Archiv für die Kategorie 'Zentraler Sanitätsdienst'

Tierversuche bei der Bundeswehr

Montag, 10. September 2012

Bei medizinischen Experimenten der Bundeswehr oder in deren Auftrag sterben jährlich hunderte von Tieren. Neben Ratten und Mäusen verendeten in der vergangenen Jahren auch Kaninchen, Schweine und Affen.

In den Laboren der Bundeswehr starben zwischen 2006 und 2012 jährich im Durchschnitte 382 Nagetiere. Zudem habe die Bundeswehr Forschungsaufträge an Universitäten vergeben, zum Beispiel an das Deutsche Primatenzentrum in Göttingen. Dabei seien durchschnittlich 442 Tiere im Jahr getötet worden.
Das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) bestätigte die Tierversuche bei oder im Auftrag der Bundeswehr.

Tiere spielten beim Militär schon immer eine große Rolle, die Problematik ist nicht neu. Als Nutztiere, zur Unterstützung im Kampf, als Namensgeber für Waffen und Gerät aber auch für Operationspläne (z.B. Unternehmen SEELÖWE oder Op ANACONDA) und nicht zuletzt auch als Maskottchen (dazu: Die Bundeswehr mustert ihren letzten Bock aus).
Selbst in modernen Armeen sind Tiere unersetzlich. Tiere können im militärischen Einsatz Leben retten. Allzuoft sind sie aber auch wehrlose Opfer. Dies gilt insbesondere, wenn Tiere zu medizinischen Tierversuchen gebraucht oder auch mißbraucht werden. Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr (MHMBw) in Dresden hat im Themapacour “Tiere beim Militär” (Bilder oben und unten) hat eine Ausstellung dazu mit Exponaten, ausgestopften Tieren, z.B. Löwe, Taube, Schaf, Ziege, Keiler, Pferd oder Maulesel. Auf einem Bildschirm in der Themenausstellung im MHHBw werden historische Filmaufnahmen aus einem Wehrmachtslabor des Zweiten Weltkrieges gezeigt. Zu sehen: ein Tierversuch mit einer Katze zur Erprobung von Giftgasen. Der Todeskampf des Tieres verweist auf den qualvollen Tod von Menschen, aber auch des Tieres.

Dazu kommentiert die “Neue Osnabrücker Zeitung”:
Bundeswehr-Tierversuche
Verdrängte Debatte

Mag die Zahl der von der Bundeswehr vorgenommenen Tierversuche vergleichsweise gering sein: Sie wirft ein Schlaglicht auf eine verdrängte Debatte. Kocht das Tabuthema doch hoch, folgt schnell der Hinweis auf Ersatzmethoden.

“Reagenzglas statt Versuchstier” lautet das hehre Anliegen. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Die Zahl der Tierversuche steigt. Wurden 2005 rund 2,4 Millionen Tiere für solche Zwecke “verbraucht” – die Forschung benutzt tatsächlich dieses Wort -, so waren es 2010 etwa 2,9 Millionen Tiere.

Nicht in jedem Fall ist ein solches Experiment zwar verwerflich. Man denke nur daran, dass die – überlebenswichtige – Entdeckung des Rhesusfaktors beim Menschen nur durch Tests an Rhesusaffen möglich wurde. Unsäglich sind indes qualvolle Versuche etwa mit dem Nervengift Botox, nur damit Schönheits-Fetischisten mit aufgepumpten Lippen und Lidern durch die Gegend laufen können. Oder, wie 2010 durch österreichische Forscher geschehen, das Begraben von 29 lebenden Schweinen im Schnee. Das langsame Ersticken der Tiere sollte Erkenntnisse zum Lawinentod liefern.

Bis Ende des Jahres muss Deutschland die EU-Tierversuchsrichtlinie umsetzen. Das wäre eine gute Gelegenheit, den vor zehn Jahren als Staatsziel im Grundgesetz verankerten Tierschutz mit Leben zu füllen. Und endlich einheitliche Bewertungskriterien für Tierversuche zu installieren. (Zitatende)

Dazu auch der NOZ-Artikel: Affen, Schweine, Nagetiere – Tödliche Tierversuche bei der Bundeswehr: Jährlich sterben hunderte Tiere.

(Textquelle kursiv: Neue Osnabrücker Zeitung.de;
Bilderquelle: Bundeswehr.de, “Tiere beim Militär”: Tiere stehen bei der Erfüllung militärischer Aufgaben im Dienste des Menschen. So wurde der Löwe z.B. als Macht-und Herrschaftssymbol von ägyptischen Pharaonen mit in die Schlacht geführt;
das untere Foto zeigt den Bundesminister der Verteidigung, Dr.Thomas de Maizière beim Rundgang durch das Militärgeschichtliche Museum  de Bundeswehr in Dresden im Themapacour “Tiere beim Militär”. Das Schaf zum Beispiel wurde von den Menschen zur Minenbeseitigung eingesetzt.)



Studie: Höchstes PTBS-Risiko für Einsatz-Soldaten in Kunduz/Afghanistan

Montag, 3. September 2012

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse über Posttraumatische Belastungsstörungen für Soldaten der Bundeswehr im Auslandseinsatz  – veröffentlicht im Ärzteblatt

Die Technische Universität Dresden hat zusammen mit dem Psychotraumazentrum der Bundeswehr neue Erkenntnisse zu traumatischen Ereignissen insbesondere der posttraumatischen Belastungsstörung bei im Ausland eingesetzten Soldaten veröffentlicht. 49,2% aller Soldaten mit Auslandseinsatz berichteten vom mindestens einem, 13,0% mehr als drei traumatische Ereignisse. Die PTBS-12-Monats-Prävalenz nach Rückkehr betrug 2,9 %. Dies entspricht einem 2- bis 4-fach erhöhten PTBS-Risiko. Kampftruppen am Einsatzort Kunduz (Afghanistan) hatten das höchste Risiko. Nur jeder zweite Betroffene hatte bereits professionelle Hilfe aufgesucht.
Weiterlesen bei angriff-auf-die-seele.de.

(Textauszug, Grafik: Angriff-auf-die-Seele.PTBS.de;
Bildquelle: Bundeswehr.de, Vergleichsbild, Artikel: Dienst im Combat Outpost)

Hintergrundinformationen
Technische Universität Dresden, Fakltät Psychologie;
Psychotraumazentrum der Bundeswehr im BWK Berlin;
Ärzteblatt-Veröffentlichung: Traumatische Ereignisse und posttraumatische Belastungsstörungen bei im Ausland eingesetzten Soldaten: Wie hoch ist die Dunkelziffer?.
In englischer Sprache:
Traumatic experiences and posttraumatic stress disorder in soldiers following deployment abroad: how big is the hidden problem?.

BMVg und Bundeswehr verharmlosen Gefahren. Mangelnde Fürsorge? – Riskante Malaria-Prophylaxe mit LARIAM

Samstag, 5. Mai 2012

Depressionen, Panikattacken und Psychosen: die Liste der besonderen Nebenwirkungen des Anti-Malaria-Medikaments Lariam ist lang. Trotzdem hat die Bundeswehr nach einem Kontraste-Bericht mitgeteilt, das Medikament weiter bei Tausenden von Soldaten in Afghanistan einzusetzen. Dabei behauptete sie, den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin zu folgen. Doch Kontraste-Recherchen zeigen ein anderes Bild.
Zum vollständigen Kontraste-Artikel und Video der ARD-Sendung.

Soldatenglück.de berichtete am 13. April 2012 unter Berufung auf ARD: Umstrittene Malaria-Arznei für Bundeswehr-Soldaten im Auslandseinsatz (Videos)

(Textauszug: ARD.de, rbb Kontraste;
Bildquelle: Bundeswehr.de, Bw-Soldat im ISAF-Einsatz in Afghanistan)

Verwundet in Afghanistan – zurück ins Leben (Video)

Samstag, 21. April 2012

Sie haben das Kriegsgrauen erlebt, wurden in Afghanistan verwundet, angeschossen oder von Taliban in Sprengfallen gelockt. Immer häufiger werden Bundeswehrsoldaten in Auslandseinsätzen schwer verwundet. In der Sportschule Warendorf werden die Verletzten gepflegt und müssen lernen wieder ein ganz normales Leben zu führen. Weiterlesen unter

(Videoquelle: Deutsche Welle.de, politik direkt;
Bildquelle: Bundeswehr.de, deutsche Soldaten bei Medevac durch U-Hubschrauber Black Hawk)

Umstrittene Malaria-Arznei für Bundeswehr-Soldaten im Auslandseinsatz (Videos)

Freitag, 13. April 2012

Fürsorgepflicht und Verantwortung des Dienstherrn und der Soldat als mündiger Patient?

Tausende Bundeswehr-Soldaten erhalten zur Malaria-Prophylaxe dienstlich geliefert und von Bundeswehr-Ärzten als Tropenmedizin verschrieben das umstrittene Medikament Lariam.

Nach Recherchen des ARD-Magazins Kontraste werden viele Soldaten und Soldatinnen nicht hinreichend über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt. Lariam kann das zentrale Nervensystem beeinträchtigen und Psychosen, Angst, Halluzinationen, Panikattacken oder Depresionen auslösen.

Die Norwegische Armee gibt das Medikament seit 2010 nicht mehr aus. In den Niederländischen Streitkräften wird Lariam nur noch in Ausnahmefällen verabreicht. Die Bundeswehr hat bislang aus dem kritsischem Umgang der Alliierten und den bekannten Nebenwirkungen von Lariam keine Konsequenzen gezogen. Wie so oft, wird erst dieser medienöffentliche ARD-Bericht im BMVg und beim Sanitätsdienst der Bundeswehr zu einer Abkehr beitragen.

Das ARD-Magazin Kontraste von rbb berichtet aus Berlin:
Risiko für Soldaten – Bundeswehr setzt auf umstrittenes Malaria Medikament

Fieberschübe, Depressionen, Panikattacken und Psychosen: die Liste der möglichen Nebenwirkungen des Anti-Malaria-Medikaments Lariam ist lang. Trotzdem wird Lariam zur Malaria-Prophylaxe bei den Auslandseinsätzen der Bundeswehr genutzt. Für die Soldaten und Offiziere im Kampfeinsatz kann das dramatische Folgen haben. In der US Army wird die Einnahme von Lariam mit Selbstmorden und Amokläufen in Verbindung gebracht.
Mehr und Video des Beitrages

Auch die US-Streitkräfte haben ein Problem mit ihrem Malaria-Mittel vom Pharma-Unternehmen Roche (das auf dem Beipackzettel vor eben solchen Nebenwirkungen warnen) für Soldaten. Amokläufe und psychische Auffälligkeiten von US-Soldaten werden in Zusammenhang gebracht mit den Nebenwirkungen von Malaria-Mitteln, dazu das Video: Pentagon Silent on Whether Suspect in Afghan Massacre Took Controversial Anti-Malaria Drug von Democracynow.org. Dort wird berichtet, dass US-Soldaten, die Malarai-Mittel nehmen mussten, oft psychische Problme hatten.

Auch die kanadischen Kameraden klagen über gesundheitliche Folgen der Lariam-Einnahme, dazu das CBC-News-Video:
Anti-Malaria Drug Giving Canadian Soldiers Brain Damage

(Bildquelle: Bundeswehr.de, Vergleichsfoto: Kommissionieren von Medikamenten für Afghanistan;
Videoquellen: Democarcynow.org, CBCNews via YouTube) 

Hintergrundinformationen: Sanitätsdienst der Bundeswehr.de, ein eigenes Tropeninstitut hat die Bundeswehr nicht, das BWK Berlin hat in der Abteilung Innere Medizin einen Schwerpunkt Infektiologie und Tropenmedizin. Kooperationspartner ist das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg (BNI).



Sonderkündigungsrecht für Bundeswehr-Ärzte? Bundesverwaltungsgericht: Auch Berufs- und Zeitsoldaten des Bw-Sanitätsdienstes haben Recht auf Kriegsdienstverweigerung

Mittwoch, 22. Februar 2012

Das Bundesverwaltungsgeicht in Leipzig hat entschieden:

Berufs- und Zeitsoldaten des Sanitätsdienstes haben Rechtsschutzbedürfnis für Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer

Aktive Berufs- und Zeitsoldaten des Sanitätsdienstes der Bundeswehr haben ebenso wie Wehrpflichtige und alle anderen Soldaten der Bundeswehr einen Anspruch darauf, dass das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (früher: Bundesamt für den Zivildienst) ein Anerkennungsverfahren durchführt, wenn sie einen Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer stellen. Dies hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig heute auf die Klagen von zwei Sanitätsoffizieren und Soldaten auf Zeit entschieden.

Das frühere Bundesamt für den Zivildienst und das Verwaltungsgericht Koblenz als Vorinstanz haben die Anerkennungsanträge der Kläger als unzulässig angesehen und sich dabei auf Rechtsprechungsgrundsätze berufen, die das Bundesverwaltungsgericht in den 1980er Jahren begründet hatte. Nach diesen Grundsätzen war Angehörigen des Sanitätsdienstes, die sich als Berufs- oder Zeitsoldaten freiwillig zum Dienst in der Bundeswehr verpflichtet hatten, bis zur Beendigung ihres Dienstverhältnisses kein Rechtsschutzbedürfnis für einen Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer zuzubilligen.

Das Bundesverwaltungsgericht hat diese Rechtsprechung aufgegeben. Da das nach Durchführung eines Anerkennungsverfahrens förmlich zuerkannte Grundrecht aus Art. 4 Abs. 3 Satz 1 GG gemäß Art. 12a Abs. 2 Satz 3 GG das Recht einschließt, jeglichen Dienst in der Bundeswehr einschließlich des Sanitätsdienstes zu verweigern, muss jedem Grundrechtsträger jederzeit die Möglichkeit eingeräumt werden, ein solches Anerkennungsverfahren zu durchlaufen. Die der bisherigen Rechtsprechung zu Grunde liegende Annahme, dass Soldaten, die sich freiwillig zum waffenlosen Sanitätsdienst verpflichtet hätten, das Anerkennungsverfahren nicht benötigten, auch weil sie gegebenenfalls ihre vorzeitige Entlassung aus dem Soldatenverhältnis beantragen könnten, hat sich als nicht tragfähig erwiesen und in der Praxis zu einer den Betroffenen nicht zumutbaren Komplizierung der Verfahrensabläufe geführt.

Das Bundesverwaltungsgericht hat die Sachen zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung an das Verwaltungsgericht zurückverwiesen. Dieses wird zu prüfen haben, ob die Kriegsdienstverweigerung der Kläger von einer Gewissensentscheidung im Sinne des Art. 4 Abs. 3 Satz 1 GG getragen wird.

BVerwG 6 C 11.11 und 31.11 – Urteile vom 22. Februar 2012

Vorinstanz:
BVerwG 6 C 11.11: VG Koblenz, 2 K 216/10.KO – Urteil vom 28. September 2010 -
BVerwG 6 C 31.11: VG Koblenz, 7 K 468/10.KO – Urteil vom 25. Januar 2011 – (Zitatende)

(Textquelle: BVerwG.de, Urteil des Bundesvewaltungsgerichtes;
Bilderquelle: Bundeswehr.de)

Hintergrundinformationen Sanitätsdienst-Bundeswehr.de

Späte Kriegsfolgen – Viele aus der Kriegsgeneration sind bis jetzt von den Grausamkeiten geprägt

Sonntag, 23. Oktober 2011

Noch heute leidet die Hälfte der Menschen, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben, an späten Folgen von Kämpfen, Bombennächten, Vertreibungen oder Vergewaltigungen, berichtet die “Apotheken-Umschau”. Wissenschaftler der Universität Leipzig fanden bei jedem zehnten Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung wie Depressionen, Schreckhaftigkeit oder Schlafstörungen. In der Folge trugen Betroffene ein mehrfach erhöhtes Risiko, an Herz-Kreislauf-Leiden, Schlaganfall oder Rheuma zu erkranken. (Zitatende)

 

Das Gesundheitsmagazin “Apotheken Umschau” 10/2011 B liegt in den meisten Apotheken aus und wird ohne Zuzahlung zur Gesundheitsberatung an Kunden abgegeben.

Soldatenglück.de berichtet regelmäßig über die Kriegsfolgen für diese Generation, wieder Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS).

(Text-, Bildgrafikquelle: Apotheken-Umschau.de)

Hintergrundinformationen zum Schrecken der Kriege: Militärshistorisches Museum der Bundeswehr in Dresden, MHMBw.de

Afghanistan-Einsatz: Zahl traumatisierter Bundeswehr-Soldaten deutlich angestiegen

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Im 2011 kehrten bislang fast 600 PTBS-betroffene Afghanistan-Soldaten zurück nach Deutschland

Die Zahl der in Afghanistan traumatisierten Bundeswehrsoldaten steuert auf einen neuen Höchststand zu. Das geht aus einem Gesetzgebungsverfahren des Bundestags hervor. In den ersten neun Monaten dieses Jahres ließen sich fast 600 aus dem Einsatz am Hindukusch zurückgekehrte Männer und Frauen wegen Posttraumatischer Belastungsstörungen (PTBS) behandeln. Das sind mehr als im gesamten Jahr 2010. Der Verteidigungsausschuss des Deutschen Bundestages verständigte sich nach Angaben von Mitgliedern darauf, die Versorgung und Entschädigung der Betroffenen deutlich zu verbessern. Demnach soll künftig schon ab einer Erwerbsminderung von 30 Prozent ein Anspruch auf Weiterbeschäftigung gelten.

Der Sanitätsdienst der Bundeswehr bringt heute diese Mitteilung heraus:
PTBS – erfolgreiche Behandlung von Soldaten durch individualisierte Therapie
- aktuelle Fallzahlen -

In heutigen militärischen Einsätzen arbeiten die verschiedensten, hochspezialisierten Kräfte in militärischen Operationen eng zusammen. Allerdings sind sie in ihrer konkreten Tätigkeit unterschiedlichen psychischen Belastungen ausgesetzt. Beispielsweise ist der Sanitäter unmittelbar mit Tod und Verwundung konfrontiert, während der Kampfmittelbeseitiger stets die Gefahr einer Explosion vor seinem geistigen Auge hat. „Die Berücksichtigung dieser Aspekte ist ein Schlüsselfaktor zur erfolgreichen Behandlung und auch zur Prävention von einsatzbedingten psychischen Belastungen“ sagt Dr. Jens Kowalski, Leiter der Forschungssektion des Psychotraumazentrums am Bundeswehrkrankenhaus Berlin.

Das Psychotraumazentrum hat die Aufgabe, die Früherkennung von psychischen Erkrankungen weiterzuentwickeln, die Prävention voranzutreiben sowie die Behandlung der Soldatinnen und Soldaten zu verbessern. Dr. Jens Kowalski weist darauf hin, dass das Psychotraumazentrum sich einen hervorragenden Ruf bei den Betroffenen erarbeitet hat: „Wir merken beinahe tagtäglich, dass man uns und unserer Arbeit hier vertraut und Vertrauen ist ein wesentliches Element dafür, dass die Hemmschwelle bei den Betroffenen sinkt, sich in professionelle Behandlung zu begeben. Natürlich spiegeln sich aber in den steigenden Fallzahlen vor allem die vergangenen, teils schweren Gefechte in Afghanistan wider.“

Im laufenden Jahr haben sich bis einschließlich September 2011 715 Soldatinnen und Soldaten wegen einer einsatzbedingten Posttraumatischen Belastungsstörung in den Bundeswehreinrichtungen behandeln lassen. In Zusammenarbeit mit den Patienten und unter Einbeziehung der Angehörigen werden dort individuelle Therapieangebote zur ambulanten oder stationären Behandlung erstellt.

„Wir können unsere Studienergebnisse unmittelbar in die Verbesserung von Prävention und Behandlungsmethoden einfließen lassen. Das ist einzigartig.“ erklärt Dr. Kowalski. Daher sei es nur folgerichtig, dass das Psychotraumazentrum unter dem Motto: „Special treatment for spezial groups – erfolgreiche Behandlung durch individualisierte Therapie“ erstmals zur „14th International Military Mental Health Conference“ vom 05. bis 08. Dezember zivile und militärische Wissenschaftler, Ärzte, Psychologen, Sozialarbeiter aber auch Seelsorger und militärisches Führungspersonal sowie Interessierte nach Berlin einlädt. „Diese Veranstaltung bietet uns ein hervorragendes Forum zum gegenseitigen interdisziplinären Austausch.“ betont der Leiter der Forschungssektion die Bedeutung dieser internationalen Konferenz. (Zitatende)

Soldatenglück.de merkt an: Die Bundeswehr zieht mit den Angeboten des Sanitätsdienstes im 10. Jahr des Afghanistan-Kriegseinsatzes den Realitäten nach, siehe auch am Beispel “Sport für Einsatzgeschädigte” im Artikel “Pilotlehrgang bietet gesundheitliche Perspektive”. Die Zeiten der Nachahmungs- und Abkupferversuche:  Wenn-die-Seele-schreit.de als Bundeswehr-Antwort auf Angriff-auf-die-Seele.de (PTBS-Hilfe) scheinen vorüber zu sein.

(Textquelle: Sanitätsdienst der Bundewehr.de;
Bildquelle: Bundeswehr.de, Bundeswehr-Soldaten im ISAF-Einsatz in der Transall über Afghanistan)

Afghanistan-Veteran: “Ich gehörte zu den Schwerverletzten” (Video)

Dienstag, 11. Oktober 2011

Bei einer Raketenentschärfung in Afghanistan 2002 wurde Bundeswehrsoldat Robert Sedlatzek-Müller schwer verletzt. Bis heute kann er nicht arbeiten, er leidet unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung.

(Videoquelle: ZDF.de)

PTBS-Hilfsangebote bei Angriff-auf-die-Seele.de

Bundeswehr – Ärzte trainieren für Afghanistan (Video)

Samstag, 16. Juli 2011

16 Ärzte lernen derzeit in Ulm, sich auf eine ganz neuen Aspekt ihres Berufs vorzubereiten. Sie müssen mit Waffen und Splitterschutzwesten umgehen können. Es sind Ärzte der Bundeswehr, die sich auf einen wahrscheinlichen Einsatz in Afghanistan vorbereiten.

(Videoquelle: SWR Landesschau aktuell Baden-Württemberg vom 15.07.2011;
Bildquelle: Bundeswehr.de, Barettabzeichen des Sanitätsdienstes)

 Hintergrundinformationen: Sanitätsdienst der Bundeswehr

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