Archiv für die Kategorie 'Zentraler Sanitätsdienst'

BMVg und Bundeswehr verharmlosen Gefahren. Mangelnde Fürsorge? – Riskante Malaria-Prophylaxe mit LARIAM

Samstag, 5. Mai 2012

Depressionen, Panikattacken und Psychosen: die Liste der besonderen Nebenwirkungen des Anti-Malaria-Medikaments Lariam ist lang. Trotzdem hat die Bundeswehr nach einem Kontraste-Bericht mitgeteilt, das Medikament weiter bei Tausenden von Soldaten in Afghanistan einzusetzen. Dabei behauptete sie, den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin zu folgen. Doch Kontraste-Recherchen zeigen ein anderes Bild.
Zum vollständigen Kontraste-Artikel und Video der ARD-Sendung.

Soldatenglück.de berichtete am 13. April 2012 unter Berufung auf ARD: Umstrittene Malaria-Arznei für Bundeswehr-Soldaten im Auslandseinsatz (Videos)

(Textauszug: ARD.de, rbb Kontraste;
Bildquelle: Bundeswehr.de, Bw-Soldat im ISAF-Einsatz in Afghanistan)



Verwundet in Afghanistan – zurück ins Leben (Video)

Samstag, 21. April 2012

Sie haben das Kriegsgrauen erlebt, wurden in Afghanistan verwundet, angeschossen oder von Taliban in Sprengfallen gelockt. Immer häufiger werden Bundeswehrsoldaten in Auslandseinsätzen schwer verwundet. In der Sportschule Warendorf werden die Verletzten gepflegt und müssen lernen wieder ein ganz normales Leben zu führen. Weiterlesen unter

(Videoquelle: Deutsche Welle.de, politik direkt;
Bildquelle: Bundeswehr.de, deutsche Soldaten bei Medevac durch U-Hubschrauber Black Hawk)

Umstrittene Malaria-Arznei für Bundeswehr-Soldaten im Auslandseinsatz (Videos)

Freitag, 13. April 2012

Fürsorgepflicht und Verantwortung des Dienstherrn und der Soldat als mündiger Patient?

Tausende Bundeswehr-Soldaten erhalten zur Malaria-Prophylaxe dienstlich geliefert und von Bundeswehr-Ärzten als Tropenmedizin verschrieben das umstrittene Medikament Lariam.

Nach Recherchen des ARD-Magazins Kontraste werden viele Soldaten und Soldatinnen nicht hinreichend über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt. Lariam kann das zentrale Nervensystem beeinträchtigen und Psychosen, Angst, Halluzinationen, Panikattacken oder Depresionen auslösen.

Die Norwegische Armee gibt das Medikament seit 2010 nicht mehr aus. In den Niederländischen Streitkräften wird Lariam nur noch in Ausnahmefällen verabreicht. Die Bundeswehr hat bislang aus dem kritsischem Umgang der Alliierten und den bekannten Nebenwirkungen von Lariam keine Konsequenzen gezogen. Wie so oft, wird erst dieser medienöffentliche ARD-Bericht im BMVg und beim Sanitätsdienst der Bundeswehr zu einer Abkehr beitragen.

Das ARD-Magazin Kontraste von rbb berichtet aus Berlin:
Risiko für Soldaten – Bundeswehr setzt auf umstrittenes Malaria Medikament

Fieberschübe, Depressionen, Panikattacken und Psychosen: die Liste der möglichen Nebenwirkungen des Anti-Malaria-Medikaments Lariam ist lang. Trotzdem wird Lariam zur Malaria-Prophylaxe bei den Auslandseinsätzen der Bundeswehr genutzt. Für die Soldaten und Offiziere im Kampfeinsatz kann das dramatische Folgen haben. In der US Army wird die Einnahme von Lariam mit Selbstmorden und Amokläufen in Verbindung gebracht.
Mehr und Video des Beitrages

Auch die US-Streitkräfte haben ein Problem mit ihrem Malaria-Mittel vom Pharma-Unternehmen Roche (das auf dem Beipackzettel vor eben solchen Nebenwirkungen warnen) für Soldaten. Amokläufe und psychische Auffälligkeiten von US-Soldaten werden in Zusammenhang gebracht mit den Nebenwirkungen von Malaria-Mitteln, dazu das Video: Pentagon Silent on Whether Suspect in Afghan Massacre Took Controversial Anti-Malaria Drug von Democracynow.org. Dort wird berichtet, dass US-Soldaten, die Malarai-Mittel nehmen mussten, oft psychische Problme hatten.

Auch die kanadischen Kameraden klagen über gesundheitliche Folgen der Lariam-Einnahme, dazu das CBC-News-Video:
Anti-Malaria Drug Giving Canadian Soldiers Brain Damage

(Bildquelle: Bundeswehr.de, Vergleichsfoto: Kommissionieren von Medikamenten für Afghanistan;
Videoquellen: Democarcynow.org, CBCNews via YouTube) 

Hintergrundinformationen: Sanitätsdienst der Bundeswehr.de, ein eigenes Tropeninstitut hat die Bundeswehr nicht, das BWK Berlin hat in der Abteilung Innere Medizin einen Schwerpunkt Infektiologie und Tropenmedizin. Kooperationspartner ist das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg (BNI).

Sonderkündigungsrecht für Bundeswehr-Ärzte? Bundesverwaltungsgericht: Auch Berufs- und Zeitsoldaten des Bw-Sanitätsdienstes haben Recht auf Kriegsdienstverweigerung

Mittwoch, 22. Februar 2012

Das Bundesverwaltungsgeicht in Leipzig hat entschieden:

Berufs- und Zeitsoldaten des Sanitätsdienstes haben Rechtsschutzbedürfnis für Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer

Aktive Berufs- und Zeitsoldaten des Sanitätsdienstes der Bundeswehr haben ebenso wie Wehrpflichtige und alle anderen Soldaten der Bundeswehr einen Anspruch darauf, dass das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (früher: Bundesamt für den Zivildienst) ein Anerkennungsverfahren durchführt, wenn sie einen Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer stellen. Dies hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig heute auf die Klagen von zwei Sanitätsoffizieren und Soldaten auf Zeit entschieden.

Das frühere Bundesamt für den Zivildienst und das Verwaltungsgericht Koblenz als Vorinstanz haben die Anerkennungsanträge der Kläger als unzulässig angesehen und sich dabei auf Rechtsprechungsgrundsätze berufen, die das Bundesverwaltungsgericht in den 1980er Jahren begründet hatte. Nach diesen Grundsätzen war Angehörigen des Sanitätsdienstes, die sich als Berufs- oder Zeitsoldaten freiwillig zum Dienst in der Bundeswehr verpflichtet hatten, bis zur Beendigung ihres Dienstverhältnisses kein Rechtsschutzbedürfnis für einen Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer zuzubilligen.

Das Bundesverwaltungsgericht hat diese Rechtsprechung aufgegeben. Da das nach Durchführung eines Anerkennungsverfahrens förmlich zuerkannte Grundrecht aus Art. 4 Abs. 3 Satz 1 GG gemäß Art. 12a Abs. 2 Satz 3 GG das Recht einschließt, jeglichen Dienst in der Bundeswehr einschließlich des Sanitätsdienstes zu verweigern, muss jedem Grundrechtsträger jederzeit die Möglichkeit eingeräumt werden, ein solches Anerkennungsverfahren zu durchlaufen. Die der bisherigen Rechtsprechung zu Grunde liegende Annahme, dass Soldaten, die sich freiwillig zum waffenlosen Sanitätsdienst verpflichtet hätten, das Anerkennungsverfahren nicht benötigten, auch weil sie gegebenenfalls ihre vorzeitige Entlassung aus dem Soldatenverhältnis beantragen könnten, hat sich als nicht tragfähig erwiesen und in der Praxis zu einer den Betroffenen nicht zumutbaren Komplizierung der Verfahrensabläufe geführt.

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Sachen zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das Verwaltungsgericht zurückverwiesen. Dieses wird zu prüfen haben, ob die Kriegsdienstverweigerung der Kläger von einer Gewissensentscheidung im Sinne des Art. 4 Abs. 3 Satz 1 GG getragen wird.

BVerwG 6 C 11.11 und 31.11 – Urteile vom 22. Februar 2012

Vorinstanz:
BVerwG 6 C 11.11: VG Koblenz, 2 K 216/10.KO – Urteil vom 28. September 2010 -
BVerwG 6 C 31.11: VG Koblenz, 7 K 468/10.KO – Urteil vom 25. Januar 2011 – (Zitatende)

(Textquelle: BVerwG.de, Urteil des Bundesvewaltungsgerichtes;
Bilderquelle: Bundeswehr.de)

Hintergrundinformationen Sanitätsdienst-Bundeswehr.de

Späte Kriegsfolgen – Viele aus der Kriegsgeneration sind bis jetzt von den Grausamkeiten geprägt

Sonntag, 23. Oktober 2011

Noch heute leidet die Hälfte der Menschen, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben, an späten Folgen von Kämpfen, Bombennächten, Vertreibungen oder Vergewaltigungen, berichtet die “Apotheken-Umschau”. Wissenschaftler der Universität Leipzig fanden bei jedem zehnten Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung wie Depressionen, Schreckhaftigkeit oder Schlafstörungen. In der Folge trugen Betroffene ein mehrfach erhöhtes Risiko, an Herz-Kreislauf-Leiden, Schlaganfall oder Rheuma zu erkranken. (Zitatende)

 

Das Gesundheitsmagazin “Apotheken Umschau” 10/2011 B liegt in den meisten Apotheken aus und wird ohne Zuzahlung zur Gesundheitsberatung an Kunden abgegeben.

Soldatenglück.de berichtet regelmäßig über die Kriegsfolgen für diese Generation, wieder Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS).

(Text-, Bildgrafikquelle: Apotheken-Umschau.de)

Hintergrundinformationen zum Schrecken der Kriege: Militärshistorisches Museum der Bundeswehr in Dresden, MHMBw.de



Afghanistan-Einsatz: Zahl traumatisierter Bundeswehr-Soldaten deutlich angestiegen

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Im 2011 kehrten bislang fast 600 PTBS-betroffene Afghanistan-Soldaten zurück nach Deutschland

Die Zahl der in Afghanistan traumatisierten Bundeswehrsoldaten steuert auf einen neuen Höchststand zu. Das geht aus einem Gesetzgebungsverfahren des Bundestags hervor. In den ersten neun Monaten dieses Jahres ließen sich fast 600 aus dem Einsatz am Hindukusch zurückgekehrte Männer und Frauen wegen Posttraumatischer Belastungsstörungen (PTBS) behandeln. Das sind mehr als im gesamten Jahr 2010. Der Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages verständigte sich nach Angaben von Mitgliedern darauf, die Versorgung und Entschädigung der Betroffenen deutlich zu verbessern. Demnach soll künftig schon ab einer Erwerbsminderung von 30 Prozent ein Anspruch auf Weiterbeschäftigung gelten.

Der Sanitätsdienst der Bundeswehr bringt heute diese Mitteilung heraus:
PTBS – erfolgreiche Behandlung von Soldaten durch individualisierte Therapie
- aktuelle Fallzahlen -

In heutigen militärischen Einsätzen arbeiten die verschiedensten, hochspezialisierten Kräfte in militärischen Operationen eng zusammen. Allerdings sind sie in ihrer konkreten Tätigkeit unterschiedlichen psychischen Belastungen ausgesetzt. Beispielsweise ist der Sanitäter unmittelbar mit Tod und Verwundung konfrontiert, während der Kampfmittelbeseitiger stets die Gefahr einer Explosion vor seinem geistigen Auge hat. „Die Berücksichtigung dieser Aspekte ist ein Schlüsselfaktor zur erfolgreichen Behandlung und auch zur Prävention von einsatzbedingten psychischen Belastungen“ sagt Dr. Jens Kowalski, Leiter der Forschungssektion des Psychotraumazentrums am Bundeswehrkrankenhaus Berlin.

Das Psychotraumazentrum hat die Aufgabe, die Früherkennung von psychischen Erkrankungen weiterzuentwickeln, die Prävention voranzutreiben sowie die Behandlung der Soldatinnen und Soldaten zu verbessern. Dr. Jens Kowalski weist darauf hin, dass das Psychotraumazentrum sich einen hervorragenden Ruf bei den Betroffenen erarbeitet hat: „Wir merken beinahe tagtäglich, dass man uns und unserer Arbeit hier vertraut und Vertrauen ist ein wesentliches Element dafür, dass die Hemmschwelle bei den Betroffenen sinkt, sich in professionelle Behandlung zu begeben. Natürlich spiegeln sich aber in den steigenden Fallzahlen vor allem die vergangenen, teils schweren Gefechte in Afghanistan wider.“

Im laufenden Jahr haben sich bis einschließlich September 2011 715 Soldatinnen und Soldaten wegen einer einsatzbedingten Posttraumatischen Belastungsstörung in den Bundeswehreinrichtungen behandeln lassen. In Zusammenarbeit mit den Patienten und unter Einbeziehung der Angehörigen werden dort individuelle Therapieangebote zur ambulanten oder stationären Behandlung erstellt.

„Wir können unsere Studienergebnisse unmittelbar in die Verbesserung von Prävention und Behandlungsmethoden einfließen lassen. Das ist einzigartig.“ erklärt Dr. Kowalski. Daher sei es nur folgerichtig, dass das Psychotraumazentrum unter dem Motto: „Special treatment for spezial groups – erfolgreiche Behandlung durch individualisierte Therapie“ erstmals zur „14th International Military Mental Health Conference“ vom 05. bis 08. Dezember zivile und militärische Wissenschaftler, Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter aber auch Seelsorger und militärisches Führungspersonal sowie Interessierte nach Berlin einlädt. „Diese Veranstaltung bietet uns ein hervorragendes Forum zum gegenseitigen interdisziplinären Austausch.“ betont der Leiter der Forschungssektion die Bedeutung dieser internationalen Konferenz. (Zitatende)

Soldatenglück.de merkt an: Die Bundeswehr zieht mit den Angeboten des Sanitätsdienstes im 10. Jahr des Afghanistan-Kriegseinsatzes den Realitäten nach, siehe auch am Beispel “Sport für Einsatzgeschädigte” im Artikel “Pilotlehrgang bietet gesundheitliche Perspektive”. Die Zeiten der Nachahmungs- und Abkupferversuche:  Wenn-die-Seele-schreit.de als Bundeswehr-Antwort auf Angriff-auf-die-Seele.de (PTBS-Hilfe) scheinen vorüber zu sein.

(Textquelle: Sanitätsdienst der Bundewehr.de;
Bildquelle: Bundeswehr.de, Bundeswehr-Soldaten im ISAF-Einsatz in der Transall über Afghanistan)

Afghanistan-Veteran: “Ich gehörte zu den Schwerverletzten” (Video)

Dienstag, 11. Oktober 2011

Bei einer Raketenentschärfung in Afghanistan 2002 wurde Bundeswehrsoldat Robert Sedlatzek-Müller schwer verletzt. Bis heute kann er nicht arbeiten, er leidet unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung.

(Videoquelle: ZDF.de)

PTBS-Hilfsangebote bei Angriff-auf-die-Seele.de

Bundeswehr – Ärzte trainieren für Afghanistan (Video)

Samstag, 16. Juli 2011

16 Ärzte lernen derzeit in Ulm, sich auf eine ganz neuen Aspekt ihres Berufs vorzubereiten. Sie müssen mit Waffen und Splitterschutzwesten umgehen können. Es sind Ärzte der Bundeswehr, die sich auf einen wahrscheinlichen Einsatz in Afghanistan vorbereiten.

(Videoquelle: SWR Landesschau aktuell Baden-Württemberg vom 15.07.2011;
Bildquelle: Bundeswehr.de, Barettabzeichen des Sanitätsdienstes)

 Hintergrundinformationen: Sanitätsdienst der Bundeswehr

Dunkelziffer der Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) bei Bundeswehr-Soldaten

Mittwoch, 6. April 2011

Psychische Gesundheit bei Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr im Zusammenhang mit Auslandseinsätzen

Heute 06. April 2011 wurde im Rahmen einer Pressekonferenz im Psychotraumazentrum der Bundeswehr in Berlin im Beisein des Parlamentarischen Staatssekretärs des Bundesverteidigungsministeriums, Thomas Kossendy, die PTBS-Dunkelziffer-Studie vorgestellt. Diese Studie wurde im letzten Jahr vom Sanitätsdienst der Bundeswehr an die TU-Dresden in Auftrag gegeben. Diese Studie untersuchte die psychische Gesundheit bei Soldaten im Zusammenhang mit Auslandseinsätzen.

Auszug aus der Zusammenfassung der Technischen Universität Dresden:

Rund zwei Prozent aller deutschen Bundeswehrsoldaten, die im Jahre 2009 an einem Auslandseinsatz in Afghanistan im Rahmen der ISAF-Mission teilgenommen haben, kehrten mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) aus dem Einsatz zurück. In absoluten Zahlen sind also jährlich rund 300 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr, die zum Auslandseinsatz in Afghanistan waren, betroffen. Dies ist eines der Ergebnisse eines Forschungsprogramms der TUD zu den Folgen von Auslandseinsätzen der deutschen Bundeswehr, die Professor Hans-Ulrich Wittchen und Dr. Sabine Schönfeld vom Institut für Klinische Psychologie und dem „Center of Clinical Epidemiology and Longitudinal Studies (CELOS)“ der TU Dresden durchgeführt und anlässlich einer Pressekonferenz am 6. April 2011 in Berlin vorgestellt haben.

Lediglich jeder Zweite der Betroffenen hat bislang in den zwölf Monaten nach dem Einsatz eine professionelle Hilfe aufgesucht. Dies weist im Zusammenhang mit früheren Daten aus Behandlungseinrichtungen der Bundeswehr darauf hin, dass es eine nicht unerhebliche jährliche Dunkelziffer (150 von 300 Betroffene) gibt.

Im Unterschied dazu wurde bei vergleichbaren Soldatinnen und Soldaten ohne Auslandseinsatz nur bei 0,3 Prozent eine PTBS festgestellt. Die Soldaten in den Afghanistan-Missionen der Bundeswehr haben also ein 6- bis 10-fach erhöhtes Erkrankungsrisiko.

Erstaunlich ist, dass bei gleichen methodischen Standards die Raten der deutschen Soldaten gravierend niedriger sind als beispielsweise die PTBS-Raten bei englischen und amerikanischen Soldaten, die im Irak oder Afghanistan im Einsatz waren. Die Studienleiter vermuten aufgrund erster vertiefender Analysen, dass die vergleichsweise niedrigeren Raten an einsatzbezogener PTBS mit besseren Auswahlkriterien der Bundeswehr für Auslandseinsätze, einer besseren Einsatzvorbereitung, mit einer kürzeren Einsatzdauer (vier bis fünf Monate statt ein bis zwei Jahre) und einer niedrigeren unmittelbaren Exposition an kriegerischen Kampfsituationen zusammenhängen.

Die scheinbar niedrige Rate an PTBS darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Afghanistan-Auslandseinsätze nahezu ausnahmslos bei allen Soldaten mit einem hohen Ausmaß von Belastungen verbunden sind. Belastende einsatzbezogene Ereignisse (Kampf-, Verletzungs- und Todeskonfrontation) kommen in der überwiegenden Mehrzahl mehrfach in der Einsatzzeit vor. Im Mittel berichten die Soldaten in ihrer Einsatzzeit (im Mittel vier bis fünf Monate) von mehr als 20 solchen Ereignissen; Kampftruppen in Kunduz nahezu doppelt so häufig wie andere Truppenteile und an anderen Standorten. 50 Prozent dieser belastenden Ereignisse erfüllten die Studienkriterien für sogenannte “traumatische Ereignisse”. Ein hoher Anteil der Soldaten und Soldatinnen erlebte multiple traumatische Ereignisse.

Insgesamt kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die Größenordnung des Problems zwar erheblich, aber nicht so dramatisch erhöht ist, wie es gelegentlich in der Öffentlichkeit vermutet wurde.

Die Psychologen der TU Dresden weisen auch darauf hin, dass ihre Studie nahelegt, nicht zugunsten einer überaus starken Fokussierung auf die PTBS andere psychische Störungen, insbesondere Angst, depressive und somatoforme Störungen sowie Erschöpfungssyndrome aus dem Auge zu verlieren. Diese Störungen haben ein quantitativ sehr viel größeres Ausmaß. Zwar sind diesbezüglich Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr nicht häufiger betroffen als die deutsche Durchschnittsbevölkerung. Aber auch bei Bundeswehrsoldaten werden derartige psychische Störungen häufig nicht frühzeitig erkannt und adäquat behandelt.

Die Autoren weisen darauf hin, dass derartige unerkannte, vor den Auslandseinsätzen bestehende Störungen ein zusätzlicher Risikofaktor für eine PTBS-Entwicklung sein können. Deshalb sollten psychische Störungen insgesamt und auch unabhängig von Auslandseinsätzen in der Bundeswehr mehr Aufmerksamkeit erhalten.

Weitere Informationen im Internet:

TU-Dresden.de: “Psychische Gesundheit bei Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr im Zusammenhang mit Auslandseinsätzen”. Erläuterungen, Präsentationen, Interviews und Filme zum herunterladen.

TU-Dresden.de: PowerPoint-Präsentation von Prof. Hans-Ulrich Wittchen (pdf)

(Textquelle: Angriff-auf-die-Seele.PTBS-Hilfe.de, Frank Eggen; TU Dresden.de;
Bildquelle: Bundeswehr.de, Sanitäter transportieren in Afghanistan einen deutschen ISAF-Soldaten auf einer Trage in das gepanzerte Fahrzeug FUCHS. Foto von Andreas Timmermann-Levanas)

Die im Afghanistan-Einsatz am 18. Februar verwundeten Soldaten sind mit dem MedEvac in Deutschland eingetroffen

Dienstag, 22. Februar 2011

 

Die in Afghanistan im ISAF-Einsatz am Freitag, 18.02.2011, im OP North in der Provinz Baghlan schwerverwundeten Bundeswehrsoldaten sind in Deutschland eingetroffen. Mit an Bord des Lazarettflugzeugs (MedEvac Airbus 310) waren auch fünf leichtverletzte Soldaten, darunter die Bundeswehr-Soldaten, die bei einem Angriff am selben Tag auf eine Patrouille in der Provinz Kunduz verwundet wurden, dabei wurde ein Schützenpanzer MARDER in Brand geschossen. Die Soldaten wurden auf die Bundeswehrkliniken Ulm und Koblenz verteilt.

(Videoquelle: SWR Baden-Württemberg Aktuelle vom 21.01.2011;
Bildquelle: Luftwaffe: Airbus 310 MedEvac)