Archiv für die Kategorie 'Verteidigungspolitik'

Bundeswehrsoldaten 2012: “Generation Einsatz”, “Zweiweltenproblematik” und “Friedensdividende”

Donnerstag, 26. Januar 2012

Soldaten wollen, dass ihr Einsatz nicht umsonst gewesen ist

BMVg.de berichtet über den Beitrag “Generation Einsatz – Einsatzrealitäten, Selbstverständnis und Organisation” von Anja Seiffert, der in der Jahresschrift 2011 des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr (SoWi) erschienen ist. Eine Bestandsaufnahme, die den Wandel der Bundeswehr hin zu einer Einsatzarmee dokumentiert.
Anja Seiffert* und ihre Kollegen sind wiederholt in die Einsatzgebiete gereist, haben die deutschen Soldaten befragt und sie begleitet. Dabei haben die SoWi-Wissenschaftler festgestellt, was den Soldaten und Soldatinnen, die im Einsatz ihr Leben riskieren, besonders wichtig ist: “Sie erwarten positive Effekte ihres Engagements, gewissermaßen eine ‚Friedensdividende‘ in Form von Aufbauerfolgen und einer verbesserten Sicherheit“, so Anja Seiffert. Auf einen Nenner gebracht: “Sie wollen, dass ihr Einsatz nicht umsonst gewesen ist.”

* Dr. Anja Seiffert ist seit November 2009 Leiterin des Forschungsschwerpunktes “Sozialwissenschaftliche Begleitung der Auslandseinsätze der Bundeswehr” am Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr.
Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Sicherheitspolitik, Auslandseinsätze der Bundeswehr, Militärsoziologie, Interkultureller Dialog, Frauen und Bundeswehr.

(Bildquelle: Bundeswehr.de, deutsche Soldaten einer Fußpatrouille in Kunduz/Afghanistan, BMVg.de-Artikel: Soldatenalltag in Afghanistan: “So ein Einsatz prägt und verändert”)

Buchempfehlung: Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Sozial- und politikwissenschaftliche Perspektiven, hrsg. von Anja Seiffert, Phil C. Langer und Carsten Pietsch. VS Verlag, 2012; ISBN: 978-3-531-18301-5

Hintergrundinformationen: Sozialwissenschaftliches Institut der Bundeswehr. Anmerkung: Das SoWi wird im Rahmen der Bundeswehr-Reform von Strausberg nach Potsdam an den Sitz des MGFA verlegt.



BundeswehrVerband: Jahresbericht des Wehrbeauftragten listet alte und neue Probleme auf

Dienstag, 24. Januar 2012

Schmelzer: „Mängel in der Einsatzvorbereitung können Leben gefährden!“

Berlin. Zum heute vorgestellten Jahresbericht des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus erklärt Oberstabsbootsmann a.D. Wolfgang Schmelzer, Erster Stellvertreter des Bundesvorsitzenden des Deutschen BundeswehrVerbandes:

„Hellmut Königshaus schreibt eine Liste teilweise lange bekannter Mängel fort, die auch der BundeswehrVerband immer wieder anspricht. Es ist frustrierend und unverständlich, dass trotz seiner wiederholten Mahnungen beispielsweise in der einsatzvorbereitenden Ausbildung immer noch Grund zur Klage bleibt und sein Bericht einem Fortsetzungsroman gleichkommt. Für die Kameradinnen und Kameraden im Einsatz kann es lebensgefährliche Folgen haben, wenn sie in der Heimat nicht an dem Gerät ausgebildet werden, mit dem sie in Afghanistan kämpfen müssen.“ Es sei deshalb bewundernswert, wie gut und zuverlässig sie dennoch ihren Auftrag erfüllen, so Schmelzer.

Daneben seien die vom Wehrbeauftragten beschriebenen negativen Auswirkungen einer Pendlerarmee besorgniserregend. Schmelzer: „Ohne konkrete Maßnahmen verkommt der schicke Slogan von Vereinbarkeit von Dienst und Familie zur Spottformel für die vielen auseinandergebrochenen Beziehungen.“

Der Deutsche BundeswehrVerband begrüßt, dass der Wehrbeauftragte auch den Fokus auf die Probleme des Beurteilungssystems der Bundeswehr richtet. Schmelzer: „Eine von vielen Betroffenen als ungerecht empfundene Beurteilungsregelung sowie die nach wie vor bestehende Beförderungsproblematik sind deutliche Indizien, dass es mit der Attraktivität der Streitkräfte nicht weit her ist. Aber diese ist Grundvoraussetzung dafür, dass die Bundeswehr als Freiwilligenarmee im Wettbewerb um qualifizierten Nachwuchs bestehen kann. Es müssen deshalb noch erhebliche Attraktivitätsverbesserungen durch das ausstehende Reformbegleitgesetz erfolgen.“

Schmelzer unterstreicht: „Die Arbeit des Wehrbeauftragten kann gerade in den Zeiten einer Neuausrichtung gar nicht hoch genug geschätzt werden. Ich danke ihm im Namen aller Soldatinnen und Soldaten für seine konsequente und furchtlose Haltung!“ (Zitatende)

(Text-, Grafikquelle: DBwV.de;
Bildquelle: Bundeswehr.de, Vergleichsfoto: Wehrbeauftragter Hellmut Königshaus bei der Truppe in Mazar-e Sharif/Afghanistan)

Hintergrundinformationen: Jahresbericht 211 des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages

heute bei 3sat, Filme über Einsatzbelastungen für Soldaten und den Krieg in Afghanistan

Dienstag, 24. Januar 2012

TV-Tipp: Langer Themenabend über Soldaten und Soldatinnen im Krieg.
In der 3sat-Reihe “monoThema” sendet heute, 24. Januar 2012, 3sat (ZDF, ORF, SRG, ARD) ab 20:15 Uhr eine Reihe von Sendungen, die die Einsatzbelastungen von Bundeswehrsoldaten im Afghanistaneinsatz thematisieren.

Dabei wiederholt 3sat den Spielfilm “Willkommen zuhause”, der im Jahre 2009 eine große politische Diskussion über die Unterstützung und Versorgung traumatisierter Einsatzsoldaten auslöste (Soldatenglück.de begleitete seinerzeit die Debatte, mehr zum Thema bei Angriff-auf-die-Seele.de PTBS-Hilfe).

Danach folgt um 21:40 Uhr die neue Dokumentation “Verwundete Seelen”, ein Dokumentarfilm von Konstanze Burkard, Deutschland 2011, Länge: 81 Minuten, Erstausstrahlung.

Um 23.00 Uhr folgt Töten für den Frieden? Die Politik, die Kirche und der Krieg”, ein Film von Tilman Jens.

Ab 23.45 Uhr dann “Der andere Blick – Fotografen und der Krieg” ein Dokumentarfilm von Huw Talfryn Walters.

Ein guter Fernsehabend für Soldaten und deren Angehörige am Tag derVorstellung des Jahresberichtes 2011 des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages, der die Stimmung und Verunsicherung in der Truppe beschreibt mit Einsatzbelastungen und Reformdruck für die Soldatinnen und Soldaten, die hochmotiviert und zugleich mit mental schwerem Marschgepäck ihren Dienst tun.
Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus dankte den Männer den Frauen in der Bundeswehr mit den Worten: “Was Sie unter teilweise lebensgefährlichen Bedingungen leisten, verdient unseren Dank und unsere Anerkennung.”

(Bilderquelle: Bundeswehr.de, deutsche ISAF-Soldaten im Gefecht mit Feindkontakt, TIC)

TV-Tipp: Ausbildung ist die beste Verteidigung – “Spezialisten in Uniform – Extremausbildung vn Elitesoldaten”

Mittwoch, 11. Januar 2012

Sendetermin, Samstag, 14. Januar 2012 um 23:15 Uhr bei VOX. Ausbildung ist die beste Verteidigung – Die Samstags-Dokumentation “Spezialisten in Uniform – Extremausbildung von Elitesoldaten”

Trotz Sparkurs benötigt die Bundeswehr für moderne Verteidigungsstrategien vor allem eines: hervorragend ausgebildete Spezialisten, die in kürzester Zeit einsatzbereit sind. Die Ausbildung dieser Elitesoldaten ist hart – in einem intensiven Training wird der Bundeswehr-Nachwuchs an seine körperlichen und mentalen Grenzen geführt und mit Extremsituationen vertraut gemacht. Doch was treibt junge Menschen an, sich dieser außergewöhnlichen Herausforderung zu stellen? Und wie lässt sich der enorme Druck aushalten? In der Samstags-Dokumentation “Spezialisten in Uniform – Extremausbildung von Elitesoldaten” (am 14.01. um 23:15 Uhr bei VOX) geht SPIEGEL TV diesen Fragen nach. Die zweistündige Dokumentation zeigt junge Männer und Frauen, die für ihren großen Traum Kampfpilot, Hochgebirgsjäger oder Marinesoldat zu werden, eine der härtesten Ausbildungen der Welt durchlaufen.

Martin Zielinski und Simon Kunz wollen Kampfpiloten werden – doch während der Ausbildung wird die Luft für die zukünftige Flug-Elite immer dünner: Viele von Martins und Simons Weggefährten konnten dem knallharten Auswahlverfahren und den hohen Anforderungen nicht gerecht werden. Ob Humanzentrifuge oder Unterdruckkammer – ständig warten neue Bewährungsproben auf den fliegenden Bundeswehr-Nachwuchs. “Es ist die beste sitzende Tätigkeit, die ich mir vorstellen kann”, witzelt Simon Kunz dennoch tapfer. Auf der texanischen Air Force Base Sheppard werden die zukünftigen Piloten gemeinsam mit Flugschülern aus anderen NATO-Ländern ein Jahr lang im Kunstflug ausgebildet – immer zwischen Überschall und Lebensgefahr. “Man muss auf jeden Fall etwas verrückt sein, um das zu machen, das gehört dazu”, meint Martin Zielinski. Zurück in Deutschland lernen Martin und Simon das Flugzeug als Waffe zu nutzen. Im ostfriesischen Wittmund müssen sie auf dem fast 40 Jahre alten Flugzeugtyp “Phantom F-4″ ihr Können beweisen – dann sind sie endlich echte Jetpiloten und die rund eine Million Euro teure Ausbildung abgeschlossen. SPIEGEL TV ist beim Erstflug der Nachwuchspiloten dabei.

Auch wer Hochgebirgsjäger werden will, muss einen steinigen Weg beschreiten: Die Ausbildung fordert jederzeit körperliche und psychische Höchstleistungen. Zwölf Stunden Bergmarsch, Klettern und Abseilen mit mehr als 30 Kilo schwerer Ausrüstung und auch die Rettung verletzter Kameraden gehören zum Alltag der Auszubildenden. “Man muss auch mögen, mal zu schwitzen und zu frieren. Bergsteigen ohne Schmerzen, ohne, dass man sich die Hände aufreißt, das gibt es einfach nicht”, sagt Heeresbergführer Jörg Huber. Die Hochgebirgsjäger zählen zu den zähesten Soldaten der Bundeswehr – für ihren Einsatz in Extremsituationen in den unwirtlichen Gebirgsregionen Afghanistans müssen sie bestens vorbereitet sein. Die körperliche Belastung und das Aufgabenspektrum der Alpin-Spezialisten sind deutlich größer als bei gewöhnlichen Soldaten. Die Hochgebirgsjäger lassen sich die Begeisterung für ihren Beruf jedoch nicht nehmen, wie Jörg Huber erklärt: “Ich freu mich auch nicht, wenn ich von einer Klettertour heimkomme und überall blutige Hände habe. Aber es hat dann schon eine gewisse Befriedigung, wenn man eine schwierige Klettertour hinter sich gebracht hat, oben am Gipfel steht und es geschafft hat.”

Die Marineschüler in Neustadt müssen mit allen Wassern gewaschen sein: Hier bildet die Bundeswehr seit über 50 Jahren Soldaten aus und bereitet sie auf schwierigste Situationen über und unter Wasser vor. Nur wer starke Nerven besitzt, kann später auf den Kriegsschiffen der Marine eingesetzt werden. Hauptbootsmann Sven Lesse und sein Team simulieren während der Ausbildung der Marine-Soldaten den Überlebenskampf auf hoher See. Ob Schiffsbrände löschen oder eine torpedierte Fregatte vor dem Sinken retten – auf engstem Raum werden die Soldaten an ihre Leistungsgrenzen geführt – und manchmal auch darüber hinaus. (Zitatende)

(Textquelle kursiv: VOX.de;
Bilderquellen: Bundeswehr.de, Bordsicherungssoldat Taktische Operationen – Besatzungsmitglied einer CH-53 in Mazar-e Sharif/Afghanistan;
Luftwaffe.de, Eurofighter im Einsatzbetrieb;
Deutsches Heer.de, Gebirgsjäger: Spezialisten für extreme Bedingungen)

Bundesfreiwilligendienst – Warum keine Dienstpflicht?

Mittwoch, 28. Dezember 2011

“Frage nicht, was Dein Land für Dich tun kann. Frage, was Du für Dein Land tun kannst.” Die Antwort auf John F. Kennedys berühmten Satz finden junge, aber auch ältere Bürger zunehmend im Bundesfreiwilligendienst. Wobei es vielen wahrscheinlich nicht unbedingt um das vielleicht doch ein bisschen pathetische “Land” geht, sondern vielmehr um sinnvolles gesellschaftliches Engagement für andere. Hier wird ein deutliches Zeichen gegen Egoismus und soziale Kälte gesetzt. Das freut nicht nur die zuständige Familienministerin. Der war für den Nachfolger von obligatorischem Wehr- und Zivildienst schließlich ganz anderes prophezeit worden – nämlich weitgehendes Desinteresse. Das freut auch alle Institutionen und Einrichtungen, die nach dem Wegfall der Dienstpflicht massive Befürchtungen hegen mussten, ihre zuvor von Zivildienstleistenden übernommenen Dienste nicht mehr in vollem Umfang erbringen zu können. Natürlich ist der Freiwilligendienst ein Geschenk an die Gesellschaft. Doch der Gebende bekommt auch etwas zurück. Gerade jüngeren Menschen kommt, zumal im Moment zwischen Ende der schulischen und Aufnahme einer akademischen oder beruflichen Ausbildung, eine Phase der menschlichen Orientierung ganz zupass. Sie lernen, dass das Leben auch andere Erfahrungen als die im bisherigen Umfeld bietet. Dass die Gesellschaft an vielen Stellen Solidarität und Hilfe bitter nötig hat. Und dass dazu beizutragen wichtige Erkenntnisse für das eigene Leben vermitteln kann. Dienstleistender und Gesellschaft: beide profitieren, nicht nur, aber vor allem ideell. Die Abschaffung der Wehrpflicht war eine zwingende Folge der sicherheitspolitischen Entwicklung. Warum aber weisen Politiker aller Richtungen Überlegungen zur Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht als absurd zurück? Sinnvoll ausgestaltet, etwa mit freier Wahl des Dienstes, wäre sie eher eine Bereicherung als ein Zwangsverzicht. (Zitatende)

Kommentiert das “Mindener Tageblatt”.
Soldatenglück.de schließt sich dieser Einschätzung an, eine allgemeine Dienstpflicht für junge Männer und Frauen mit den Wahlmöglichkeiten Wehrdienst, sozialer oder medizinischer oder entwicklungspolitischer oder pädagogischer oder ökologischer oder naturschützender Freiwilligendienst wäre ein großer Wurf, der den Gemeinsinn und die Solidarität zum Mitmenschen stärken würde, ein Gewinn für unser Land. Das Beispiel des enorm nachgefragten weltwärts.de-Freiwilligendienstes zeigt, wie erpicht junge Leute auf attraktive Angebote sind, Kennedy stellte seinerzeit das Peace Corps in Dienst. (Bild oben, das Peace Corps, Audio: Kenendys Statement zum Peace Corps)

“And so, my fellow Americans, ask not what your country can do for you; ask what you can do for your country“,
John F. Kennedy,der 25. Präsident der USA am 20. Januar 1961 in Washington D.C.

(Textquelle kursiv: Mindener Tageblatt.de;
Bilderquellen: Peace Corps.gov;
Original Peace Corps caption: “August 9, 1962 —–Six hundred and three Peace Corps trainees preparing in the Washington area for overseas assignments visited President Kennedy on the south lawn of the White House. [] The President welcomed the trainees with special pleasure because they had “committed themselves to a great adventure.” He repeated his hope that Peace Corps Volunteers would return to careers of service in the Government. [] After informal conversation with the trainees, the President on the spur of the moment ordered a special tour of the White House for the trainees.” Photograph by Rowland Scherman, Peace Corps, in the John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston. Date: 08/09/1962
Creator: Photograph by Rowland Scherman, Peace Corps, in the John F. Kennedy Presidential Library and Museum, Boston;
Soldatenglück.de, Streitkräfte-Blog Herausgeber Dirk Hamel im Museum THE KENNEDYS)



Günter Grass sieht eine Söldnerarmee in der Bundeswehr ohne Wehrpflicht

Donnerstag, 22. Dezember 2011

 ”Was wir jetzt bekommen, ist eine Söldnerarmee. Das ist eine Zeitbombe, mit der wir es da zu tun bekommen”, so Günter Grass über die Bundeswehr des Jahres 2011

Mit einer umstrittenen Äußerung zur Bundeswehrreform sorgt Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass derzeit für Unverständnis: “Was wir jetzt bekommen, ist eine Söldnerarmee”, sagte er bei einer Diskussionsveranstaltung mit dem SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier MdB in der Willy Brandt Geburtsstadt Lübeck im dortigen Theater und zog eine Analogie zur Weimarer Republik.

Nicht Karl-Theodor zu Guttenbergs Doktorarbeit sei der Skandal am Ex-Verteidigungsminister, so der Schriftsteller Günter Grass (* 1927 in Danzig), sondern die faktische Abschaffung der Wehrpflicht, die der “vorest gescheiterte” CSU-Mann mit Billigung der Grünen und der SPD betrieben habe.“Was wir jetzt bekommen, ist eine Söldnerarmee. Das ist eine Zeitbombe mit der wir es da zu tun bekommen”.
Sein Gesprächspartner bei Rotwein zum eigentlichen Thema “Buchpräsentation: Günter Grass auf Tour für Willy Brandt” Außenminister a.D. Frank-Walter Steinmeier (SPD) widersprach: Die Bundeswehr sei heute Teil der Gesellschaft, kein Staat im Staate und der Bürger in Uniform ist nicht passee.
Das Buch “Günter Grass auf Tour für Willy Brandt” erzählt von Grass’ Wahlkampftour, die der Schriftsteller 1969 für die SPD durch die Bundesrepublik unternommen hatte (zum NDR Mediathek-Beitrag darüber).
Auch die verteidigungspolitische Sprecherin der FDP, Elke Hoff MdB, ließ die Literaten-Formulierung “Söldnerarmee” aus der Ferne nicht unkommentiert: “Die Soldaten, die ich bei Truppenbesuchen kennengelernt habe, fühlen sich unserer Demokratie verpflichtet.”
Im eigenen SPD-Lager sorgten die Einlassungen von Günther Grass ebenso für Unmut, das hätte Willy Brandt für Quatsch gehalten, ärgerte sich der  sozialdemokratische Bundestagsabgeordnte und Verteidigungspolitiker Hans-Peter Bartels aus dem Wahlkreis in der schleswig-holsteinischen Landeshaupstadt Kiel öffentlich. Das Verteidigungsauschuss-Mitglied Bartels sieht die Gefahr heute vielmehr darin,“dass sich eine als pazifistisch gepolte Gesellschaft von der Bundeswehr abwendet”.
Das Kultur-Magazin “Unser Lübeck” sah sich den Soldaten der Gegenwart gegenüber in der Beistandspflicht und schrieb: “Mit der Kritik, die Bundeswehrreform machte aus dem Wehrpflichtigenheer eine Söldnertruppe, schoss Günter Grass allerdings eindeutig über das Ziel hinaus. Nach Artikel 47 der Genfer Konvention gilt als Sölder, wer im Inland oder Ausland zu dem besonderen Zweck angeworben ist, in einem bewaffneten Konflikt zu kämpfen, wer an Feindseligkeiten vor allem aus Streben nach persönlichem Gewinn teilnimmt und wer weder Staatsangehöriger einer am Konflikt beteiligten Partei ist, noch in einem von einer am Konflikt beteiligten Partei kontrollierten Gebiet ansässig ist. Dass deutsche Soldaten nach zehn Jahren immer noch Ausrüstungsgegenstände aus eigener Tasche bezahlen, weil das Material der Bundeswehr zum Teil unzweckmäßig ist, macht sie noch lange nicht zu Söldnern. Zu seiner Verteidigung muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass es in der Waffen-SS keine Einführung in die damals außer Kraft gesetzte Haager Landkriegsordnung gab.”
Dank an Albrecht Hausmann, den Autor des “Unser Lübeck”-Artikel mit der Überschrift “Günter Grass hat gerufen – Lübeck ist gekommen” (mit Bildern der Veranstaltung), für diese Zeilen.
Der Nobelpreis für Literatur wurde Günter Grass 1999 verliehen, die Begründung lautete, weil er “in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat”.

(Textauszug kursiv: Kultur-Magazin “Unser Lübeck”.de;
Bildquelle: Fotograf: Florian K, Quelle: WorldcupWiki, mit GNU-Lizenz)

Freiwilligen-Armee Bundeswehr auf einem sehr guten Weg

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Die Zahl klingt zunächst erschreckend: Ein Viertel aller Bundeswehr-Freiwilligen bricht die Ausbildung ab. Es mag irritieren, aber ausgerechnet diese Zahl belegt, dass die Umwandlung von der Wehrpflichtarmee zur reinen Berufsarmee auf einem sehr guten Weg ist. Denn schwieriger könnten die Rahmenbedingungen zur Rekrutierung Freiwilliger derzeit kaum sein:

Zum einen kämpfen Bundeswehrsoldaten am Hindukusch in einem Krieg. Die Angst vor Tod oder Verwundung schreckt viele Interessenten ab. Außerdem: Jahrzehntelang verzeichneten die Kreiswehrersatzämter immer dann hohe Bewerberquoten, wenn die Wirtschaft am Boden lag. Das ist derzeit nicht der Fall. Die Auftragsbücher der Unternehmen sind voll, die Arbeitslosigkeit befindet sich auf dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. Das Angebot auf dem Arbeitsmarkt war für Berufseinsteiger selten so groß wie heute. Wenn sich dennoch so viele Freiwillige für die Bundeswehr entscheiden, spricht das für deren Attraktivität als Arbeitgeber.

Mit rund 27 Prozent Abbrecherquote liegt das Militär zwar leicht über dem Wert in der freien Wirtschaft. Das dürfte sich aber schon allein damit erklären lassen, dass der Dienst an der Waffe für viele Schulabgänger erst mal als Verlegenheitslösung dient, bis der ersehnte Studienplatz frei geworden ist. Allen Unkenrufen zum Trotz: Die Freiwilligen-Armee ist auf einem sehr guten Weg. (Zitatende)

Kommentiert die “Neue Osnabrücker Zeitung”.
Soldatenglück.de berichtete heute: 27,7 Prozent Abbrecher bei der Freiwilligenarmee Bundeswehr.

(Textquelle kursiv: Neue Osnabrücker Zeitung.de;
Bilderquelle: Bundeswehr.de, zweites Übungslager der letzten Wehrpflichtigen auf dem Truppenübungsplatz in Frankenberg – Die Rekruten des 5. Panzergrenadierbataillons 371 üben auf dem Truppenübungsplatz in Frankenberg Aufgaben, die im Rahmen einer internationalen Unterstuetzungsmission anfallen. Die Rekruten haben nach einem Alarm ihre Stellungen im Lager bezogen.
Der Gruppenführer meldet der Operationszentrale im Lager die genaue Lage der Fußpatrouille. Fotos vom 16.03.2011)

27,7 Prozent Abbrecher bei der Freiwilligenarmee Bundeswehr

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Hohe Abbrecherquote bei den Streitkräften ohne Wehrpflicht

Jeder Vierte der Soldaten oben im Bild verlässt die Bundeswehr in den ersten Monaten wieder. Nach der Aussetzung der Wehrpflicht in der Bundeswehr hat die Truppe Schwierigkeiten, ihre jungen Soldaten zu begeistern. Mehr als ein Viertel der Freiwilligen, die zum 01. Juli 2011 ihren Dienst angetreten haben, sind inzwischen nicht mehr bei der Truppe.

27,7 Prozent der Freiwilligen hätten in den ersten Monate von ihrem Recht Gbrauch gemacht, ohne Angaben von Gründen ihren Diest zu quittieren, sagte Verteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) der “Berliner Zeitung”.
Vor drei Monaten hatten noch 22,5 Prozent der Freiwilligen den Dienst vorzeitig abgebrochen, Soldatenglück.de berichtete am 25. Septemner 2011 mit Zahlen und Abbruch-Gründen: Bundeswehr: Jeder fünfte Freiwillige quittiert den Wehrdienst.
Minister de Maiziere begründete gegenüber der “Frankfurter Rundschau” die hohe Abbrecherquote von 27,7 Prozent damit, dass die jungen Soldaten und Soldatinnen die Bundeswehr meist wegen anderer Stellen oder eines Studiums verlassen würden. Die Zahlen entsprächen denen in der privaten Wirtschaft, wo es zwischen 20 und 25 Prozent Berufsabrecher gebe.

Derzeit ist der Verteidigungsminister zu einem “Überraschungs”-Truppenbesuch in Afghanistan in Mazar-e Sharif und Kunduz, wer als Soldat oder Soldatin dort Dienst tut, hat sich für die Einsatzarmee Bundeswehr entschieden.

[Bildquelle: Bundeswehr.de, zweites Übungslager der letzten Wehrpflichtigen auf dem Truppenübungsplatz in Frankenberg - Die Rekruten des 5. Panzergrenadierbataillon 371 üben auf dem Truppenübungsplatz in Frankenberg Aufgaben, die im Rahmen einer internationalen Unterstützungsmission anfallen. Hier im Bild: Verpflegungsaufnahme;
Panzergrenadier Marcus H. vom 5. Panzergrenadierbataillon 371 aus Marienberg übt zusammen mit seinen Kameraden auf dem Truppenübungsplatz in Frankenberg Aufgaben, die im Rahmen einer internationalen Unterstützungsmission anfallen. Am Ende der drei Übungstage müssen alle mit anpacken und das Lager wieder aufräumen;
Panzergrenadier Marcus H. (links im Bild) bezieht die Unterkunft bei seinen Kameraden;
bei einem Feuerkampf wird simuliert, dass ein Soldat der Fußpatrouille am Bein verletzt wird. Dieser muss von seinen Kameraden zurück ins "Camp" getragen werden]

Kunduz-Wiesbaden: BAMBI 2011 für schwer verwundeten Bundeswehr-Soldaten Ralf Rönckendorf (Video)

Freitag, 11. November 2011

“ein kleines bißchen mehr Anerkennung unserer Gesellschaft für uns Soldaten”

Bei der BAMBI Verleihung 2011 in Wiesbaden erhielt ein im Afghanistan-Einsatz nahe Kunduz schwer verwundeter Soldat den Sonderpreis der Jury.

Hauptfeldwebel Ralf Rönckedorf kämpfte sich am “Karfreitag von Kunduz” am 02. April 2010 während eines schweren, verlustreichen Gefechtes in Isa Khel im Raum Kunduz/Nordafghanistan als Sanitäter der 3. Kompanie des Fallschirmjägerbataillons 373 (Seedorf/Niedersachsen) mit der Waffe in der Hand zu einem verwundeten und von Aufständischen bedrohten Kameraden unter Feindfeuer vor und versorgte diesen notfallmedizinisch.
Bei der Detonation einer Sprengfalle (IED) wurde der Einsatzsoldat Ralf Rönckendorf schwer verwundet und verlor sein Augenlicht. Drei Kameraden verloren bei dem Gefecht mit der Taliban an diesem Tag in Afghanistan ihr Leben. Deutschland hat mittlerweile die tragische Zahl von 53 Soldaten zu beklagen, sie kamen aus dem Afghanistan-Einsatz nicht mehr lebend zurück, viele Verwundete an Körper und Seele und die Angehörigen der Gefallenen werden diesen deutschen Einsatz am Hindukusch nie mehr vergessen können.

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg hat am 29. November 2010 (Bild unten) Hauptfeldwebel Ralf Rönckendorf in Berlin mit der seinerzeit neu gestifteten “Einsatzmedaille Gefecht” und dem “Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit” ausgezeichnet.

Bei der 63. BAMBI-Verleihung am 10. November 2011 in Wiesbaden sagt der Laudator Johannes B. Kerner: “Wir bzw. die von uns legitimierten Abgeordneten schicken die Soldatinnen und Soldaten dorthin und was auf keinen Fall pasieren darf, ist dass die Menschen uns egal sind. Seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes haben 53 deutsche Soldaten dort ihr Leben gelassen …” 
Der aktive Soldat Ralf Rönckendorf bedankt sich für die Auszeichnung und bittet die 800 Gästen in der Rhein-Main-Halle in der Kurstadt Wiesbaden und die (rund 6 Millionen) Zuschauer an den TV-Bildschirmen der Live-Übertragung im Ersten um “ein kleines bißchen mehr Anerkennung unserer Gesellschaft für uns Soldaten”.
Mit in Wiesbaden und im Publikum waren die Ehefrau Elke und der Sohn von Ralf Rönckendorf (Familienbild unten).

Soldatenglück.de berichtete über den tragischen Karfreitag von Kunduz:
Bild.de berichtete am 23. März 2011: Hauptfeldwebel Ralf Rönckendorf (38) – Das deutsche Gesicht des Afghanistan-Krieges.
Bundeswehr.de berichtete: Ein harter Weg zurück ins Leben – Nach einem Anschlag war für Ralf Rönckendorf nichts mehr wie es war – das Bundeswehrsozialwerk half.

(Bilderquellen: Stars and Stripes.com, U.S. Army Sgt. Steve Shumaker, 34, of Riverside, Calif., helps blind German army Master Sgt. Ralf Rönckendorf as he walks across the Grafenwöhr parade field carrying a portrait of his fallen comrade, Spc. Robert Hartert on Thursday. He is followed by another German soldier, Spc. Mike Mutschke, carrying a portrait of his fallen comrade, Cpl. Martin Augustyniak. The soldiers from the two nations last saw each other on April 2, when the Americans flew through Taliban fire to medically evacuate 11 wounded Germans, action that earned them German Gold Cross medals for valor. Photo: Seth Robson; Atikel: “ESPN celebrates Veterans Day with troops, families at Grafenwöhr”;
Bundeswehr.de, Verteidigungsminister zu Guttenberg händigte am 29.11.2010 das Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit und die Einsatzmedaille der Bundeswehr Gefecht an Ralf Rönckendorf aus;
Ralf Rönckendorf mit seiner Frau und seinem Sohn;
Videoquelle: ARD.de vom 10.11.2011)

Hintergrundinformationen: BAMBI.de des Hubert Burda Verlages

BundeswehrVerbands-Vorsitzender Kirsch begrüßt Reduzierung des Afghanistan-Kontingentes

Freitag, 11. November 2011

Der Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, hat die von der Bundesregierung geplante Reduzierung des Afghanistan-Kontingents um fast 1000 Soldatinnen und Soldaten bis Anfang 2013 gelobt. “Das ist ein erster Schritt und ein Zeichen an die Afghanen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen”, sagte er der in Halle erscheinenden “Mitteldeutschen Zeitung” (Online-Ausgabe). “Das ist keine signifikante Reduzierung. Ich bin aber über jeden Mann und jede Frau froh, die früher zu Hause sind.” Es dürfe zwar zu keiner Einschränkung des Auftrages der Bundeswehr kommen, fügte Kirsch hinzu. Doch die sehe er hier auch nicht. (Zitatende)

Berichtet die “Mitteldeutsche Zeitung”.
Soldatenglück.de berichtete: Military-Exit, Afghanistan-Abzug: Deutschland wird bis 2013 fast 1.000 Bundeswehr-Soldaten abziehen und Afghanistan-Einsatz: Grünen-Bundestagfraktionsvize Schmidt kritisiert deutsche Truppenabzugspläne vom Hindukusch als “Luftbuchungen”.

(Textqelle kursiv: Mitteldeutsche Zeitung.de;
Bildquelle: Streitkräftebasis.de, Oberst Ulrich Kirsch bei den Soldaten, Artikel “DBwV Standorttag Hannover”)