Archiv für die Kategorie 'Streitkräfte&Gesellschaft'

Die Debatte geht weiter: Anstand, Ehre und Fürsoge im Umgang mit den Soldaten statt Verunglimpfung

Freitag, 5. September 2008

Bw-AfgSchafherde

Deutsche Soldaten riskieren in Afghanistan ihr Leben -
und was ist der Dank?

Die Auflagen-starke BILD nimmt sich nun auch in der Printausgabe der Debatte um einen anständigen und ehrenvollen Umgang der Gesellschaft mit seinen Bundeswehr-Soldaten an. Hier ein paar Stichworte und Auszüge aus den Wortmeldungen relevanter Akteure:

Der Vorsitzende des Deutschen BundeswehrVerbandes (DBwV), Oberst Bernhard Gertz zu BILD: “Man muss unseren Soldaten ein ganz anderes Gefühl von Rückhalt in der Bevölkerung geben. Das vermitteln die meisten Politiker leider nicht.”

Der Wehrbeauftragt Reinhold Robbe (SPD): “Es sollte verstärkt gewürdigt werden, was die Soldaten tatsächlich leisten. Aber in den Kirchen, den Gewerkschaften und bei den Arbeitgebern spielen Soldaten bedauerlicherweise nur eine Nebenrolle.”

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) schlug bei seinem Truppenbesuch auch Enttäuschung entgegen. Ein Oberfeldwebel: “Was daheim über den Einsatz gedacht wird, ist mir egal. Hauptsache, meine Familie ist stolz auf mich.”
bw-soldatentrauer
Zugleich geht die Debatte um ein würdiges Gedenken der toten Soldaten weiter. Robbe: “Der Staat sollte auch für die Kosten der Grabpflege unserer gefallenen Bundeswehrsoldaten aufkommen.” Reinhard Führer, Präsident der Deutschen Kriegsgräberfürsorge, fordert Ehrengräber für deutsche Soldaten: “Es kann nicht sein, dass gefallene Bundeswehrsoldaten, die im Auftrag des Bundestages ihren Dienst erfüllten, schlechter behandelt werden als Gefallene des 1. und 2. Weltkrieges, deren Gräber auf Dauer gesichert sind.” (weiter…)



Kriegsgegner/AntimilitäristInnen im internen Gefecht

Donnerstag, 4. September 2008

Die Friedensbewegung meldet sich gewohnt links-bestimmt zurück?

bw-friedensbewegung“Der Friedensbewegung wurde mit der Herausgabe des umstrittenen Plakats ein Bärendienst erwiesen: Sie muss sich jetzt mit Angriffen, Verdächtigungen und Verleumdungen auseinandersetzen, die sie weder will noch verdient hat.

Das Plakat ist zynisch, dumm und schädlich. Sich über den Tod von Soldaten zu freuen, ist zynisch und menschenverachtend, weil übersehen wird, dass es sich dabei um Menschen handelt, die wie alle anderen Menschen auch ein Recht auf Leben haben. Der Einsatz von Soldaten in einem Krieg, den man ablehnt und sogar für ein Völkerrechts-Verbrechen hält, rechtfertigt unter keinen Umständen, dem einzelnen Soldaten den Tod zu wünschen.” [...]
Pressemitteilung des Bundesausschusses Friedensratschlag v. 04.09.2008

Weiter im Thema: “Widerliches Plakat feiert Tod eines Bundeswehr-Soldaten”. Der Bundesverband Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) versucht, seinen Berliner-Brandenburger Landesverband politisch “einzufangen” und distanziert sich von bamm.de. Das streitgegenständliche Plakat ist cirka 5 Jahre alt.
bw-dfg-vk
Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner-Innen e.V. ist der deutsche Verband der War Resisters International und geht in seiner Tradition auf Bertha von Suttner u.a. zurück. Er ist an keine Partei gebunden. Seine Funktionäre kamen/kommen traditionell aus SPD, DFU, DKP, Grünen u.a., waren aber auch oftmals parteilos. Nach den Wende stellte sich heraus, dass (teils ohne Wissen der Sprecher) eine verdeckte Teilfinanzierung aus der DDR existiert hatte, und der Verband ohne diese Ost-Finanzspritze seine Strukturen zusammenstreichen mußte. Er hat dennoch bis bw-atomplakatheute überlebt. Schwerpunkt der Vereins-Arbeit ist die Beratung von Kriegsdienstverweigerern und Totalverweigerern (inkl. Rechtsbeistand). Hinzu kommen Aktivitäten in der Friedensbewegung (Mitveranstalter der Demonstration gegen Atomwaffen in Büchel, G-8 Gipfel in Heiligendamm, Rüstungsexporte, Kleinwaffenarbeitskreis DAKS etc). Einige der Mitglieder gehören zur LINKEN.

In der aktuellen Auseinandersetzungen um den deutschen Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan hat ein Plakat des Büros für antimilitaristische Maßnahmen (BamM) es jetzt zu besonderer Aufmerksamkeit gebracht. Da die DFG-VK damit in Zusammenhang gebracht wird, erklärte bereits gestern (03.09.) der DFG-VK Bundessprecherkreis:

“Der Zynismus des Plakates ist für uns schwer erträglich. Unser humanistisches Weltbild verbietet uns die Genugtuung über den Tod eines jeden Menschen – auch in Form einer satirischen Darstellung.”
und weiter
“Auch wenn der Bundessprecherkreis der DFG-VK die Erklärung des Bundesausschuss Friedensratschlag in seiner Intention unterstützt, die deutsche Kriegspolitik kritisiert und auch zu den Demonstrationen am 20. September in Stuttgart und Berlin aufruft, um so mit öffentlichem Druck die Beendigung des Bundeswehreinsatzes im Krieg in Afghanistan zu erreichen, stammt der Wortlaut des Aufrufs nicht von der DFG-VK.”

Das streitgegenständliche Plakat ist nicht neu, es wird seit ca. fünf Jahren als provokatives Plakat zum Download bei www.bamm.de angeboten, welches in drastischer und aktuell Empörung verursachender Form versucht, auf die tödlichen Folgen von Kriegseinsätzen hinzuweisen. (weiter…)

BILD.de: “Widerliches Plakat feiert Tod eines Bundeswehr-Soldaten”

Donnerstag, 4. September 2008

Die BILD-Zeitung nimmt sich unter obiger Überschrift das unten gezeigte Plakat vor. Zum BILD-Artikel

Diese Aktion des “Büros für antimilitaristische Maßnahmen” (BamM) bei der Störung des Gelöbnisses am 20. Juli 1999 ist als demonstratives Signal noch nachvollziehbar und mit gutem Willen tolerierbar:

bw-geloebnis1999

Aber die neue-alte, aktuelle Plakat-Aktion stellt alle Aktionen in ein schäbiges Licht und hat den Toleranzbereich der demokratischen Auseinandersetzung überdeutlich verlassen.

bw-linke-plakat

Soldatenglück.de schließt sich selbstverständlich dem Protest gegen diese menschenverachtende Hetz-Kampagne der Verhöhnung gefallener Soldaten an.

Hier die Meldung des Deutschen Depechen Dienstes (ddp).
Meldung vom 2008-09-04 01:43:00
Proteste gegen Plakat der Deutschen Friedensgesellschaft DFG-VK
Bundeswehr/Afghanistan/DFG-VK/Plakat/Berlin (ddp). Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) und der Wehrbeauftragte Reinhold Robbe (SPD) haben gegen ein Plakat der Deutschen Friedengesellschaft/Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) zum Tod von Bundeswehrsoldaten in Afghanistan protestiert. Das auf einer Internetseite gezeigte Plakat unter der Überschrift «Schritt zur Abrüstung» zeigt den Sarg eines toten Soldaten und die Sätze: «Wieder einer weniger. Wir begrüßen diese konkrete Maßnahme, den Umfang der Bundeswehr nach und nach zu reduzieren.» (weiter…)

Informationspolitik des BMVg offenbar transparenter – informative Vorwärts-Verteidigung

Montag, 1. September 2008

Bw-BMVg LogoEs gab Zeiten, da gab es die Order, dass Zwischenfälle im Bw-Auslandseinsatz in Afghanistan erst nach jornalistischen Anfragen bestätigt oder eingeräumt wurden.
Das BMVg und damit die Bundesregierung hat sich nach den jüngsten Vorfällen offenbar bw-newsbuttonzur informativen Vorwärts-Verteidigung entschlossen und handelt dabei schnell – und das ist gut so.
Auf den Internetseiten www.bmvg.de und auf www.bundeswehr.de sind jeweils neue Rubriken zu finden. Im BMVg.de in der Rubrik “Sicherheitspoltik” und im Bundeswehr.de im “Blickpunkt”. Dort wird mit Zeit, Ort, Geschehnis/Vorkommnis, Lage, Details, Karte, bw-news-isafHintergrund und vor allem zeitnah der Öffentlichkeit im schnellsten Medium, dem Internet, mitgeteilt, was sich in Afghanistan oder wo auch immer die Bundeswehr im Ausland aktiv ist, zugetragen hat.

Die Meldung mit Karte des BMVg Presse- und Informationsstabes von heute:
“Patrouille beschossen – keine Verletzten
Kunduz, 01.09.2008, BMVg, Presse- und Informationsstab.
Beschuss mit Handwaffen nördlich von Kunduz

Am 1. September wurde gegen 10.56 Uhr (Ortszeit) eine Patrouille der Bundeswehr circa neun Kilometer nördlich von Kunduz (Afghanistan) mit Handwaffen (Small Arms Fire, SAF) beschossen. Explosionen unbekannter Art wurden in der Nähe der Patrouille wahrgenommen. Durch den Anschlag wurde niemand verletzt. Alle Fahrzeuge sind fahrbereit. Weitere Einzelheiten folgen, sobald sie bekannt sind.”

(Textquelle und Karte: Bundeswehr.de)

“Wir müssen nicht nur schützen helfen und vermitteln, sondern auch kämpfen”

Montag, 1. September 2008

Klartext des Bundesministers der Verteidigung Franz-Josef Jung heute beim Abschied des in der Vorwoche gefallenen Hauptfeldfeldwebel des FschJgBtl 263. Bei der der kirchlichen Trauerfeier in Zweibrücken wählte der Minister seine Worte an die Trauergemeinde und die Angehörigen des nur 29 Jahre alt gewordenen Berufssoldaten sehr bedachtsam. Angesichts der sich verschärfenden Sicherheitslage und der öffentlichen, kontroversen Diskussion über den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan bei ISAF und OEF ist Offenheit das Gebot, vielleicht gerade deshalb die offenen Worte und das Bekenntnis: Wir müssen nicht nur schützen helfen und vermitteln, sondern auch kämpfen”.

bw-trauerfeier01092008

Zum Artikel
Dieses Bekenntnis war die Politik den Soldaten schon lange schuldig, bislang waren Formeln wie “Entwicklungshelfer und Diplomat in Uniform” eben nur die halbe Wahrheit.

Soldatenglück.de berichtete aufgrund der Vielzahl der Ereignisse und tragischen Geschehnisse in den letzten Tagen intensiv über den Auslandseinsatz in Afghanistan.

(Bildquelle: Bundeswehr.de)



“Fahnenflucht” vor dem Beruf Soldat – Bundeswehr: Nein, Danke?

Donnerstag, 28. August 2008

Auch eine Freiwilligenarmee statt einer Wehrpflicht-Bundeswehr könnte offenbar die Personalsorgen der Bundeswehr nicht auflösen. Deutschland am Hindukusch zu verteidigen, ist keine allzu rosige Aussicht für junge Männer und Frauen bei ihrer Berufswahl. Hochqualifizierte Bundeswehr-Piloten oder Sänitätsärzte gehen vor Dienstzeitende. Und die Diskussion über die Attraktivität der deutschen Streitkräfte als Berufsfeld kommt immer erst dann wieder in der breiten Medienöffentlichkeit in Gang, wenn etwas Schlimmes passiert ist. 

bw-sanbelluh1d

Die Deutsche Presseagetur (dpa) fasst zusammen:

“Düsseldorf/Osnabrück (dpa) – Der Bundeswehr laufen laut Zeitungsberichten wegen des gefährlichen Einsatzes in Afghanistan immer mehr Bewerber und Führungskräfte weg. Die freiwilligen Meldungen junger Männer seien im Vergleich zum Vorjahr um rund 60 Prozent zurückgegangen, berichtet die «Rheinische Post» (28. August 2008) unter Berufung auf eine interne Statistik der Bundeswehr. Rund zehn Prozent aller Offiziersanwärter verließen die Truppe bereits vor dem eigentlichen Beginn ihrer Karriere. Immer häufiger werde dabei der Afghanistan-Einsatz als eine der Begründungen genannt, berichtet die Zeitung. (weiter…)

“Gewerkschaft der Soldaten” meldet sich angesichts des 27. getöteten Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan kritisch zu Wort

Mittwoch, 27. August 2008

bw-dbwv-kirschulrich klBw-DBwV LogoDer Deutsche BundeswehrVerband (DBwV) als “Gewerkschaft der Soldaten” musste heute mit Erschütterung ein weiteres Mal zur Kenntnis nehmen, dass es keinen absoluten Schutz für Bundeswehr-Angehörige vor hinterhältigen Anschlägen gibt. Für deutsche Soldaten, die an einer besseren Zukunft für das Land am Hindukusch arbeiten. Zu dem Anschlag in Afghanistan am heutigen Tag, bei dem ein Soldat gefallen ist und drei weitere verwundet wurden, erklärt der Stellvertreter des Bundesvorsitzenden des DBwV, Oberstleutnant Ulrich Kirsch:

“Berechtigte Kritik wird ignoriert
Kirsch: In Afghanistan nicht nur auf die militaerische Karte setzen

Tod und Verwundung sind für unsere Soldatinnen und Soldaten Teil des Einsatzes geworden – das müssen wir nach dem jüngsten hinterhältigen Attentat auf die deutsche Patrouille erneut mit tiefer Betroffenheit feststellen.

Die internationale Gemeinschaft hat bislang in Afghanistan zu sehr auf die militärische Karte gesetzt, doch die internationale Soldatengemeinschaft kann nur Zeit kaufen.

Der zivile Wiederaufbau und der Aufbau von Polizei, Justiz und Verwaltung finden nur sektoral statt. Die permanente Ignoranz berechtigter Kritik an diesen Defiziten erweist sich als Bumerang und das wird auf dem Rücken unserer Soldaten ausgetragen.” (weiter…)

Heckler & Koch und Walter Kohl und Helmut Kohl

Mittwoch, 13. August 2008

Das Interview und der Artikel ”Leben im Schatten des Vaters” in die BUNTE mit und über Walter Kohl (45), dem Sohn von Bundeskanzler a.D. Helmut Kohl, stellt Verbindung her zur Erlebniswelt von Bundeswehrsoldaten-Kindern in den 70er und 80er Jahren.
Bw-Kohl Familie 1975Der zweite Sohn von Altbundeskanzler Helmut Kohl, Walter Kohl (45), Volkswirt und Historiker, der von seinem Vater nach dessen 1945 im Zweiten Weltkrieg gefallenen 19-jährigen Bruder Walter benannt wurde, hat sein erstes Interview gegeben und dabei nur wenig Freudiges aus seiner Jugend zu berichten gewusst. (Bild oben: Walter, Helmut, Peter und Hannelore Kohl, 19.08.1975 privat in Leipzig)
Wegen politischer Entscheidungen des Vaters hätten Mitschüler Walter Kohl als Schüler “mehrfach zusammengeschlagen”, sagte der Sohn des Exkanzlers. Auch das Verhalten einiger Lehrer habe er als grob ungerecht empfunden. So habe ein Lehrer in der Zeit des NATO-Doppelbeschlusses seinen Vater vor der Klasse als Massenmörder bezeichnet, ohne dass es für den Pädagogen Konsequenzen gehabt hätte. So ging es auch vielen Kindern von Bundeswehr-Soldaten, die versetzungs-bedingt alle 2-3 Jahre umziehen mussten und deren Väter von beamteten Lehrern und Mitschülern in den verschiedenen Schulen gerne mal provokant, ‘höchstpädagogisch’ und ‘verdammt mutig’ und für die Lehrer meist folgenlos, gegenüber der Kinder als “Mörder” bezeichnet wurden. Denn “Soldaten sind Mörder” war der Leitspruch und ist es bei manchen, die lieber rot als tot gewesen wären, heute noch. (weiter…)

Wie geht es den Frauen in der Bundeswehr – Gleichberechtigung erst beim Sterben? (Videos)

Donnerstag, 31. Juli 2008

Bw-Frauen Bw

Die wachsende Zahl von Frauen als Soldatinnen in den Streitkräften fördert die Akzeptanz der Bundeswehr in der Gesellschaft. Das belegt eine Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr (SWInstBw, SoWi). Das SoWi belegt in seiner jüngsten Studie leider ebenso, dass Gleichberechtigung und Akzeptanz der Soldatinnen sowie das Integrationsklima für Frauen in der Bundeswehr keine Erfolgsgeschichte sind, vielmehr gehören sexuelle Belästigung bis hin zu körperlichen Übergriffen durch ‘Kameraden’ und Vorgesetzte zum Alltag und die Frauen werden von den Männern als unnötige Konkurrenz empfunden.

Bw-GruppenbildmitDameWie geht es den Frauen in der Bundeswehr? Und was sagen die männlichen Soldaten über ihre Kameradinnen? Antworten gibt die SoWi-Studie mit dem Titel: “Truppenbild mit Dame”. Die Anlehnung des Studien-Titels an die pseudodokumentarische, literarische Konstruktion des Heinrich Böll Romans “Gruppenbild mit Dame” aus dem Jahre 1971, in dem Böll die zentrale Romanfigur Leni Pfeiffer als eine intelligente und gutherzige aber ungebildete Frau mit vielfältigen Männer-Beziehungen zu Kriegszeiten darstellte, könnte man in Anbetracht des bedenklichen Studien-Ergebnisses beim SoWi-Verfasser Dr. Gerhard Kümmel hinterfragen. Heinrich Böll zumindest bekam Bw-Frauen Richtschuetze1972 den Nobelpreis für Literatur u. a. für dieses Werk.

Seit 2001 jedenfalls stehen alle militärischen Laufbahnen in den deutschen Streitkräften für Frauen offen. Allerdings nicht ohne das eine mutige Frau dieses Recht im Verfassungsrang stellvertrend für alle Frauen höchstgerichtlich erstreiten musste. Inzwischen leisten rund 15.200 Soldatinnen ihren Dienst in der Bundeswehr bei Heer, Luftwaffe, Marine, Sanitätsdienst oder der Streitkräftebasis – Tendenz steigend. (weiter…)

‘Manöverkritik’: “Wohlstandsgesellschaft entfernt sich von Bundeswehr”

Montag, 21. Juli 2008

Bw-Bundestagswahl2005Blamabel wenig der 612 gewählten Volksvertreter bzw. Bundestags-Politiker waren bereit, beim ersten Feierlichen Gelöbnis von 500 Wehrpflichtigen am Widerstands-Gedenktag 20. Juli vor dem Deutschen Bundestag aus ihren 299 Heimatwahlkreisen (Atlas rechts) an ihren “parlamentarischen Arbeitsplatz” nach Berlin zu kommen und dabei zu sein. Politik besteht eben auch aus Zeichen und Symbolen, Pflichten und Selbstverständlichkeiten. Kosteneinsparüberlegungen waren wohl nicht der Grund des Ausbleibens, denn Mitglieder des Deutschen Bundestages (MdB) haben meist eine Zweitwohnung in der Bundeshauptstadt, fahren auch außerhalb von Sitzungswochen in Ausübung ihres Mandats kostenfrei mit der Deutschen Bahn oder fliegen kostenfrei mit der Deutschen Lufthansa durch Deutschland. Der Bundestags-Fahrdienst holt jeden einzelnen MdB vom Flughafen oder Bahnhof ab, der Berliner Hauptbahnhof ist vom Platz der Republik, der Stätte des Gelöbnisses, nur 400 Meter entfernt.
Ein Sonntagabend in Berlin bei den jungen Soldaten und deren Familien und Angehörigen, bei einer bewegenden Rede von Altkanzler Helmut Schmidt und bei passenden Worten vom zuständigen Ressortminister Franz-Josef Jung hätten das Politiker-Gewissen für die nächsten Entscheidungen über die Entsendung der Parlamentsarmee Bundeswehr in Auslandseinsätze geschärft und auf ein stabileres Fundament gestellt.
Die Pressestimmen quer durchs Land spiegeln die Verwunderung und Enttäuschung wieder, die Soldatenglück.de in seinen Beiträgen zum Hin und Her des Gelöbnisses in den letzten Tage aufgriff. Die Süddeutschen Zeitung aus München bringt es auf den Punkt: “Die ärgerliche Debatte um Ort und Besucher des Gelöbnisses richtet ein grelles Licht darauf, wie sich unsere Wohlstandsgesellschaft von der Bundeswehr als einem Garanten ihrer Freiheit und Sicherheit entfernt hat.”
Dass Politische Führung und Parlamentarische Veranwortung diese gesellschaftliche Tendenz zur Distanz verinnerlichen, stimmt bedenklich. (weiter…)