Archiv für die Kategorie 'Deutscher Widerstand'

Gedenken an Henning von Tresckow, “Kopf und Herz” des militärischen Widerstands gegen Hitler

Dienstag, 24. Juli 2012

Vorbild für Staatsbürger in Uniform wie Zivil

von Winfried Nachtwei MdB a.D.

Am 20. Juli stehen alljährlich die Gedenkveranstaltung der Bundesregierung im Berliner Bendlerblock und das nachfolgende feierliche Gelöbnis von Bundeswehrrekruten im Blick der Medien.

Eine andere zentrale Gedenkveranstaltung findet in der Regel am Folgetag beim Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Geltow bei Potsdam statt. Hier lädt der Befehlshaber Generalleutnant Rainer Glatz ein zum Gedenken an Henning von Tresckow (1901-1944), zuletzt Generalmajor der Wehrmacht, der sich nach dem Scheitern des von ihm mit geplanten Staatsstreiches vom 20. Juli 1944 das Leben nahm. Nach ihm ist seit 17. Juli 1992 diese Kaserne benannt. Anwesend sind Familienangehörige der Widerständler, darunter Dr. Uta von Aretin, Tochter Henning von Tresckows. Ich nehme zum dritten Mal an dieser kleineren, aber besonders eindringlichen Veranstaltung teil.

 

Die Grußadresse spricht Prof. Dr. Jutta Limbach, Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts 1994-2002. Im Vorjahr hatte Dr. Antje Vollmer, ehemalige Vizepräsidentin des Bundestages und Grünen-Abgeordnete, die Ansprache gehalten. In der Gedenkandacht mit Militärdekan Bodo Winkler spricht auch General Glatz Fürbitten. Zum Abschluss legen Frau von Aretin, der Innenminister und der Landtagspräsident des Landes Brandenburg, der Oberbürgermeister von Potsdam, der Wehrbeauftragte und General Glatz Kränze nieder.

In der Eingangshalle des Kommandogebäudes zeigen große Lichtbilder Henning von Tresckow als Offizier, als Vater, zu Pferde beim Einmarsch des 9. Infanterie-Regiments 1938 in Potsdam (zu Fuß der befreundete Wolf Graf von Baudissin) und sein berühmtes Zitat zum Sinn des Widerstands (siehe bitte unten).

Wer war Henning von Tresckow?

Auf der Zugfahrt von Münster nach Berlin lese ich die von Sigrid Grabner und Hendrik Röder herausgegebene, aufwühlende Sammlung von Texten und Dokumenten „Henning von Tresckow – Ich bin der ich war“ (Berlin 2001; hieraus die folgenden Zitate). Er muss eine Ausnahmepersönlichkeit in jeder Hinsicht und im besten Sinne gewesen sein – als Generalstabsoffizier und Menschenführer, als Vater (Bild unten), als Christenmensch, als „Staatsbürger in Uniform“ in einer Zeit größter Staatsverbrechen und versagender militärischer Führung.

Erste Jahrzehnte: Er stammte aus einer alten märkischen Adelsfamilie. Als 17-jähriger Leutnant erlebte er den Krieg an der Westfront. Im traditionsreichen Ersten Garderegiment zu Fuß „war er ein selbstbewusster und eigenwilliger Untergeber, der sich nicht scheute, Befehle vor Ort abzuändern, wenn die Situation es erforderte.“ (103) Der letzte Regimentskommandeur äußerte, „Tresckow würde entweder Chef des Generalstabes oder als Revolutionär auf dem Schafott enden.“ Nach dem Ausscheiden 1920 aus der Reichswehr studierte er Rechtswissenschaft, Staatstheorie, Geld- und Börsenwesen. Ab 1923 arbeitete er beim jüdischen Bankhaus Wilhelm Kann in Potsdam. 1924 reiste er mehrere Monate über Amsterdam, London, Paris, Flandern nach Süd- und Nordamerika.

Trotz aller beruflichen Erfolge bewarb er sich um Wiederaufnahme in das Infanterieregiment Nr. 9 in Potsdam, in das er nach der Hochzeit mit Erika von Falkenhayn, der Tochter des früheren preußischen Kriegsministers, im Februar 1927 eintrat. „Was Tresckow von seinen Untergebenen verlangte, leistete er selbst. (…) Drill, Schablone, uniformes Denken, seelenloser Kommiss waren ihm verhasst; echte Disziplin konnte immer nur Ausdruck innerer Haltung sein. (…) Die vielseitigen Interessen, Intelligenz und ein unabhängiger Charakter hoben ihn weit über den Durchschnitt der fähigen Offiziere seines Regiments heraus.“ (107) Im Unterschied zu seinem Bruder Gerd, der die hochkommende NS-Bewegung scharf kritisiert, setzte Henning von Tresckow Hoffnung auf den Nationalsozialismus und begrüßt Hitlers Machtergreifung.

Vorkriegszeit: Hatte ihn der „Tag von Potsdam“ am 21.März 1933 noch begeistert, erschütterte ihn die Wahrheit über den „Röhm-Putsch“ von Ende Juni 1934, als fast die ganze SA-Führung, außerdem u.a. Ex-Reichskanzler General Kurt von Schleicher mit Ehefrau und Erich Klausener, Vorsitzender der Katholischen Aktion im Bistum Berlin, insgesamt ca. 200 Menschen durch Hitler-Befehl ermordet wurden. Nach zwei Jahren Kriegsakademie, die er als Jahrgangsbester absolvierte, bekam er in der Operationsabteilung des Generalstabs im Reichswehrministerium ab Herbst 1936 Einblick in die zunehmenden Angriffskriegsvorbereitungen. Die Blomberg-Fritsch-Affäre 1938 (Entlassung des Reichskriegsministers und des Oberbefehlshabers des Heeres, Übernahme des Oberbefehls über die Wehrmacht durch Hitler) erschütterte Tresckow so sehr, dass er diese zusammen mit Wolf Graf Baudissin dem Befehlshaber des Wehrkreises III Berlin, General von Witzleben vortrug (dieser hatte gegen die Mordaktion „Röhm-Putsch“ protestiert; war später vorgesehen als Oberbefehlshaber der Wehrmacht nach erfolgreichem Hitler-Attentat; wurde am 8.8.1944 in Plötzensee erhängt): „Kriege im 20. Jahrhundert hielt er für sinnlos. Als Preuße fühlte er sich auch als Europäer. (…) Ein Angriffskrieg löste keine Probleme, er bedeute den Selbstmord Deutschlands.“ Um des Friedens willen befürworte er militärische Schritte gegen Hitler. Von Witzleben: „Gerade solche Männer wie Tresckow würden jetzt gebraucht, um dem Wahnsinn Einhalt zu gebieten.“ (109) Der von Witzleben angedeuteten militärischen Aktion wurde mit dem Münchner Abkommen die Grundlage entzogen. Die Pogromnacht kurz später bekräftigte seine Überzeugung, dass Hitler gestürzt werden musste.

Fünf Jahre Widerstand: „Seit Mitte 1939 arbeitete Tresckow mit wachsender Intensität und zuweilen Tollkühnheit auf die Beseitigung Hitlers hin, knüpfte Verbindungen zum zivilen Widerstand, suchte Verbündete im Heer, machte die Heeresgruppe Mitte, wo er seit 1941 Generalstabsoffizier war, zu einem Widerstandsnest. Doch sein Rang und seine Möglichkeiten setzten seiner Zielstrebigkeit immer wieder Grenzen.“ (110) Die Widerstandsgruppe in der Heeresgruppe Mitte war an allen von Wehrmachtsangehörigen unternommenen Attentatsversuchen gegen Hitler beteiligt. Sie war die einzige an der ganzen Ostfront. Ihr Initiator war Tresckow. (124)

Angesichts des „Kommissar-Befehls“ erklärte er Ende 1941 zu seinen Offizieren: „Solange ich Ia der Heeresgruppe Mitte bin, wird kein Kommissar erschossen. Ein Russe, der sich ergibt, gibt sich gefangen, damit er sein Leben behält.“

Ab Mitte August 1941 häuften sich bei Tresckows Heeresgruppe die Berichte über die monströsen Mordtaten der Einsatzgruppen von Sicherheitspolizei und SD in den gerade besetzten sowjetischen Gebieten. Deutlich wurde, dass Proteste gegen das Massenmordsystem nutzlos waren, dass es nur durch den Sturz des Hitler-Regimes gestoppt werden konnte. Hoffnungen, einen der Oberbefehlshaber einer Heeresgruppe zu gewinnen, wurden enttäuscht: „Preußische Feldmarschälle meutern nicht“, so Manstein.

In Verbindung mit Offizieren des „Ersatzheeres“ begannen die Putschplanungen unter dem Stichwort „Wallküre“. Nach der Katastrophe von Stalingrad im Januar 1943 intensivierte die Gruppe um Tresckow ihre Umsturzplanungen. Im März 1943 unternahm sie zwei Attentatsversuche, die beide scheiterten. Zusammen mit Stauffenberg bereitete Tresckow im Herbst 1943 weiter die Operation „Walküre“ vor. Im November 1943, Februar und März 1944 misslangen weitere Attentatsversuche.

Am 1. Juni 1944 landeten die Alliierten in der Normandie und wurde Tresckow zum General ernannt. Als Stauffenberg anfragte, ob das Attentat noch durchgeführt werden solle, antwortete Tresckow: „Das Attentat muss erfolgen, coûte que coûte (koste es, was es wolle). .. Denn es kommt nicht mehr auf den praktischen Zweck an, sondern darauf, dass die deutsche Widerstandsbewegung vor der Welt und vor der Geschichte unter Einsatz des Lebens den entscheidenden Wurf gewagt hat…“

Als Chef des Stabes bei der 2. Armee im polnischen Ostrow erlebte Tresckow aus der Ferne das Scheitern des Attentats vom 20. Juli. Am Morgen des 21. Juli meldete sich der Mitverschwörer und Verbindungsoffizier zur Heeresgruppe Mitte, Eberhard von Breitenbuch, bei Tresckow von einer geplanten gemeinsamen Fahrt ab: „Da kam Tresckow, ruhig und ausgeglichen wie immer. Als ich ihm sagte, dass ich doch einen Auftrag bekommen hätte, bedauerte Tresckow das sehr. Er nahm mich etwas beiseite und sagte: ´Ich hätte Sie gern als Zeugen bei meinem Tod dabeigehabt`. Ich erschrak und fragte Tresckow, was er denn vorhätte, worauf er mir antwortete, er wolle unseren Gegnern nicht die Genugtuung lassen, seiner habhaft zu werden. Er wollte zur 28. Jägerdivision und dort allein im Gelände nach vorne gehen. Dort wollte er dann mit Gewehr und Handgranaten und Maschinenpistole ein Gefecht vortäuschen und sich das Leben nehmen. Es sollte der Eindruck entstehen, dass er mit Partisanen zusammengestoßen sei. Tresckow sagte mir völlig ruhig Lebewohl und schloss: „Auf Wiedersehen in einer besseren Welt“. (60)

Die Gedenkrednerin Prof. Limbach war in ihrer Zeit am Bundesverfassungsgericht an Entscheidungen zum Adria-Einsatz, zu AWACS- und Somalia-Einsatz beteiligt. Henning von Tresckow stehe für die untrennbare Verbindung von Gehorsam und Gewissen und den bedingungslosen Respekt vor der Würde des Menschen, die Absage an unbedingten Gehorsam: „Bei der Verletzung der Menschenwürde und einem Befehl, der keinen dienstlichen Zweck erfüllt, muss der Soldat sein moralisches Unterscheidungsvermögen nutzen und diesen Befehl nicht ausführen. Henning von Tresckow erkannte, dass Dienen und Denken, Gehorsam und Gewissen zusammen gehören. Der militärische Befehl und der soldatische Gehorsam sollen auf Grundlage dieses Verständnisses stets an Recht und Gewissen gebunden sein.“

Demokratische Traditionspflege

Im Unterschied zu den meisten anderen Menschen seines Berufstandes, seiner Herkunft und der Masse der deutschen Bevölkerung damals erkannte Henning von Tresckow vergleichsweise früh den verbrecherischen Charakter des NS-Regimes. Er ließ sich weder durch den Siegeszug des Nationalsozialismus blenden noch von seinem Terror einschüchtern. Sein Widerstand wuchs lange vor den katastrophalen Niederlagen und gegen den Strom. Seine Erziehung und Familie, sein christlicher Glaube und Patriotismus, seine Begabungen nährten seine über hohe Professionalität hinausgehende Stärken: tiefe Überzeugung und charismatische Überzeugungskraft, Handlungswille, Konsequenz, Opferbereitschaft für die Menschen. Familienangehörige wie Untergebene erinnern zugleich an seine bejahend-positive Grundeinstellung, seine warme und helfende Herzlichkeit, an fröhlichen Humor.

Seine Freundschaft mit Wolf Graf von Baudissin, der später maßgeblich am Aufbau der Bundeswehr und der Entwicklung der Inneren Führung beteiligt war, ist symptomatisch: Mit seiner Art als Offizier und seiner Widerstandspraxis gegen das NS-Unrechtssystem hat er Grundprinzipien der Inneren Führung, die Bindung von Streitkräften und Soldaten an Menschenwürde und Rechtsstaatlichkeit, vorweg genommen.

Eigenartig ist, wie wenig Henning von Tresckow hierzulande bekannt ist. In ihrer Vorjahrsrede bemerkte Antje Vollmer, dass diejenigen nahezu unbekannt und unbetrauert seien, die damals den Verbrechern in die Arme fielen. Kaum ein Schüler wäre in der Lage, zehn Widerstandskämpfer beim Namen zu nennen. Auch Lehrer und Politiker wohl kaum. Warum gehört ein Mensch wie Henning von Tresckow nicht zu den „großen Deutschen“ des 20. Jahrhunderts?

Umso mehr ist zu begrüßen, dass gerade das Einsatzführungskommando der Bundeswehr alljährlich und würdig an ihn erinnert. Denn dieses Kommando verantwortet die nationale Führung von Bundeswehrkräften im – in der Regel – multinationalen Einsatz. Es überwacht dabei die Einhaltung der Mandate und organisiert die Einsatzauswertung. In diesem Kontext will eine solche Erinnerungskultur kein Ritual und kein Alibi sein, sondern Gelöbnis und Verpflichtung. Das spürt man vor Ort. Das bringt General Glatz (Bild unten) dadurch zum Ausdruck, dass und wie er dieses Gedenken inzwischen zum siebten Mal durchführt.

Vgl. Reden von Wolf Graf von Baudissin zum 20. Juli
im Jahr 1960 als Brigadekommandeur auf einer Feierstunde der Stadt Göttingen,

im Jahr 1964 als Generalleutnant in der Bonner Beethovenhalle, in:
Graf Baudissin: Soldat für den Frieden – Entwürfe für eine zeitgemäße Bundeswehr, München 1969

Mehr von Winnie Nachtwei bei Soldatenglück.de oder direkt bei Winfried Nachtwei.de.

(Textquelle: Winfried Nachtwei.de;
Bilderquellen: Bundeswehr.de; gdw-berlin.de)

Hintergrundinformationen: Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Biografie Henning von Tresckow



20. Juli 1944-2011: Ex-Verteidigungsminister Rühe würdigt öffentliches Gelöbnis für Freiwillige

Mittwoch, 20. Juli 2011

Der ehemalige Bundesverteidigungsminister Volker Rühe (CDU) hat die Bedeutung des 20. Juli für die Bundeswehr betont und gewürdigt, dass das öffentliche Gelöbnis anlässlich dieses Tages auch mit Freiwilligen fortgesetzt wird. “Der 20. Juli ist eine ganz starke Traditionslinie der Bundeswehr”, sagte er der in Halle erscheinenden “Mitteldeutschen Zeitung” (Donnerstag-Ausgabe). Der Übergang von Wehrpflichtigen zu Freiwilligen sei im Übrigen “ein Einschnitt”, so Rühe weiter. “Aber ich finde es gut, dass man die Tradition des Gelöbnisses in aller Öffentlichkeit im Herzen der Hauptstadt vor dem Reichstag auch mit den Freiwilligen fortsetzt. Dadurch wird deutlich, dass sie in gleicher Weise in die Verantwortung genommen werden.” Trotz der mit der Abschaffung der Wehrpflicht eingetretenen Zäsur herrsche Kontinuität. “Das ist ein positives Signal.” (Zitatende)

Berichtet die “Mitteldeutsche Zeitung aus Halle vorab.

Soldatenglück.de ergänzt: Der CDU-Politiker Volker Rühe war in der Regierungszeit von Helmut Kohl der elfte Bundesminister der Verteidigung, vom 03.04.1992 – 28.10.1998.

(Textquelle kursiv: Mitteldeutsche Zeitung.de;
Bilderquelle: Bundeswehr.de)

Tag des Deutschen Widerstandes: Rekruten-Gelöbnis vor dem Reichstagsgebäude, PHOENIX übeträgt live

Dienstag, 20. Juli 2010

Es spricht Ewald-Heinrich von Kleist, der letzte lebende Mitverschwörer aus dem Kreis um Stauffenberg

Am 66. Jahrestag des gescheiterten Attentats von Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg und seiner Mitstreiter im Widerstand am 20. Juli 1944 gedenkt die Bundesrepublik Deutschland mit einem Feierlichen Gelöbnis von Bundeswehr-Rekruten vor dem Deutschen Bundestag/Reichstagsgebäude.

PHOENIX überträgt von 18.30 bis 19.45 Uhr live(stream) “vor ORT” das Rekruten-Gelöbnis von rund 420 Bundeswehrsoldaten vor dem Berliner Reichstagsgebäude. Die Rekruten sprechen ihren Eid am 66. Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler.

Neben Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg spricht Ewald-Heinrich von Kleist zu den Rekruten. Dessen Vater war 1945 von den Nationalsozialisten in Berlin-Plötzensee hingerichtet worden, er selbst kam in ein Konzentrationslager.

Seit dem Jahr 2008 wird das Feierliche Gelöbnis der jungen Soldaten der Parlamentsarmee Bundeswehr vor dem Reichstagsgebäude/Deutscher Bundestag abgehalten, anfänglich mit Protest und Schwierigkeiten, Soldatenglück.de berichtete darüber.

Der Infanterie-Leutnant Ewald-Heinrich von Kleist (Bild rechts), ältestes von sechs Kindern von Ewald von Kleist-Schmenzin (1890–1945) aus dessen erster Ehe mit Anna von der Osten (1900–1937), wurde von Stauffenberg für den Widerstand gegen Adolf Hitler angeworben. Nachdem der Attentäterkandidat Axel von dem Bussche im Januar 1944 an der Ostfront schwer verwundet worden war und somit als Attentäter ausschied, trat Stauffenberg im Februar 1944 an Kleist heran. Wie zuvor bei von dem Bussche war an ein Attentat gegen Adolf Hitler während einer Uniformvorführung gedacht. Kleist bat darum, vor dem Entschluss zu einem Selbstmordattentat mit seinem Vater sprechen zu dürfen. Sein Vater meinte, er könne sich dem Anliegen Stauffenbergs nicht entziehen: “Ja, das musst Du tun. Wer in einem solchen Moment versagt, wird nie wieder froh im Leben.”

Das Vorhaben scheiterte, weil Hitler den Vorführtermin von Tag zu Tag verschob. Am 20. Juli 1944 fungierte Kleist im Bendlerblock in Berlin als einer der zahlreichen Unterstützer und Helfer des Attentats. Kleist gelang es nach Scheitern des Attentats, seine Aktivitäten im Widerstand zu vertuschen. Ein Verfahren gegen ihn wurde im Dezember 1944 aus Mangel an Beweisen eingestellt. Er entging somit einer Anklage vor dem Volksgerichtshof und wurde bis zum Kriegsende an der Front eingesetzt.

Im Jahr 1962 gründete er die Wehrkundetagung in München, die später in internationale “Konferenz für Sicherheitspolitik” umbenannt wurde. Kleist moderierte sie bis 1998. Der Ewald-von-Kleist-Preis der Münchner Sicherheitskonferenz, der 2009 zum ersten Mal verliehen wurde, ist nach ihm benannt.

Er arbeitete als Verleger und ist Rechtsritter des Johanniterordens. Kleist heiratete am 2. Juni 1960 in München Gundula Freude (* 3. Dezember 1930 in Rostock), die Tochter des Majors Dr. jur. Dr. oec. publ. Richard Freude und von Dr. rer. pol. Irmgard Castendyk. Das Ehepaar hat einen Sohn und eine Tochter und lebt in München.

Seit dem Tod von Philipp Freiherr von Boeselager gilt Ewald-Heinrich von Kleist (Bild rechts) als der letzte lebende Mitverschwörer aus dem Kreis um Stauffenberg, zu dessen 100. Geburtstag am 15. November 2007 er schon einmal eine Rede hielt.

(Bilderquelle: Bundeswehr.de, Soldaten beim Einüben der Gelöbnis-Aufstellung am Tag vor dem 20. Juli 2009, Ewald-Heinrich von Kleist;
Textauszug Biografie: wiki, Bildquelle Wiki-User Kelsi)

Hintergrundinformationen: Gedenkstätte Deutscher Widerstand

20. Juli war Sieg des Gewissens über blinden Gehorsam

Dienstag, 20. Juli 2010

Zum Jahrestag des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 erklärt der Generalsekretär der CDU Deutschlands, Hermann Gröhe:

Der 20. Juli 1944 ist ein herausragendes Datum in der deutschen Geschichte. Als Demokraten gedenken wir heute der Widerstandskämpfer, die unter Einsatz ihres Lebens gegen die menschenverachtende Diktatur Adolf Hitlers gekämpft haben. Für die CDU, an deren Gründung Mitglieder des Widerstands maßgeblich beteiligt waren, sind die Widerstandskämpfer des 20. Juli ein leuchtendes Beispiel für Zivilcourage und den Sieg des Gewissens über blinden Gehorsam. Sie sind politisches und staatsbürgerliches Vorbild.

Der 20. Juli 1944 ist somit ein entscheidendes Datum, gerade auch für das Selbstverständnis unserer Bundeswehr. Denn das Leitbild des Staatsbürgers in Uniform geht nicht zuletzt auf diesen Tag zurück. Für die CDU Deutschlands ist klar: Auch in der tief greifenden Strukturreform, vor der die Bundeswehr steht, wird dieses Leitbild weiter Bestand haben. Unabhängig davon, wie die Bundeswehr der Zukunft ausgestaltet sein wird, gibt es keinen Zweifel daran, dass die Soldatinnen und Soldaten tief in der demokratischen Ordnung der Bundesrepublik verwurzelt sind. Auf diese Erfolgsgeschichte können wir stolz sein.

Es ist deshalb gut und wichtig, dass am Jahrestag des gescheiterten Attentats wieder junge Soldatinnen und Soldaten vor dem Reichstagsgebäude ihr Gelöbnis feierlich und öffentlich ablegen. Damit wird deutlich, dass die Bundeswehr in der Mitte unserer Gesellschaft steht und wir großen Respekt vor ihrer schwierigen und oft auch gefährlichen Arbeit für Frieden und Freiheit haben.

(Textquelle: CDU Deutschlands.de;
Bildquelle: Soldatenglück.de Gedenktafel im Bendlerblock Berlin, Gedenkstätte Deutscher Widerstand.de Stauffenberg-Bild))

Stauffenberg – Das Attentat – Die wahre Geschichte (Videos)

Montag, 20. Juli 2009

Eine authentische und spezifisch deutsche Perspektive auf die Person Stauffenbergs und den Attentatsversuch.
Heute am 20. Juli 2009 jährt sich zum 65. Mal der Tag des gescheiterten Sprengstoffattentates auf Adolf Hitler durch die Offiziere um Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Der militärische Widerstand im “Dritten Reich” ist eine der Traditionslinien der Bundeswehr.

Teil I

Teil II

Teil III

Teil IV

Teil V

ZDF-Dokumentaion über das Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944. Ein Film von Christian Frey und Oliver Halmburger.

Es war der letzte Tag in seinem Leben, ein Tag, der Geschichte machte: Am 20. Juli 1944 deponierte Claus Schenk Graf von Stauffenberg eine Bombe in der Besprechungsbaracke des Führerhauptquartiers “Wolfsschanze” in Ostpreußen. Als der Sprengsatz explodierte, war der Attentäter bereits auf der Flucht, um wenige Stunden später im Berliner Bendlerblock den geplanten Staatsstreich zu koordinieren. Die kühne Aktion sollte das Reich vor dem Untergang bewahren, das Sterben an den Fronten und das Morden in den Vernichtungslagern hinter den Fronten beenden. Der mutige Einsatz

Parallel dazu liefert das ZDF-Dokudrama “Stauffenberg – Die wahre Geschichte” eine authentische und spezifisch deutsche Perspektive auf die Person Stauffenbergs und den Attentatsversuch. Die Doku rekonstruiert anhand neuester Erkenntnisse das Geschehen des 20. Juli 1944. Historiker und Zeitzeugen zeichnen das Psychogramm jenes Mannes, der an diesem Tag den Lauf der Geschichte ändern wollte und als zentraler Akteur den Staatsstreich vorantrieb.

Verblüffende Beobachtungen über das Geschehen im Bendlerblock steuert im Zeitzeugengespräch Ewald von Kleist bei, der letzte noch lebende Mitverschwörer des 20. Juli. Er berichtet über die ruhige Entschlossenheit und die unbeirrbare Haltung des Hauptakteurs, der nicht nur angetreten war, Hitler zu töten, sondern der auch die Schande tilgen wollte, in die sein Land geraten war. “Stauffenberg – Die wahre Geschichte” lenkt darüber hinaus den Blick auf die Zeit nach dem Attentat, als die Rache des Regimes auf die Familie Stauffenberg zurückschlug. Konstanze von Schulthess-Rechberg, die jüngste Tochter Stauffenbergs, korrigiert im ZDF-Interview bisherige Vorstellungen über die Rolle ihrer Mutter, Nina von Stauffenberg. Die Ehefrau des Attentäters war – so berichtete sie ihrer Tochter – in dessen oppositionelle Aktivitäten sehr wohl eingeweiht. Doch dass er selbst die Bombe legen würde, hatte er seiner Frau verschwiegen. Es sind mosaikartige Facetten wie diese, mit denen das Doku-Drama dazu beiträgt, das Bild des Hitler- Attentäters Stauffenberg zu vervollständigen.

Hintergrundinformationen: Gedenkstätte Deutscher Widerstand.de



20. Juli ade? Plädoyer für einen postheroischen Heroismus.

Sonntag, 19. Juli 2009

bw-gedenktafel-20-juli-1944

Deutschlandsradio Kultur beschäftigt sich zum 65. Jahrestag des 20. Juli mit dem Deutschen Widerstand, insbesondere mit der Symbolfigur Claus Schenk Graf von Stauffenberg, das Politisches Feuilleton von dradio plädiert und hinterfragt:

bw-stauffenberg-claus

Plädoyer für einen postheroischen Heroismus
Von Erik von Grawert-May

Ist es nicht aberwitzig, welch ein Rumor sich spätestens seit Beginn dieses Jahres um das Attentat Claus Schenks von Stauffenberg gelegt hat? Wir begehen die 65. Wiederkehr des 20. Juli 1944, doch tonangebende Milieus unserer Republik bezweifeln inzwischen, dass wir den Grafen wie in den vergangenen Jahren feiern dürfen. Er sei zwar ein Held, aber ein falscher.

Der neue Zweifel hängt nur locker mit dem Film “Operation Walküre” zusammen, der Anfang 2009 in deutsche Kinos kam. Tom Cruise, Attentäter und Scientologe in Personalunion, hat die Zweifel an der Einschätzung Stauffenbergs sicher verstärkt, begründet hat er sie nicht. Das ist vielmehr dem englischen Historiker, Richard Evans; zu verdanken, der 2008 eine Analyse des “Dritten Reichs im Krieg” vorgelegt hat. Sie führte ihn zu der Behauptung, man müsse am moralischen Motiv des deutschen Widerständlers und an seinen politschen Ordnungsvorstellungen Bedenken tragen. Als Vorbild für moderne Demokratien taugten sie nicht.” zum vollständigen Artikel und Beitrag (Schrift und Audio) bei Deutschlandradio Kultur

Bildquelle, Hintergrundinformationen: Gedenkstätte Deutscher Widerstand.de

(Textauszüge: Deutschlandsradio Kultur.de;
Bildquelle: Soldatenglück.de Gedenktafel im Bendlerblock Berlin, Gedenkstätte Deutscher Widerstand.de Stauffenberg-Bild)

Operation “WALKÜRE” – Das Stauffenberg Attentat (Video)

Freitag, 23. Januar 2009

In den deutschen Kinos läuft Valkyrie heute an, nachdem er in den USA bereits am 25. Dezember 2008 in New York Premiere hatte, hier bei Soldatenglück.de der Trailer des Films von Christopher McQuarrie und Bryan Singers, Operation “WALKÜRE” – Das Stauffenberg Attentat.
An Originalschauplätzen gedreht und schon jetzt weltweit diskutiert, erzählt der Film Valkyrie (US-Titel) von den packenden Ereignissen rund um das Attentat auf den Diktator Adolf Hitler am 20. Juli 1944.
Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907-1944), gespielt von Tom Cruise, entschließt sich zur aktiven Gegnerschaft, als er die Folgen der deutschen Politik im Osten Europas erkennt und das ganze Ausmaß des Schadens abschätzen kann, den Hitlers Krieg über das Deutsche Reich und Europa bringt. Unter dem Einfluss Henning von Tresckows, des Generals Friedrich Olbricht und des Oberleutnants d.R. Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg rückt Stauffenberg jetzt in den Mittelpunkt der militärischen Konspiration. Er stellt wichtige Verbindungen zu zivilen Widerstandskreisen her und koordiniert seine Attentatspläne mit Carl Friedrich Goerdeler und Ludwig Beck sowie mit den Verschwörern, die sich in Paris, in Wien, in Berlin und bei der Heeresgruppe Mitte bereithalten, aber auch mit Sozialdemokraten wie Julius Leber, Mitgliedern des Kreisauer Kreises wie Adam von Trott zu Solz und Vertretern der Gewerkschaftsbewegung wie Jakob Kaiser und Wilhelm Leuschner. Stauffenberg versucht, die verschiedenen Kreise und Gruppen auf ein gemeinsames Programm zu einigen. Der deutsche Widerstandkämpfer will mit seinen Kameraden Europa vor der kompletten Zerstörung retten indem er die Operation “WALKÜRE” einleitet … nach einem gelungenen Umsturz sollte Stauffenberg Staatssekretär im Reichskriegsministerium werden – er wird am 20. Juli 1944 zur Symbolfigur des Deutschen Widerstands.

Informationen zum Film: Walküre – Der Film.de

Hintergrundinformationen: Gedenkstätte Deutscher Widerstand.de

Operation “WALKÜRE” – Das Stauffenberg Attentat (Video)

Dienstag, 16. Dezember 2008

Am 25. Dezember läuft der Film in den USA an, heute war in New York Premiere, am 22. Januar 2009 wird er in Deutschland in die Kinos kommen, hier bei Soldatenglück.de der Trailer des Films von Christopher McQuarrie und Bryan Singers, Operation “WALKÜRE” – Das Stauffenberg Attentat.
An Originalschauplätzen gedreht und schon jetzt weltweit diskutiert, erzählt der Film Valkyrie (US-Titel) von den packenden Ereignissen rund um das Attentat auf den Diktator Adolf Hitler am 20. Juli 1944.
Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907-1944), gespielt von Tom Cruise, entschließt sich zur aktiven Gegnerschaft, als er die Folgen der deutschen Politik im Osten Europas erkennt und das ganze Ausmaß des Schadens abschätzen kann, den Hitlers Krieg über das Deutsche Reich und Europa bringt. Unter dem Einfluss Henning von Tresckows, des Generals Friedrich Olbricht und des Oberleutnants d.R. Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg rückt Stauffenberg jetzt in den Mittelpunkt der militärischen Konspiration. Er stellt wichtige Verbindungen zu zivilen Widerstandskreisen her und koordiniert seine Attentatspläne mit Carl Friedrich Goerdeler und Ludwig Beck sowie mit den Verschwörern, die sich in Paris, in Wien, in Berlin und bei der Heeresgruppe Mitte bereithalten, aber auch mit Sozialdemokraten wie Julius Leber, Mitgliedern des Kreisauer Kreises wie Adam von Trott zu Solz und Vertretern der Gewerkschaftsbewegung wie Jakob Kaiser und Wilhelm Leuschner. Stauffenberg versucht, die verschiedenen Kreise und Gruppen auf ein gemeinsames Programm zu einigen. Der deutsche Widerstandkämpfer will mit seinen Kameraden Europa vor der kompletten Zerstörung retten indem er die Operation “WALKÜRE” einleitet … nach einem gelungenen Umsturz sollte Stauffenberg Staatssekretär im Reichskriegsministerium werden – er wird am 20. Juli 1944 zur Symbolfigur des Deutschen Widerstands.

Informationen zum Film: Walküre – Der Film.de

Hintergrundinformationen: Gedenkstätte Deutscher Widerstand.de