Archiv für die Kategorie 'Alliierte'

Großbritannien: Verteidigungsminister Liam Fox tritt ab (Video)

Freitag, 14. Oktober 2011

Er habe fälschlicherweise die Vermischung persönlicher Interessen mit seinen Regierungsaktivitäten zugelassen, schrieb Fox in seinem Rücktrittsgesuch an den britischen Premierminister.

Er stand seit längerem in der Kritik, weil er seinen früheren Mitbewohner und Freund Adam Werrity ohne offizielle Rolle auf Dienstreisen ins Ausland mitnahm und dem Unternehmer und Lobbyisten tiefe Einblicke in die Regierungsgeschäfte gewährte. Werrity gab sich als Berater von Fox aus, hatte diese Funktion aber nicht offiziell inne.

Das britische Verteidigungsministerium berichtet aktuell: Dr Liam Fox resigns.
Number10.uk beichtet aktuell: Prime Minister David Cameron has responded to the resignation of Defence Secretary Dr Liam Fox.
Soldatenglück.de berichtete am 09. Oktober 2011: Britischer Verteidigungsminister Liam Fox unter Druck (Video) und am 13. Mai 2010: Konservativ-liberale Regierung Großbritanniens formiert sich, ein Schotte wird Verteidigungsminister (Videos).

(Videoquelle: euronews.net;
Bildquelle: MoD.uk, Secretary of State for Defence Dr Liam Fox Visits Camp Bastion)



Britischer Verteidigungsminister Liam Fox unter Druck (Video)

Sonntag, 9. Oktober 2011

Der britische Verteidigungsminister Liam Fox ist in die Kritik geraten. Sein Besuch in Libyen am Samstag wurde von einem innenpolitischen Skandal um einen engen Freund von ihm überschattet. Fox soll Adam Werretty mehrfach Zugang zum Verteidigungsministerium verschafft und ihn bei Reisen mitgenommen haben, obwohl dieser kein öffentliches Amt oder eine offizielle Berater-Rolle inne hatte.

Soldatenglück.de berichtete am 13. Mai 2010: Konservativ-liberale Regierung Großbritanniens formiert sich, ein Schotte wird Verteidigungsminister (Videos).

[Videoquelle: euronews.net;
Bilderquelle: Ministry of Defence.uk, The Secretary of State for Defence The Right Honourable Liam Fox MP. - Dr Fox has been the MP for Woodspring (renamed North Somerset for the 2010 May General Election) since 1992 and was appointed as Shadow Secretary of State for Defence in December 2005. He has visited the UK's Armed Forces in Iraq and Afghanistan;
Dr Liam Fox MP is pictured during his visit to Camp Bastion, Afghanistan in January 2011.]

Kriegsberichte aus Afghanistan – der britische Dokumentarfilmer Ross Kemp am Hindukusch (Videos)

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Episode 1

Kemp joins up with the 1st Battalion of the Royal Anglian regiment for basic training. The episode focuses on the Taliban and also some of the soldiers from the Royal Anglian regiment who will be deployed to Afghanistan.

Episode 2

With training complete, Kemp deploys to Afghanistan to catch up with the Royal Anglians who are already in theatre. Whilst in transit the convoy Kemp is travelling in hits a mine claiming a casualty. Whilst on patrol outside for Forward Operating Base Robinson a contact is initiated with the Taliban, pinning the crew down under rifle and RPG fire.

Episode 3

B Company get a brief rest before they are assigned to a new mission. Episode three examines life and conditions at the Now Zad front line base. Kemp leaves Afghanistan and meets the mother of the Anglians first casualty in Afghanistan, killed in May 2007.

Episode 4

Kemp returns to Afghanistan after having his tooth repaired. Upon returning Kemp learns that a friendly fire incident between the Royal Anglians and the US Air Force has cost the lives of three Royal Anglians, eight days later Kemp returns to Afghanistan. Kemp joins the fire-support group in an attack.

Episode 5

Kemp goes on one final mission as the battalion captures and destroys the compound in which the three men were killed in the friendly fire incident. Kemp also talks to the families of the soldiers as the battalion returns to the UK, and the family of one of the friendly fire, and to a corporal who survived the bombing.

Soldatenglück.de berichtete: Dokumentation: “Return to Afghanistan”, 5. Episode – von Ross Kemp (Video), hier alle 5 Episoden in voller Länge.

[Bilderquelle: MoD.uk, Vergleichsfotos: A soldier from A Company, 1 Rifles looks on wearily following an engagement with the enemy during a joint helicopter assault with the Afghan Uniformed Police (AUP) in Helmand, Afghanistan;
Soldier from 1 Rifles Using General Purpose Machine Gun (GPMG) in Afghanistan - A Rifleman puts down covering fire over a wall as his patrol from A Company 1 Rifles comes under heavy fire during a joint helicopter assault with the Afghan Uniformed Police (AUP) in Helmand. Photographer: Sergeant Alison Baskerville RLC. Photographer: Sergeant Alison Baskerville RLC Videoquelle: via YouTube]

US-Fallschirmjäger springen über Polen ab (Video)

Montag, 3. Oktober 2011

Video footage of a parachute jump as USAF Captain Walter Mettler, a Air Mobility Liaison Officer and TACP with the 8th ASOS, jumps along with US Army Europe members from the 173rd Airborne Brigade Combat Team parachute into Poland during Dragon 11, a multinational training event between Poland, the U.S., Canada and a few members from UK. Footage by Capt Mettler and US Army Europe’s SGT Cameron Christensen.

(Video-, Bildquelle: US Army Europe.mil, What’s it like to jump?)

U.S. Präsident Obama begrüßt Ausschaltung des islamistischen Top-Terroristen Awlaki im Jemen (Video)

Samstag, 1. Oktober 2011

“Weiterer bedeutender Meilenstein” im Kampf gegen Al-Qaida-Terror

U.S.-Präsident Barack Obama hat die finale Ausschaltung des Top-Terroristen Awlaki im Jemen als “weiteren bedeutenden Meilenstein” im Kampf gegen den Al-Qaida-Terror begrüßt.

Der islamistische Propagandist, Hassprediger und Terrorführer wurde durch eine ferngesteuerte US-Kampfdrohne im Jemen getötet, wie das US-Militär nach Vorabmeldungen aus dem Jemen bestätigte. Das US-Justizministerium hatte die tödliche Attacke gegen den Gefährder vorher befürwortet.

Die USA machen Anwar al-Awlaki, der am 22. April 1971 als Sohn jeminitischer Eltern in den USA (New Mexico) geboren worden war für die Anwerbung von Kämpfern und zahlreiche Anschlagspläne im Westen verantwortlich. Der Propagandist galt als “Bin Laden des Internets”.

Anlässlich der Rede (Video oben) des Präsidenten als Commander in Chief in Anwesenheit des U.S. Verteidigungsministers Leon Panetta sowie des U.S. Vizepräsidenten Joe Biden in Arlington/Virginia nach Washington D.C. zur Verabschiedung von Admiral Mike Mullen (Bild oben), dem Chairman of the Joint Chiefs of Staff aus dem aktiven Dienst bei den US-Streitkräften, ging Obama auf den aktuellen militärischen Erfolg bei der Bekämpfung de islamistischen Terrors ein. Nach der Ausschaltung von Osama bin Laden in Pakistan kann dieser Schlag im Jemen gegen die Al-Qaida-Spitze in Person des Awlaki als weiterer wichtiger Erfolg gewertet werden.

Neuer Generalstabschef der U.S.-Streitkräfte nach Navy-Admiral Mike Mullen ist nun der Army General Martin E. Dempsey.

(Videoquelle: Defense.gov; CJCS & Farewell;
Bildquelle: White House.gov, President Barack Obama participates in the Armed Forces farewell tribute to Admiral Mike Mullen, Chairman of the Joint Chiefs of Staff, right, at Joint Base Myer-Henderson Hall, in Arlington, Va., Sept. 30, 2011. Official White House Photo by Pete Souza)



Großbritannien: Entlassungen bei der Royal Navy (Video)

Freitag, 30. September 2011

 

Die britische Royal Navy hat mehr als 1000 ihrer Soldaten entlassen. Insgesamt sollen 5000 Frauen und Männer ihre Uniform an den Nagel hängen.

(Videoquelle: euronews.net)

Hintergrundinformationen: Royal Navy, Ministry of Defence.uk

Ankara nutzt die Gunst der Stunde

Freitag, 23. September 2011

Türkei-Experte Michael Meier: Versuch der Türkei, Führungsrolle in Arabien zu übernehmen, ist ein Spiel mit dem Feuer.

Die Türkei rasselt gegenüber EU-Mitglied Zypern ebenso mit dem Säbel wie gegenüber dem langäÃŒhrigen Partner Israel. Vor allem Letzteres findet den Beifall der arabischen Straße. “Die Türkei will gestalten”, sagt Experte Michael Meier von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Er beobachtet den Kursschwenk vor Ort in Istanbul mit Sorge: “Das ist ein Spiel mit dem Feuer.”

Ein Bombenanschlag erschütterte Ankara. Wie sehr ist der Aufstieg der Türkei durch Terror gefährdet?

Michael Meier: Terrorismus ist leider seit den 80er-Jahren ein ständiger Wegbegleiter der türkischen Entwicklung geworden und bedroht selbstverständlich die Entwicklung. So führt seit einigen Wochen die kurdische Separatistenorganisation PKK den Kampf für ihre Ziele wieder mit Waffengewalt, hat allerdings die Verantwortung für diesen Anschlag von sich gewiesen. Das eigentliche Problem, die Lösung der Kurdenfrage, bleibt das wichtigste Thema der türkischen Innenpolitik.

Wird der PKK-Terror zusätzlich aufleben, wenn die USA aus dem Irak abziehen?

Meier: Der PKK-Terror ist der extreme Ausdruck der Unzufriedenheit der kurdischen Bevölkerung. 15 Millionen Menschen durften über Jahrzehnte ihre Sprache nicht sprechen, ihre Kultur nicht leben. Erst in den vergangenen Jahren gab es zaghafte Versuche der AKP-Regierung, die Lage der Kurden zu ändern. Nur folgte auf einen Schritt vorwärts oft einer rückwärts. Deshalb bleibt die Lage für Kurden nicht zufriedenstellend. Ziehen sich die USA demnächst aus dem Irak zurück, kann das zu einem Machtvakuum führen, das einen Rückzugsraum von Terrorzellen begünstigt. Um dies zu verhindern, steht Ankara in Verhandlungen mit der kurdischen Regierung des Nordiraks. Beide eint das Interesse, Terrorismus einzudämmen.

Fährt das Kabinett Er”dogan einen härteren Kurs gegen die PKK, um sich die Stimmen der Ultranationalisten für eine Präsidialverfassung zu sichern?

Meier: Das kann sein. Er”dogans Partei, die AKP, hat bei den Wahlen im Juni nur 327 von 550 Abgeordnetensitzen bekommen. Das heißt, es fehlen ihr drei Sitze zur 3/5-Mehrheit, um über die neue Verfassung in einem Referendum abstimmen lassen zu können. Es wäre allerdings eine schlechte Option, sich diese Stimmen von den Nationalisten der MHP zu holen. Sinnvoller wäre es, sich über einen umfassenden Dialog um eine breite gesellschaftliche Basis für die neue Verfassung zu bemühen.

Wäre das neue Präsidialsystem ein Fortschritt in Richtung auf Europa?

Meier: Die Diskussion um ein präsidiales oder ein parlamentarisches System ist in der Türkei schon alt. Die Meinungen sind gespalten. Selbst in Erdogans eigener Partei gibt es gewichtige Gegenstimmen — etwa die des Staatspräsidenten. Abdullah Gül sagte: “Nichts spricht dafür, vieles dagegen.” Er plädierte dafür, die bisherige Balance of Power im türkischen Regierungssystem beizubehalten — allerdings nach einer Aufwertung der Rolle des Parlamentes.

Staatspräsident Gül betonte in Berlin Ankaras EU-Beitrittsambitionen. Setzt die Türkei nach 24 Jahren im Wartestand wirklich noch auf Europa?

Meier: Eigentlich ist die Wartezeit noch länger. 1959 gab die Türkei ihre erste Bewerbung ab, 1963 wurde das Assoziierungsabkommen abgeschlossen, 1996 folgte die Zollunion, 1999 bekam die Türkei den Status als Beitrittskandidat und 2005 wurden die Beitrittsverhandlungen aufgenommen. Das ist schon eine lange Strecke: Seit mindestens 47 Jahren wartet die Türkei vergeblich auf ein klares Zeichen der EU. Selbst jetzt, da die Verhandlungen aufgenommen wurden, werden sie von einigen Ländern blockiert — Deutschland, Frankreich und die Republik Zypern sind da zu nennen. Bisweilen gibt es gute Gründe für Blockaden, meist sind sie aber schlicht darauf ausgelegt, zu verhindern, dass die Türkei jemals Mitglied der EU wird. Das ist kein fairer Umgang mit der Türkei, und wir sind schlecht beraten, dies fortzuführen.

Aber ist die Beitrittseuphorie in der Türkei selbst nicht längst verpufft?

Meier: Diesen Umfragen sollte man nicht zu viel Gewicht beimessen. Zwar haben vor einigen Jahren tatsächlich mehr als drei Viertel aller Türken den Beitritt befürwortet. Das sank zwischenzeitlich bis auf 32 Prozent, um aktuell wieder bei 50 Prozent zu liegen. Würden sich Fortschritte greifen lassen, würde die EU fair mit der Türkei umgehen, könnte ganz schnell wieder eine Euphorie entstehen. Europa muss zunächst selbst klären, wie es zum Beitritt steht. In Deutschland hört man verschiedene Antworten, je nachdem, ob aus kultureller, geografischer, religiöser oder geostrategischer Perspektive argumentiert wird. Klar ist: Die Türkei könnte — wenn sie sich reformiert — die EU stärken. Reformprozesse finden ja derzeit sowohl in der EU als auch in der Türkei statt und werden sicher mehr Zeit in Anspruch nehmen, als alle anfangs geglaubt haben.

Wie ernst muss man die Ankündigung des Vizepremiers nehmen, die Beziehungen zur EU 2012 einzufrieren, weil dann die Republik Zypern die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt?

Meier: Sehr ernst. Es ist beispiellos, dass ein Beitrittskandidat von sich aus die Verhandlungen einfriert. Wobei man ganz nüchtern betrachtet feststellen muss, dass viele offene Kapitel derzeit aufgrund des Boykotts der griechischen Zyprioten ohnehin ruhen. Aktuell verschärft ein türkisch-zyprischer Streit um die Rechte an Gasvorkommen unter dem Mittelmeer den Konflikt.

Während die Beitrittsverhandlungen stocken, wendet sich die Türkei nach Osten und Süden. Strebt Ankara eine Vormachtrolle an, die sich am Osmanischen Reich orientiert?

Meier: In den vergangenen Jahren orientierte sich die türkische Außenpolitik neu: Noch nie war sie so sehr von der Innenpolitik beeinflusst. Außenpolitik in der Türkei ist nicht länger mehr eine Sache der Eliten, sondern auch eine der Straße. Das heißt, in manchen außenpolitischen Entscheidungen spiegelt sich die Meinung des Volkes wider — etwa in Bezug auf Israel oder den arabischen Frühling. Wobei die grobe Rhetorik oft den pragmatischen Kern wirtschaftlicher Interessen überdeckt. Erdogan hat den Rückhalt eines Wahlergebnisses von fast 50 Prozent der Stimmen am 12. Juni. Das Militär scheidet als Herausforderer aus — gerade trat der Generalstab zurück. Aus unserer Sicht ist das eigentlich eine Normalisierung. Gleichwohl erleben wir möglicherweise einen Wechsel im Politikansatz. Bisher konnte man davon ausgehen, dass die Türkei vor allem eine “soft power” sein wollte: Keine Prob”leme mit den Nachbarn war die Leitlinie, der Diplomatie gebührte der Vorrang. Beginnt mit der Ankündigung, Flottenverbände ins östliche Mittelmeer zu entsenden, um künftige Gaza-Hilfsflotten zu schützen, eine Ära der “hard power” — ausgerechnet in einer Phase der Instabilität?

Die Leitlinie “Keine Probleme mit unseren Nachbarn” umschloss Milliardeninvestitionen in Libyen, die Weigerung, Sanktionen gegen den Iran mitzutragen und sogar eine Annäherung an die Hamas. Gelingt Ankara der Schwenk nach dem arabischen Frühling?

Meier: Ja. Zwar hat auch Erdogan den Auftakt des arabischen Frühlings verpasst. Dass er nicht reagierte, wurde ihm in der Türkei auch vorgeworfen. Doch als er realisierte, dass der arabische Frühling unumkehrbar ist, versuchte er, sich an die Spitze der Bewegung zu setzen. Hier zeigt sich, dass die Türkei eine führende Kraft im arabischen Raum werden will. Sie will nicht länger nur beobachten, sie will gestalten. Die klassischen Regionalmächte Iran, Saudi-Arabien und Ägypten rücken in den Hintergrund: Teheran ist isoliert, Riad kein attraktives Modell und Kairo geschwächt. Also nutzt Ankara ziemlich clever die Gunst der Stunde. Dazu gehört auch die bewusste Eskalation gegenüber Israel. Sie sichert die Zustimmung der arabischen Straße, sorgte für den begeisterten Empfang Erdogans in Kairo. Aber dies ist ein Spiel mit dem Feuer.

Welches Risiko geht Ankara ein, wenn es im arabischen Raum die anti-israelische Karte spielt?

Meier: In Ägypten und Libyen stieß Erdogan auf Zustimmung. Beide Staaten setzen ohnehin auf die aufsteigende Wirtschaftsmacht. Allein in Libyen sind türkische Unternehmen mit 15 Milliarden Dollar Investitionen engagiert. Gegenüber Israel ist der Kurs brandgefährlich. Beide Staaten haben traditionelle Beziehungen. Die Türkei hat Israel 1949 als erster Staat mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit anerkannt. Ehrlicherweise muss man aber einräumen, dass die türkisch-israelische Verbundenheit eher ein Projekt säkularer, militärischer Eliten war. Die Menschen in der Türkei schauen eher skeptisch auf Israel. Und das schlägt sich jetzt auch in der Außenpolitik nieder. Diesen Eskalationskurs kann die Türkei nicht endlos weitertreiben. Abzuwarten bleibt, ob es Barack Obama gelingt, die türkische Regierung wieder auf einen realpolitischen Kurs zu verpflichten.

Die erste Vermittlung Washingtons blockte Ankara ab. Nimmt es die Entfremdung von den USA in Kauf?

Meier: Das glaube ich nicht. Die USA bleiben der wichtigste Verbündete. Die NATO-Einbindung ist stark, wie zuletzt die Zustimmung zum Raketenfrühwarnsystem zeigte. Obwohl in der Öffentlichkeit die kritischen Stimmen überwogen, entschied die Regierung — parallel zur Eskalation im Verhältnis zu Israel –, das System zuzulassen. Das ist ebenso ein Signal der Verlässlichkeit an Washington wie der Abfall von Syriens Diktator Assad. Indem Ankara auf die syrische Opposition setzt, teilt es den europäisch-amerikanischen Standpunkt. Die türkisch-amerikanischen Beziehungen mögen getrübt sein, weil Washington sich als Sachwalter israelischer Interessen sieht, aber ernsthaft beschädigt sind sie nicht.

Kann Israel das Zerwürfnis kitten, indem es den Palästinenserkonflikt befriedet?

Meier: Die Türkei hatte nach dem Blutbad auf den Schiffen der Gaza-Flotte drei Forderungen aufgestellt: Eine Entschuldigung, eine Entschädigung und die Aufhebung der Blockade des Gazastreifens. Das wäre machbar. Es gab Verhandlungsrunden von Diplomaten, in denen eine Entschuldigung formuliert wurde, die keine strafrechtliche Verfolgung Israels ermöglicht hätte. Aber der ultrarechte Außenminister Liebermann lehnte sie ab. Eine Entschädigung hätte man indirekt über Stiftungen organisieren können. Eine weitere Öffnung des Gazastreifens wäre möglich, zumal ja bereits Ägypten die völlige Blockade durchbrochen hat. Möglich wäre diese Annäherung, nur fehlt es derzeit bei beiden Staaten am Willen. Das mag sich aber ändern, denn Israel hat ein vitales strategisches Interesse, mit der Türkei ins Benehmen zu kommen — der größten Regionalmacht, einem Wirtschaftskoloss, der sechstgrößter Handelspartner Israels ist.

Wachstumsraten, die größer sind als die Chinas. Arabische Völker, die sich am Vorbild Türkei orientieren. Ist die Türkei reif für eine größere Rolle in der Weltpolitik?

Meier: Die Türkei ist noch im Wachstum begriffen. Und wie alle Heranwachsenden hat sie bisweilen Schwierigkeiten, sich der gestiegenen eigenen Bedeutung angemessen verantwortlich zu verhalten. Die Türkei kann mit ihrem Gewicht eine Menge in der Region bewegen. Aber sie muss sich davor hüten, dies — wie derzeit — losgelöst von allen Bündnisverpflichtungen zu versuchen. Es muss gelingen, die eigenen nationalen Interessen zu verfolgen, ohne die wichtigsten Partner in EU und NATO zu verprellen.

Das Interview führte Joachim Zießler

(Textquelle: Landeszeitung Lüneburg.de;
Grafikquelle: CIA.gov)

Deutschlandfunk-Dossier: K-Town – Der US-Flugzeugträger in der Pfalz (Audio)

Freitag, 16. September 2011

Einkaufszentren und Spielhallen hinter Stacheldraht. Wohnsiedlungen, Raketensilos, Militärstraßen. Kaiserslautern, Ramstein, Landstuhl – einer der weltweit größten Außenposten der US-Armee liegt mitten in der Pfalz.

“Flugzeugträger” der Amerikaner – das ist “K-Town”, wie die GIs die Militärlandschaft rund um Kaiserslautern nennen. Seit Jahrzehnten lebt die Region mit und von den rund 50.000 US-Soldaten und ihren Familien, die hier zeitweise bleiben müssen.

Hat man sich im Pfälzer Wald daran gewöhnt, Kriegsetappe für den Irak oder für Afghanistan zu sein? Nicht nur deshalb ist “K-Town” umstritten: Die Omnipräsenz der Militärinfrastruktur behindert in Landstuhl oder Ramstein die zivile Entwicklung, die Airbase nervt die lärmbelasteten Bewohner der Großstadt Kaiserslautern. (Zitatende)
Zum vollständigen Dossier der Deutschlandfunk-Hörsendung als pdf

Der DLF-Audiobeitrag wird bald hier zum Nachhören eingestellt sein

(Textauszüge kursiv: Deutschlandfunk.de Dossier von Ludger Fittkau;
Bildqulle U.S. Air Force: Two C-17 Globemaster aircraft, along with other aircraft, are prepped and ready for scheduled missions. The Ramstein flight line is one of the busiest in the Air Force, executing more than 85 aircraft operations daily. U.S. Air Force photo by Airman 1st Class Kenny Holston;
C-21A flies over Germany, June 8, 2010. C-21A’s are used on Ramstein by the 76th Airlift Squadron for distinguished visitors and patient transport. U.S. Air Force photo by Airman 1st Class Caleb Pierce;
A rainbow appears over a C-130 Hercules and the air traffic control tower at Ramstein Air Base, Germany, on Monday, March 27, 2006. The air transport aircraft belongs to the 187th Airlift Squadron of the Wyoming Air National Guard in Cheyenne. U.S. Air Force photo/Master Sgt. John E. Lasky)

Hintergrundinformationen: Ramstein Air Force Base

Stunde der Sieger – Cameron und Sarkozy lassen sich in Libyen feiern (Video)

Freitag, 16. September 2011

Eigentlich fehlten nur noch die Lorbeerkränze, dann hätten sich Nicolas Sarkozy und David Cameron fühlen dürfen wie römische Feldherren, denen man einen Triumphzug bereitet. Bei ihrem gemeinsamen Besuch in Libyen ließen sie sich feiern für ihre handfeste Unterstützung beim Sturz von Diktator Gaddafi. Ohne den intensiven Druck des französischen Präsidenten und des britischen Premiers hätte die Nato wohl kaum militärisch eingegriffen. Gaddafis Truppen hätten die Rebellen-Hochburg Bengasi überrannt und dann im ganzen Land wie angekündigt blutige Rache genommen. Nun hat die Stunde der Sieger geschlagen. Sarkozy und Cameron wissen, dass der Dank der Libyer sich nicht auf Jubel beschränken wird. Der libysche Übergangsrat hat schon angekündigt, dass Staaten, die den den Rebellen gegen Gaddafi beigestanden haben, bei Geschäften bevorzugt werden. Deutschland, so viel ist klar, gehört nicht dazu. Möglicherweise schlimmer noch ist der politische Schaden. Deutschlands Ansehen in der Region ist seit der fatalen Enthaltung im UN-Sicherheitsrat ramponiert. Und der peinliche Versuch des deutschen Außenministers, sich noch nachträglich auf die Seite der Sieger zu schlagen, hat die Sache nicht besser gemacht. (Zitatende)

Kommentiert die “Rheinische Post” aus Düsseldorf.

Cameron und Sarkozy lassen sich in Bengasi feiern

Bei ihrem Besuch in Libyen haben sich der britische Premierminister David Cameron und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy am Donnerstagnachmittag auf einer Großkundgebung in der Rebellen-Hochburg Bengasi feiern lassen.

“Es ist großartig hier zu sein, in einem freien Bengasi. Eure Stadt war eine Inspiration für die Welt, wie sie einen Diktator gestürzt und die Freiheit gewählt hat”, rief Cameron der Menge zu; und der französische Präsident rief aus: “Freunde von Bengasi, glaubt an ein einiges Libyen! Es lebe Bengasi, es lebe Libyen!”

(Textquelle kursiv: Rheinische Post.de;
Videoquelle: euronews.net;
Bilderquelle: Number10.gov.uk, Libya visit – PM with President Sarkozy and Chairman Mustafa Abdul JalilPM David Cameron, NTC Chairman Mustafa Abdul Jalil and French President Nicholas Sarkozy in Libya;
PM visits hospital, Prime Minister David Cameron and French President Nicolas Sarkozy visit a hospital in Tripoli during their visit to Libya;
Prime Minister David Cameron greets a crowd during his visit to Libya.)

Die Fremdenführer von Ground Zero (Video)

Montag, 12. September 2011

 

Die meisten Touristen, die New York besuchen, schauen auch an Ground Zero vorbei, etwa eine halbe Million jedes Jahr. Der Ort, an dem einst die beiden Türme des World Trade Center standen, ist nun eine Pilgerstätte. Sie führt mitten ins amerikanischen Trauma. Dort arbeiten 156 freiwillige Fremdenführer: Feuerwehrleute, Sanitäter, einfache Bewohner Manhattans, alle Überlebende oder Angehörige von Opfern des 11. September. Als sie Besucher ziellos an der Stätte herumirren sahen, organisierten sie Führungen, Walking Tours der besonderen Art. Sie erzählen, wie sie die Anschläge erlebt haben. Eine Reportage von Yannick Cador.

(Videoquelle, Textauszüge: arte.tv)