Eine 1 in Landeskunde an diesen US-Stabsoffizier,
der mit seiner unverschleierten Kameradin
mit führenden Akteuren in der afghanischen Provinz unterwegs ist

Paktia provincial Deputy Governor Abdal Rahma Mangal, left, talks with tribal leaders in the Jani Khel district during a visit to a remote village . The visit is part of the provincial reconstruction team’s efforts to connect the locals with the provincial leadership. (Bild vergrößern) STORY
DoD photo by Fred W. Baker III, Feb. 15, 2009
PSYOPS statt normaler Menschenverstand?
Während die Landeskunde der Bundeswehr nun seit viel zu langer Zeit “Interkultuelle Einsatzberatung” (IEB) genannt wird, dem Zentrum Operative Information (ZOpInfo, Barettabzeichne rechts) in Mayen im Organisationsbereich Streitkräftebasis
(SKB) zugeschlagen ist und den Streitkräftunterstützungskommando (SKuKdo, Köln-Wahn) untersteht, hinten und vorne nicht effektiv funktioniert, betreiben die US-Amerikaner die Landeskunde schon einige Jahrzehnte länger, auch mit manchen Fehlern, aber lernbereit und flexibel. Die Bundeswehr Landeskunde versucht zurzeit unter der mißglückten Führung durch das ZOpInfo mit pseudowissenschaftlichen Methoden den Bereich Landeskunde mit der vermeintlich politisch korrekten Bezeichnung “Interkulturelle Einsatzberatung” einen vernüftigen Ansatz zu überlisten. Statt beim Einsatzführungskommando der Bundeswehr (EinsFüKdoBw) und/oder beim Einsatzführungsstab im BMVg ein “Dezernat Landeskundliche und Politische Beratung” (strukturell vergleichbar dem Dezernat Beobachtermissionen) fernab von OpInfo anzusiedeln, hat sich das ZOpInfo, hervorgegangen aus dem Bereich Psychologische Kriegsführung (PSYOPS), die Planstellen, den Einfluss und die unsägliche Mißwirtschaft an sich gezogen. Und schlaumeiert zwischen Prizren, Djibouti, Masar-i-Sharif, Kunduz und Feyzabad mit angelernten Soldaten und Hilfswissenschaftlern über die Beweggründe der kosovarischen, somalischen und afghanischen Seele vor dem Hintergrund ihrer sozialen und Herkunft und Ethnie, des Kanun und Koran, der albanischen, äthiopischen oder orientalischen Geschichte und der albanischen, afrikanischen oder paschtunischen Wurzeln mit sunnitisch-schiitischer Ausprägung. Anstatt mal einfach Turban-Kunde in der Praxis anzuwenden und den Einheimischen durch ganz banale Gesten Respekt zu zollen, wie (Oberstleutnant) Lt. Col. Dan Moy (Air Force) der US-Streitkräfte vom Provincial Reconstruction Team (PRT) in der Provinz Patkia im Südosten Afghanistans (Bild oben).
Wenn ich die Stories von den “Interkulturellen Einsatzberatung” der Bundeswehr in den Einsatzländern und an deren Standort höre, geht mir der Hut hoch – Turbane sitzen fester. Im Kosovo gehen die IEB´ler der Deutschen Botschaft auf den Sack, in dem sie ständig einjährige Aufenthalt-Visa für ihre KOS-albanischen “engen Freunde” anfordern, was ihnen zurecht verweigert wird. Im Kongo hat das Experiment IEB dann mal geklappt, weil eine Frau Hauptmann als Reserveoffizier (Etnologin mit jahrelanger Landeserfahrung) die Stelle besetzte und der Befehlshaber EUFOR RD Congo GenLt Karlheinz Viereck kraft seines Dienstgrades autonom die Frau ihren Job machen liess ohne das ZOpInfo besonders einzubinden. In Afghanistan, wo das ZOpInfo anders als die Amerikaner vorsätzlich keine Frauen als IEB´ler einsetzt, bekommen die ausschliesslich männlichen IEB´ler vom ZOpInfo “kriegsentscheidende Arbeitsaufträge”, so schreiben sie Berichte, die mit BND-Lagebeurteilungen konkurrieren sollen, aber die eigene J2-Abteilung nicht haben darf und der Inhalt ist dann vom afghanischen Provinzpolizei-Chef gerade der Deutschen Presseagentur sowieso schon mitgeteilt. Wenn die Truppe (CIMIC, QRF, Patrouille etc) und die eigenen Kameraden vom IEB landeskundlich beraten werden wollen, zum Beispiel wie sie nach dem Ramadan oder nach Anschlägen der Bevölkerung gegenüber tritt, ist der IEB für Auskünfte oder Vorträge nicht ansprechbar, weil anderweitig so sehr beschäftigt mit angeblichem Sonderauftrag des Kommandeurs oder für ZOpInfo direkt natürlich, wonach dann konkret keiner mehr zu fragen wagt. IEB = im Einsatz blöd, nennen einige diese ZOpInfo-Truppe mit Sonderkonditionen aber leider ohne besonders intelligentes Konzept. Eine mittlerweile lange Kette operativer Versager, Fehleinschätzungen und Falschberatungen, die durch die Kontingentswechsel und die “Vergesslichkeit” des militärischen Spitzenpersonals immer wieder unter den Teppich gekehrt werden konnten, begleitet die Aktivitäten “prominenter” ZOpInfo´ler, ein anscheind ungebremster EgoTrip der zivilen und militärischen Stelleninhaber in Mayen, die sich auch darüber nicht wundern, dass sie Kontingent für Kontingent bzw. IEB-Einsatz für IEB-Einsatz immer schwächere oder nicht genügend Posteninhaber aufzubieten haben.

A crowd gathered to catch a glimpse of the Paktia Province deputy governor, a council member and a senior religious leader during their visit to the small village in the Jani Khel district on Feb. 15, 2009. All three have roots to the Mangal tribe that lives in the district.
DoD photo by Fred W. Baker III, Feb. 15, 2009.

A crowd of more than 300 gathered for the first visit by the Paktia Province deputy governor to the Jani Khel district Feb. 15, 2009. It was the first such meeting in the district and many of the locals had never seen their provincial leaders.
DoD photo by Fred W. Baker III, Feb. 15, 2009