
Die knappen Haushaltsmittel bringen nicht nur Schleswig-Holstein in Not. Auch das Patenschiff des Landes gerät durch die Kürzungen im Bundeshaushalt in schwere See. Die bei HDW gebaute Lenkwaffenfregatte gehört mit ihren drei Schwestern “Bayern”, “Mecklenburg-Vorpommern” und “Brandenburg” zum Rückgrat der Auslandseinsätze der Deutschen Marine. Deshalb stand für 2011 und 2012 eine umfassende Modernisierung der im Schnitt 15 Jahre alten Schiffe der Klasse 123 an. Neue Kommunikations- und Führungstechnik sowie eine Verlängerung des Hecks waren geplant.
Doch dieses Vorhaben wird verschoben – bis zum Ende der Dekade, wie zu hören war. Aber auch die Schnellboote werden die Kürzungen zu spüren bekommen. Die zehn letzten der einst 40 Boote sind im 7. Schnellbootgeschwader in Warnemünde beheimatet. Die Planung sah vor, diese Boote bis zur Ablösung durch neue Korvetten der Klasse “K131″ etwa 2017 in Dienst zu halten. Nun steht nicht nur das Projekt “K 131″ vor dem Aus, sondern es droht das vorzeitige Ende der Schnellboote. Mit dem Wegfall all dieser Aufträge drohen auch den gebeutelten deutschen Werften schere Zeiten. Es brechen damit längst einkalkulierte Aufträge weg.

Bei den Hubschraubern wird es vorerst keinen Nachfolger für den in Kiel stationierten “Sea King” geben. Das Großprojekt wird verschoben. All diese Einschränkungen haben zur Folge, dass die Marine gemessen an den anderen Teilstreitkräften bereits einen erheblichen Anteil an den Kürzungen des Wehretats von rund einer Milliarde Euro pro Jahr trägt.
Der Inspekteur der Marine drängt jedoch darauf, dass die durch Stilllegungen und Verkäufe von Marineeinheiten erzielten Erlöse in den Haushalt für die Materialinstandsetzung der verbleibenden Einheiten fließen. Schon jetzt ist die Situation dramatisch.
Fregatten warten zum Teil seit über einem Jahr auf eine Werftüberholung und Einheiten sind im Einsatz vor dem Libanon nur mit einer Maschine unterwegs, weil notwendige Instandsetzungen an dem Antrieb nicht finanziert werden können.
Die Stilllegung der sechs Eckernförder U-Boote ist für die deutschen U-Bootfahrer auch eine Zukunftschance. Durch das vorzeitige Ende der alten Boote des Typs 206A kann im Ausbildungszentrum für U-Boote auch ein Zweig geschlossen werden. Damit stehen zukünftig pro U-Boot 1,5 Besatzungen zur Verfügung. Mittelfristig soll die Zahl der U-Boote durch den Zulauf des zweiten Loses der Klasse wieder auf sechs ansteigen. “U 35″ und “U 36″ werden bis 2014 in Kiel bei HDW gebaut.
Die Reduzierung der Marineeinheiten sowie die Ausfälle durch Mangel an Wartung werden 2011 bereits zu Einsparungen führen. “Wir werden dann eben nicht mehr an jedem NATO-Verband und an jedem Manöver teilnehmen können”, sagt ein Marineoffizier. Ziel sei es, und das hat der Verteidigungsminister anlässlich des Inspekteurswechsel in Glücksburg deutlich gesagt, dass Auslandseinsätze Priorität bei der Vergabe der Haushaltsmittel haben.
Die Entscheidungen über zukünftige Einsätze werden davon getragen, was “wir bezahlen können, und nicht mehr davon, was wollen wir bezahlen”, so ein Offizier.

(Bilderquelle: Marine.de, Fregatte Schlewsig-Holstein, F216;
Screenshot, Textquelle: Kieler Nachrichten.de, Dank an den Marinekameraden Phillip R. für die Zusendung)