Es spricht Ewald-Heinrich von Kleist, der letzte lebende Mitverschwörer aus dem Kreis um Stauffenberg
Am 66. Jahrestag des gescheiterten Attentats von Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg und seiner Mitstreiter im Widerstand am 20. Juli 1944 gedenkt die Bundesrepublik Deutschland mit einem Feierlichen Gelöbnis von Bundeswehr-Rekruten vor dem Deutschen Bundestag/Reichstagsgebäude.
PHOENIX überträgt von 18.30 bis 19.45 Uhr live(stream) “vor ORT” das Rekruten-Gelöbnis von rund 420 Bundeswehrsoldaten vor dem Berliner Reichstagsgebäude. Die Rekruten sprechen ihren Eid am 66. Jahrestag des Attentats auf Adolf Hitler.
Neben Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg spricht Ewald-Heinrich von Kleist zu den Rekruten. Dessen Vater war 1945 von den Nationalsozialisten in Berlin-Plötzensee hingerichtet worden, er selbst kam in ein Konzentrationslager.

Seit dem Jahr 2008 wird das Feierliche Gelöbnis der jungen Soldaten der Parlamentsarmee Bundeswehr vor dem Reichstagsgebäude/Deutscher Bundestag abgehalten, anfänglich mit Protest und Schwierigkeiten, Soldatenglück.de berichtete darüber.
Der Infanterie-Leutnant Ewald-Heinrich von Kleist (Bild rechts), ältestes von sechs Kindern von Ewald von Kleist-Schmenzin (1890–1945) aus dessen erster Ehe mit Anna von der Osten (1900–1937), wurde von Stauffenberg für den Widerstand gegen Adolf Hitler angeworben. Nachdem der Attentäterkandidat Axel von dem Bussche im Januar 1944 an der Ostfront schwer verwundet worden war und somit als Attentäter ausschied, trat Stauffenberg im Februar 1944 an Kleist heran. Wie zuvor bei von dem Bussche war an ein Attentat gegen Adolf Hitler während einer Uniformvorführung gedacht. Kleist bat darum, vor dem Entschluss zu einem Selbstmordattentat mit seinem Vater sprechen zu dürfen. Sein Vater meinte, er könne sich dem Anliegen Stauffenbergs nicht entziehen: “Ja, das musst Du tun. Wer in einem solchen Moment versagt, wird nie wieder froh im Leben.”
Das Vorhaben scheiterte, weil Hitler den Vorführtermin von Tag zu Tag verschob. Am 20. Juli 1944 fungierte Kleist im Bendlerblock in Berlin als einer der zahlreichen Unterstützer und Helfer des Attentats. Kleist gelang es nach Scheitern des Attentats, seine Aktivitäten im Widerstand zu vertuschen. Ein Verfahren gegen ihn wurde im Dezember 1944 aus Mangel an Beweisen eingestellt. Er entging somit einer Anklage vor dem Volksgerichtshof und wurde bis zum Kriegsende an der Front eingesetzt.
Im Jahr 1962 gründete er die Wehrkundetagung in München, die später in internationale “Konferenz für Sicherheitspolitik” umbenannt wurde. Kleist moderierte sie bis 1998. Der Ewald-von-Kleist-Preis der Münchner Sicherheitskonferenz, der 2009 zum ersten Mal verliehen wurde, ist nach ihm benannt.
Er arbeitete als Verleger und ist Rechtsritter des Johanniterordens. Kleist heiratete am 2. Juni 1960 in München Gundula Freude (* 3. Dezember 1930 in Rostock), die Tochter des Majors Dr. jur. Dr. oec. publ. Richard Freude und von Dr. rer. pol. Irmgard Castendyk. Das Ehepaar hat einen Sohn und eine Tochter und lebt in München.
Seit dem Tod von Philipp Freiherr von Boeselager gilt Ewald-Heinrich von Kleist (Bild rechts) als der letzte lebende Mitverschwörer aus dem Kreis um Stauffenberg, zu dessen 100. Geburtstag am 15. November 2007 er schon einmal eine Rede hielt.
(Bilderquelle: Bundeswehr.de, Soldaten beim Einüben der Gelöbnis-Aufstellung am Tag vor dem 20. Juli 2009, Ewald-Heinrich von Kleist;
Textauszug Biografie: wiki, Bildquelle Wiki-User Kelsi)
Hintergrundinformationen: Gedenkstätte Deutscher Widerstand