
60 Seemeilen südlich der Küste von Oman sollen vermutlich somalische Piraten heute ein “deutsches” Schiff, die MS Charelle (unter der “Billig”-Flagge von Antigua und Barbados fahrend, gebaut in Deutschland 1985 von der Seebeckwerft AG, heute SSW Schichau Seebeck Shipyard GmbH, Bremerhaven) gekapert haben. Das Containerschiff sei in Piratenhänden und auf dem Kurs Richtung Somalia befindlich, die Anzahl und Nationalität der entführten Crew sei noch nicht geklärt. Seit Indienststellung 1985 wurde der Schiffsname und die Eigner mehrmals geändert, mit Besatzungsmitgliedern deutscher Herkunft ist damit eher nicht zu rechnen. Die internationalen Seestreitkräfte beobachten das entführte Schiff auf der Weiterfahrt.

Die Piraten-Kaperung bestätigte gegenüber REUTERS, nachdem ein portugiesisches Medium zuerst berichtete, der NATO-SNMG1-Sprecher Lieutenant Commander (vgl. Korvettenkapitän) Alexandre Fernandes des portugiesischen Kriegs- und Flaggschiffes des NATO-Verbandes, der Fregatte Corte-Real (F332, Bild unten) unter dem Kapitän Antonio Manuel Goncalves Alexandre, der Standing NATO Maritime Group 1 (SNMG1), die in der Operation Allied Protector im Kampf gegen die Piraterie im Seegebiet im Einsatz ist.

Commander der SNMG1 ist der portugiesische Rear Admiral (vgl. FltAdm) José Domingos Pereira da Cunha. Unter seinem Kommando stehen die Kriegschiffe:
NRP Corte Real (Flaggschiff, Portugal), HMCS Winnipeg (Kanada), HNLMS De Zeven Provinciën (Niederlande), ESPS Blas de Lezo (Spanien), USS Halyburton (USA).

Das Maritime Security Center Horn of Africa (MSC HOA) der EU NAVFOR Somalia Operation ATALANTA hat die erneute Geiselnahme eines deutschen Containerschiffes bislang noch nicht bestätigt. Dort wurde heute diese Meldung veröffentlicht, ebenfalls südlich des Oman: “Today at 14.15 GMT a small New Zealand cargo vessel of 2.950 tons was hijacked by pirates south of Oman (2155N 0591E) in the Gulf of Aden. The hijacked vessel has now altered course towards Somalia. The EUNAVFOR – Atalanta unit, Spanish warship ESPS MARQUES DE LA ENSENADA is at the scene of the incident.”
Erst heute hat die NATO im Rahmen des NATO-Verteidigungsminister-Treffens in Brüssel beschlossen, eine weitere SNMG aus dem Mittelmeer zur Unterstützung des Anti-Piraten-Kampfes an das Horn von Afrika, den Golf von Aden und die Küste Somalias in den Indischen Ozean zu verlegen. Am kommenden Montag wollen die EU-Außenminister bei einem Treffen in Luxemburg beschliessen, die Ant-Piraten-Mission EU NAVFOR Somalia Operation ATALANTA bis 12/2010 zu verlängern.
Ein Piratenangriff in den Küstengewässern von Oman ist bisher noch nicht registriert worden. Die somalischen Piraten verlegen ihre Kaperfahrten zunehmend weiter weg von somalischen Küstengewässern bis vor die Seychellen und vor Madagaskar in die Weite des Indischen Ozean, die somalischen Küstengewässer werden durch die EU NAVFOR Somalia Operation ATALANTA stärker überwacht. Der Golf von Aden mit der Küste des Jemen verzeichnet ebenso eine Erhöhung der Überwachungs-Frequenz, die Küste Omans ist nun offenbar zum Ausweich-Piraten-Gebiet.
Die Karte des NATO Shipping Centre zeigt vergangene Angriffsversuche, Überfälle, Kaperungen und Entführungen durch Piraten:

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(Grafikquelle: CIA.gov;
Bildquelle: NATO.int)