Umstrittene Malaria-Arznei für Bundeswehr-Soldaten im Auslandseinsatz (Videos)
von Sebastian ~ 13. April 2012. Zu lesen unter: Bundeswehr, Video, Zentraler Sanitätsdienst.Fürsorgepflicht und Verantwortung des Dienstherrn und der Soldat als mündiger Patient?
Tausende Bundeswehr-Soldaten erhalten zur Malaria-Prophylaxe dienstlich geliefert und von Bundeswehr-Ärzten als Tropenmedizin verschrieben das umstrittene Medikament Lariam.
Nach Recherchen des ARD-Magazins Kontraste werden viele Soldaten und Soldatinnen nicht hinreichend über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt. Lariam kann das zentrale Nervensystem beeinträchtigen und Psychosen, Angst, Halluzinationen, Panikattacken oder Depresionen auslösen.
Die Norwegische Armee gibt das Medikament seit 2010 nicht mehr aus. In den Niederländischen Streitkräften wird Lariam nur noch in Ausnahmefällen verabreicht. Die Bundeswehr hat bislang aus dem kritsischem Umgang der Alliierten und den bekannten Nebenwirkungen von Lariam keine Konsequenzen gezogen. Wie so oft, wird erst dieser medienöffentliche ARD-Bericht im BMVg und beim Sanitätsdienst der Bundeswehr zu einer Abkehr beitragen.
Das ARD-Magazin Kontraste von rbb berichtet aus Berlin:
Risiko für Soldaten – Bundeswehr setzt auf umstrittenes Malaria Medikament
Fieberschübe, Depressionen, Panikattacken und Psychosen: die Liste der möglichen Nebenwirkungen des Anti-Malaria-Medikaments Lariam ist lang. Trotzdem wird Lariam zur Malaria-Prophylaxe bei den Auslandseinsätzen der Bundeswehr genutzt. Für die Soldaten und Offiziere im Kampfeinsatz kann das dramatische Folgen haben. In der US Army wird die Einnahme von Lariam mit Selbstmorden und Amokläufen in Verbindung gebracht.
Mehr und Video des Beitrages
Auch die US-Streitkräfte haben ein Problem mit ihrem Malaria-Mittel vom Pharma-Unternehmen Roche (das auf dem Beipackzettel vor eben solchen Nebenwirkungen warnen) für Soldaten. Amokläufe und psychische Auffälligkeiten von US-Soldaten werden in Zusammenhang gebracht mit den Nebenwirkungen von Malaria-Mitteln, dazu das Video: Pentagon Silent on Whether Suspect in Afghan Massacre Took Controversial Anti-Malaria Drug von Democracynow.org. Dort wird berichtet, dass US-Soldaten, die Malarai-Mittel nehmen mussten, oft psychische Problme hatten.
Auch die kanadischen Kameraden klagen über gesundheitliche Folgen der Lariam-Einnahme, dazu das CBC-News-Video:
Anti-Malaria Drug Giving Canadian Soldiers Brain Damage
(Bildquelle: Bundeswehr.de, Vergleichsfoto: Kommissionieren von Medikamenten für Afghanistan;
Videoquellen: Democarcynow.org, CBCNews via YouTube)Â
Hintergrundinformationen: Sanitätsdienst der Bundeswehr.de, ein eigenes Tropeninstitut hat die Bundeswehr nicht, das BWK Berlin hat in der Abteilung Innere Medizin einen Schwerpunkt Infektiologie und Tropenmedizin. Kooperationspartner ist das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg (BNI).


14. April 2012 um 22:04 Uhr
Grosse – nicht nur deutsche – Pharmakonzerne suchen eindringlich nach Möglichkeiten, Probanden-Testreihen outsourcen zu können. Die durch “geschicktes” Management dann möglichen guten und vor allem einkalkulierbaren Ergebnisse verprechen vor allem sehr viel schnellere Milliardenumsätze.
Die Bundeswehr war schon immer bestens dafür geeignet – vielleicht nur nicht rücksichtslos genug, um dafür auch legal Geld zu kassieren.
Atropin war so ein beliebtes High-Risk Medikament für die massenhaften “Selbst-”Versuche von Soldaten.
15. April 2012 um 10:57 Uhr
@JFHF
Können Sie eigentlich auch etwas anders als unsere Armee in den Dreck zu ziehen?
Die Bw hat in den letzten 20 Jahren weder an offiziellen noch an inoffiziellen “Versuchsreihen” auf Kosten der Sdt teilgenommen.
Wer etwas anderes behauptet ohne hierfür Belege anzuführen ist ein Verleumder.
Lariam ist seit über 30 Jahren in Gebrauch. Die Nebenwirkungen sind lange bekannt. Bisher hatte man sich halt entschlossen in einer Güterabwägung diese in Kauf zu nehmen.
Aber “getestet” wird hier gar nichts an Soldaten, weder mit noch ohne unsere Zustimmung!
13. Juni 2012 um 21:32 Uhr
Unsere Soldaten sind in einem Land, in dem sie nicht sein sollten und werden jetzt auch noch irgendwelchen dubiosen Medikamenten ausgesetzt. Was will man diesen Leuten eigentlich noch antun ?
9. Mai 2013 um 11:04 Uhr
Wenn Soldaten ohne Malariaschutz massenweise erkranken würden und für den Rest ihres Lebens mit den Folgen zu kämpfen hätten : wie wäre wohl die Reaktion darauf ggüb. der Bw? “Unverantwortliche Militärs spielen mit dem Leben der Soldaten”.
Kein Geld für Medikamente etc.
Was die Malariavorbeugung angeht, so gibt es schon wg.der Resistenzlage regelmäßig neue Therapie-Empfehlungen.
Egal wie man handelt : es ist einfach “chic”, unsere Streitkräfte und Soldaten in den Schmutz zu ziehen. Man geht aber bevorzugt die Politiker und Generäle an, da der Rückhalt für unsere Soldaten/ Soldatinnen in der Bevölkerung sehr hoch ist.
Es ist viel wichtiger, hinter ihnen zu stehen anstatt sich auf unnötige Diskussionen mit Leuten einzulassen, die die Toleranz eines Sektenpredigers haben.
Bereits in der Bibel ist nachzulesen : ” Rede nicht mit dem Schwafler, denn Du sollst nicht noch Holz an sein Feuer tragen”.
13. Mai 2013 um 01:41 Uhr
Im August 2012 änderte die Firma ROCHE nach über zwanzig Jahren die Packungsbeilage von Lariam (Mefloquin). Ob dies nun wegen der Berichterstattung der Medien über den Gebrauch in der Bundeswehr in 2012 geschah oder wegen den Ermittlungen der europäischen Arzneimittelaufsicht (EMA) im letzten Jahr, sei dahingestellt. Fakt ist: Die Firma ROCHE hat bis 2012 immer bestritten das es einen “kausalen Zusammenhang” zwischen der Einnahme von Lariam und Suizid gibt. Dieser kausale Zusammenhang wird jetzt nicht mehr bestritten und die Packungsbeilage ist in weiten Teilen dahingehend geändert worden. Es wird jetzt ausdrücklich vor den suizidalen Nebenwirkungen gewarnt ! Lariam ist auch in anderen Armeen mittlerweile ein Mittel “zweiter” Wahl zur Malariaprophylaxe. Die WHO empfiehlt schon seit Jahren Doxycyclin als Malariaprophylaxe. Überall auf der Welt ist Doxycyclin als Prophylaxe zugelassen, nur in Deutschland nicht. Da wird man ja mal nachfragen dürfen, warum das so ist und warum Lariam immer noch in der Bundeswehr vergeben wird ohne gleich als “Die Bundeswehr in den Dreck ziehen-Schwafler” abgestempelt zu werden. In anderen Streitkräften ist Lariam wegen der Nebenwirkungen die auftreten können schon lange nicht mehr in Gebrauch. Nur die Bundeswehr hält noch daran fest. Warum? Gibt es vielleicht Verträge mit ROCHE? Gerade im Hinblick auf die geänderte Packungsbeilage von August 2012 sollte dies noch einmal thematisiert werden.
13. Mai 2013 um 08:38 Uhr
Seit Herbst 2012 hat außerdem jetzt auch Malarone eine Zulassung zur Langzeitprophylaxe.
Hinzu kommt, dass Malaria in Afghanistan vergleichsweise selten ist, so dass Zivilisten laut Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit e.V. überhaupt keine Prophylaxe empfohlen wird. Ist das Risiko für Soldaten wirklich so hoch, dass eine Chemoprophylaxe gerechtfertigt ist? Stehen hier Nutzen und Risiko in einem sinnvollen Verhältnis?
Hinzu kommt, dass in Afghanistan überwiegend Malaria Tertiana auftritt. Die Wirksamkeit der drei in Deutschland empfohlenen prophylaktischen Mittel ist hier ohnehin problematisch. Dafür ist diese Art der Malaria aber bei gesunden Erwachsenen auch vergleichsweise ungefährlich und gut behandelbar.
Ach ja. Dass sich Rückfälle von Malaria mit einem seit Jahrzehnten verfügbaren Medikament namens Primaquin dauerhaft beseitigen lassen, sollte auch nicht verschwiegen werden.