Archiv für die Kategorie 'Verteidigungspolitik'

Theologin Margot Käßmann auf Internationaler Friedenstagung: Waffenhandel ächten

Donnerstag, 19. Mai 2011

Vision vom Gerechten Frieden

Zum Auftakt der Christlichen Friedenstagung, eine Internationale Ökumenische Begegnung mit 1.000 Teilnehmenden zur “Vision vom Gerechten Frieden” unter dem Motto “Ehre sei Gott und Friede auf Erden” in Kingston/Jamaika hat die Theologin Dr. Margot Käßmann die Kirchen zum radikalen Eintreten für den Frieden aufgerufen. Religion und Gewalt seien nicht miteinander vereinbar, sagte die frühere Ratsvorsitzende der “Evangelischen Kirche in Deutschland” (EKD).

Käßmann forderte bei der Eröffnung der Friedenskonvokation die Kirchen auf, entschieden gegen Waffenhandel zu protestieren. “Es ist ein, dass Waffenproduktion und -handel eine Quelle wirtschaftlichen reichtums sind”, sagte sie. Die Kirchen müssten die Regierungen herausfordern, Herstellung, Finanzierung und Kauf von Waffen zu stoppen.

(Bild-, Grafikquelle: Internationale Ökomenische Friedenskonvokation)

Hintergrundinformationen mit livestream: Internationale Ökumenische Friedenskonvokation



Deutscher BundeswehrVerband beurteilt Reformpläne skeptisch

Mittwoch, 18. Mai 2011

Kirsch: “Ideelle Anreize reichen nicht aus, um den Dienst in der Bundeswehr hinreichend attraktiv zu machen”

Deutscher BundeswehrVerband beurteilt Reformpläne skeptisch

Mit großer Skepsis hat der Bundesvorsitzende des Deutschen BundeswehrVerbandes, Oberst Ulrich Kirsch, die von Verteidigungsminister Thomas de Maizière vorgestellten Pläne zur Neuausrichtung der Bundeswehr zur Kenntnis genommen.

“Der Minister hat eine kluge und durchdachte Lagefeststellung vorgenommen. Und er hat Recht, wenn er sagt, die Reform kann ohne überzeugte Menschen nicht gelingen. Aber wie sollen die Menschen in den Streitkräften die Veränderung als Chance begreifen? Was sollen sie glauben?”

Schon oft seien ihnen Reformen und Chancen angekündigt worden, sagte Kirsch. Als Folge hätten sie allerdings regelmäßig ihre militärische Heimat verloren und den Wohnort wechseln müssen. Dies habe zu massivem Vertrauensverlust geführt. Kirsch: “Diese Reform wird nur dann gelingen, wenn der Dienst in den Streitkräften deutlich attraktiver wird. Konkrete Angebote dazu bleibt der Minister leider schuldig.”

Tatsächlich seien gesellschaftliche Anerkennung sowie das Gefühl, einen Ehrendienst zu versehen, wichtige Motive. Sie allein reichten aber nicht aus. Kirsch: “Verteidigungsminister de Maizière muss jetzt die ideellen Anreize um spürbare materielle für alle Soldatinnen und Soldaten und Zivilbeschäftigten ergänzen. Hier hat der Deutsche BundeswehrVerband seine Hausaufgaben gemacht, unsere Vorschläge liegen auf dem Tisch. Jetzt ist die Bundesregierung am Zug!” (Zitatende)

Soldatenglück.de berichtet regelmäßig über die Arbeit der Interessenvertretung der Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr und ihrer Angehörigen mit über 200.000 Mitgliedern, den Deutschen BundeswehrVerband (DBwV) und heute Neuausrichtung: Verteidigungsminister de Maiziere stellt Pläne zur Bundeswehr-Reform vor (Videos).

(Bildquelle oben: Bundeswehr.de, der Bundesminister der Verteidigung Thomas de Maizière informiert am 18.Mai 2011 in der Julius-Leber-Kaserne über Eckpunkte zur Neuausrichtung der Bundeswehr. Zu Beginn der Veranstaltung wird er von der Presse umringt.
Text-, Bild-, Grafikquelle: DBwV.de)

Bundeswehr-Reform auf Sand gebaut? (Video)

Mittwoch, 18. Mai 2011

Deppendorfs Woche – Tagesschau

Ungewöhnlich harsch fiel die Kritik des neuen Verteidigungsministers de Maizière an der Vorarbeit seines Vorgängers aus. Die FDP ätzt ihm hinterher und auch aus der CSU dringen kritische, wenn auch anonyme Stimmen zur Reform des koalitionsintern lange gelobten und geliebten Ministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Wenn vieles Blendwerk war – wie kam er so lange damit bei Merkel durch? Und bei manchen Medien?

Darüber spricht Corinna Emundts mit Ulrich Deppendorf, dem Leiter des ARD-Hauptstadtstudios.

(Videoquelle: ARD.de)

Bundesfreiwilligendienst, Freiwillige vor! (Video)

Dienstag, 17. Mai 2011

Reichlich spät beginnt Familienministerin Kristina Schröder, mit einer Informationskampagne für den neuen Freiwilligendienst zu werben, aber besser spät als nie. Zusätzlich sorgte das langwierige Gesetzgebungsverfahren dafür, dass der Bundesrat erst am 15. April zugestimmt hat. So wird die Zeit bis zur Umsetzung reichlich knapp.

Die Wohlfahrtsverbände konnten sich zwar theoretisch darauf vorbereiten, weil die Entscheidung des Bundesrates erwartbar war. Dennoch werden sie in der Praxis mit großen Unsicherheiten leben müssen. Noch ist unklar, wie es in Kliniken und Behindertenheimen oder bei den Fahrdiensten weitergeht. Denn erst in einigen Monaten lässt sich feststellen, wie sehr der Dienst tatsächlich Freiwillige anlockt und wo Löcher in der Versorgung zu stopfen sind.

Zwar fällt der Zivildienst als Pflichtdienst endgültig weg. Doch es bringt wenig, den Freiwilligendienst nur als Ersatz anzusehen und den Zivis nachzutrauern. Sinnvoller ist es, wenn auch die Wohlfahrtsverbände zuversichtlich nach vorne blicken. Denn das neue Angebot bietet große Chancen, wenn es sich erst einmal richtig eingespielt hat und Teilnehmer von positiven Erfahrungen erzählen. Zu den Vorzügen gehört es, dass sich der Dienst an mehrere Generationen richtet und auch die Bereiche Integration, Sport und Kultur umfasst. Dass es jetzt die doppelten Abiturjahrgänge gibt, kann den Start erleichtern. (Zitatende)

Kommentiert die Neue Osnabrücker Zeitung.

(Textquelle: Neue Osnabrücker Zeitung.de;
Bild-, Videoquelle: BMFSFJ.de)

Hintergrundinformationen: Bundesfreiwilligendienst (BFD)

Mehr Geld und Zeit für die Bundeswehr-Reform

Montag, 16. Mai 2011

Wer so schwer stürzt wie der Freiherr zu Guttenberg, dem sollte man nicht noch nachtreten. Doch erinnert werden darf schon daran, dass der kurzzeitige Verteidigungsminister, von dessen Wiederauferstehung viele in der CSU noch immer träumen, eine umfassende Reform der Bundeswehr in tollkühner Husaren-Manier angestoßen hat – ohne sich um die Folge für die Truppe zu kümmern. Konkret: Der großen Reform der Bundeswehr hätte eine Analyse von künftigem Auftrag, Bündnisverpflichtungen und letztlich auch des Finanzrahmens vorangehen müssen. Eine solche Lagebeurteilung hat der Freiherr in seinem Tatendrang versäumt, stattdessen das Pferd von hinten aufgezäumt. Richtig bleibt, dass er die Abschaffung der Wehrpflicht in der zur Einsatzarmee mutierten Bundeswehr durchgedrückt hat. Aber gleichzeitig sich dem Spardiktat des Finanzministers kampflos zu beugen (8,3 Milliarden weniger bis 2015), ohne die Konsequenzen für Personal und Ausrüstung einer künftig drastisch verkleinerten Freiwilligen-Truppe (derzeit etwa 220.000 Soldatinnen und Soldaten, künftig maximal 185.000) zu bedenken, spricht gegen all die Qualitäten, derer der fränkische Adelsspross monatelang gerühmt wurde. Morgen will Nachfolger Thomas de Maizière Eckpunkte seiner Reform der guttenbergschen Reformansätze im Kabinett vorstellen. Es wird keine grundlegende Kehrtwendung geben. Aber eine Planung, die offensichtlich auf einer verlässlicheren wie realistischeren Finanzgrundlage fußt. Dem ehemaligen Kanzleramtsminister ist es gelungen, den knauserigen Kollegen Finanzminister Wolfgang Schäuble davon zu überzeugen, dass die Sparvorgabe nicht zu halten ist – wenn die Bundeswehr zu einer Armee, deren Soldaten auf dem freien Arbeitsmarkt gewonnen werden müssen, umgebaut wird und wenn zeitgemäße Ausrüstung und schließlich Neuorganisation der ministeriellen wie der zivilen Verwaltung nötig sind. Über Größenordnung der reduzierten Sparanweisung samt möglichen Verschiebungen von finanziellen Lasten innerhalb des Gesamthaushalts wird Konkretes noch unter Verschluss gehalten. Doch de Maizière ist erfahren genug – notfalls auch dank kräftiger Fürsprache seiner Mentorin und Kanzlerin -, Schäuble den finanziellen Spielraum abgetrotzt zu haben, den er zum erfolgreichen Umbau der Bundeswehr von historischer Dimension braucht. Dass der, anders als Guttenberg noch versprochen hatte, in dieser Legislaturperiode nicht mehr zu schaffen ist, hat der Sohn des einstigen Generalinspekteurs Ulrich de Maizière bereits vermeldet. Die Reform ist zu wichtig und auch zu tief greifend, um sie unter Zeitdruck durchzupeitschen. Solidität ist auch in diesem Fall wichtiger als Übereifer. Zu viel Menschliches wie Politisches steht auf dem Spiel. Denn am Ende geht es um die Minimierung des Lebensrisikos der Soldatinnen und Soldaten, die stärkere Akzeptanz der Auslandseinsätze durch die deutsche Öffentlichkeit, um die Verlässlichkeit Deutschlands gegenüber den Partnern im Nato-Bündnis und Mitverantwortung für den Frieden in der Welt. Wer in der internationalen Politik gehört werden und auf sie Einfluss nehmen will, darf seine Armee nicht aushungern. Das hat nichts mit Größenwahn zu tun. Aber sehr viel mit der Realität auf diesem Globus. (Zitatende)

Kommentiert die “Berliner Morgenpost” in ihrem Leitartikel.

(Textquelle kursiv: BERLINER MORGENPOST.de;
Bilderquelle: Bundeswehr.de, der Bundesminister der Verteidigung a.D. Karl -Theodor zu Guttenberg schreitet auf dem Paradeplatz des Bundesministeriums der Verteidigung in Berlin zum letzten Mal die Ehrenformation des Wachbataillons ab.
Im Bild: Zu Guttenberg spricht ein letztes Mal zu den Soldaten.
Amtseinführung von Verteidigungsminister de Maizière, der Bundesminister der Verteidigung a.D Karl-Theodor zu Guttenberg begrüßt den neuen Bundesminister der Verteidigung Dr. Thomas de Maizière mit militärischen Ehren. Anschließend wird im Ehrenmal der Bundeswehr ein Kranz niedergelegt. Im Bild von links: General Wieker, BM de Maizière, BM a.D. Guttenberg und Oberst Hubertus von Rohr.
Fotos vom: 03.03.2011)



Sparkurs bei der Bundeswehr – Paradox

Montag, 16. Mai 2011

Das ist ziemlich paradox: Die Bundeswehr wird in gefährliche und teure Auslandseinsätze geschickt, aber gleichzeitig soll sie Milliarden einsparen. Dabei lässt die Einsatzbereitschaft ihrer Waffen und Geräte bereits zu wünschen übrig. Auch die geplante personelle Reduktion der Truppe hat eine Kehrseite: Die Belastung der Zeit- und Berufssoldaten wird noch weiter steigen. Im Übrigen werden bereits jetzt die Folgen der Aussetzung der Wehrpflicht spürbar. Freiwillig Wehrdienst Leistende sind nicht mehr so leicht zu finden. Dabei muss man wissen, dass sich bislang etwa ein Drittel der 130.000 Zeit- und 55.000 Berufssoldaten aus dieser Gruppe rekrutierte: Grundwehrdienstleistende (9 Monate) und freiwillig Wehrdienst Leistende (bis 23 Monate) fanden während ihrer Dienstzeit Gefallen an der Bundeswehr und verpflichteten sich für länger. Diese “Quelle” wird wohl allmählich versiegen. Dann sind die “Zentren für Nachwuchsgewinnung” gefragt, die in der Vergangenheit etwa zwei Drittel der Zeitsoldaten auf dem freien Markt gesucht und gefunden haben. Es gebe genügend Bewerber, man werde weiter “am Prinzip der Bestenauslese festhalten” können, heißt es in den Zentren. Das ist eine sehr optimistische Sicht. Ob sie gerechtfertigt ist, wird die Zukunft zeigen. (Zitatende)

Kommentiert Hubertus Gärtner von der “Neuen Westfälische” aus Bielefeld.

(Textquelle kursiv: Neue Westfälische.de;
Grafikquelle: Bundeswehr.de, Einsatzzahlen – die Stärke der deutschen Einsatzkontingente, derzeit sind 6.955 deutsche Bundeswehr-Soldatinnen und -Soldaten in Auslandseinsätzen, Stand: 11. Mai 2011)

“Freiheit – am Hindukusch verteidigt?” – Predigt des EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider – Deutsche Soldatinnen und Soldaten nicht allein lassen

Sonntag, 15. Mai 2011

“Soldatenglück und Gottes Segen!” in der Abflughalle des Flughafens Köln-Wahn Militärischer Teil

Eine ernsthafte und ausführliche Diskussion über die Auslandseinsätze der Bundeswehr hat der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider (Bild oben, am 02.02.11 in Mazar), gefordert. Zugleich sprach er sich für eine größere Aufmerksamkeit für die deutschen Soldatinnen und Soldaten aus: “Es ist wichtig, dass die Menschen, die unser Land in einen solchen Einsatz schickt, nicht allein gelassen werden”, sagte Schneider in seiner Predigt am Sonntag, 15. Mai, im ZDF-Gottesdienst in der Abflughalle des Militärflughafens Köln-Wahn.

Als Kirche und als Mitmenschen seien wir gefragt, den Soldatinnen und Soldaten zur Seite zu stehen, die mit belastenden Erfahrungen aus den Kriegs- und Krisengebieten zurückkehren. Dabei gehe es manchmal nur darum, “das Naheliegende und Lebensdienliche zu tun”, so wie der Engel im 1. Buch der Könige dem Propheten Elia Brot und Wasser reiche. “Das bedeutet nicht”, so der Ratsvorsitzende, “dass wir den Afghanistan-Einsatz in allen seinen Punkten gutheißen. Oder ihm damit gar eine Art kirchlichen Segen geben. Es geht uns um die Menschen, die am Hindukusch ihren schwierigen Dienst tun.”

Unter dem Eindruck des 2. Weltkrieges und seiner Kriegs- und Menschenrechtsverletzungen hätten viele Deutsche eine tiefe Zurückhaltung gegenüber militärischer Gewalt entwickelt. Die evangelische Kirche habe sich die theologische Erkenntnis des Ökumenischen Rates der Kirchen “Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein” nachhaltig zu Eigen gemacht. “Zugleich erkennen Christenmenschen ganz nüchtern, dass es Situationen gibt, in denen wir nicht ohne Schuld bleiben können – was immer wir tun oder unterlassen. So ist es in Afghanistan und so ist es aktuell in Libyen, wo wir nicht eindeutig wissen, welches politische und militärische Verhalten den Frieden und die Gerechtigkeit unter den Menschen fördert.”

Mitunter wünsche man sich Gott als eine Macht, die alle Widerstände hinwegfegt, “auch in unseren politischen Kämpfen gegen Terror und menschenverachtende Gewalt, um endlich der Gerechtigkeit und dem Frieden zum Durchbruch zu verhelfen.” Doch Jesus Christus mahne uns: “Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen.” (Matthäus 26,51). “Deshalb kann der Griff zum Schwert immer nur eine letzte und schuldhafte Option sein. Gottes Wort weist uns darauf hin, dass es nicht möglich ist, Krieg mit Krieg und Böses mit Bösem zu überwinden.”

Der Gottesdienst in der Abflughalle des Militärflughafens Köln-Wahn wurde am Sonntag, 15. Mai, ab 9.30 Uhr im ZDF live übertragen.

Präses Nikolaus Schneider (Bild unten, am 02.02. in Mazar)
Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Es gilt das gesprochene Wort!

Predigt über 1. Könige 19, 4-13 im Rahmen des ZDF-Fernsehgottesdienstes zum Thema “Freiheit – am Hindukusch verteidigt?” 15. Mai 2011 // Abflughalle des Militärflughafens Köln-Wahn

Liebe Gemeinde hier und liebe Gemeinde an den Bildschirmen,

“Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter” -

dieser Satz aus dem Mund des Propheten Elia bewegt mich in besonderer Weise. Wir haben ihn in der Lesung gehört.

Elia hatte gekämpft – für Gott und mit Gott gegen falsche Götter und falsche Propheten. Und Elia hatte einen triumphalen Sieg errungen. Gott hatte sich mit seiner Macht auf die Seite Elias gestellt. Das Königspaar Ahab und Isebel hatte den Kult um die Baals-Götzen ins Land geholt – nicht zuletzt zur Sicherung der königlichen Macht. Im Rausch seines Sieges wollte Elia den ‘totalen Sieg’. Er ließ alle gegnerischen Propheten ergreifen, um sie eigenhändig umzubringen.

Nun aber will die Königin Rache und bedroht Elia mit dem Tod. Der Prophet muss um sein Leben fürchten und läuft davon. Er flüchtet in die Wüste und legt sich in den Schatten unter einen Wacholderstrauch.

Elia ist leer und ausgebrannt. Er will nicht mehr kämpfen und nicht mehr streiten. Er will nichts mehr hören, nichts mehr sehen und nichts mehr reden.

Elia ist müde, sterbens-müde:

“Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter” Auch wenn zwischen dem Propheten Elia und uns rund dreitausend Jahre liegen – hier kommt er uns als Mensch nahe.

Heutige Psychologen haben für den Zustand des Propheten ein Wort, das seit einigen Jahren in aller Munde ist: “Burnout”. Bevor dieses Krankheitsbild in den 90er Jahren beschrieben wurde, sprach man manchmal vom “Elia-Syndrom” – was für eine zutreffende Aufnahme des biblischen Bildes. Vielleicht könnte man bei Elia auch von einer “posttraumatischen Belastungsstörung” sprechen, also eine spätere seelische oder psychosomatische Reaktion auf eine ausgesprochen belastende Erfahrung.

Wenn heute Soldaten von dieser Halle aus in den Auslandseinsatz aufbrechen, sind wegen der künftigen Belastungen Psychologen dabei, die sich mit dem Elia-Syndrom auskennen. Wir hörten es ja vorhin aus dem Mund eines Soldaten: ständig kann es geschehen, dass am Rande der Straße ein Sprengsatz gezündet oder ein Konvoi beschossen wird. Und viele, die aus dem Einsatz zurückkehren, tragen die Erfahrung von intensiven Gefechten und stundenlangen Kampfhandlungen in sich: Sie mussten schießen und auch töten. Neben ihnen wurden Kameraden getroffen. Lebensgefährliche und belastende Erfahrungen, die nicht spurlos an ihnen vorübergehen. (weiter…)

Regierung ohne Kompass bei Zukunft der Bundeswehr

Freitag, 13. Mai 2011

Hat die schwarz-gelbe Regierung ihren sicherheitspolitischen Kompass verloren? Für Wehrpflicht und Bündnistreue warben die Koalitionäre im Wahlkampf, um dann schließlich die Idee vom Bürger in Uniform zu begraben. Und spätestens seit der Enthaltung Deutschlands in der Libyen-Frage im UN-Sicherheitsrat dürften NATO und USA klar sein: Europas Mittelmacht liebäugelt wieder mit Sonderwegen. Davor kann nur gewarnt werden: Das ging in der Geschichte noch nie gut.

Thomas de Maizière hat nach dem unfreiwilligen Abgang von Karl-Theodor zu Guttenberg notgedrungen das Amt des Verteidigungsministers übernommen. Das muss ihm zugutegehalten werden. Das Desaster beim Anwerben Freiwilliger hat er nicht verschuldet. Doch er setzt fort, was nicht sein darf: eine Sicherheits- und Verteidigungspolitik nach Kassenlage. Was fehlt, ist eine gesellschaftliche Debatte über die künftige Rolle Deutschlands in der Welt.

Will das Land internationale Verantwortung übernehmen, darf die schon jetzt unterfinanzierte Bundeswehr nicht länger in der Unterklasse verharren. Dann verbieten sich weitere Sparpläne, wie sie auch de Maizière vorsieht. Scheint die Wirtschaftsmacht aber der Meinung zu sein, sich wie die Schweiz aus allen Krisen heraushalten zu können, benötigt das Land keine teure Alibi-Armee. (Zitatende)

Kommentiert die Neue Osnabrücker Zeitung.

In diesem Zusammnhang diese News bei stern: Die Bundeswehr soll sich nach Medienangaben künftig wieder auf die Landesverteidigung konzentrieren. Das Konzept zur Reform der Bundeswehr, das kommenden Mittwoch von Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) dem Kabinett vorgestellt werden soll, sehe Auslandseinsätze nicht länger als Priorität der Bundeswehr, berichtete die “Südwest Presse” (Donnerstagsausgabe) unter Berufung auf Regierungskreise. Die Teilnahme an internationalen Einsätzen zur Krisenbewältigung soll damit an die zweite Stelle rücken. (Zitatende)

[Textquellen kursiv: Neue Osnabrücker Zeitung.de, stern.de;
Bildquelle: Bundeswehr.de, Allgemeine soldatische Ausbildung - Regierungsinspektorin zur Anstellung Marie Sch. vom Bundesamt für Wehrverwaltung, absolviert die Allgemeine soldatische Ausbildung im Rahmen der Personalentwicklungskonzeption für Beamte des gehobenen und höheren Dienstes der Bundeswehr ( PE - Konzept ) an der Infanterieschule Hammelburg.]

Bundeswehr – Wie weiter ohne Wehrpflicht? (Video)

Mittwoch, 11. Mai 2011

45 künftige Sanitätssoldaten statt wie früher 2000 beim Schießlehrgang in GaushornSchlewswig-Holstein – reicht das, um den Nachwuchs der Bundeswehr zu sichern?

(Videoquelle: NDR Schleswig-Hosltei Magazin vom 10. Mai 2011;
Bildquelle: Bundeswehr.de, Überwinden einer Eskaladierwand – Fahnenjunker auf der Hindernisbahn.)

Debatte um Wiedereinführung der Wehrpflicht

Montag, 9. Mai 2011

Auf Guttenbergs vollmundige Versicherung, dass er ein bestelltes Haus hinterlassen habe, konnten wohl nur Narren etwas geben. Fachleuten war von Anfang an klar, dass sich mit einer Freiwilligenarmee vieles machen lässt, aber ganz gewiss kein Geld sparen. Angesichts der demografischen Entwicklung ist es zudem fraglich, ob sich noch ausreichend Freiwillige finden lassen. Dass sich dann aber die leichtfertig ausgesetzte Wehrpflicht wieder einführen lässt, wie von Teilen der Union nun wieder gefordert, ist mehr als fraglich. Daraus müssen nicht, aber können sich durchaus Probleme ernsthaften Ausmaßes entwickeln. Das wäre dann Sicherheitspolitik nach Kassenlage. Umso skandalöser ist es, dass an der Ausarbeitung dieser Reform neben dem blaublütigen Blender zahlreiche Fachleute und Militärs beteiligt waren. (Zitatende)

Kommentiert die Märkische Oderzeitung aus Frankfurt/Oder.

Soldatenglück.de ergänzt, als eine seiner ersten Amtshandlungen hat der neue Verteidigungsminister Dr. Thomas de Maiziere am 11. März 2011 den Leiter des Arbeitsstabes “Umbau der Bundeswehr” (ASUBw) und für die Bundeswehr-Reform und Streitkräfte-Reduzierung zuständigen BMVg-Staatssekretär Administration und Ausrüstung Dr. Walther Otremba abgesetzt bzw. in den einstweiligen Ruhestand versetzt und am 16. März durch seine Personalwahl, den langjährigen Weggefährten im Landesdienst Sachsen, im Bundeskanzleramt und im Bundesinnenminsterium, Stéphane Beemelmans, ersetzt.

(Textquelle kursiv: Märkische Oderzeitung.de;
Bildquelle: Bundeswehr.de, Bundeswehrtagung, am 22. und 23. November 2010 traf das höhere Führungspersonal der Bundeswehr und des Bundesministeriums der Verteidigung zur Bundeswehrtagung 2010 in Dresden zusammen. Der Staatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung, Dr. Walther Otremba neben dem Bundesminister der Verteidigung, Karl-Theodor zu Guttenberg.)