Der Einsatzleiter der Feuerwehr hat die Polizei unmittelbar vor dem Unglück auf der Duisburger Loveparade vor einer Sperrung der Rampe gewarnt. Das geht aus einem internen Schreiben hervor, das der in Düsseldorf erscheinenden “Rheinischen Post” (Samstagausgabe)vorliegt. In dem Bericht der Feuerwehr Duisburg ist dokumentiert, dass der Verbindungsbeamte der Polizei die Feuerwehr darüber informiert hat, dass die Zulauframpe in Richtung Veranstaltungsgelände “kurzfristig” gesperrt werden soll. Der Einsatzleiter der Feuerwehr entgegnete laut dem Feuerwehr-Bericht, “dass diese Maßnahme aus einsatztaktischer Sicht sehr promlematisch ist. Aus diesem Grund ist die Feuerwehr dagegen”. Weiter heißt es in dem Bericht, “nach kurzer Diskussion” sei vereinbart worden, dass einer Sperrung nur zugestimmt werden kann, wenn “der Nachlauf in den Karl-Lehr-Tunnel durch die Polizei verhindert wird”, zitiert die “Rheinische Post” aus dem Feuerwehr-Bericht. Nach bisherigen Erkenntnissen ist der Nachlauf in den Tunnel nicht verhindert worden. (Zitatende)
Berichtet die Rheinische Post aus Düsseldorf vorab.
Soldatenglück.deberichtete zur Katastrophe während der Loveparade in Duisburg mit 21 Toten und zwischenzeitlich über 500 erfassten zum Teil Schwerverletzten.
Für eine große Mode-Produktion in ihrer aktuellen Ausgabe (Heft 17/EVT 28. Juli) suchte die Zeitschrift BRIGITTE, die im Januar 2010 ihre Initiative “Ohne Models” startete, Polizistinnen aus ganz Deutschland – und die Resonanz war überwältigend.
Die Innenministerin der Länder und einige Polizeipressestellen stellten den Aufruf in ihre Intranets, schickten ihn über ihre Gleichstellungsbeauftragten an alle weiblichen Mitarbeiter oder hängten ihn in den Wachen aus; mehr als 2800 Frauen meldeten sich, schickten Fotos und Briefe. 14 Polizistinnen wurden schließlich eingeladen, die neuen Fashion-Trends für Herbst und Winter vor der Kamera zu präsentieren: von Mirjam Lamberty, 27, Diensthundeführerin in Hamburg, bis Sanne Otte, 39, Polizeioberkommissarin in Schleswig Holstein, von Karina Wessel, 28, Beamtin der Landesbereitschaftspolizei Magdeburg, bis Katrin Goldschmidt, 39, Kriminalinspektionsleiterin in Essen/Mühlheim an der Ruhr. Natürlich ist auch die Frau auf dem aktuellen BRIGITTE-Cover Polizistin: Bianca Jurgo, 36, Ermittlungsbeamtin aus Koblenz.
Fotografiert wurde an insgesamt 13 Tagen u. a. in Hamburg, St. Peter Ording, München und im bayerischen Lenggries, wo die Münchner Reiterstaffel für das Shooting Pferde zur Verfügung stellte. BRIGITTE-Chefredakteur Andreas Lebert: “Früher wurden Mode- und Beauty-Themen in eigenen Reservaten produziert, in denen sich nur Branchen-Insider tummelten. Das ist vorbei! Die Tore sind offen, das wahre Leben strömt herein. Frauen aus allen Berufen, Ländern und Generationen nehmen am faszinierenden Spiel mit Mode und Beauty teil. Unser Heft mit den Polizistinnen ist ein schönes Beispiel dafür.”
Außerdem berichten im BRIGITTE-Report drei Beamtinnen aus Hamburg, Düsseldorf und Magdeburg über ihren spannenden, manchmal riskanten und manchmal auch skurrilen Alltag zwischen Wache, Straße und Großeinsatz, über männliche Vorurteile, ihren Umgang mit menschlichen Schicksalen und Abgründen und darüber, warum sie sich gerade für diesen Beruf entschieden haben. (Zitatende)
Soldatenglück.demeint: Auch fotogene Soldatinnen aus ganz Deutschland kämen gewiss in Frage, das nächste Mal vielleicht für die Frühjahrs- und Sommer-Mode bei BRIGITTE …
Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, hat nach der Katastrophe bei der Love-Parade in Duisburg angeregt, Kommunen die alleinige Zuständigkeit zur Genehmigung von Großveranstaltungen zu entziehen und den Innenministerien der Länder ein Mitspracherecht einzuräumen. “Wir sollten überlegen, ob Städte nicht überfordert sein können mit der Genehmigung von sehr, sehr großen Großveranstaltungen und ob es nicht besser wäre, in den Innenministerien der Länder eine Abteilung zu haben, die nochmal auf die Sicherheitskonzepte schaut”, sagte er dem “Kölner Stadt-Anzeiger” (Mittwoch-Ausgabe). “Die Abläufe sind bei Veranstaltungen mit 20 Menschen dieselben wie bei Veranstaltungen mit 2 Millionen Menschen. Da stellt sich die Frage, ob das sachgerecht ist.” Die Abläufe müssten “strenger” werden. Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), pflichtete Wiefelspütz bei und erklärte, man könne die Befugnis entweder den Innenministerien oder den Bezirksregierungen zuweisen. “Wenn wir eine solche Zentralisierung vornehmen sollten, dann könnte eine Kommune gegen das Votum des Landes oder der Bezirksregierung kaum eine Genehmigung erteilen.” Er mahnte überdies, die Expertise der Polizei stärker heranzuziehen. Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl, empfahl, “bei Veranstaltungen mit mehr als 100000 Teilnehmern sollten die Kommunen eine höhere Ebene einschalten”. Alle drei Politiker verwiesen allerdings darauf, dass das Versammlungsrecht Ländersache sei. Nur die Landtage könnten es auch ändern. (Zitatende)
Ranghohe Polizisten warnten vor Loveparade – “Auf dem Briefkopf stand Oberbürgermeister”
Nicht nur der Direktor der Berufsfeuerwehr Duisburg, auch ranghohe Polizeibeamte haben Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) vor der Loveparade offenbar schriftlich ihre Sicherheitsbedenken mitgeteilt. “Auf allen Schreiben stand der Briefkopf »Oberbürgermeister«”, sagte ein Ermittler dem “Kölner Stadt-Anzeiger” (Mittwochsausgabe). Sauerland hatte am Dienstag bestritten, im Vorfeld entsprechende Warnungen erhalten zu haben. Welch hohe Bedeutung die Technoparade in den Augen der Verantwortlichen offensichtlich hatte, wird aus einem internen Schreiben der Polizeilichen Einsatzleitung für die Loveparade vom 13. Juli deutlich. Wie der “Kölner Stadt-Anzeiger” erfuhr, schwor der Einsatzführer seine Kollegen darin mit den Worten ein: “Eine einmalige Aufgabe kommt auf uns zu. Unsere Stadt wird an diesem Tag weltweit in den Medien vertreten sein. Das wird uns eine hohe Einsatzbereitschaft und Ausdauer abverlangen.” (Zitatende)
Berichtet der Kölner-Stadtanzeiger vorab.
(Textquelle kursiv: Kölner Stadt-Anzeiger.de;
Bilderquellen: Polizei NRW.de, Polizeiarbeit heißt, Sicherheit von Großveranstaltungen zu gewährleisten; BMI.Bund.de, Bundesinnenminister de Maizière besuchte auch die Leitstelle des Bundespolizeipräsidiums und erkundigte sich nach dem Arbeitsalltag in der Leitstelle und ließ sich bestimmte Einsatzsituationen und Arbeitsprozesse erklären, 03.11.2009 in Potsdam)
Bereits vier Wochen Wochen vor der Loveparade hat das Bauordnungsamt massive Einwände gegen das vorgelegte Sicherheitskonzept erhoben. Das geht aus einem Sitzungspotokoll hervor, das den Zeitungen der WAZ-Gruppe vorliegt (Mittwochausgabe). Danach mussten die Sicherheitsbedenken auch dem Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland entgegen bisherigen Aussagen im Detail bekannt gewesen sein. Dies geht aus dem Verteiler hervor, der handschriftlich auf dem Protokoll vom 18.06 vermerkt ist und das Kürzel OB trägt.
In dem Schriftstück, das an Stadtbaudezernet Jürgen Dressler gerichtet ist und das eine Sitzung mit dem Loveparade-Veranstalter Lopavent, der Feuerwehr, dem Ordnungsamt und dem Ordnungsderzernenten Wolfgang Rabe zusammenfasst, ist der Streit um die Fluchtwege dokumentiert. Lopavent wehrte sich dem Protokoll zufolge gegen die Vorschrift, bei 220 000 Besuchern 440 Meter Fluchtwege nachweisen zu müssen. In dem Protokoll werden die Lopaventvertreter mit den Worten zitiert: “Die rechtlichen Voraussetzungen hätten sie noch nie machen müssen. Sie seien überrascht, welche rechtlichen und formalen Anforderungen die Bauordnung stellen würde.”
Lopavent bestand dem Papier zufolge auf 155 Meter Fluchtweg, da es ihrer Erfahrung “ausreichend sei, wenn 1/3 der Personen entfluchtet werden können.”
Aus dem Schriftstück geht weiter hervor, dass der Ordnungsdezernt Wolfgang Rabe, der an dem Gespräch teilnahm, Druck ausübte. “Herr Rabe stellte in dem Zusammenhang fest, dass der OB die Veranstaltung wünsche und dass daher hierfür eine Lösung gefunden werden müsse. Die Anforderungen der Bauordnung, dass der Veranstalter ein taugliches Konzept vorlegen müsse, ließ er nicht gelten”, so das Protokoll. Rabe forderte das Bauordnungsamt, das normalerweise nur Kontrollfunktion hat, auf, “an dem Rettunsgwegekonzept konstruktiv mitzuarbeiten”.
Der Leiter des Baudezernats Jürgen Dressler kommentierte das Schreiben handschriftlich: “Ich lehne aufgrund dieser Problemstellung eine Zuständigkeit und Verantwortung (…) ab. Dieses entspricht in keinerlei Hinsicht einem ordentlichen Verwaltungshandeln und einer sachgerechten Projektstellung.” (Zitatende)
Berichtet die Westdeutsche Allgemeine aus Essen vorab.
Soldatenglück.deberichtete zur Katastrophe während der Loveparade in Duisburg mit 20 Toten und zwischenzeitlich über 500 erfassten zum Teil Schwerverletzten.
Video: “Noch 1 Tag: Blick auf das Loveparade-Gelände …” (diese Videos stehen 3 Tage nach der Katastrophe noch immer im städtischen YouTube-Kanal). Ein Presse- und ein VIP-Zelten waren wichtiger als ein zweiter Ein- und Ausgang zum Veranstaltungsgelände? (siehe 1. Video)
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(Textquelle: Westdeutsche Allgemeine Zeitung.de;
Videoquelle: YouTube-Kanal Stadt Duisburg, Originaltext: Noch 1 Mal schlafen, dann wummert es in Duisburg. Pressesprecher Björn Köllen von Lopavent verrät die Zahl der bislang akkreditierten Presseleute und Frank Kopatschek, Leiter des Referats für Kommunikation Stadt Duisburg, beschreibt die Lage aus seinem Loveparade-Büro in der 17. Etage mit einem tollen Blick auf das Gelände; Technische Führung auf dem Loveparadegelände 2 Tage vor dem Ereignis, Bernd Köllen, Pressesprecher der Lopavent, lud für den heutigen Spätnachmittag die Medienvertreter zu einem technischen Rundgang auf dem Loveparade-Gelände ein. Die Daten und Fakten, die Jochen von der Osnabrücker Firma von der aufwändig aufgebauten Spitzentechnik in den 45 Minuten zu berichten wusste, waren sehr beeindruckend. Nur die allein schon zu sehen, lohnt. Hier eine Zusammenfassung von 5,5 Minuten; Besucherinfos zur Loveparade 24.7.2010, Große Pressekonferenz mit zahlreichen Vertretern/innen der Stadt Duisburg, Verkehrsgesellschaft, Bahn, Polizei, Sanitätsdienst u.a. Uwe Gerste, Marketingchef, stellte die wichtigsten Besucherinfos einschließlich der entsprechenden Websites vor.)
“Zutiefst betroffen reihen die deutschen Feuerwehren sich ein in die große Gemeinschaft aller Menschen, die sich jetzt mit ihren Gedanken und ihrer Trauer den Angehörigen der Opfer von Duisburg zutiefst verbunden fühlen”, kondolierte Hans-Peter Kröger, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV).
In einem Brief an den Vorsitzenden des Verbandes der Feuerwehren in NRW sowie den Vorsitzenden des Stadtfeuerwehrverbandes und den Leitenden Branddirektor Duisburgs anlässlich des tödlichen Unglücks im Rahmen der “Loveparade” erklärte der DFV-Präsident: “Den Einsatzkräften vor Ort gilt unser Dank und Respekt für die überragende Leistung in der Bewältigung der schwierigen Lage”, erklärte er. Kröger, der auch Vorsitzender der Stiftung “Hilfe für Helfer” des DFV ist, appellierte an alle eingesetzten Kräfte, die Angebote der Psychosozialen Notfallversorgung vor Ort anzunehmen, um die Bilder und Eindrücke zu verarbeiten.
Kröger betonte das Interesse der Feuerwehren an einer umfassenden Aufklärung der Umstände des Unglücks: “Der anerkannt hohe Standard des Vorbeugenden Brand- und Gefahrenschutzes in Deutschland hat schweren Schaden gelitten. Nun gilt es, Erkenntnisse zu gewinnen, wie es zu dem Unglück gekommen ist – und diese dann auch ernst zu nehmen.” Hinweise und Bedenken der Feuerwehren müssten konsequent berücksichtigt werden, so der DFV-Präsident.
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Soldatenglück.deberichtete zur Katastrophe während der Loveparade in Duisburg mit 19 Toten und zwischenzeitlich über 500 erfassten zum Teil Schwerverletzten.
(Text-, Grafikquelle: Deutscher Feuerwehrverband, DFV.de;
Bildquelle: Feuerwehr Duisburg.de, Rettungsdienst vor der Rettungswache 72 in DU)
Polizei und Feuerwehr haben Monate vor der Loveparade in Duisburg massive Vorbehalte über das Sicherheitskonzept geäußert. Nach Informationen des “Kölner Stadt-Anzeiger” (Montagausgabe) soll der Direktor der Duisburger Berufsfeuerwehr den Oberbürgermeister der Stadt im Oktober 2009 schriftlich davor gewarnt haben, die Veranstaltung auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs stattfinden zu lassen. Sinngemäß soll es in dem Schreiben heißen, dass die Platzfläche nicht ausreiche, um die zu erwartende Masse an Besuchern aufzunehmen.
Auch innerhalb der Polizei regt sich heftiger Unmut über die Organisation der weltweit bekannten Technoparade. Zwei Kölner Einsatzhundertschaften waren bei der Veranstaltung im Einsatz, eine sogar unmittelbar an dem Tunnel, in dem die Panik losbrach. Einige der Beamten hatten das Gelände bereits vorige Woche erkundet und im Anschluss intern starke Bedenken geäußert. Eine Kollegin hätte ihm mitgeteilt, “heilfroh zu sein, wenn das hier zu Ende ist”, berichtete ein hochrangiger Polizist dem “Kölner Stadt-Anzeiger”. Als “unglaublich” hätten erfahrene Hundertschaftsführer es schon im Vorfeld empfunden, dass für den Ein- und Ausgang des Geländes nur diese einzige, etwa 300 Meter lange Unterführung vorgesehen war. (Zitatende)
Pressekonferenz in Duisburg, 25. Juli 2010 (Videos): Alle 19 tödlich Verletzten im Alter zwischen “20 und 40 Jahren” wurden im westlichen Zugangsbereich des aufgefunden. Bei 14 der Toten konnte die Polizei die Identitäten bereits feststellen und deren Familien bzw. die Konsulate verständigen. Unter den toten befanden sich auch ausländische Gäste der Loveparade, aus den Niederlanden, Australien, ein Italien und China.
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Die Neue Ruhr Zeitung/Neue Rhein Zeitung aus Essen, NRZ-Chefredakteur Rüdiger Oppers kommentiert:
Treten Sie zurück, Herr Sauerland! NRZ-Kommenar zur Duisburger Tragödie
Auch zwei Tage danach sitzt der Schock über die Loveparade-Katastrophe tief. Grenzenlos ist die Trauer. Was in Duisburg geschehen ist, erschüttert ganz Deutschland. Wir werden dieses Ereignis wohl nie vergessen. Zu verstörend sind Ablauf und Ausmaß des Unglücks. Wie konnte sich eine schrille, aber fröhliche Party in ein Blutbad verwandeln? Klar ist: Die Toten und Verletzten sind keinem tragischen Unglück zum Opfer gefallen. Nein, diese Tragödie war kein unabwendbarer Schicksalsschlag, sondern Menschenwerk. Resultat einer maßlosen Event-Gier, miserabler Planung, oberflächlichem Veranstaltungsmanagement, und deshalb überforderter Sicherheitskräfte. Unfassbar, aber wahr: Bürger und Polizei hatten weit vor dem Ereignis immer wieder gewarnt, die Duisburger Loveparade könnte in einem heillosen, unbeherrschbaren Chaos enden. Einige hatten vorausgesagt, es könne Tote geben. Doch darauf haben die Verantwortlichen nichts gegeben. Fahrlässig ist die Stadt Duisburg in die Katastrophe gesteuert. Nun muss rückhaltlos aufgeklärt werden. Ganz offensichtlich war das Veranstaltungsgelände zu klein, um über eine Million Menschen zu fassen. Das diese Massen nur durch einen Tunnel zur Party und wieder zurück gelangen konnten, hat eine willkürliche Todeszone geschaffen. Die Panik in dieser Angströhre war absehbar. Es gibt Schuldige – sie müssen benannt werden. Auch wenn die Staatsanwaltschaft noch ermittelt, ist das völlige Versagen der Duisburger Stadtverwaltung offensichtlich. Noch am Abend des Unglücks, während in den Krankenhäusern weitere Schwerverletzte starben, versuchten sich die Beamten feige herauszureden, verteidigten sogar das Sicherheitskonzept. Unerträglich war die zynische Reaktion des Oberbürgermeisters, der dem Verhalten der Opfer eine Mitschuld gab. Sein empörendes Gerede war nichts weniger als die Verhöhnung von Toten – von jungen Menschen, die von weit her in seine Stadt gekommen sind, um zu feiern und die seine überforderte Organisation in den Tod getrieben hat. Herr Sauerland, treten Sie vom Amt des Duisburger Oberbürgermeisters zurück! Herr Sauerland, Ihr Verhalten in der Stunde der Trauer und des Entsetzens war unwürdig für den ersten Bürger einer Stadt, die mit der schlimmsten Katastrophe der Nachkriegszeit ringt. Treten Sie zurück, so können Sie am Ende den Hinterbliebenen der Opfer und vielen Verletzten ein gewisses Maß an Respekt erweisen. Schuldig sind auch die Veranstalter. Ihre Loveparade ist ja kein großes Straßenfest, wie das fröhliche Still-Leben am Wochenende zuvor, sondern ein knallhartes kommerzielles Unternehmen. Nun wird diese größte Party der Welt nie wieder stattfinden. Gut so. Nur stellt sich erneut die Frage, ob sie überhaupt in Duisburg hätte stattfinden dürfen. Es hat an Mahnungen nicht gefehlt, dass Duisburg als Standort für ein solches Mega-Ereignis völlig ungeeignet ist. Doch die wurden ignoriert. Stattdessen setzte die Stadt alles daran, die Loveparade auf Teufel komm raus zu ergattern. Imagegewinn ging vor Sicherheit. Selbst die Macher der Kulturhauptstadt 2010 hatten sich mächtig für die fragwürdige Veranstaltung ins Zeug gelegt. Nun ist auch ein Schatten auf ihr Kulturhauptstadtjahr gefallen. Schock und Trauer wirken noch lange nach. Das Geschehen wirft auch grundsätzliche Fragen auf: Sind wir Opfer einer immer größeren Gier nach gigantische Events? Irritierend war auch, dass die Show auf dem Gelände und in den Kneipen und Clubs fröhlich weiterging, während die Opfer elend verreckten. Selbst der WDR lud noch zur nächtlichen Party. Von Betroffenheit und Würde keine Spur. Die Spaßgesellschaft fordert ihre Toten – aber der Tanz geht weiter. Widerlich. (Zitatende)
Nachtrag: Alle 19 Todesopfer sind identifiziert. Wie die Polizei in Duisburg mitteilte, handelt es sich um elf Frauen und acht Männer. Elf von ihnen stammten aus Deutschland, die acht anderen aus dem Ausland. Den Angaben zufolge kommen sie aus Australien, den Niederlanden, Italien, Bosnien-Herzegowina und Spanien. Zudem handelt es sich um eine in Düsseldorf lebende Chinesin. Die deutschen Opfer stammen laut Polizei aus Gelsenkirchen, Münster, Castrop-Rauxel, Bad Oeynhausen, Bielefeld, Mainz, Lünen, Hamm, Bremen, Steinfurt und Osnabrück.
Die Stadt, “The Town“ meint Boston im US-Bundesstaat Massasuchets. Ben Affleck, geboren am 15. August 1972 in Berkeley/Kalifornien und aufgewachsen in Cambridge/Masssuchets schrieb das Drehbuch mit, führte Regie und spielt die Hauptrolle im Action-Film ”The Town“, der am 10. September in den US-Kinos und am 23. September bei uns anläuft, verfilmt wurde das Buch “The Price of Thieves” von Chuck Hogan.
Ein Serien-Bankräuber-Duo soll in Boston von FBI-Agenten ermittelt und verhaftet werden, eine attraktive Bankmangerin bringt den einen Bankräuber (Ben Affleck) aus dem Konzept und in Liebesnöte, der Thriller folgt der Spur der Täter, die Parallel-Story steigert die Spannung des Thrills um die Komponente “Liebesleben eines Meisterdiebes und Räubers”.
Ben Affleck wurde dem deutschen Publikum 2001 mit dem Kriegsdrama “Pearl Harbor” bekannt
Die Schauspieler Jeremy Renner, Blake Lively, Jon Hamm und Rebecca Hall sind mit dabei. Zuletzt war Jeremy Renner in “TÖDLICHES KOMMANDO – The Hurt Locker” zu sehen, Soldatenglück.deberichtete dazu und über die OSCAR-Verleihung an die Macher des Kinofilms über EOD´ler im Irak-Einsatz.
(Videoquelle: via YouTube)
Hintergrundinformationen: Federal Bureau of Investigation, FBI.gov
Heute demonstrierten SEK-Beamte auf allerhöchstem Niveau ihr Können. Ob Terrorismusbekämpfung oder Geiselbefreiung- das SEK wird immer dann alarmiert, wenn besondere Gefährdungslagen vorliegen.
Im Rahmen des diesjährigen internationalen Vergleichswettbewerbs “Friedensreiter 2010″ diverser Spezialeinheiten, führte das SEK Münster eine Übung für die Pressevertreter durch. Aus Gründen des Identitätsschutzes der Beamten ist der eigentliche Wettkampf nicht öffentlich. Auf dem Gelände des THW bewiesen die Männer und Frauen eindrucksvoll, für welche Szenarien sie ausgebildet wurden. Unter hoher physischer sowie psychischer Anstrengung veranschaulichten die Beamten wie Geiseln befreit werden oder wie sie sich Zugang zu Häusern verschaffen. Seit 1974 verfügt die Bundesrepublik Deutschland über die Spezialeinsatzkommandos. Die Gründung erfolgte aufgrund der terroristischen Anschläge während der Olympischen Spielen in München im Jahre 1972.
Schon am Folgetag hatte das SEK der Polizei NRW wieder einen “scharfen” Einsatz:
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SEK beendet Bedrohungslage in Gelsenkirchen
Ab 8 Uhr hielt ein 30jähriger Mann das SEK und die Angestellten eines Bürogebäudes in Atem. Er war mit zwei Messern bewaffnet zuerst in ein Büro in der fünften Etage eingedrungen. Die Polizei riegelte das Gelände um das Bürobäude in der Gelsenkirchener Innenstadt weiträumig ab. Es handelt sich um Büros der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA). Am Vormittag gelang es den Einsatzkräften der Polizei, den Mann im Gebäude festzunehmen. Die Motivlage ist noch völlig unklar. Zur Stunde wird er von der Polizei verhört.
Hintergrund “Friedensreiter 2010″
Das Spezialeinsatzkommando (SEK), das Mobile Einsatzkommando (MEK), die Technische Einsatzgruppe (TEG) und die Verhandlungsgruppe (VG) sind in der Dienststelle “Spezialeinheiten” (SE) zusammengefasst. Sie wurden zur Bekämpfung der Schwerstkriminalität eingerichtet. In Nordrhein-Westfalen gibt es bei 6 Polizeipräsidien Spezialeinheiten. (Bielefeld, Dortmund, Essen Düsseldorf, Köln und Münster)
Um einen Überblick über die jeweiligen Ausbildungsstände zu erhalten, haben sich die Spezialeinsatzkommandos der Polizei des Landes NRW seit Bestehen (1974) unter anderem immer wieder in internen Vergleichskämpfen gemessen. Diese fanden in den 70er und 80er Jahren in einem Übungszentrum der Spezialeinheiten statt. Erst 2004 wurde der Rahmen der teilnehmenden Polizeibehörden erweitert. Beim “Ruhr Pott 2004″ in Essen trafen sich erstmals neben den Spezialeinheiten des Landes auch Einheiten des Bundes und internationale Teams zu einem Vergleichswettkampf. Aus diesem Treffen resultierte der Beschluss des nordrhein-westfälischen Innenministeriums, diese Art des Wettkampfes alle zwei Jahre stattfinden zu lassen. So wurde 2006 von den Spezialeinheiten des Polizeipräsidiums Köln die “Coloniade 2006″ und von den Düsseldorfern “Metropolis 2008″ ausgerichtet. Hier waren nicht nur die Teams aus NRW, sondern auch Mannschaften aus den Vereinigten Staaten, den Niederlanden und der Schweiz am Start. Gemäß einer Verabredung muss die Behörde des erfolgreichsten NRW-Teams, das bisher noch keinen Wettkampf ausgerichtet hat, den nächsten ausrichten. Als zweitbestes NRW-Team 2008 hat das Polizeipräsidium Münster die Aufgabe übertragen bekommen, den Vergleichswettkampf 2010 auszurichten. Er wurde “Friedensreiter 2010″ getauft. Die Wettkampfteams aus Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Bayern, Berlin sowie aus den Niederlanden und der Schweiz werden an zehn Wettkampfstationen im Münsterland in über 100 Übungssequenzen ihr Können unter Beweis stellen müssen. Der eigentliche Wettkampf beginnt mit einer Auftaktveranstaltung am 12. Juli. Der Großteil der Wettkämpfe findet dann Dienstag und Mittwoch statt. Am 15. Juli wird der Abschlusswettkampf durchgeführt.
(Videoquelle, Textauszüge: NRW-aktuell vom 08. und 09. Juli 2010 via YouTube-Kanal NRW-aktuell;
Textquelle unten, Grafik: Polizei NRW.de)
Auf Autodiebe kommen in Sachsen offenbar harte Zeiten zu. Als einer der ersten bekommt jetzt ein 33-jähriger Pole den Kurswechsel zu spüren. Er war der Polizei Mittwochabend nach einer wilden Verfolgungsjagd ins Netz gegangen, als er versuchte, das am Vortag in Dresden gestohlene Auto von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) außer Landes zu schaffen. Obwohl Mariusz J. bisher nichts auf dem Kerbholz hat, lediglich als Kurierfahrer gilt und einen festen Wohnsitz vorweisen kann, hat ihn ein Dresdner Haftrichter auf Drängen der Staatsanwaltschaft in eine zunächst sechsmonatige Untersuchungshaft geschickt. Das bestätigte gestern deren Sprecher Jan Hille. Die Reaktion des Richters gilt als Achtungszeichen. Die Ermittler und selbst Landespolizeichef Bernd Merbitz hatten mehrfach kritisiert, dass bei den bandenmäßig organisierten Beutezügen gefasste Täter zu oft und zu schnell wieder auf freien Fuß kämen. (Zitatende)
(Textquelle kursiv: Freie Presse.de;
Bildquele: BMI.Bund.de, Bundesinnenminister Thomas de Maizière am 03. November 2009 vor dem Bundespolizeipräsidium in Potsdam)
Neuer Bericht zu Fällen von Polizeigewalt in Deutschland und Kampagnen-Start
“Täter unbekannt”: So heißt es am Ende oft in Deutschland, wenn Polizisten wegen übermäßiger Gewaltanwendung oder Misshandlung zur Rechenschaft gezogen werden sollen. Das belegt der neue Bericht von Amnesty International “Täter unbekannt – Mangelnde Aufklärung von mutmaßlichen Misshandlungen durch die Polizei in Deutschland”. Der Bericht dokumentiert Fälle übermäßiger Polizeigewalt und Todesfälle in Polizeigewahrsam. “Misshandlungsvorwürfe gegen Polizisten werden häufig nicht umgehend, unabhängig und umfassend untersucht. Am Ende verlaufen viele Ermittlungen im Sande”, sagte Monika Lüke, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, in Berlin. “Nicht selten scheitern Verfahren daran, dass kein Täter ermittelt werden kann – besonders bei Einsätzen in geschlossenen Einheiten. Die Polizisten mauern, teilweise herrscht ein falsch verstandenes Wir-Gefühl unter Kollegen.” Im Rahmen der neuen Kampagne “Transparenz schützt Menschenrechte – Mehr Verantwortung bei der Polizei” fordert Amnesty deswegen u. a. unabhängige Untersuchungen und eine Kennzeichnungspflicht für Polizisten.
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Amnesty sieht keine systematische rechtswidrige Polizeigewalt in Deutschland, sondern strukturelle Probleme im Umgang mit Vorwürfen übermäßiger Gewaltanwendung und Misshandlungen. “Polizisten haben einen schwierigen, oft gefährlichen Job und sie sind berechtigt, im Dienst Gewalt anzuwenden”, sagte David DÃaz-Jogeix, Europa-Experte im Internationalen Sekretariat von Amnesty in London. “Wenn Polizisten dieses Recht aber missbrauchen, dürfen sie nicht über dem Gesetz stehen.” Zu oft bleibe der Staat tatenlos. Da unterscheide sich Deutschland kaum von Frankreich, Griechenland, Österreich oder Spanien.
“In Deutschland bleiben Polizisten meistens anonym – vor allem wenn sie Helme tragen und in geschlossenen Einheiten agieren”, sagte Amnesty-Generalsekretärin Lüke. Deswegen fordert Amnesty eine individuelle Kennzeichnungspflicht für Polizisten. Damit gebe es gute Erfahrungen in Großbritannien, Schweden und Spanien. Bewährt hätten sich auch Videoaufzeichnungen in Polizeistationen wie in Katalonien: Dort ist die Zahl der Misshandlungsvorwürfe deutlich zurückgegangen. Unerlässlich seien auch unabhängige Untersuchungen. “Es zeigt sich häufig, dass Polizisten nicht gründlich genug gegen Kollegen ermitteln”, sagte Lüke. “Das verletzt die Menschenrechte und schadet dem Vertrauen in die Polizei.” (Zitatende)
(Textquelle kursiv, Videoquelle: amnesty international.de, dieser Clip zeigt drei Fälle rechtswidriger Polizeigewalt in Deutschland. Drei Fälle aus dem aktuellen Bericht von Amnesty International. Drei Fälle, in denen niemand zur Rechenschaft gezogen wurde.)
Hintergrundinformationen:Â Zusammenfassung des AI-Berichtes, in dem im Juli 2010 veröffentlichten Bericht dokumentiert Amnesty International ernstzunehmende Vorwürfe von mutmaßlicher Misshandlung und unverhältnismäßiger Gewaltanwendung durch Polizeibeamte in Deutschland. Amnesty International schildert und kritisiert in dem Bericht, dass die Ermittlungen bei Anzeigen gegen Polizisten mangelhaft waren.
Seit 2004 haben 869 Personen Amnesty International über Probleme mit der Polizei informiert. In 138 Fällen stellte Amnesty International weiterführende Nachforschungen an. Im Zuge dieser Recherchen wurden mutmaßliche Opfer (und bei Todesfällen überlebende Angehörige), Anwälte, Vertreter von Polizei und Staatsanwaltschaften sowie Richter befragt. 15 Fälle werden im Bericht ausfürlich beschrieben.