Archiv für die Kategorie 'Streitkräfte&Gesellschaft'

Bundeswehrsoldaten 2012: “Generation Einsatz”, “Zweiweltenproblematik” und “Friedensdividende”

Donnerstag, 26. Januar 2012

Soldaten wollen, dass ihr Einsatz nicht umsonst gewesen ist

BMVg.de berichtet über den Beitrag “Generation Einsatz – Einsatzrealitäten, Selbstverständnis und Organisation” von Anja Seiffert, der in der Jahresschrift 2011 des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr (SoWi) erschienen ist. Eine Bestandsaufnahme, die den Wandel der Bundeswehr hin zu einer Einsatzarmee dokumentiert.
Anja Seiffert* und ihre Kollegen sind wiederholt in die Einsatzgebiete gereist, haben die deutschen Soldaten befragt und sie begleitet. Dabei haben die SoWi-Wissenschaftler festgestellt, was den Soldaten und Soldatinnen, die im Einsatz ihr Leben riskieren, besonders wichtig ist: “Sie erwarten positive Effekte ihres Engagements, gewissermaßen eine ‚Friedensdividende‘ in Form von Aufbauerfolgen und einer verbesserten Sicherheit“, so Anja Seiffert. Auf einen Nenner gebracht: “Sie wollen, dass ihr Einsatz nicht umsonst gewesen ist.”

* Dr. Anja Seiffert ist seit November 2009 Leiterin des Forschungsschwerpunktes “Sozialwissenschaftliche Begleitung der Auslandseinsätze der Bundeswehr” am Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr.
Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Sicherheitspolitik, Auslandseinsätze der Bundeswehr, Militärsoziologie, Interkultureller Dialog, Frauen und Bundeswehr.

(Bildquelle: Bundeswehr.de, deutsche Soldaten einer Fußpatrouille in Kunduz/Afghanistan, BMVg.de-Artikel: Soldatenalltag in Afghanistan: “So ein Einsatz prägt und verändert”)

Buchempfehlung: Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Sozial- und politikwissenschaftliche Perspektiven, hrsg. von Anja Seiffert, Phil C. Langer und Carsten Pietsch. VS Verlag, 2012; ISBN: 978-3-531-18301-5

Hintergrundinformationen: Sozialwissenschaftliches Institut der Bundeswehr. Anmerkung: Das SoWi wird im Rahmen der Bundeswehr-Reform von Strausberg nach Potsdam an den Sitz des MGFA verlegt.



BundeswehrVerband: Jahresbericht des Wehrbeauftragten listet alte und neue Probleme auf

Dienstag, 24. Januar 2012

Schmelzer: „Mängel in der Einsatzvorbereitung können Leben gefährden!“

Berlin. Zum heute vorgestellten Jahresbericht des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus erklärt Oberstabsbootsmann a.D. Wolfgang Schmelzer, Erster Stellvertreter des Bundesvorsitzenden des Deutschen BundeswehrVerbandes:

„Hellmut Königshaus schreibt eine Liste teilweise lange bekannter Mängel fort, die auch der BundeswehrVerband immer wieder anspricht. Es ist frustrierend und unverständlich, dass trotz seiner wiederholten Mahnungen beispielsweise in der einsatzvorbereitenden Ausbildung immer noch Grund zur Klage bleibt und sein Bericht einem Fortsetzungsroman gleichkommt. Für die Kameradinnen und Kameraden im Einsatz kann es lebensgefährliche Folgen haben, wenn sie in der Heimat nicht an dem Gerät ausgebildet werden, mit dem sie in Afghanistan kämpfen müssen.“ Es sei deshalb bewundernswert, wie gut und zuverlässig sie dennoch ihren Auftrag erfüllen, so Schmelzer.

Daneben seien die vom Wehrbeauftragten beschriebenen negativen Auswirkungen einer Pendlerarmee besorgniserregend. Schmelzer: „Ohne konkrete Maßnahmen verkommt der schicke Slogan von Vereinbarkeit von Dienst und Familie zur Spottformel für die vielen auseinandergebrochenen Beziehungen.“

Der Deutsche BundeswehrVerband begrüßt, dass der Wehrbeauftragte auch den Fokus auf die Probleme des Beurteilungssystems der Bundeswehr richtet. Schmelzer: „Eine von vielen Betroffenen als ungerecht empfundene Beurteilungsregelung sowie die nach wie vor bestehende Beförderungsproblematik sind deutliche Indizien, dass es mit der Attraktivität der Streitkräfte nicht weit her ist. Aber diese ist Grundvoraussetzung dafür, dass die Bundeswehr als Freiwilligenarmee im Wettbewerb um qualifizierten Nachwuchs bestehen kann. Es müssen deshalb noch erhebliche Attraktivitätsverbesserungen durch das ausstehende Reformbegleitgesetz erfolgen.“

Schmelzer unterstreicht: „Die Arbeit des Wehrbeauftragten kann gerade in den Zeiten einer Neuausrichtung gar nicht hoch genug geschätzt werden. Ich danke ihm im Namen aller Soldatinnen und Soldaten für seine konsequente und furchtlose Haltung!“ (Zitatende)

(Text-, Grafikquelle: DBwV.de;
Bildquelle: Bundeswehr.de, Vergleichsfoto: Wehrbeauftragter Hellmut Königshaus bei der Truppe in Mazar-e Sharif/Afghanistan)

Hintergrundinformationen: Jahresbericht 211 des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages

heute bei 3sat, Filme über Einsatzbelastungen für Soldaten und den Krieg in Afghanistan

Dienstag, 24. Januar 2012

TV-Tipp: Langer Themenabend über Soldaten und Soldatinnen im Krieg.
In der 3sat-Reihe “monoThema” sendet heute, 24. Januar 2012, 3sat (ZDF, ORF, SRG, ARD) ab 20:15 Uhr eine Reihe von Sendungen, die die Einsatzbelastungen von Bundeswehrsoldaten im Afghanistaneinsatz thematisieren.

Dabei wiederholt 3sat den Spielfilm “Willkommen zuhause”, der im Jahre 2009 eine große politische Diskussion über die Unterstützung und Versorgung traumatisierter Einsatzsoldaten auslöste (Soldatenglück.de begleitete seinerzeit die Debatte, mehr zum Thema bei Angriff-auf-die-Seele.de PTBS-Hilfe).

Danach folgt um 21:40 Uhr die neue Dokumentation “Verwundete Seelen”, ein Dokumentarfilm von Konstanze Burkard, Deutschland 2011, Länge: 81 Minuten, Erstausstrahlung.

Um 23.00 Uhr folgt Töten für den Frieden? Die Politik, die Kirche und der Krieg”, ein Film von Tilman Jens.

Ab 23.45 Uhr dann “Der andere Blick – Fotografen und der Krieg” ein Dokumentarfilm von Huw Talfryn Walters.

Ein guter Fernsehabend für Soldaten und deren Angehörige am Tag derVorstellung des Jahresberichtes 2011 des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages, der die Stimmung und Verunsicherung in der Truppe beschreibt mit Einsatzbelastungen und Reformdruck für die Soldatinnen und Soldaten, die hochmotiviert und zugleich mit mental schwerem Marschgepäck ihren Dienst tun.
Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus dankte den Männer den Frauen in der Bundeswehr mit den Worten: “Was Sie unter teilweise lebensgefährlichen Bedingungen leisten, verdient unseren Dank und unsere Anerkennung.”

(Bilderquelle: Bundeswehr.de, deutsche ISAF-Soldaten im Gefecht mit Feindkontakt, TIC)

TV-Tipp: Ausbildung ist die beste Verteidigung – “Spezialisten in Uniform – Extremausbildung vn Elitesoldaten”

Mittwoch, 11. Januar 2012

Sendetermin, Samstag, 14. Januar 2012 um 23:15 Uhr bei VOX. Ausbildung ist die beste Verteidigung – Die Samstags-Dokumentation “Spezialisten in Uniform – Extremausbildung von Elitesoldaten”

Trotz Sparkurs benötigt die Bundeswehr für moderne Verteidigungsstrategien vor allem eines: hervorragend ausgebildete Spezialisten, die in kürzester Zeit einsatzbereit sind. Die Ausbildung dieser Elitesoldaten ist hart – in einem intensiven Training wird der Bundeswehr-Nachwuchs an seine körperlichen und mentalen Grenzen geführt und mit Extremsituationen vertraut gemacht. Doch was treibt junge Menschen an, sich dieser außergewöhnlichen Herausforderung zu stellen? Und wie lässt sich der enorme Druck aushalten? In der Samstags-Dokumentation “Spezialisten in Uniform – Extremausbildung von Elitesoldaten” (am 14.01. um 23:15 Uhr bei VOX) geht SPIEGEL TV diesen Fragen nach. Die zweistündige Dokumentation zeigt junge Männer und Frauen, die für ihren großen Traum Kampfpilot, Hochgebirgsjäger oder Marinesoldat zu werden, eine der härtesten Ausbildungen der Welt durchlaufen.

Martin Zielinski und Simon Kunz wollen Kampfpiloten werden – doch während der Ausbildung wird die Luft für die zukünftige Flug-Elite immer dünner: Viele von Martins und Simons Weggefährten konnten dem knallharten Auswahlverfahren und den hohen Anforderungen nicht gerecht werden. Ob Humanzentrifuge oder Unterdruckkammer – ständig warten neue Bewährungsproben auf den fliegenden Bundeswehr-Nachwuchs. “Es ist die beste sitzende Tätigkeit, die ich mir vorstellen kann”, witzelt Simon Kunz dennoch tapfer. Auf der texanischen Air Force Base Sheppard werden die zukünftigen Piloten gemeinsam mit Flugschülern aus anderen NATO-Ländern ein Jahr lang im Kunstflug ausgebildet – immer zwischen Überschall und Lebensgefahr. “Man muss auf jeden Fall etwas verrückt sein, um das zu machen, das gehört dazu”, meint Martin Zielinski. Zurück in Deutschland lernen Martin und Simon das Flugzeug als Waffe zu nutzen. Im ostfriesischen Wittmund müssen sie auf dem fast 40 Jahre alten Flugzeugtyp “Phantom F-4″ ihr Können beweisen – dann sind sie endlich echte Jetpiloten und die rund eine Million Euro teure Ausbildung abgeschlossen. SPIEGEL TV ist beim Erstflug der Nachwuchspiloten dabei.

Auch wer Hochgebirgsjäger werden will, muss einen steinigen Weg beschreiten: Die Ausbildung fordert jederzeit körperliche und psychische Höchstleistungen. Zwölf Stunden Bergmarsch, Klettern und Abseilen mit mehr als 30 Kilo schwerer Ausrüstung und auch die Rettung verletzter Kameraden gehören zum Alltag der Auszubildenden. “Man muss auch mögen, mal zu schwitzen und zu frieren. Bergsteigen ohne Schmerzen, ohne, dass man sich die Hände aufreißt, das gibt es einfach nicht”, sagt Heeresbergführer Jörg Huber. Die Hochgebirgsjäger zählen zu den zähesten Soldaten der Bundeswehr – für ihren Einsatz in Extremsituationen in den unwirtlichen Gebirgsregionen Afghanistans müssen sie bestens vorbereitet sein. Die körperliche Belastung und das Aufgabenspektrum der Alpin-Spezialisten sind deutlich größer als bei gewöhnlichen Soldaten. Die Hochgebirgsjäger lassen sich die Begeisterung für ihren Beruf jedoch nicht nehmen, wie Jörg Huber erklärt: “Ich freu mich auch nicht, wenn ich von einer Klettertour heimkomme und überall blutige Hände habe. Aber es hat dann schon eine gewisse Befriedigung, wenn man eine schwierige Klettertour hinter sich gebracht hat, oben am Gipfel steht und es geschafft hat.”

Die Marineschüler in Neustadt müssen mit allen Wassern gewaschen sein: Hier bildet die Bundeswehr seit über 50 Jahren Soldaten aus und bereitet sie auf schwierigste Situationen über und unter Wasser vor. Nur wer starke Nerven besitzt, kann später auf den Kriegsschiffen der Marine eingesetzt werden. Hauptbootsmann Sven Lesse und sein Team simulieren während der Ausbildung der Marine-Soldaten den Überlebenskampf auf hoher See. Ob Schiffsbrände löschen oder eine torpedierte Fregatte vor dem Sinken retten – auf engstem Raum werden die Soldaten an ihre Leistungsgrenzen geführt – und manchmal auch darüber hinaus. (Zitatende)

(Textquelle kursiv: VOX.de;
Bilderquellen: Bundeswehr.de, Bordsicherungssoldat Taktische Operationen – Besatzungsmitglied einer CH-53 in Mazar-e Sharif/Afghanistan;
Luftwaffe.de, Eurofighter im Einsatzbetrieb;
Deutsches Heer.de, Gebirgsjäger: Spezialisten für extreme Bedingungen)

Kunduz-Wiesbaden: BAMBI 2011 für schwer verwundeten Bundeswehr-Soldaten Ralf Rönckendorf (Video)

Freitag, 11. November 2011

“ein kleines bißchen mehr Anerkennung unserer Gesellschaft für uns Soldaten”

Bei der BAMBI Verleihung 2011 in Wiesbaden erhielt ein im Afghanistan-Einsatz nahe Kunduz schwer verwundeter Soldat den Sonderpreis der Jury.

Hauptfeldwebel Ralf Rönckedorf kämpfte sich am “Karfreitag von Kunduz” am 02. April 2010 während eines schweren, verlustreichen Gefechtes in Isa Khel im Raum Kunduz/Nordafghanistan als Sanitäter der 3. Kompanie des Fallschirmjägerbataillons 373 (Seedorf/Niedersachsen) mit der Waffe in der Hand zu einem verwundeten und von Aufständischen bedrohten Kameraden unter Feindfeuer vor und versorgte diesen notfallmedizinisch.
Bei der Detonation einer Sprengfalle (IED) wurde der Einsatzsoldat Ralf Rönckendorf schwer verwundet und verlor sein Augenlicht. Drei Kameraden verloren bei dem Gefecht mit der Taliban an diesem Tag in Afghanistan ihr Leben. Deutschland hat mittlerweile die tragische Zahl von 53 Soldaten zu beklagen, sie kamen aus dem Afghanistan-Einsatz nicht mehr lebend zurück, viele Verwundete an Körper und Seele und die Angehörigen der Gefallenen werden diesen deutschen Einsatz am Hindukusch nie mehr vergessen können.

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg hat am 29. November 2010 (Bild unten) Hauptfeldwebel Ralf Rönckendorf in Berlin mit der seinerzeit neu gestifteten “Einsatzmedaille Gefecht” und dem “Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit” ausgezeichnet.

Bei der 63. BAMBI-Verleihung am 10. November 2011 in Wiesbaden sagt der Laudator Johannes B. Kerner: “Wir bzw. die von uns legitimierten Abgeordneten schicken die Soldatinnen und Soldaten dorthin und was auf keinen Fall pasieren darf, ist dass die Menschen uns egal sind. Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes haben 53 deutsche Soldaten dort ihr Leben gelassen …” 
Der aktive Soldat Ralf Rönckendorf bedankt sich für die Auszeichnung und bittet die 800 Gästen in der Rhein-Main-Halle in der Kurstadt Wiesbaden und die (rund 6 Millionen) Zuschauer an den TV-Bildschirmen der Live-Übertragung im Ersten um “ein kleines bißchen mehr Anerkennung unserer Gesellschaft für uns Soldaten”.
Mit in Wiesbaden und im Publikum waren die Ehefrau Elke und der Sohn von Ralf Rönckendorf (Familienbild unten).

Soldatenglück.de berichtete über den tragischen Karfreitag von Kunduz:
Bild.de berichtete am 23. März 2011: Hauptfeldwebel Ralf Rönckendorf (38) – Das deutsche Gesicht des Afghanistan-Krieges.
Bundeswehr.de berichtete: Ein harter Weg zurück ins Leben – Nach einem Anschlag war für Ralf Rönckendorf nichts mehr wie es war – das Bundeswehrsozialwerk half.

(Bilderquellen: Stars and Stripes.com, U.S. Army Sgt. Steve Shumaker, 34, of Riverside, Calif., helps blind German army Master Sgt. Ralf Rönckendorf as he walks across the Grafenwöhr parade field carrying a portrait of his fallen comrade, Spc. Robert Hartert on Thursday. He is followed by another German soldier, Spc. Mike Mutschke, carrying a portrait of his fallen comrade, Cpl. Martin Augustyniak. The soldiers from the two nations last saw each other on April 2, when the Americans flew through Taliban fire to medically evacuate 11 wounded Germans, action that earned them German Gold Cross medals for valor. Photo: Seth Robson; Atikel: “ESPN celebrates Veterans Day with troops, families at Grafenwöhr”;
Bundeswehr.de, Verteidigungsminister zu Guttenberg händigte am 29.11.2010 das Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit und die Einsatzmedaille der Bundeswehr Gefecht an Ralf Rönckendorf aus;
Ralf Rönckendorf mit seiner Frau und seinem Sohn;
Videoquelle: ARD.de vom 10.11.2011)

Hintergrundinformationen: BAMBI.de des Hubert Burda Verlages



BundeswehrVerbands-Vorsitzender Kirsch begrüßt Reduzierung des Afghanistan-Kontingentes

Freitag, 11. November 2011

Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, hat die von der Bundesregierung geplante Reduzierung des Afghanistan-Kontingents um fast 1000 Soldatinnen und Soldaten bis Anfang 2013 gelobt. “Das ist ein erster Schritt und ein Zeichen an die Afghanen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen”, sagte er der in Halle erscheinenden “Mitteldeutschen Zeitung” (Online-Ausgabe). “Das ist keine signifikante Reduzierung. Ich bin aber über jeden Mann und jede Frau froh, die früher zu Hause sind.” Es dürfe zwar zu keiner Einschränkung des Auftrages der Bundeswehr kommen, fügte Kirsch hinzu. Doch die sehe er hier auch nicht. (Zitatende)

Berichtet die “Mitteldeutsche Zeitung”.
Soldatenglück.de berichtete: Military-Exit, Afghanistan-Abzug: Deutschland wird bis 2013 fast 1.000 Bundeswehr-Soldaten abziehen und Afghanistan-Einsatz: Grünen-Bundestagfraktionsvize Schmidt kritisiert deutsche Truppenabzugspläne vom Hindukusch als “Luftbuchungen”.

(Textqelle kursiv: Mitteldeutsche Zeitung.de;
Bildquelle: Streitkräftebasis.de, Oberst Ulrich Kirsch bei den Soldaten, Artikel “DBwV Standorttag Hannover”)

BundeswehrVerband: Eindrucksvolles Bekenntnis zur Parlamentsarmee

Freitag, 28. Oktober 2011

Verbandsforderungen so gut wie erfüllt
Einsatzversorgungs-Verbesserungsgesetz einstimmig beschlossen

Mit großer Freude kommentiert der Bundesvorsitzende des Deutschen BundeswehrVerbandes, Oberst Ulrich Kirsch, die heutige Entscheidung des Deutschen Bundestages zum Einsatzversorgungs-Verbesserungsgesetz.

Kirsch: “Das war heute eine Sternstunde des Parlaments! Mit der einstimmigen Verabschiedung dieses Gesetzes haben die Abgeordneten des Deutschen Bundestages ein eindrucksvolles und überzeugendes Bekenntnis zur Bundeswehr abgelegt. Sie haben im wahrsten Sinne des Wortes Verantwortung für die Parlamentsarmee wahrgenommen. Dafür danke ich ihnen von Herzen!”

Er freue sich sehr, so Kirsch, dass es gelungen sei, den Gesetzentwurf nach der ersten Lesung noch entscheidend im Sinne der Soldatinnen und Soldaten zu verbessern. Kirsch: “Beinahe alle Forderungen des Deutschen BundeswehrVerbandes sind erfüllt worden.”

So werde beispielsweise im Einsatz-Weiterverwendungsgesetz der für einen Anspruch auf Weiterbeschäftigung erforderliche Grad der Schädigungsfolgen von 50 auf 30 Prozent gesenkt. Außerdem solle die Anerkennung einer posttraumatischen Belastungsstörung wesentlich vereinfacht werden.

Kirsch: “Mein besonderer Dank gilt den Fachpolitikern, die sich mit viel Mühe und großer Überzeugung für diese Verbesserungen eingesetzt haben.”

(Text-, Grafikquelle: DBwV.de;
Bildquelle: Bundeswehr.de, Vergleichsfoto: Soldaten im Bundestag)

Oberbürgermeister von Köln protestiert scharf gegen Abzugspläne der Bundeswehr

Donnerstag, 27. Oktober 2011

2200 Dienstposten sollen wegfallen

Mit scharfer Kritik hat Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) auf den Stellenabbau am Bundeswehrstandort Köln reagiert. Nach den Plänen von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) sollen aus der Region Köln rund 2200 Soldaten abgezogen werden. Das Heeresamt und das Streitkräfteunterstützungskommando sollen ganz geschlossen werden. “Das können und werden wir so nicht hinnehmen”, sagte Roters dem “Kölner Stadt-Anzeiger” (Donnerstag-Ausgabe). Das Vorgehen des Verteidigungsministers sei nicht zu akzeptieren. Köln sei von den bundesweiten Kürzungsplänen überdurchschnittlich betroffen. Wenn es bei den Plänen bleibe, müsse die Bundesregierung Ausgleichsmaßnahmen vornehmen: “Bund und Land dürfen die Stadt Köln nicht dem zwangsläufig folgenden Problemen alleine lassen.” De Maizière will von den de facto 328 Standorten der Bundeswehr 31 ganz schließen und weitere 33 so weit reduzieren, “dass es einer Schließung nahekommt”. In Nordrhein-Westfalen fallen knapp 10000 Dienstposten weg. (Zitatende)

Berichtet der “Kölner-Stadtanzeiger” heute.
Soldatenglück.de berichtete gestern u.a.: Verteidigungsminister de Maiziere: Bundeswehrreform & Standortschließungen (Video)  und Von 281.500 Bundeswehr-Dienstposten auf 197.500 zusammengeschmolzen – Neues Stationierungskonzept der Bundeswehr.

(Textquelle kursiv: Kölner Stadt-Anzeiger.de;
Bildquelle: Stadt Köln.de; OB Jürgen Roters)

Hintergrundinformationen: Stadt Köln

Bundeswehr Stationierungskonzept – Patient überlebt

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Das gibt es also auch noch in dieser häufig so dilettantisch wirkenden Regierung: den Typ des ruhigen, kompetenten Machers. Man muss nicht mit jeder Standortschließung im Besonderen oder der Bundeswehrreform im Allgemeinen einverstanden sein, aber man muss anerkennen, dass Verteidigungsminister Thomas de Maizière eine schwierige Aufgabe mit Bravour gelöst hat. Wie viel Porzellan ließe sich mit der Schließung von Standorten zerschlagen. Doch de Maizière hat seine Kriterien klar und nachvollziehbar gemacht: Funktionalität, Kosten, Attraktivität, Präsenz in der Fläche. Für jedes Detail hat er sich interessiert – bei Augustdorf war er erst zufrieden, als die Düsseldorfer Landesregierung sich schriftlich verpflichtete, die Naturpark-Interessen nicht über die militärische Nutzung zu stellen. Man kann dem CDU-Minister auch beim besten Willen nicht vorwerfen, seine Entscheidungen nach parteipolitischen Vorlieben getroffen zu haben. Sonst wäre kaum zu erklären, warum von der Reduzierung der Stützpunkte vor allem Schleswig-Holstein und Bayern betroffen sind. Nur ein Fleck prangt auf der ansonsten weißen Weste: Der ursprünglich von de Maizière geplante vollständige Umzug des Ministeriums von Bonn nach Berlin kommt (noch) nicht zustande, obwohl der Umzug schon aus Kostengründen dringend geboten wäre. Da haben dem Minister die Parteifreunde aus NRW dazwischengefunkt. Noch weiß niemand, wohin sich die Bundeswehr in Zukunft entwickelt. Die Zeit der langanhaltenden Kriegseinsätze wie in Afghanistan scheint sich dem Ende zu nähern. Aber die Truppe wird im Ausland präsent bleiben, nicht nur am Horn von Afrika, sondern etwa auch zur Absicherung des Friedens im Kosovo. Die Bundeswehrreform vollzieht sich insgesamt als eine Operation am offenen Herzen. Bisher hat der Patient gute Überlebenschancen. (Zitatende)

Kommentiert Alexandra Jacobsen aus Berlin für die “Neue Westfälische” aus Bielefeld.

(Textquele kursiv: Neue Westfälische.de;
Bundeswehr.de, Bundesminister der Verteidigung Dr. Thomas de Maizière stellt in der Bundespressekonferenz das Stationierungskonzept im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr vor und beantwortet die Fragen der Journalisten.)

De Maizieres generalstabsmäßiges Stationierungs-Konzept als Meilenstein der Bundeswehr-Reform

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Das nennt man denn wohl generalstabsmäßig geplant. Anders als sein Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg, der den richtigen Anstoß zur bislang tiefgreifendsten Reform der Bundeswehr gegeben, aber vorab die notwendige Lagebeurteilung vernachlässigt hat, ist Thomas de Maizière aus politischer wie militärischer Sicht planungsgerecht vorgegangen: Neudefinierung des Auftrags der Bundeswehr, Klärung des Verteidigungsetats, neue Sollstärke nach Abschaffung der Wehrpflicht, Struktur der “neuen” Bundeswehr samt ihrer wichtigsten Waffensysteme und nun gestern als Schlussbaustein die Entscheidung über die Standorte. Letztere ist ziemlich konsequent aus der neuen Lage abgeleitet und umgesetzt worden.

Ein Verteidigungsminister ist nicht verantwortlich für Strukturpolitik in diesem Land. Er hat für auftragsgerechte und kosteneffiziente Standorte für seine Truppe zu sorgen. Diesem Verdikt sind zwanzig Jahre nach Ende des Kalten Kriegs 31 Standorte zum Opfer gefallen. So bedauerlich das im Einzelfall für Gemeinden in wirtschaftlich schwachen Regionen sein mag – es wurde höchste Zeit, die Bundeswehr auch von ihrer Dislozierung her der neuen Lage anzupassen.

De Maizière, dessen Vater in den 60er-Jahren Generalinspekteur der Bundeswehr war (Bild oben), hatte dazu den Mut, den seine Vorgänger noch nicht hatten. Dabei ist er mit gutem Beispiel vorangegangen, indem er im eigenen Ministerium 1000 Stellen streicht. Und weil zudem die Entscheidung so gründlich vorbereitet worden ist, fielen Protest und Enttäuschungsbotschaften der Ministerpräsidenten in den vergleichsweise hart betroffenen Ländern eher pflichtschuldig aus. Die Regierungschefs in Berlin und Brandenburg haben ohnehin keinen Grund zum Klagen. Im Gegenteil. Mit der Verlegung des Führungsstabs der Heeres nach Strausberg, dem der Luftwaffe nach Gatow und der Versetzung weiterer Mitarbeiter von der Bonner Hardthöhe in die inoffizielle ministerielle Zentrale an der Spree wird die Bedeutung der Region als Führungszentrum der gesamten Bundeswehr weiter ausgebaut. Das bei Potsdam beheimatete Einsatzführungskommando der Bundeswehr, das alle Auslandseinsätze koordiniert, gehört dazu.

Auch verteidigungspolitisch zeitigt Berlin hauptstädtische Anziehungskraft. Keine so tiefgreifende Reform ist in der Geschichte der Bundesrepublik so ruhig über die politische wie die öffentliche Bühne gegangen wie die der Neuaufstellung unserer Streitkräfte. Das spricht für die Einsicht in die Dringlichkeit der Reform wie für deren wohldurchdachte planerische Vorbereitung. Das ist die positive Sicht. Es gibt aber auch eine, die nachdenklich stimmen kann. Die Deutschen zeigen an Sicherheitspolitik, die Teil der Außenpolitik ist, ein hohes Maß an Desinteresse. Sie reagieren meist nur dann, wenn gefallene Soldaten zu beklagen sind. Die Kenntnis von ein paar verteidigungspolitischen Zusammenhängen ist aber Voraussetzung, um zu verstehen, warum und wozu die Bundeswehr so radikal umgebaut wird. Das sollte eigentlich mehr Interesse wecken. Weil unsere Soldatinnen und Soldaten auch in der neuen Freiwilligenarmee Dienstleister unser aller Sicherheit bleiben. (Zitatende)

Kommentiert die “Berliner Morgenpost”.

(Textquelle kursiv: BERLINER MORGENPOST.de;
Bilderquelle: Bundeswehr.de, Bundesminister der Verteidigung Dr. Thomas de Maizière stellt in der Bundespressekonferenz das Stationierungskonzept im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr vor und beantwortet die Fragen der Journalisten;
der erste Leopard rollt im Beisein des Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Ulrich de Maizière, und dem Bundesminister der Verteidigung, Kai-Uwe von Hassel, in München vom Band)