aus Merkozy ergeben mag. Heinrich I., der Herr am Vogelherd? Vorbei, verweht. Luther! Ja, der Erschaffer der modernen deutschen Sprache wäre ein schöner Jubilar, und so sicher würdig des Gedenkens, dass die Protestanten wild entschlossen in einen fünfjährigen Ehrungsmarathon gehen. Der wird sie bis 2017 über holperiges Gelände führen, denn die katholische Seite hat verkündet, dass Deutschlands rechtgläubige Hälfte nur mitfeiert, falls die Ökumene geklärt ist. Mit Luther wird das also auch nichts. Es bleibt uns Deutschen nur 1989: die nationale Einheit. Und Friedrich: Der Zweite (für die Kritischen), der Große (für die Wissenden), der Einzige (für die Ehrfürchtigen). Mehr geht nicht. (Zitatende)

Komentiert das “Westfalen-Blatt” aus Bielefeld.
Dazu das Video: FRIEDRICH DER GROSSE – EINE REISE ZU DEN ORTEN SEINES LEBENS

Zum 300. Geburtstag Friedrich des Großen sind etliche neue Bücher über den Preußenkönig erschienen. Das Sachbuch von Bernd Ingmar Gutberlet konzentriert sich auf die Orte, die für das Leben und Wirken von Friedrich II. wichtig waren.

[Textquellen kursiv: Berliner Morgenpost.de, Westfalen-Blatt.de;
Bildquelle: Friedrich II. (der Große), König von Preußen, im Jahr 1781 im Alter von 68 Jahren; Ölbild von Anton Graff (1736–1813);
Videoquelle: lettra.tv via YouTube]



Friedrich der Große litt an Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS)

Freitag, 13. Januar 2012

“Mein Leben ist seit meiner Jugend eine Kette von Leiden. Selbst mitten in den Freuden, die ich genieße, taucht das Bild meines Vaters auf, um sie zu vermindern”

“Friedrich litt an Depressionen”: Psychologen analysieren in P.M. HISTORY erstmals Friedrich den Großen

Zum 300. Geburtstag von Friedrich des Großen widmet sich die Februar-Ausgabe des Geschichtsmagazins P.M. HISTORY (Heft 2/2012 ab heute im Handel) mit einem großen Sonderteil Leben und Zeit des Alten Fritz. Erstmals wird der von seinem Vater schwer misshandelte Preußenkönig von namhaften Psychologen analysiert. Die Berliner Diplom-Psychologin Konstanze Münstermann kommt nach Studium der Krankenakte des legendären Herrschers zu dem Schluss, dass “Friedrich schwer erkrankt war. Er wurde gedemütigt, geschlagen, brutal in seiner Würde verletzt. Er entwickelte eine posttraumatische Belastungsstörung. Daraus hat sich eine Depression entwickelt…” Dass er dennoch ein ganz besonderer König wurde habe er der “Gegenfront” von Schwester und Mutter zu verdanken. Er sei in Bewältigung seiner Störungen durch seine literarisch-musische Begabung “bis auf seine Beziehungsstörung gut herausgekommen”. Münstermann analysiert außerdem, warum Schlachten für Friedrich II. therapeutische Wirkung hatten und schlägt ein Coaching vor. (Zitatende)

Soldatenglück.de berichtete über die arte-Dokumentation: Friedrich - Ein deutscher König (Video).

(Textquelle: G+J P.M. Magazin.de, Bildquelle: Friedrich II. (der Große), König von Preußen, im Jahr 1781 im Alter von 68 Jahren; Ölbild von Anton Graff (1736–1813)]

Hintergrundinformationen: Friedrich der Große - Am 24. Januar 2012 wäre Friedrich der Große 300 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass widmet ARTE dem Preußenkönig einen Schwerpunkt bei arte.tv

Friedrich – Ein deutscher König (Video)

Sonntag, 8. Januar 2012

Verehrt und verteufelt: Friedrich II., König von Preußen. Dieses Doku-Drama der besonderen Art zeichnet sein Leben nach.

Kunersdorf an der Oder: Im Jahr 1763, kurz nach Ende des Siebenjährigen Krieges, macht Friedrich II. auf dem Rückweg nach Berlin an genau jenem Schlachtfeld Halt, auf dem seiner Armee wenige Jahre zuvor der Untergang drohte. Der “Große König” konnte die Katastrophe allen Rückschlägen zum Trotz abwenden. Doch die Jahre währenden Kriege haben aus dem einst strahlenden Preußenherrscher einen lebensmüden Misanthropen gemacht. Gezeichnet von den Schlachten, die er selbst anzettelte und die ihn einsam machten, blickt er auf sein außergewöhnliches Leben zurück.

In einem von Militarismus, Tugend und Disziplin beherrschten Mikrokosmos wächst der junge Friedrich auf. Bestrebt aus dem Sohn einen gehorsamen Blaurock zu formen, unterlässt Friedrich Wilhelm I. keinen Versuch, den Willen des Kronprinzen zu brechen. Friedrich sucht sich Weltfluchten in Musik und Literatur, um dem Drill zu entgehen. Die fortwährenden Demütigungen, die auch Königin Sophie Dorothea und Friedrichs Schwester Wilhelmine nicht mildern können, kulminieren in einem missglückten Fluchtversuch Friedrichs – seinerzeit Hochverrat und nach dem ursprünglichen Verdikt des Vaters mit der Todesstrafe zu ahnden. Die Strafe fällt noch grausamer aus: Friedrich wird gezwungen, den Tod seines Freundes und Mitverschwörers Hans Hermann von Katte mitanzusehen.

Die Hinrichtung des engsten Vertrauten wird zum einschneidenden Erlebnis im Leben des Thronfolgers. Aus dem beinahe linkischen, Flöte spielenden Schöngeist wird im Lauf der Jahre ein Meister der Verstellung, der sich scheinbar den herrschenden Verhältnissen anpasst. So geht Friedrich gegen seinen eigentlichen Willen die Heirat mit Elisabeth Christine ein, um dies zu seinem eigenen Vorteil zu nutzen.

Auch nach dem Tod des Vaters behält Friedrich, nun selbst König, seine Janusköpfigkeit. Einerseits ist er darauf bedacht, die gesellschaftlichen Restriktionen seines Vorgängers zu lockern und “jeden nach seiner Fasson” glücklich werden zu lassen, andrerseits schlägt der neue Preußenkönig keine Gelegenheit aus, seine Macht zu vergrößern. Das benachbarte Schlesien wird 1740 das erste Opfer einer fast unstillbaren Ruhmessucht.

[Textauszüge, Videoquelle: arte.tv;
Bildquelle: Friedrich II. (der Große), König von Preußen, im Jahr 1781 im Alter von 68 Jahren; Ölbild von Anton Graff (1736–1813)]

Hintergrundinformationen: Friedrich der Große - Am 24. Januar 2012 wäre Friedrich der Große 300 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass widmet ARTE dem Preußenkönig einen Schwerpunkt bei arte.tv

Dreißigjährige Krieg (1618-1648) – Wie kam der Westfälische Frieden zustande?

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) hatte verheerende Folgen für die Bevölkerung. Der Konflikt um die Vorherrschaft in Europa und die Religion endete mit dem fünf Jahre dauernden Westfälischen Friedenskongress. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang erschloss die “Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte” e.V. in Bonn die über ganz Europa verstreuten Dokumente und ermöglichte damit einzigartige Einblicke in die Vorbereitung des Westfälischen Friedens. Ende des Jahres läuft die Förderung für dieses Langzeitprojekt aus. Die beteiligten Historiker wollen die Friedensforschung nun in allgemeiner Form weiterführen.

Vor dem Friedensschluss tagten Hunderte Gesandte der Kriegsparteien fünf Jahre lang in Münster und Osnabrück. “Einen solchen Kongress hatte es in der Neuzeit zuvor nicht gegeben”, sagt Dr. Dr. Guido Braun vom Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bonn. “Der Westfälische Kongress ist ein Lehrstück für Friedensverhandlungen.” Seit 1957 werden die über ganz Europa verstreuten Dokumente zum Westfälischen Friedenskongress von der “Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte” e.V. in der Arbeitsstelle der Universität Bonn an der Argelanderstraße 59 gesammelt und aufbereitet.

54 Jahre erfolgreiche Forschung zu den “Acta Pacis Westphalicae”

Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und Künste förderte ab Ende der 1970er Jahre das Projekt zur “Acta Pacis Westphalicae”, das Ende 2011 nach 54 Jahren erfolgreicher Forschung ausläuft. Professor Dr. Dr. h.c. Konrad Repgen hat das Vorhaben konzipiert und bis Ende 2002 als Herausgeber betreut. Anfang 2003 übernahm Professor Dr. Maximilian Lanzinner die Leitung der Arbeitsstelle. “Dieses wichtige Langzeitprojekt zur Erschließung der Akten hat der Fachwelt überhaupt erst den Zugang zu den Quellen ermöglicht”, sagt Professor Lanzinner. “Die Wissenschaft wird noch lange von den Ergebnissen profitieren.”

Die 41 beteiligten Historiker trugen auf ihren Archivreisen im In- und Ausland Material aus insgesamt 157 Bibliotheken und Archiven in ganz Europa zusammen und prüften die Dokumente. 1962 erschien der erste Band der “Acta Pacis Westphalicae”, einer kritischen Edition zu den Akten des Westfälischen Friedenskongresses. Inzwischen liegen 45 Bände mit fast 32.000 Seiten vor. “Die Originalüberlieferungen der Quellentexte sind nun in den Bänden nachzulesen und durch detaillierte Kommentare erschlossen”, sagt Dr. Maria-Elisabeth Brunert, Geschäftsführerin der Arbeitsstelle der “Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte”.

Berittene Boten waren mit den Depeschen monatelang unterwegs

Die Dokumente geben Einblicke, warum sich die Friedensverhandlungen über fünf Jahren hinzogen. “Für die damaligen Verhältnisse war das nicht so ungewöhnlich”, stellt Dr. Braun fest, der im Rahmen seiner Promotion selbst zwei Bände der Editionsausgabe bearbeitete. “Es mussten erst Verfahrensformen und diplomatische Instrumente für die Konferenzen erarbeitet werden.” Ein weiterer Grund waren die damaligen Kommunikationsmittel. Die Gesandten standen mittels berittener Boten mit ihren Herrschern in Kontakt. “Ein Brief zum spanischen König hin und zurück brauchte inklusive Beratungen etwa zwei bis drei Monate”, berichtet der Historiker. Außerdem klagten die Gesandten über schlechte Unterkünfte und widrige Umstände in den auf einen solchen Verhandlungsmarathon zunächst nicht vorbereiteten Städten. Münster hatte damals nur etwa 10.500 Einwohner, Osnabrück deutlich weniger.

Durch die Erschließung der Dokumente zum Westfälischen Frieden hat sich das Bild der Historiker vom Kongress gewandelt. “Im Gegensatz zu früheren Meinungen zeigte sich, dass die Delegierten trotz der Länge des Kongresses sehr rasch und zielgerichtet verhandelten”, berichtet Professor Lanzinner. Auch die Mär von der Ohnmacht des Reiches bestätigte sich nach Durchsicht der Akten nicht – gleichberechtigte Partner verhandelten auf Augenhöhe. “Das jahrelange Ringen um Frieden lohnte sich: Das Ergebnis des Kongresses sorgte immerhin rund 150 Jahre für stabile politische Verhältnisse in Europa”, sagt der Historiker.

Die Akten werden nun digitalisiert

Bis Ende 2012 sollen die Akten der Edition mithilfe der Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft in Kooperation mit der Bayerischen Staatsbibliothek vollständig digitalisiert werden. “Die Nutzung dieses Fundus wird dann noch einfacher, weil die Volltextsuche möglich ist”, sagt Dr. Brunert. “Mit einem einzigen Mausklick kann man dann zum Beispiel sehen, welche Akten zu einem bestimmten Tag vorliegen – unser Geschichtsbild wird dadurch noch umfassender.” Der Westfälische Friedenskongress ist auch ein guter Ansatz, um aus der Geschichte für die Gegenwart zu lernen. “Allerdings lassen sich die Verhältnisse aus dem 17. Jahrhundert nicht so einfach auf moderne Kriege übertragen”, sagt Professor Lanzinner.

Bislang förderte die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften das Projekt im Schnitt mit rund 350.000 Euro jährlich. Ende 2011 läuft diese Förderung aus. Die “Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte” e.V. beschloss ihre Auflösung. “Wir haben einen Grundstock geliefert, es gibt aber noch viel zu tun”, sagt Professor Lanzinner. “Wir suchen nun nach Wegen, dieses erfolgreiche Projekt im Sinn einer allgemeinen historischen Friedensforschung zum 15. bis 19. Jahrhundert weiterzuführen”, sagt der Bonner Historiker.

[Textquelle: Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bonn;
Bildquellen: Historsch Bilder oben: Stadt Münster.Friede.de, Callot "Pluenderung eines Dorfes", Allegorie auf Hugo Grotius und den Westfälischen Frieden, Einzug des Gesandten Adriaen Pauw;
Foto unten: Universität Bonn.de, Dr. Dr. Guido Braun, Dr. Maria-Elisabeth Brunert und Prof. Dr. Maximilian Lanzinner (von links) mit den 45 Bänden in der Arbeitsstelle der "Vereinigung zur Erforschung der Neueren Geschichte". Fotoautor: Johannes Seiler/Uni Bonn]

Völkerschlacht in Leipzig 1813 (Video)

Sonntag, 6. November 2011

Seit Jahren ist es ein großes Fest in Leipzig: Menschen aus ganz Europa treffen sich in der ostdeutschen Stadt und spielen die Völkerschlacht aus dem Jahre 1813 nach – eine Entscheidungsschlacht für Europa, bei der etwa 100.000 Menschen ums Leben kamen. DW-Reporterin Eva Simon will herausfinden, was Menschen bewegt, dieses kriegerische Ereignis nachzuspielen.Im Herbst 1813 ging Leipzig auf äußerst blutige Art und Weise in die Geschichtsbücher ein. Noch nie zuvor hatte es eine kriegerische Auseinandersetzung mit so vielen Beteiligten gegeben. Die Völkerschlacht setzte dem Reich des französischen Kaisers Napoleon ein Ende, der bis dahin weite Teile Europas unterworfen hatte. Jetzt, knapp 200 Jahre später, sammeln sich rund 700 Europäer, um diese Schlacht zu wiederholen – spielerisch. In historischen Kostümen stehen sie sich gegenüber, schießen mit Schwarzpulver aufeinander und feiern ihre Erfolge gemeinsam am Lagerfeuer. DW-Reporterin Eva Simon erkundet diese besondere historische Aufarbeitung und erlebt Europäer, die im Kriegs-Spiel ihr Bewusstsein für das friedliche Europa des 21. Jahrhunderts stärken.

(Videoquelle: Deutsche Welle.de, Journal Reporter)

Hintergrundinformationen: Stadtgeschichtliches Museum Leipzig -Völkerschlachtdenkmal, Leipzig 2013 – Zur 200-Jahrfeier der Völkerschlacht bei Leipzig / 100 Jahre Völkerschlachtdenkmal

Die Torpedierung der LACONIA, 12. September 1942 in See vor Westafrika (Videos)

Montag, 31. Oktober 2011

 

“Laconia” – eine Geschichte um Würde und Menschlichkeit am 2. und 3. November 2011, jeweils um 20.15 Uhr im Ersten

Die Ereignisse um die Torpedierung des britischen Truppentransporters LACONIA und die darauf folgende Rettungsaktion durch ein deutsches U-Boot gehören zu den bemerkenswerten Episoden aus dem Zweiten Weltkrieg. Das Erste zeigt den zweiteiligen Spielfilm “Laconia”, bei dem es um menschliche Würde und Integrität geht, am Mittwoch, dem 2. November und Donnerstag, dem 3. November 2011 um jeweils 20.15 Uhr.

Das von Uwe Janson nach dem Drehbuch von Alan Bleasdale inszenierte aufwendige Drama lässt die Ereignisse um die von Kapitän Hartenstein begonnenen Bergungsaktion auf Hoher See, bei der 1120 Menschen das Leben gerettet werden konnte, neu aufleben. In den Hauptrollen sind Ken Duken, Franka Potente, Andrew Buchan, Matthias Koeberlin, Jacob Matschenz, Frederick Lau u. v. a. zu sehen.

Hier die englische Version der deutsch-britischen Koproduktion ”Laconia”, ARD und BBC produzierten nach dem histrorischen Ereignis mit hochkarätiger Besetzung diesen Spielfilm.

Der Truppentransporter RMS “Laconia” (19695 BRT) war mit über 2.700 Menschen an Bord von Suez/Ägypten mit dem Ziel Liverpool/England unterwegs. Neben britischen Soldaten waren 366 Passagiere, darunter viele Frauen und Kinder, und 1800 italienische Kriegsgefangene an Bord. das deutsche Uboot U 156 operiert mit zwei weiteren Uboote in dem Seegebiet vor Westafrika und versenkt am 12. September 1942 nachmittags mit zwei Torpedos 600 Seemeile vor der westafrikaischen Küste den britischen Truppentransporter RMS “Laconia”. Der deutsche Uboot-Kommandant Hartenstein entschließt sich zur Rettung der Schiffbrüchigen und nimmt 193 Überlebende an Bord, Rettungbootein Schlepp.
Der Kommandant der U 156 der Kriegsmarine, Korvettenkapitän Gustav Julius Werner Hartenstein (Jahrgang 1908, geb. in Plauen), fiel am 8. März 1943, U 156 wurde in der Karibik östlich Barbados durch einen Bombenangriff von Amerikanern versenkt, von den 53 Mann Besatzung überlebte niemand.
Die damaligen Feinde im Zweiten Weltkrieg, England und Deutschland, schwiegen über den Laconia-Fall. Der deutschen Seekriegsführung widerstrebte Hartensteins humanitärer Akt, die Alliierten schämten sich für die Bombardierung des Rettungskonvois durch einen amerikanischn B-24 Bomber. Admiral Karl Dönitz erließ als Befehlshaber der Unterseeboote (BdU) am 17. September 1942 den LACONIA-Befehl – zugleich wurde Hartenstein mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet – der die Rettung von Überlebenden versenkter Feindschiffe verbot, viele deutsche Marineoffiziere hielten sich nicht daran. Dieser britisch-deutsche Film soll Hartensteins barmherzigem Akt als Mensch und Soldat nun ein Denkmal setzen.
Der Film in deutscher Sprache demnächst im ARD.

 (Textauszüge, Bilderquelle: ARD.de;
Videoquelle: via YouTube)