
Deutschland bzw. der Bund ist mit 1,3 Millionen Billionen Euro verschuldet, der Präsident des Bundesrechnungshofes, Prof. Dr. Dieter Engels, hat gestern am 15. November 2011 die “Veröffentlichung der Bemerkungen 2011 des Bundesrechnungshofes” vorgelegt.
Auch unser Ressort, das Bundesministerium für Verteidigung (BMVg), bzw. die Bundeswehr hat Negatives zu verschulden, durch mangelnde Sorgfalt zu einem unwirtschaftlichen Einsatz von Bundesmitteln beigetragen. Munition im Wert von 46 Millionen Euro verottete, 17 Millionen Euro werden für die Neuanschaffung fällig
So lagert die Bundeswehr seit cirka 40 Jahren Gewehrmunition in großen Mengen. Zurzeit sind es u. a. 227 Millionen Patronen im Wert von ca. 116 Mio. Euro. Ein großer Teil hiervon – mindestens 40 v. H. – ist durch unsachgemäße Lagerung korrodiert und völlig unbrauchbar geworden, so dass ca. 46 Mio. Euro buchstäblich verrottet sind. Der Bundesrechnungshof hatte bereits im Jahr 2002 auf Mängel bei der Munitionsüberwachung hingewiesen.
Bei einer aktuellen Kontrollprüfung stellte er dann fest, dass
• die Bundeswehr die Korrosionsmängel erst 2004 bemerkte,
• sodann 2010 entschied, alle 227 Millionen Patronen einzeln auspacken und einzeln prüfen zu lassen und
• hiermit 30 Depotmitarbeiter und Soldaten zu beauftragen.
Zudem führt der nachlässige Umgang mit der Munition auch dazu, dass nunmehr neue Patronen für mindestens 17 Mio. Euro gekauft werden müssen.
Aber auch Positives über das einsichtige Verhalten der Bundeswehr/des BMVg wurde vekündet. So richtet der Bundesrechnungshof einen Großteil seiner Prüfungen so aus, dass die unwirtschaftliche Verwendung öffentlicher Mittel rechtzeitig vermieden wird.
Das Bundesverteidigungsministerium beabsichtigte ein Multilinksystem entwickeln zu lassen, das Informationen für Marine, Heer und Luftwaffe bereitstellen sollte. Das System hatte den Namen MULUS und seine Entwicklung sollte 23 Mio. Euro kosten. Die frühzeitigen Prüfungen des Bundesrechnungshofes ergaben, dass für MULUS überhaupt kein Bedarf bestand. Die Bundeswehr zeigte sich zunächst uneinsichtig. 2010 sah sie dann aber doch die Einschätzung des Bundesrechnungshofes als richtig an und gab ihren Plan auf.
In einem anderen Bereich der Bundeswehr führten die Empfehlungen des Bundesrechnungshofes dazu, dass sich zwei benachbarte Militäreinrichtungen besser abstimmten und gemeinsame Einsparungen verabredeten: Beide Einrichtungen sind in Eckernförde unmittelbar benachbart. Im dortigen Hafen setzten beide für ihre Verladearbeiten je eigene Kräne und Gabelstapler ein. Deren Auslastung lag je Tag zwischen 30 Minuten und maximal zwei Stunden. Nachdem dann zu allem Überfluss ein weiterer neuer Kran beschafft werden sollte, empfahl der Bundesrechnungshof, dass beide Einrichtungen einen einzigen Kran gemeinsam nutzen. Diese Empfehlung wurde aufgegriffen: Ein 20-Tonnen-Kran ist ausgesondert, auf den Kauf eines weiteren Kranes mit Ausgaben von 2 Mio. Euro ist verzichtet worden.
“Trotz zu erwartender höherer Steuereinnahmen bleibt die aktuelle Haushaltslage des Bundes angespannt“, sagte der Präsident des Bundesrechnungshofes, Prof. Dr. Dieter Engels, anlässlich der Veröffentlichung der Bemerkungen 2011 des Bundesrechnungshofes am 15. November 2011 in Berlin. “Somit bleiben die Anforderungen an eine nachhaltige Haushaltspolitik unverändert: Mehreinnahmen und Einsparpotentiale gilt es in erster Linie für den Abbau der Neuverschuldung zu nutzen”, so Engels.
In seiner Analyse zur finanzwirtschaftlichen Entwicklung des Bundes verweist der Bundesrechnungshof auf die angespannte Haushaltslage:
• Der Bund ist mit 1,3 Billionen Euro verschuldet.
• Im Jahr 2012 wird der Bund 38,4 Milliarden Euro allein für Zinsen aufwenden.
• Der Rahmen für Gewährleistungen und Bürgschaften des Bundes beträgt mittlerweile 800 Mrd. Euro.
Um den Blick auf mögliche Einsparpotentiale im Bundeshaushalt zu erleichtern, legt der Bundesrechnungshof mit den diesjährigen Bemerkungen erstmals eine umfassende Analyse aller Einzelpläne im Bundeshaushalt vor. Für jedes Bundesministerium werden Schwerpunkte, Strukturen und finanzielle Risiken seines jeweiligen Ausgabenbereiches aufgezeigt.
BMVg.de berichtete am 16.02.2010 noch: Gestiegener Munitionsbedarf in der Bundeswehr und stellte heraus: “Tatsache ist, dass die laufenden Einsätze und die dafür erforderliche Ausbildung den Bedarf an Munition für Handwaffen bei der Bundeswehr deutlich erhöht haben.”
Was stimmt denn nun: Erhöhter Munitionsbedarf wegen Auslandseinsätzen oder wegen Mißwirtschaft in der Heimat?
(Textauszüge: Bundesrechnungshof.de;
Bildquelle: Ministry of Defence.uk.gov, 5.56mm ammunition rounds are pictured during a training shoot onboard HMS Cornwall by the frigate’s Royal Marine Boarding Team using their SA80 assault rifles)