Westfälischer Friedenspreis für Altkanzler Helmut Schmidt – Ein großer deutscher Staatsmann
Sonntag, 4. März 2012“Helmut Schmidt ist einer der bedeutendsten Wegbereiter des friedlich geeinten Europa. In seiner Zeit als deutscher Bundeskanzler stellte er wichtige Weichen in Richtung der europäischen Integration”
Preis des Westfälischen Friedens 2012
Helmut Schmidt und “Children for a better World” erhalten Preis des Westfälischen Friedens 2012
Verleihung am 22. September im Rathaus zu Münster
Altbundeskanzler Helmut Schmidt und die Organisation “Children for a better World” werden in diesem Jahr mit dem Preis des Westfälischen Friedens geehrt. Dies hat die Wirtschaftliche Gesellschaft für Westfalen-Lippe (WWL) in Münster mitgeteilt. Das Kuratorium, bestehend aus westfälischen Unternehmer-Persönlichkeiten, beschloss zudem in dieser Woche, das Preisgeld ab 2012 von 50.000 auf 100.000 Euro zu erhöhen. Wie bei früheren Verleihungen geht es erneut je zur Hälfte an beide Preisträger. Die feierliche Verleihung des Preises findet am 22. September im Rathaus zu Münster statt.
“Helmut Schmidt ist einer der bedeutendsten Wegbereiter des friedlich geeinten Europa. In seiner Zeit als deutscher Bundeskanzler stellte er wichtige Weichen in Richtung der europäischen Integration”, heißt es in der Begründung der Jury und des Kuratoriums der WWL. “Der Staatsmann Helmut Schmidt steht zweifelsohne in einer Reihe mit den großen Europäern Valéry Giscard d´Estaing, Helmut Kohl und Václav Havel, die alle ebenfalls schon mit dem Preis des Westfälischen Friedens ausgezeichnet wurden.”
Zusammen mit Schmidt wird der Verein “Children for a better World” geehrt. Die Organisation mit Sitz in München – 1994 von rund 30 Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Wirtschaft gegründet – fördert weltweit Kinderhilfsprojekte. Getreu dem Leitgedanken ,Mit Kindern. Für Kinder!` spielen dabei die Kinderbeiräte eine wichtige Rolle, in denen Kinder und Jugendliche selbst über die Vergabe von Fördermitteln entscheiden. Mit 25 Millionen Euro an Spenden konnten bisher weltweit mehr als 1.200 Projekte gefördert werden.
“Mit dem Preis des Westfälischen Friedens halten wir die Erinnerung an das aufrecht, was die Gesandten im Jahr 1648 in Münster und in Osnabrück geleistet haben”, erklärt Dr. Reinhard Zinkann, Vorsitzender der WWL. Das historische Vertragswerk sei beseelt gewesen durch den Traum vom Frieden, der nicht nur an den Stätten des Friedensschlusses bewegte, sondern die Menschen in ganz Europa und in der Welt. Zinkann: “Das hält bis heute an und gibt der Verleihung unseres Friedenspreises alle zwei Jahre ihren Sinn.” Die Verdoppelung der Dotierung auf 100.000 Euro signalisiere, dass der Preis des Westfälischen Friedens nun eine Auszeichnung “von herausragendem internationalem Rang” sei.
Seit der Stiftung des Preises im Jahr 1998 nahmen neben Valéry Giscard d´Estaing, Helmut Kohl und Václav Havel auch Carla del Ponte, Kurt Masur, Kofi Annan und Daniel Barenboim bereits die Auszeichnung in Empfang. Gemeinsam mit Persönlichkeiten, die durch ihre Lebensleistung zum Vorbild für Friedensarbeit in Europa und der Welt geworden sind, werden immer auch junge Menschen geehrt, die durch ihre Taten ein Beispiel für politische, soziale und ökologische Versöhnung und damit für Frieden in der Welt gegeben haben.
In der “Westfälischen Zeitung” aus Bielefeld kommentierte Thomas Seim:
Die erste Verblüffung, die sich bei der Nachricht einstellt, dass Helmut Schmidt den Westfälischen Friedenspreis erhält, entlädt sich in der zweifelnden Frage: Hat er den nicht schon längst? Schließlich hat ihn Schmidts großer französischer Partner, Giscard d’Estaing, doch schon erhalten. Und da sollte der Kanzler ihn nicht erhalten haben, der mit Giscard 1975 zunächst den G-6-Gipfel, den Vorläufer von G 7, G 8 und G20, den politischen Leitgremien der Welt, erfand? Nein, hat er nicht. Und deshalb ist es eine sehr gute Entscheidung der Jury, den Preis diesem großen Deutschen zu verleihen. Schmidts Wahrnehmung war immer von dem Respekt vor dessen Wirtschaftskompetenz geprägt. Lange aber fand der Hanseat keinen Weg in die Gefühlswelt der Deutschen. Da rangierte er hinter Willy Brandt und Konrad Adenauer. Den Deutschen – insbesondere auch der deutschen Linken – fehlte über Jahre die Fähigkeit, neben dem Respekt vor dem Manager der Macht auch eine persönliche Nähe zum 5. Kanzler der Republik zu entwickeln, der schon als Hamburger Innensenator Mut gegen die Flut zeigte und die Bundeswehr im Innern einsetzte. Das mag mit der hanseatischen Kühle und Arroganz zu tun haben, die Helmut Schmidt in persönlichen Begegnungen seine Gegenüber oft und gern spüren ließ. Gerecht war es allerdings nicht. Schmidt hat Deutschland nicht nur durch die Terrorjahre in den 1970ern geführt. Er war auch der emotionale Mensch, der nach der Befreiung der Geiseln von Mogadischu weinte. Schmidt hat – früher als andere – gespürt, dass nur in der internationalen Zusammenarbeit Frieden und eine erfolgreiche Zukunft liegen können. Das ist seine große Leistung, die heute mit Recht Anerkennung erhält und in eine Reihe mit dem Friedensnobelpreisträger Willy Brandt gehoben wird. Es ist spät, aber – gottlob – nicht zu spät. (Zitatende)
(Textquelle kursiv: Neue Westfälische.de;
Bildquelle: Westfälischer Friedenspreis.de)
Hintergrundinformationen: Preis des Westfälischen Friedens










