Archiv für April, 2012

Kosovo: Schwarz-Schilling kritisiert Entsendung der Eingreiftruppe (ORF)

Montag, 23. April 2012

Der ehemalige Hohe Repräsentant für Bosnien und Herzegowina, Christian Schwarz-Schilling, hat die Entsendung einer Eingreiftruppe der Bundeswehr für das Kosovo kritisiert. “Wenn nur Appeasement gegenüber Serbien gemacht wird, dann braucht man sich nicht zu wundern”, sagte er der in Halle erscheinenden “Mitteldeutschen Zeitung” (Montag-Ausgabe). “Das Militär muss nun ausbaden, was die Politik versäumt.” Der CDU-Politiker hält den Schritt dennoch für unvermeidlich. “Das muss gemacht werden, um weitere Instabilität zu verhindern”, erklärte er. “Die Serben müssen wissen, dass sie mit dem Kosovo nicht Ping-Pong spielen können.” Die Bundeswehr will zur Vermeidung von Spannungen im Vorfeld der serbischen Parlaments- und Präsidentschaftsahlen am 6. Mai 550 zusätzliche Soldaten in das Kosovo schicken. (Zitatende)

Berichtet die “Mitteldeutsche Zeitung” aus Halle.
Soldatenglück.de berichtete: Kosovo: SPD-Verteidigungspolitiker Arnold signalisiert Zustimmung zu Eingreiftruppe und Kosovo-Lage erfordert militärische Verstärkung, ORF-Bataillon wird in den Einsatzraum verlegt.

(Textquelle kursiv: Mitteldeutsche Zeitung.de;
Bildquelle: Bundeswehr.de, Bw-Bell im Kosovo-Einsatz)



Ein neuer Superheld ist geboren: GERMAN (Videos)

Sonntag, 22. April 2012

 

Begleite GERMAN auf seiner Mission, die deutsche Sprache zu retten. Mach dich bereit und werde Filmstar im neuen Trailer goethe.de/german-themovie.

A new superhero is born: GERMAN. Join GERMAN in his mission to save the German language. Get ready and become a movie star in the new trailer german-themovie.goethe

(Grafik-, Videoquelle: Goethe Institut.de, GERMAN Trailer)

Kosovo: SPD-Verteidigungspolitiker Arnold signalisiert Zustimmung zu Eingreiftruppe

Sonntag, 22. April 2012

Der verteidigungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Arnold, hat Zustimmung zur Entsendung einer schnellen Eingreiftruppe in das Kosovo signalisiert. “Es ist richtig, Vorsorge zu treffen”, sagte er der in Halle erscheinenden “Mitteldeutschen Zeitung” (Montag-Ausgabe). Ein neues Mandat sei im Übrigen nicht erforderlich, da die Obergrenze des bestehenden Mandats nicht überschritten werde. “Sorge macht mir die Belastung der schnellen Eingreiftruppe”, schränkte Arnold allerdings ein, dass sie auch anderen Orten wie Afghanistan eingesetzt werde. Darüber müsse man reden. (Zitatende)

Berichtet die “Mitteldeutsche Zeitung” aus Halle vorab.
Soldatenglück.de berichtete zur KFOR-Verstärkung: Kosovo-Lage erfordert militärische Verstärkung, ORF-Bataillon wird in den Einsatzraum verlegt.

(Textquelle kursiv: Mitteldeutsche Zeitung.de;
Bildquelle: Bundeswehr.de, CRC, Crowd and Riot Control-Kräfte im KFOR-Einsatz)

Reform der Bundeswehr: BMVg-Staatssekretär Schmidt zu Besuch im Allgäu

Samstag, 21. April 2012

Vor ziemlich genau 4 Jahren wurde im Bundesverteidigungsministerium die Entscheidung getroffen: Die General Oberst Beck Kaserne in Sonthofen soll weiter militärisch genutzt werden. Der damals zuständige Minister Franz Josef Jung gab zudem bekannt, dass die Soldaten aus der Jäger- und Grüntenkaserne in die General-Oberst-Beck-Kaserne umziehen. Dafür aber musste die Burg, wie die Kaserne im Volksmund genannt wird, umgebaut und saniert werden. Und genau diese Arbeiten sollten eigentlich Ende 2013 abgeschlossen sein. Das Ganze hätte vermutlich auch geklappt, wenn da dann nicht die Bundeswehrreform gekommen wäre – nun aber verzögert sich die Fertigstellung der Arbeiten. In dieser Woche hat sich Christian Schmidt – der Staatssekretär aus dem Verteidigungsministerium – ein Bild über den Fortschritt der Baumaßnahmen gemacht. Im Anschluss daran war er dann in der Kaserne in Kempten zu Gast.

(Videoquelle, Textauszug: TVAllgäuNachrichten.de;
Bildquelle: Bundeswehr.de, Vergleichsbild: Formation vor dem Turm in der Generaloberst-Beck-Kaserne in Sonthofen)

Syrien: Sicherheitsrat der Vereinten Nationen will 300 Beobachter schicken (Video)

Samstag, 21. April 2012

Endlich kommt Bewegung in den Syrienkonflikt, denn die Weltdiplomatie wird zunehmend nervös.
Der UN-Sicherheitsrat hat sich darauf geeinigt, noch an diesem Wochenende eine Beobachtermission ins Land zu schicken.

Insgesamt sollen 300 Mann die kürzlich vereinbarte Waffenruhe überwachen. Zivile Helfer sollen sie dabei unterstützen. Noch im Laufe des Tages will der Sicherheitsrat das Mandat dafür in New York verabschieden. Ein Sprecher von Kofi Annan bestätigte dies:
“Sobald der Sicherheitsrat die Resolution über die 300 Mann verabschiedet hat, werden wir sehr, sehr schnell einsatzfähig sein.”
Der Entwurf für das Mandat ist ein Kompromiss aus zwei Vorschlägen, die von Russland und den Europäern eingebracht worden waren. Der Einsatz soll zunächst auf 90 Tage beschränkt werden. Ob es aber tatsächlich dazu kommen wird, bleibt bis zur Abstimmung abzuwarten.

Hintergrundinformationen: United Nations Scurty Council.org

(Videoquelle, Textauszug: euronews.de;
Grafikquelle: CIA.gov)



Kosovo-Lage erfordert militärische Verstärkung, ORF-Bataillon wird in den Einsatzraum verlegt

Samstag, 21. April 2012

Zunehmende Gewaltbereitschaft der Kosovo-Serben, abnehmende Kompentenz der Internationalen Gemeinschaft

Der Staat Serbien wählt am 06. Mai 2012 und die serbische Minderheit im zwischenzeitlich souveränen Nachbarstaat Republik Kosovo bzw. im nördlichen Kosovo will und/oder soll mitwählen. Das birgt Spannungspotential und das warme Wetter wird die Kosovo-Serben und auch -Albaner erfahrungsgemäß wieder auf die Straßen bringen. Kräfte der Kosovo Police und der EU-Mission EULEX konnten in der Vergangenheit den massiven Stör-Aktionen der Kosovo-Serben (Stichwort: Übergang Observation Point, OP 2 und 3) nicht angemessen begegnen, die NATO-Schutzgruppe KFOR (Kosovo Force) kam zum Einsatz, Soldatenglück.de berichtete: Nordkosovo: Eskalation bei der Räumung einer Straßensperre von KOS-Serben (Video) und Nord-Kosovo: Deutsche Bundeswehr-Soldaten mit Schaufeln gegen serbische Politik (Video).

KFOR wurde und wird bis heute landesweit und insbesondere im Norden eingesetzt, weil die Bewegungsfreiheit im gesamten jüngsten Balkanstaat (freedom of movement) durch gezielte Aktionen und Blockaden durch KO-Serben eingeschränkt ist. Nun hat die NATO bei Deutschland und Österreich zum wiederholten Mal das ORF-Bataillon (kostenintensiv) zur Verstärkung angefordert. Für die rund 550 deutschen und österreichischen ORF-Soldaten und -Soldatinnen keine Freude, sie baden das aus, was die deutsche Bundesregierung und die EU verbockt haben, nämlich den Serben eine klare Grenze aufzuzeigen und im Norden des Kosovos eine Befriedung politisch herzustellen. Es herrscht eine zunehmende Gewaltbereitschaft der Kosovo-Serben und abnehmende Kompentenz der Internationalen Gemeinschaft, deren Fokus sich auf andere, neue Konfliktregionen verschoben hat.

Einsatz in eigentlich polizeilichen Lagen wird die nächsten Wochen den Soldatenalltag im Nordkosovo ausmachen. Innerhalb von sieben Tagen nach Alarmierung können die ORF-Soldaten aus dem Ready-Status von D und AU im Kosovo Einsatzbereitschaft melden.
Beim letzten ORF-Einsatz Ende Dezember 2011 wurde der deutsche ORF-Kommandeur von vermutlich serbischen Heckenschützen angeschossen, weitere deutsche und andere NATO-Soldaten bei den Auseinandersetzungen verwundet.
Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr (EinsFüKdoBw) meldet heute:
KFOR: Verlegung des deutsch-österreichischen ORF-Bataillons nach Kosovo beantragt

Am 6. Mai 2012 finden die serbischen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Im Zusammenhang mit den gegenwärtigen Positionen von Serbien und Kosovo und der derzeitigen Situation im Nord-Kosovo besteht die Gefahr einer Eskalation. Dies kann Auswirkungen auf die Sicherheitslage in Kosovo haben.

Die NATO und EU bewerten die Lage so, dass die vor Ort befindlichen KFOR-Kräfte nicht ausreichen könnten, um auf möglicherweise kosovoweite Sicherheitszwischenfälle im Zuge der Wahlen angemessen reagieren zu können.

Aufgrund dieser Lageeinschätzung hat der Kommandeur KFOR bei dem vorgesetzten NATO-Kommando in Neapel die erneute Verlegung des deutsch-österreichischen Bataillons der operativen Reserve in das Kosovo beantragt. Das NATO-Kommando hat dazu einen ersten Einsatzbefehl erlassen, der sich zurzeit allerdings noch in der Prüfung bezüglich der darin aufgezeigten Details befindet.

Die Einsatzbereitschaft des deutsch-österreichischen Reservebataillons soll nach diesem Befehl am 1. Mai 2012 hergestellt sein.

Auftrag ist, im Verantwortungsbereich und im Rahmen des Mandates KFOR die Sicherheit im Kosovo weiterhin zu gewährleisten.

Stand: 10.45 Uhr (Zitatende)

(Texquelle kursiv: Bundeswehr.de, ein deutscher ORF-Soldat beobachtet eine serbische Straßensperre vor Zupce )

Verwundet in Afghanistan – zurück ins Leben (Video)

Samstag, 21. April 2012

Sie haben das Kriegsgrauen erlebt, wurden in Afghanistan verwundet, angeschossen oder von Taliban in Sprengfallen gelockt. Immer häufiger werden Bundeswehrsoldaten in Auslandseinsätzen schwer verwundet. In der Sportschule Warendorf werden die Verletzten gepflegt und müssen lernen wieder ein ganz normales Leben zu führen. Weiterlesen unter

(Videoquelle: Deutsche Welle.de, politik direkt;
Bildquelle: Bundeswehr.de, deutsche Soldaten bei Medevac durch U-Hubschrauber Black Hawk)

NATO in Syrien: Größte Vorsicht – UN-Einsatz mit HQ Damaskus beginnt (Video)

Samstag, 21. April 2012

Steht der NATO in Syrien der nächste Krieg bevor? Möglich, dass US-Außenministerin Clinton und ihr französischer Amtskollege Juppé in bester Absicht eine robuste UN-Beobachtermission fordern, um das Morden zu stoppen. Doch die Gefahr besteht, dass der Westen dadurch in einen Konflikt hineingezogen wird, den er kaum gewinnen kann.

Bisher sind 30 unbewaffnete Blauhelme in dem Bürgerkriegsgebiet unterwegs. Sie können kaum mehr, als Leichen zu zählen. Das ist bitter. Doch die Zahl der Beobachter zu verzehnfachen birgt enorme Risiken. Wenn erst einmal 300 bewaffnete UN-Soldaten an der Front stehen, könnte sich schnell die Notwendigkeit eines militärischen Eingreifens ergeben. Anschläge, Geiselnahmen oder Angriffe reichten dafür aus. Denn weder die UN noch die USA könnten es sich leisten, sich von Diktator Assad vorführen zu lassen. Wer jetzt also bewaffnete UN-Beobachter fordert, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er womöglich bald einen risikoreichen Bodenkrieg führen müsste, dem eine große Zahl von Zivilisten zum Opfer fiele.

Zudem: Syrien ist politisch um ein Vielfaches komplizierter als Libyen. Russland und China, aber auch der Iran verfolgen in Damaskus massive Interessen. Ferner ist unklar, ob die zersplitterte Opposition bei Machtübernahme einen demokratischen Fortschritt verspricht. Deshalb ist im Fall Syrien größte Vorsicht angebracht. (Zitatende)

Kommentiert die “Neue Osnabrücker Zeitung” aus Halle.

[Textquelle kursiv: Neue Osnabrücker Zeitung.de;
Bildquelle: NATO.int, Vegleichsbild: Meetings of NATO Foreign Affairs and Defence Ministers, NATO Headquarters, Brussels, 18-19 April 2012; Left to right: Leon E. Panetta (US Secretary of Defense), Hillary Rodham Clinton (US Secretary of State) and NATO Secretary General Anders Fogh Rasmussen; Left to right: Leon E. Panetta (US Secretary of Defense), Hillary Rodham Clinton (US Secretary of State) and NATO Secretary General Anders Fogh Rasmussen;
Videoquelle: euronews.de;
Grafikquelle: CIA.gov]

Grün-Maritim: Trittin sieht deutsche Handelsschiffe durch Ausweitung der ATALANTA-Mission gefährdet

Donnerstag, 19. April 2012

Nach Einschätzung von Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin geht die geplante Ausweitung der Atalanta-Mission auf den Küstenstreifen von Somalia zu Lasten der Sicherheit deutscher Handelsschiffe in der Region. “Wenn Deutschland am Horn von Afrika in eine kriegerische Eskalation hinein rutscht, dann werden dort auch deutsche Handelsschiffe akut gefährdet sein”, sagte Trittin der “Saarbrücker Zeitung” (Donnerstag-Ausgabe).

Die Abgeordneten der Regierungsfraktionen sollten sich daher gut überlegen, “ob sie einem Hubschrauber-Krieg mit ihrer Stimmenmehrheit Vorschub leisten”, meinte der Grünen-Politiker.

Seine Partei sehe in “Atalanta” eine erfolgreiche und leider notwendige Mission. Sie habe dazu geführt, dass Schiffe mit Nahrungshilfen für Somalia wieder ungehindert fahren könnten. Die Zahl der Piratenüberfälle sei zurückgegangen. “Warum die Bundesregierung ohne Not aus einer erfolgreichen See-Mission einen Luft-Boden-Krieg machen will, ist uns völlig schleierhaft”, sagte Trittin. (Zitatende)

Berichtet die “Saarbrücker Zeitung” heute.
Soldatenglück.de berichtete failed state Somalia: Piratenjagd ohne militärische Strategie, verlorene Unschuld der ATALANTE Somalia: Bundeskabinett für Piratenbekämpfung an Land, 2.000 Meter landeinwärts, Anfang März 2012: Deutsche Kampfschwimmer bekämpfen vor Somalia offensiv Piratenboote und regelmäßig in der Rubrik EU NAVFOR Somalia mit Berichten, Bildern und Videos über den Einsatz.

(Textquelle kursiv: Saarbrücker Zeitung.de;
Bildquelle: Marine.de, Piraten-Festnahme durch Boardingsoldaten der Fregatte Rheinland-Pfalz;
Grafikquelle: CIA.gov)

failed state Somalia: Piratenjagd ohne militärische Strategie, verlorene Unschuld der ATALANTE

Donnerstag, 19. April 2012

Für den Auslandseinsatz deutscher Bundeswehr-Soldaten in der EU-Mission EU NAVFOR Somalia Operation ATALANTA hat das Bundeskabinett in seiner 99. Sitzung am 18. April 2012 eine Ausweitung des Einsatzgebietes für deutsche bewaffnete Streitkräfte, die vor der Küste Somalias engagiert sind.

Der Kabinetts-Beschluss beinhaltet, dass die Marine künftig auch gegen Piraten an der Küste von Somalia vorgehen darf. Das angestrebte Bundeswehrmandat für den Einsatz am Horn von Afrika sieht vor, dass logistische Einrichtungen der Piraten am Strand aus der Luft zerstört werden dürfen. Diese Möglichkeit soll bis zu zwei Kilometer ins Landesinnere hinein eingeräumt werden. Es gehe um ein zusätzliches Wirken am Strand und nicht an Land, ergänzte der Verteidigungsminister de Maziere auf dem NATO-Gipfel. Er sehe in der Erweiterung des Mandats keine grundlegende neue Qualität, sondern eine zusätzliche militärische Option.

“Ziel der Atalanta-Mission ist es, die vor der Küste Somalias operierenden Piraten zu bekämpfen und abzuschrecken. Der Einsatz dient zum einen dazu, die durch Piratenüberfälle gefährdete humanitäre Hilfe für die Not leidende somalische Bevölkerung sicherzustellen. Zum anderen trägt Atlanta dazu bei, den zivilen Schiffsverkehr auf den dortigen Handelswegen zu sichern, Geiselnahmen und Lösegelderpressungen zu unterbinden und das Völkerrecht durchzusetzen”, so die Bundesregierung.

Der Rat der Europäischen Union hat am 23. März 2012 diese Erweiterung der Mission beschlossen. Durch die Anpassung des Beschlusses des Deutschen Bundestags – die Zustimmung steht noch aus und ist für Mai geplant – wird sichergestellt, dass sich auch weiterhin deutsche Streitkräfte an der Operation ATALANTA beteiligen können. Die Opposition im Parlament hat sich gegenwärtig gegen diese Ausweitung ausgesprochen, die Regierungsmehrheit wird am 11. Mai 2012 das ATALANTA-Mandat höchstwahrscheinlich erweitern.
Soldatenglück.de berichtete gestern Somalia: Bundeskabinett für Piratenbekämpfung an Land, 2.000 Meter landeinwärts, Anfang März 2012: Deutsche Kampfschwimmer bekämpfen vor Somalia offensiv Piratenboote und regelmäßig in der Rubrik EU NAVFOR Somalia mit Berichten, Bildern und Videos über den Einsatz.
Dazu drei aktuelle Kommentare aus der deutschen Medienlandschaft:
Viel haben die Piraten an Land nicht zu befürchten

In der Politik sorgen die Piraten für Aufmunterung. Zur See verbreiten sie dagegen Angst und Schrecken. Letzteres trifft natürlich auch eine führende Handelsnation wie Deutschland. Ihr Wohlstand beruht nicht zuletzt auf freien, sicheren Seewegen. Eine der wichtigsten Handelsrouten, das Seegebiet am Horn von Afrika bis weit hinaus auf den Indischen Ozean, wird seit Jahren von Seeräubern bedroht. Wenn die EU- Schutzmission “Atalanta” zur Sicherung der internationalen Schifffahrt und der Schiffsbesatzungen jetzt aus geweitet wird, ist das keine Option für einen Luft-Boden-Krieg, wie der Grünen-Möchtegern-Außenminister Jürgen Trittin polemisch behauptet. Vielmehr eine überfällig Reaktion auf die immer raffinierteren Angriffsmethoden der Piraten. Und selbst die fällt eher bescheiden aus. Nach dem Beschluss der Bundesregierung dürfen die am “Atalanta”-Einsatz beteiligten deutschen Marinekräfte künftig logistische Basen und Piratenschiffe an Land attackieren. Ihr Operationsgebiet wird allerdings auf maximal 2000 Meter vom Strand aus gerechnet ins Landesinnere begrenzt. Und nach dem neuen Mandat, das im Mai vom Bundestag abschließend verabschiedet werden soll, dürfen weder Häfen bombardiert noch darf auf Menschen geschossen werden. Auch wenn sich andere “Atalanta”-Verbündete nicht ganz so strenge Auflagen verordnet haben – für die Bundeswehr kann von einer wirklich neuen Qualität des Kampfes gegen die Piraten kaum die Rede sein. Die Feuerkraft ihrer eingesetzten Schiffe beschränkt sich auf schwere Maschinengewehre mit einer Reichweite von maximal 1000 Metern, größere Landoperationen sind in dem Mandat ausdrücklich nicht vorgesehen. Aber immerhin: Die Piraten können sich an Land, in den Stützpunkten ihrer Kaperfahrten, nicht länger so sicher fühlen wie bisher. Dort sind sie anfälliger geworden, seit sie nicht mehr allein mit ihren traditionellen Daus vor den Küsten Ostafrikas, Schwerpunkt Somalia, auf Beutezug gehen. Längst haben sie sich aus den Lösegelderpressungen in mittlerweile eher Milliarden-Höhe mit Schnellbooten und modernster Navigations- und Kommunikationstechnik hochgerüstet. Ist es auch eher bescheiden, so bleibt das erweiterte “Atalanta”-Mandat für die Bundeswehr selbst dann richtig, wenn die Opposition bei ihrem “Nein” bleiben sollte und erstmals einen Auslandseinsatz nicht mitträgt. Eine exportorientierte Nation wie Deutschland muss das Ihre für sichere Seewege beitragen. Die allerdings werden dauerhaft nicht durch Marineeinsätze zurückerobert. Der Kampf gegen Piraten und deren feine, stinkreiche Hintermänner kann nur gewonnen werden, wenn sogenannte failed states, in Anarchie versunkene Staaten wie Somalia, wieder handlungsfähige Regierungen bekommen, die für Sicherheit im Lande und vor ihrer Küste ebenso sorgen wie für wirtschaftlichen Aufschwung. Wirkungsvoller militärischer Einsatz gegen Piraten ist nötig. Langfristig wichtiger, weil erfolgreicher, ist diplomatische wie finanzielle Unterstützung, die aus gescheiterten Staaten wieder gut regierte macht. Dieser Teil der Doppelstrategie gegen Piraterie kommt bislang noch zu kurz. (Zitatende) Leitartikel der “Berliner Morgenpost” von Jochim Stoltenberg.

Verlorene Unschuld vor Somalia – Zur Ausweitung der Anti-Piraten-Mission Atalanta

Schon bisher durften die EU-Marinekräfte die Piraten am Horn von Afrika nicht nur von ihren Schiffen aus beschießen, um Überfälle abzuwehren, sondern sie durften sie auch per Boot oder Helikopter verfolgen, um ihrer habhaft zu werden oder Geiseln zu befreien. Deshalb ist prinzipiell absolut nichts dagegen zu sagen, dass diese Verfolgung künftig aus der Luft auch bis an den Strand und zwei Kilometer ins Land fortgesetzt wird. Denn dort liegen die Boote, die Waffenlager, die Nachschubwege. Nur, dort leben auch die Fischer und ihre Familien, dort befinden sich Dörfer. Und die Piraten werden nicht doof sein, sondern sich entweder ein wenig außerhalb des nun erlaubten Korridors verstecken oder eben unter der Zivilbevölkerung. Sie werden dem Beschuss aus den Bordkanonen der Bundeswehrhubschrauber bald mit Flugabwehrgeschützen antworten. Es wird aufgerüstet werden, und es wird Tote geben. Auch Unbeteiligte werden sterben. Der gestrige Beschluss folgt der Logik der militärischen Eskalation, weil die ganze EU-Mission eine zivile Logik nicht kennt. Die bestünde in der Befriedung und Entwicklung Somalias, um die Basis der Piraterie auszutrocknen, aber das soziale und politische Elend der Region ist so tief, dass dies nicht realistisch erscheint. Also wird aus dem Auftrag der Seeräuberabwehr immer mehr ein richtiger Krieg. Also gibt es Black Hawk Down statt Hafenpolizei. Atalanta heißt die Mission, benannt nach der jungfräulichen Jägerin aus der griechischen Mythologie. Atalante wird vor Somalia ihre Unschuld verlieren. (Zitatende) Kommentiert die “Lausitzer Rundschau” aus Cottbus.

Piratenjagd ohne Strategie

Deutsche Soldaten sollen im Rahmen der Mission Atalanta an Somalias Küsten Jagd auf Piraten machen. Also nicht nur auf hoher See, wie sie das schon seit Jahren tun, sondern an Land, respektive aus der Luft. In Berlin wurde gleich präzisiert, dass man aber nur in einem Korridor von zwei Kilometern landeinwärts tätig werden wolle. Ist das eine Militärstrategie? Nein, das ist Spielerei.

Je weniger manche Experten in den Geheimdiensten von Somalia wissen, umso größer scheint ihr Selbstbewusstsein, verwegene Ideen zu entwickeln. Man kann nicht ein paar Fischerhütten am Tausende Kilometer langen Strand Somalias bombardieren und meinen, man schrecke so die Täter ab. Zumal die Hintermänner der Piraterie sowieso in Nairobi, Dubai und London sitzen und nicht in den Weiten Somalias. Und ist denn das historische Gedächtnis der Bundesminister wirklich so kurz, als dass sie vergessen hätten, wie die Bundeswehr vor knapp 20 Jahren aus Somalia abgezogen ist? Mit einem bescheidenen Leistungsausweis nämlich: es gab weder Frieden, noch wurde den Terroristen das Handwerk gelegt. In Somalia herrschen Clans und Stämme, das korreliert nicht mit einer akkuraten Bundeswehr. In Afghanistan haben die Amerikaner jetzt die Zahl ihrer Luftangriffe reduziert, weil oft ganze Hochzeitsgesellschaften ausgelöscht wurden, anstatt Talibanbanden. Nein, bei dieser Entscheidung des Bundeskabinetts scheint es mehr um Solidarität mit den Verbündeten gegangen zu sein, als um wirksame Strategie. (Zitatende) Kommentiert die “Schwäbische Zeitung” aus Leutkirch.

(Textquelle kursiv: Schwäbische Zeitung.de; Lausitzer Rundschau.de; Berliner Morgenpost.de, Textauszug: BMVg.de;
Bilderquelle: Marine.de, Festnahme mumaßlicher somalischer Piraten in See durch deutsche Soldaten der Marine-Fregatte Rheinland-Pfalz; Fregatte Hamburg vor Somalia)

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