Archiv für die Kategorie 'Wehrpflicht/Freiwilligenarmee'

Bundesfreiwilligendienst: Der Osten liegt vorn, Schlusslicht Bremen und Wiesbaden

Montag, 14. Mai 2012

Städtevergleich zeigt besonders hohes Engagement in den neuen Ländern

Der neue Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) stößt insbesondere in Ostdeutschland auf eine starke Resonanz. Das hat das Männer-Lifestylemagazin “Men’s Health” (Ausgabe 6/2012, EVT 16.05.2012) bei einer Auswertung von Daten des Familienministeriums festgestellt. So sind etwa in Rostock mehr als 112 Menschen pro 100.000 Einwohner in dem freiwilligen Hilfsdienst engagiert – ein Spitzenwert unter allen deutschen Großstädten. Unter den ersten fünf des Rankings finden sich mit Chemnitz, Erfurt und Dresden sogar noch drei weitere Städte aus den neuen Bundesländern. Schlusslicht ist dagegen das westdeutsche Wiesbaden mit gerade mal knapp 17 so genannten Bufdis pro 100.000 Einwohner.

Dr. Jens Kreuter, der im Familienministerium für den Aufbau des Freiwilligendienstes zuständig ist, kann in “Men’s Health” nur vermuten, warum das Engagement im Osten so vergleichsweise hoch ist: “Die höhere Arbeitslosigkeit trägt wohl ihren Teil bei – schließlich sind bei uns auch Hartz-IV-Empfänger willkommen”, sagt Kreuter. “Doch auch Menschen, bei denen dies keine Rolle spielt, sind zahlreicher vertreten.” Möglicherweise liegt es nach Einschätzung des Experten auch daran, dass soziales Engagement im Osten traditionell “einen hohen Stellenwert” hat.

1. Rostock 112,2*
2. Chemnitz 98,7
3. Bielefeld 84,5
4. Erfurt 84,4
5. Dresden 83,0
6. Leipzig 81,3
7. Hannover 80,2
8. Solingen 75,8
9. Freiburg (Breisgau) 75,3
10. Saarbrücken 74,0
11. Aachen 70,8
12. Karlsruhe 66,4
13. Münster (Westfalen) 66,1
14. Magdeburg 60,3
15. Krefeld 54,4
16. Bonn 52,5
17. Essen 51,7
18. Hagen 51,0
19. Braunschweig 49,3
20. Lübeck 49,1
21. Leverkusen 48,6
22. Mönchengladbach 48,4
23. Herne 48,3
24. Osnabrück 48,0
25. Gelsenkirchen 45,4
26. Oldenburg (Oldenburg) 45,2
27. Stuttgart 43,9
28. Augsburg 43,6
29. Ludwigshafen (Rhein) 43,5
30. Hamburg 43,0
31. Dortmund 42,8
32. Wuppertal 42,7
33. Halle (Saale) 41,8
34. Oberhausen 41,1
35. Bochum 40,1
36. Düsseldorf 38,9
37. Kiel 37,8
38. Mainz 35,9
39. München 31,9
40. Frankfurt (Main) 30,2
41. Mülheim (Ruhr) 29,3
42. Hamm (Westfalen) 29,2
42. Köln 29,2
42. Nürnberg 29,2
45. Berlin 28,5
46. Kassel 26,2
47. Duisburg 25,6
48. Mannheim 24,4
49. Bremen 21,6
50. Wiesbaden 16,9

*Anzahl der Bundesfreiwilligen pro 100.000 Einwohner im März 2012. Die Daten stammen vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. In der Rangliste sind die 50 größten Städte Deutschlands vertreten.

(Text-, Datenquelle: menshealth.de)

Hintergrundinformationen: Bundesfreiwilligendienst “Nichts erfüllt mehr, als gebraucht zu werden.” “Es ist nie zu spät, das Richtige zu tun.”



Militärische und zivile Karriere-Chancen bei der Bundeswehr (Video)

Dienstag, 8. Mai 2012

KarriereTreff – Bundeswehr zum Reinschnuppern, Informieren und Anfassen
Mit dem Showtruck unterwegs in Deutschland

Jedes Jahr ist der KarriereTreff der Bundeswehr mit seinen Showtrucks auf Tour. Er beteiligt sich an vielen öffentlichen Veranstaltungen und stellt sich den Fragen von Bewerbern, die zur Bundeswehr wollen. So auch beim CityKart-Rennen in Siegen. Was erfahren die Interessenten über die Bundeswehr? Welche Tipps geben die Wehrdienstberater für die Karriere?

Soldatenglück.de berichtete über die Nachwuchswerbung für die Streitkräfte im Februar 2012: Bundeswehr wirbt Nachwuchs – auch im Einkaufscenter (Video).

(Video, Grafikquelle: Bundeswehr.de)

Verteidigungsminister de Maiziere: 8500 Freiwillige im ersten Jahr nach Wehrpflicht-Aussetzung

Montag, 7. Mai 2012

Im ersten Jahr nach Aussetzung der Wehrpflicht haben sich 8500 junge Menschen freiwillig zum Wehrdienst gemeldet. Das sagte Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) der in Düsseldorf erscheinenden “Rheinischen Post” (Montagausgabe). Geplant hatte der Minister mit 5000 bis 15.000 Freiwilligen pro Jahrgang. “Wir haben im ersten Jahr nach der Aussetzung der Wehrpflicht über 8500 freiwillig Wehrdienstleistende eingestellt. Das ist zufriedenstellend”, sagte de Maizière. Ein Problem sei aber, dass etwa 20 Prozent den Wehrdienst vorzeitig abbrechen. “Die Vorstellungen mancher junger Leute sind da vielleicht etwas naiv”, so der Minister. Einige Rekruten überrasche es, dass sie morgens mit geputzten Stiefeln zum Dienst erscheinen müssten, in einer Stube mit mehreren Soldaten schlafen oder dass sie nur in der Raucherpause rauchen dürften, sagte der CDU-Politiker. (Zitatende)

Berichtet die “Rheinische Post” aus Düsseldorf heute.

(Textquelle kursiv: Rheinische Post.de;
Bildquelle: Bundeswehr.de, VM begrüßt freiwillig Wehrdienstleistende – Der Bundesminister der Verteidigung, Dr. Thomas de Maizière, begrüßt am 4.Juli 2011 in der Julius-Leber-Kaserne in Berlin die ersten freiwillig Wehrdienstleistenden. Er gibt damit den Startschuss für den neuen Freiwilligen Wehrdienst, der nach Aussetzen der Wehrpflicht jungen Frauen und Männern offen steht. Foto vom: 04.07.2011)

Werbung in eigener Sache – erstes Karriereberatungsbüro der Bundeswehr in Deggendorf/Bayern (Video)

Sonntag, 8. April 2012

Die Bundeswehr hat ein Problem. Die Aussetzung der Wehrpflicht und der Afghanistan-Einsatz erzeugen alles andere als eine Sogwirkung. Immer weniger junge Leute entscheiden sich für den Dienst an der Waffe. Aus diesem Grunde sollen Nachwuchsgewinnung und Personalmanagement optimiert werden. Dafür schafft die Bundeswehr nun so genannte Karriereberatungsbüros. Das erste dieser Art wurde in Deggendorf eröffnet.

Du interessierst Dich für eine militärische oder zivile Laufbahn in der Bundeswehr? Einen Karriereberater kannst Du über die Ansprechpartnersuche finden oder Du wählst die bundesweit kostenfreie Karriere-Hotline: 0800 / 9 80 08 80, telefonisch wirst Du direkt mit einem Karriereberater verbunden.

(Videoquelle Textauszug oben: DonauTV;
Bildergrafikquelle: Bundeswehr.de)

Hintergrundinformationen: Bundeswehr-Karriere.de

Wehrsold-Besteuerung: Unionsverteidigungspolitiker Ernst-Reinhard Beck lehnt Schäubles Pläne ab

Donnerstag, 8. März 2012

Der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ernst-Reinhard Beck, hat den Plan von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), Wehrdienstleistende und Bundesfreiwilligendienstleistende zu besteuern, abgelehnt. “Sie leisten einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft”, sagte er der in Halle erscheinenden “Mitteldeutschen Zeitung” (Online-Ausgabe). “Ihr Engagement darf nicht durch unnötige Steuern beeinträchtigt werden.” Das Vorhaben des Finanzministeriums, den Wehrsold und die Bezüge der Bundesfreiwilligendienstleistenden wie jedes Einkommen zu versteuern, setze “insofern ein falsches Signal”. Beck fuhr fort: “Die Leistung der jungen Frauen und Männer muss auch weiterhin gefördert und darf nicht bestraft werden. Durch eine Besteuerung der ohnehin nicht gerade üppigen Bezüge würde der Dienst für sie uninteressant.” (Zitatende)

Berichtet die “Mitteldeutsche Zeitung” aus Halle heute.
Soldatenglück.de berichtete gestern: Steuerland tapfer verteidigen – Bundesfinanzministerium will Wehrsold besteuern.
Die “Neue Osnabrücker Zeitung” kommentiert:
Sturm im Wasserglas

 Formaljuristisch mag es korrekt sein, die Bezüge der Teilnehmer am Wehrdienst und am Bundesfreiwilligendienst zu besteuern. Aber das ist auch schon alles. Auswirken würde sich diese Regelung kaum, und schon gar nicht würden Millionen-Einnahmen in den Bundeshaushalt fließen. Mit solchen Plänen lassen sich keine Schulden abbauen.

Dafür ist das Taschengeld von maximal 330 Euro für die Freiwilligen zu gering. Auch bei den Soldaten wäre nicht viel zu holen. Die Väter unter ihnen wären sogar besser gestellt, weil ihnen Kindergeld gezahlt würde. Die jetzt bekannt gewordenen Pläne aus dem Finanzministerium haben daher in erster Linie einen Sturm im Wasserglas ausgelöst und unnötig für Empörung und Verunsicherung gesorgt. Doch der Entwurf ist weder eine beschlossene Sache noch mit den betroffenen Ressorts Familie und Verteidigung abgestimmt. Die Pläne sollten daher so bald wie möglich im Reißwolf verschwinden. Denn auch wenn es kaum steuerliche Effekte gäbe, bestünde die Gefahr der Abschreckung.

Bisher sind sowohl der freiwillige Wehrdienst als auch der Bundesfreiwilligendienst mit einem erfreulich größeren Zulauf gestartet, als Kritiker vor der Einführung angenommen hatten. Nun aber können mögliche Interessierte vergrault werden und sich dann doch nicht für soziale oder ökologische Projekte engagieren. Das wäre bedauerlich. Eine Abschaffung der Steuerfreiheit wäre daher das falsche Signal. (Zitatende)

(Textquellen kursiv: Mitteldeutsche Zeitung.de, Neue Osnabrücker Zeitung.de;
Bildquelle: Ernst-Reinhard Beck.de)



Steuerland tapfer verteidigen – Bundesfinanzministerium will Wehrsold besteuern

Mittwoch, 7. März 2012

Der Wehrsold für freiwillig Wehrdienstleistende und damit auch für Reserve-Wehrübende soll besteuert werden, wenn es nach Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) geht.

Wehrdienstleistende und Teilnehmer/innen am Bundesfreiwilligendienst sollen steuerlich stärker belastet werden. Nach dem Willen des Finazministeriums sollen sie künftig ihre Bezüge besteuerm. Das geht aus dem Entwurf zum Jahressteuergesetz 2013 hervor. Damit stellt sich Schäuble gegen die Wünsche und Bedürfnisse seiner Kabinettskollegen, Verteidigungsminister Thomas de Maiziere und Familienministerin Kristina Schröder (beide CDU).
Das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) und das für den Bundesfreiwillgendienst (BFD) zuständige Familienressort kündigten Widerstand gegen die Pläne an.
Eine Wehrsold-Besteuerung wurde auch wehrübende Reservisten betreffen.
Der Dienst in den Streitkräften oder im Bundesfreiwilligendienst würde durch eine solche Steuer für junge Leute noch unattraktiver werden.
BMVg und Familienminsisterium werben bislang mit dem Versprechen, dass die Bezüge steuerfrei sind, versprochen – gebrochen?
Nach Auffasung von Soldatenglück.de wird der Plan der Wehrsoldbesteuerung des Finanzminsteriums weder im Bundeskabinett, noch in Bundestag und Bundesrat durchsetzbar sein.

Soldatenglück.de berichtet regelmäßig über die Anlauf- und Rekrutierungsschwierigkeiten des Freiwilligen Wehrdienstes und des Bundesfreiwilligendienstes.

(Bildquelle: Bundeswehr.de, Rekruten)

Bundesregierung wirbt: Freiwilliger Wehrdienst (Video)

Samstag, 18. Februar 2012

vielseitige Perspektiven für junge Menschen

Zu Land, zu Wasser und in der Luft — die Bundeswehr ist ein äußerst vielseitiger Arbeitgeber. Freiwillige Wehrdienstleistende haben die Möglichkeit, einen Eindruck über die vielfältigen Arbeitsbereiche zu gewinnen — und viele machen von ihr Gebrauch.

(Video-, Textquelle: Bundesregierung.de;
Bildquelle: Bundeswehr.de, Archivfoto: das neue Plakat “Wir.Dienen.Deutschland” wird an der Wand des Haus 6 im Bundesministerium der Verteidigung am 2.Dienstsitz in Berlin aufgehangen.)

Bundeswehr wirbt Nachwuchs – auch im Einkaufscenter (Video)

Mittwoch, 15. Februar 2012

Kreiswehrersatzamt (KWEA) heißt bei der Bundeswehr heute Karriere-Center, Nachwuchswerbung ist kein obligater Strang mehr in der einstigen Wehrpflicht-Armee innerhalb der Kaserne mit defensiver oder passiver Haltung, sondern eine existenzielle Säule auf der die neue Bundeswehr als Freiwilligen-Armee fest stehen muss und offensiv, proaktiv hinaus gehen muss zu den jungen Leuten und Job-Interessierten in die Städte, auf Messen oder Job-Börsen.
Das Video zeigt Bundeswehr-Nachwuchswerber (S1´er) in Wetzlar/Hessen, einem ehemals großen Standort mit Truppenkonzentration in Brigadestärke. Heute findet dort Bundeswehr im Herkules-Einkaufscenter in frequentierter Bahnhofsnähe statt.
Die uniformierten Bundeswehr-Nachwuchswerber fassen verständlich zusammen – inklusive bebilderten Hinweisen auf die “Gefahr für Leib und Leben” -, was auf die jungen Leute zukommt, wenn sie sich für den Beruf Soldat oder Soldatin entscheiden und sich eine SAZ 2-15 (Zeitarbeitsverträge) oder Berufsleben-lange Karriere (Berufssoldat) bei den deutschen Streitkräften mit Auslandseinsatz-Bereitschaft einlassen.

(Video: via YouTube, hessencam, Jobbörse 2012 in Wetzlar: Ausbildung bei der Bundeswehr)

Bundesfreiwilligendienst – Warum keine Dienstpflicht?

Mittwoch, 28. Dezember 2011

“Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann. Frage, was Du für Dein Land tun kannst.” Die Antwort auf John F. Kennedys berühmten Satz finden junge, aber auch ältere Bürger zunehmend im Bundesfreiwilligendienst. Wobei es vielen wahrscheinlich nicht unbedingt um das vielleicht doch ein bisschen pathetische “Land” geht, sondern vielmehr um sinnvolles gesellschaftliches Engagement für andere. Hier wird ein deutliches Zeichen gegen Egoismus und soziale Kälte gesetzt. Das freut nicht nur die zuständige Familienministerin. Der war für den Nachfolger von obligatorischem Wehr- und Zivildienst schließlich ganz anderes prophezeit worden – nämlich weitgehendes Desinteresse. Das freut auch alle Institutionen und Einrichtungen, die nach dem Wegfall der Dienstpflicht massive Befürchtungen hegen mussten, ihre zuvor von Zivildienstleistenden übernommenen Dienste nicht mehr in vollem Umfang erbringen zu können. Natürlich ist der Freiwilligendienst ein Geschenk an die Gesellschaft. Doch der Gebende bekommt auch etwas zurück. Gerade jüngeren Menschen kommt, zumal im Moment zwischen Ende der schulischen und Aufnahme einer akademischen oder beruflichen Ausbildung, eine Phase der menschlichen Orientierung ganz zupass. Sie lernen, dass das Leben auch andere Erfahrungen als die im bisherigen Umfeld bietet. Dass die Gesellschaft an vielen Stellen Solidarität und Hilfe bitter nötig hat. Und dass dazu beizutragen wichtige Erkenntnisse für das eigene Leben vermitteln kann. Dienstleistender und Gesellschaft: beide profitieren, nicht nur, aber vor allem ideell. Die Abschaffung der Wehrpflicht war eine zwingende Folge der sicherheitspolitischen Entwicklung. Warum aber weisen Politiker aller Richtungen Überlegungen zur Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht als absurd zurück? Sinnvoll ausgestaltet, etwa mit freier Wahl des Dienstes, wäre sie eher eine Bereicherung als ein Zwangsverzicht. (Zitatende)

Kommentiert das “Mindener Tageblatt”.
Soldatenglück.de schließt sich dieser Einschätzung an, eine allgemeine Dienstpflicht für junge Männer und Frauen mit den Wahlmöglichkeiten Wehrdienst, sozialer oder medizinischer oder entwicklungspolitischer oder pädagogischer oder ökologischer oder naturschützender Freiwilligendienst wäre ein großer Wurf, der den Gemeinsinn und die Solidarität zum Mitmenschen stärken würde, ein Gewinn für unser Land. Das Beispiel des enorm nachgefragten weltwärts.de-Freiwilligendienstes zeigt, wie erpicht junge Leute auf attraktive Angebote sind, Kennedy stellte seinerzeit das Peace Corps in Dienst. (Bild oben, das Peace Corps, Audio: Kenendys Statement zum Peace Corps)

“And so, my fellow Americans, ask not what your country can do for you; ask what you can do for your country“,
John F. Kennedy,der 25. Präsident der USA am 20. Januar 1961 in Washington D.C.

(Textquelle kursiv: Mindener Tageblatt.de;
Bilderquellen: Peace Corps.gov;
Original Peace Corps caption: “August 9, 1962 —–Six hundred and three Peace Corps trainees preparing in the Washington area for overseas assignments visited President Kennedy on the south lawn of the White House. [] The President welcomed the trainees with special pleasure because they had “committed themselves to a great adventure.” He repeated his hope that Peace Corps Volunteers would return to careers of service in the Government. [] After informal conversation with the trainees, the President on the spur of the moment ordered a special tour of the White House for the trainees.” Photograph by Rowland Scherman, Peace Corps, in the John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston. Date: 08/09/1962
Creator: Photograph by Rowland Scherman, Peace Corps, in the John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston;
Soldatenglück.de, Streitkräfte-Blog Herausgeber Dirk Hamel im Museum THE KENNEDYS)

Günter Grass sieht eine Söldnerarmee in der Bundeswehr ohne Wehrpflicht

Donnerstag, 22. Dezember 2011

 ”Was wir jetzt bekommen, ist eine Söldnerarmee. Das ist eine Zeitbombe, mit der wir es da zu tun bekommen”, so Günter Grass über die Bundeswehr des Jahres 2011

Mit einer umstrittenen Äußerung zur Bundeswehrreform sorgt Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass derzeit für Unverständnis: “Was wir jetzt bekommen, ist eine Söldnerarmee”, sagte er bei einer Diskussionsveranstaltung mit dem SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier MdB in der Willy Brandt Geburtsstadt Lübeck im dortigen Theater und zog eine Analogie zur Weimarer Republik.

Nicht Karl-Theodor zu Guttenbergs Doktorarbeit sei der Skandal am Ex-Verteidigungsminister, so der Schriftsteller Günter Grass (* 1927 in Danzig), sondern die faktische Abschaffung der Wehrpflicht, die der “vorest gescheiterte” CSU-Mann mit Billigung der Grünen und der SPD betrieben habe.“Was wir jetzt bekommen, ist eine Söldnerarmee. Das ist eine Zeitbombe mit der wir es da zu tun bekommen”.
Sein Gesprächspartner bei Rotwein zum eigentlichen Thema “Buchpräsentation: Günter Grass auf Tour für Willy Brandt” Außenminister a.D. Frank-Walter Steinmeier (SPD) widersprach: Die Bundeswehr sei heute Teil der Gesellschaft, kein Staat im Staate und der Bürger in Uniform ist nicht passee.
Das Buch “Günter Grass auf Tour für Willy Brandt” erzählt von Grass’ Wahlkampftour, die der Schriftsteller 1969 für die SPD durch die Bundesrepublik unternommen hatte (zum NDR Mediathek-Beitrag darüber).
Auch die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP, Elke Hoff MdB, ließ die Literaten-Formulierung “Söldnerarmee” aus der Ferne nicht unkommentiert: “Die Soldaten, die ich bei Truppenbesuchen kennengelernt habe, fühlen sich unserer Demokratie verpflichtet.”
Im eigenen SPD-Lager sorgten die Einlassungen von Günther Grass ebenso für Unmut, das hätte Willy Brandt für Quatsch gehalten, ärgerte sich der  sozialdemokratische Bundestagsabgeordnte und Verteidigungspolitiker Hans-Peter Bartels aus dem Wahlkreis in der schleswig-holsteinischen Landeshaupstadt Kiel öffentlich. Das Verteidigungsauschuss-Mitglied Bartels sieht die Gefahr heute vielmehr darin,“dass sich eine als pazifistisch gepolte Gesellschaft von der Bundeswehr abwendet”.
Das Kultur-Magazin “Unser Lübeck” sah sich den Soldaten der Gegenwart gegenüber in der Beistandspflicht und schrieb: “Mit der Kritik, die Bundeswehrreform machte aus dem Wehrpflichtigenheer eine Söldnertruppe, schoss Günter Grass allerdings eindeutig über das Ziel hinaus. Nach Artikel 47 der Genfer Konvention gilt als Sölder, wer im Inland oder Ausland zu dem besonderen Zweck angeworben ist, in einem bewaffneten Konflikt zu kämpfen, wer an Feindseligkeiten vor allem aus Streben nach persönlichem Gewinn teilnimmt und wer weder Staatsangehöriger einer am Konflikt beteiligten Partei ist, noch in einem von einer am Konflikt beteiligten Partei kontrollierten Gebiet ansässig ist. Dass deutsche Soldaten nach zehn Jahren immer noch Ausrüstungsgegenstände aus eigener Tasche bezahlen, weil das Material der Bundeswehr zum Teil unzweckmäßig ist, macht sie noch lange nicht zu Söldnern. Zu seiner Verteidigung muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass es in der Waffen-SS keine Einführung in die damals außer Kraft gesetzte Haager Landkriegsordnung gab.”
Dank an Albrecht Hausmann, den Autor des “Unser Lübeck”-Artikel mit der Überschrift “Günter Grass hat gerufen – Lübeck ist gekommen” (mit Bildern der Veranstaltung), für diese Zeilen.
Der Nobelpreis für Literatur wurde Günter Grass 1999 verliehen, die Begründung lautete, weil er “in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat”.

(Textauszug kursiv: Kultur-Magazin “Unser Lübeck”.de;
Bildquelle: Fotograf: Florian K, Quelle: WorldcupWiki, mit GNU-Lizenz)