
Militärischer Abschirmdienst der Bundeswehr wollte 1995 Uwe Mundlos als V-Mann werben
Späterer NSU-Terrorist lehnte ab
Der Militärische Abschirmdienst (MAD), der Nachrichtendienst der Bundeswehr, hat nach Informationen des “Tagesspiegels” (Mittwochsausgabe) im Jahr 1995 versucht, den späteren NSU-Terroristen Uwe Mundlos als V-Mann zu werben. Mundlos habe sich jedoch geweigert, hieß es am Dienstag im Umfeld des Untersuchungsausschusses des Bundestages zu den Verbrechen der Bande “Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)”. (Tagesspiegel-Zitatende)
Hintergrundinformationen: Uwe M. war in dieser Zeitphase 01. April 1994 bis 31. März 1995 Wehrpflichtiger und als Soldat in einer Thüringer Kaserne, dort fiel er wegen seiner rechten Gesinnung und entsprechendem Verhalten negativ auf und wurde zum dienstlichen MAD-Vorgang.
Der MAD darf gemäß MAD-Gesetz keine V-Leute anwerben oder führen, lediglich Tatverdächtige vernehmen bzw. befragen und den Vorgang an die zuständigen Landesverfassungsschutzbehörden bzw. das Bundesamt für Verfassungsschutz weitergeben.
Der männliche Mittäter im NSU-Trio, Uwe. B., hat keinen Wehrdienst geleistet.
Dazu die ‘Kleine Anfrage’ des Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele (Bündnis90/DIE GRÜNEN) an die Bundesregierung, beantwortet am 31.08.2012 durch das BMVg (ParlSts Kossendy).
Inwiefern von der Bundeswehr gestohlener Spengstoff in den Folgetaten der sich formierenden Terrorgruppe Verwendung fand, auch dazu ermittelte der MAD, bleibt den weiter Ermittlungen und dem Aktenstudium vorbehalten.
Dazu der SPIEGEL-ONLINE-Artikel: “Neuer NSU-Aktenskandal Geheimniskrämer vom Dienst”, dem SPIEGEL liegt die Akte mit MAD-Notizen vor.

“Unentschuldbares Versagen von MAD und Bundesverteidigungsminister” berichtet PHOENIX heute:
Eva Högl, SPD-Obfrau im NSU-Untersuchungsausschuss, zeigt sich im PHOENIX-Interview empört darüber, dass dem Untersuchungsausschuss eine MAD-Akte über Uwe Mundlos vorenthalten wurde. “Es ist unfassbar, dass wir erneut Akten nicht zugeliefert bekommen haben. Offensichtlich ist dem Verteidigungsministerium nicht klar, was wir hier im Untersuchungsausschuss machen und dass wir die Hintergründe einer bundesweiten Mordserie und rechtsextremen Terrors aufklären.”, so Högl. “Das ist ein unerklärliches und auch unentschuldbares Versagen des MAD und des Bundesministers der Verteidigung.” (Zitatende)
Dazu das Video:Interview mit Sebastian Edathy (SPD), Vorsitzender NSU-Untersuchungsausschuss
Direkt zum PHEONIX-Video
Sebastian Edathy (SPD), Vorsitzender NSU-Untersuchungsausschuss, im Gespräch mit Erhard Scherfer.
Dazu auch das ARDMittagsmagazin-Video: NSU-Untersuchungsausschuss: Militärischer Abschirmdienst im Visier
Direkt zum ARD-Video
Im NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages haben alle beteiligten Fraktionen schwere Vorwürfe gegen den Militärischen Abschirmdienst (MAD) erhoben. Es sei ans Licht gekommen, dass der MAD bereits in den 1990er Jahren eine Akte über das Mitglied der Zwickauer Terrorzelle Uwe Mundlos angelegt habe, sagte der Ausschussvorsitzende Sebastian Edathy (SPD) heute in Berlin.
Diese Akte hätten die zuständigen Behörden dem Untersuchungsausschuss bislang vorenthalten. Das sei fahrlässig und inakzeptabel. Ausschussmitglieder sprachen von einem “Skandal”.
Das Gremium hat sofort den Präsidenten des Bundeswehr-Geheimdienstes, Ulrich Birkenheimer, in den Ausschuss zitiert. Birkenheimer soll noch am Nachmittag aufklären, warum die Akte Mundlos nicht offengelegt wurde.
Parallel zum Bundestagsgremium tagt in Thüringen der NSU-Untersuchungsausschuss des Landtags. Dort sagt er ehemalige Innenminister richard Dewes (SPD) aus, in dessen Amtszeit das Untertauchen des Jenaer Nazi-Trios fiel.
Soldatenglück.de berichtete regelmäßig über die NSU-Mörderbande und die Ermittlungen dazu sowie über die rechtsextreme zu verbietende Partei NPD und deren verfassungsfeindliche Akteure und die Pappkameraden vom Verfassungsschutz aus Bund und Ländern inklusive MAD.
(Textquellen kursiv: Der Tagesspiegel.de, PHOENIX.de;
BKA-Fahdungsplakat: Bundeskriminalamt.de, Grafikquelle: Bundeswehr.de, MAD Amtsabzeichen;
Videoquellen: PHOENIX.de; ARD.de)
Hintergrundinformationen: 2. Untersuchungsausschuss (“Terrorgruppe nationalsozialistischer Untergrund”) des Deutschen Bundestages; Bundeskriminalamt-Fahndung, Ermittlungen gegen Mitglieder der terroristischen Vereinigung “Nationalsozialistischer Untergrund (NSU)”; Militärischer Abschirmdienst (MAD) der Bundeswehr, MAD-Gesetz