Afghanistan: Bundeswehr auf der Flucht (Video)
von Sebastian ~ 25. Februar 2012. Zu lesen unter: Auslandseinsätze, ISAF, NATO-Missionen, Video.Demokratie, Menschenrechte, Anti-Terror-Kampf: Das stand lange im Mittelpunkt der westlichen Afghanistan-Politik. Mittlerweile sprechen die Regierungen in Washington, London und Berlin aber nur noch über das eine: Abzug!
Das ist leichter gefordert als getan. Gerade im Krieg ist das ein äußerst schweres Manöver, wie sich nun wieder zeigt. Der deutsche Außenposten in Talokan ist zwar militärisch unbedeutsam. Er könnte aber auch Sinnbild für ein baldiges Scheitern dieser Friedensmission sein.
Denn die Bundeswehr zog nicht geordnet ab, sondern floh aus Angst, den Zorn aufgebrachter Afghanen zu spüren zu bekommen. Statt sich im Rahmen einer feierlichen Übergabe-Zeremonie von den Würdenträgern von Talokan zu verabschieden, machten sich die deutschen Soldaten in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus dem Staub.
Offensichtlich reichten 300 Steine werfende Demonstranten aus, damit die Bundeswehr das Lager räumte. Die Taliban können somit einen weiteren Propagandaerfolg feiern – diesmal sogar, ohne einen einzigen Schuss abgegeben zu haben. Das ist bitter.
Viel spricht dafür, dass der gesamte Afghanistan-Krieg so traurig endet wie die kleine deutsche Militärmission in Talokan. Oder glaubt jemand ernsthaft, der unberechenbare Präsident Karsai wird noch ein Demokrat, die Taliban friedlich und die Gesellschaft frauenfreundlich? Wenn die NATO weg ist, schlägt die Stunde der Extremisten. (Zitatende)
Kommentiert die “Neue Osnabrücker Zeitung”.
Soldatenglück.de berichtete zum Thema: USA-Afghanistan: Präsident Obama entschuldigte sich persönlich für Koran-Verbrennung (Video), Afghanistan-Einsatz: Bundeswehr räumt vorzeitig deutsches ISAF-Camp in Talokan, Afghanistan: Commander ISAF General John R. Allen reagiert auf die Protestwelle nach unabsichtlicher Koran-Verbrennung (Video) und Afghanistan – Zu früh für Truppenabzug? (Video).
Bundeswehr.de berichtete: Bundeswehr in Talokan schließt ihre Tore. Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr (EinsFüKdoBw) meldet zur gegenwärtigen Lage in Nordafghanistan:
Afghanistan: Demonstrationen nach Koran-Verbrennung
Aktualisierung: 24. Februar, 15 Uhr
Nach Beendigung der gestrigen Demonstrationen blieb es in der vergangenen Nacht im Regionalkommando Nord ruhig.
Seit heute Mittag versammelten sich in verschiedenen Städten der Nordregion (derzeit Faisabad, Kundus, Masar-i Scharif, Pol-i Khomri, Baghlan-Stadt) nach den Freitagsgebeten erneut Demonstranten. Die Demonstrationen verlaufen bisher friedlich. Ostwärts Pol-i Khomri wurden mehrere hundert Personen aufgeklärt, darunter auch Bewaffnete.
Einstellzeit: 15.15 Uhr
Aktualisierung: 24. Februar, 19 Uhr
Die Demonstrationen im Anschluss an die Freitagsgebete in Faisabad, Kundus, Masar-i Scharif sind mit einer Teilnehmerzahl zwischen 100 und 1000 Demonstranten friedlich verlaufen und im Laufe des Nachmittags beendet worden.
Eine Demonstration im Raum des OP North mit bis zu 500 Teilnehmern verlief weitgehend friedlich; die Blockade einer Verbindungsstraße wurde um 12.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit (16.00 Uhr Ortszeit) beendet. Deutsche Soldaten mussten nicht eingreifen.
Die Demonstration vor dem Regionalen Wiederaufbauteam PRT Pol-i Khomri eskalierte im Laufe des Tages. Demonstranten warfen Steine und versuchten in das PRT zu gelangen. Afghanische Sicherheitskräfte drängten die Demonstranten mit Warnschüssen und polizeilichen Maßnahmen zurück. Während der Auseinandersetzungen wurden drei afghanische Soldaten leicht verwundet sowie mehrere afghanische Zivilisten verletzt. Der mögliche Tod eines Demonstranten wird derzeit untersucht. Deutsche Soldaten waren nicht beteiligt. Die Lage hat sich inzwischen beruhigt.
Auch die Menschenmenge,darunter Bewaffnete, die ostwärts Pol-i Khomri aufgeklärt wurde, demonstrierte friedlich und löste sich gegen 12.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit (16.00 Uhr Ortszeit) wieder auf.
Einstellzeit: 19.15 Uhr (Zitatende)
Nachtrag, dazu das Video: Bundeswehr zieht Soldaten aus Talokan ab
Wegen heftiger Proteste hat die Bundeswehr in Afghanistan ihre Soldaten vorzeitig aus dem Lager Talokan abgezogen. So hinterlassen sie ein Vakuum, das möglicherweise von Extremisten gefüllt wird.
[Textquelle kursiv: Neue Osnabrücker Zeitung.de;
Bildquelle: NATO.ISAF.int, Vergleichsfoto: KUNDUZ PROVINCE, Afghanistan (Jan. 10, 2010) - German Minister of Foreign Affairs Guido Westerwelle responds to a question during a press conference for Afghan and international media aduring his visit to Provincial Reconstruction Team Kunduz. (ISAF Photo by US Navy Mass Communications Specialist 1st Class Eric Dehm)
Textquelle kursiv unten: Bundeswehr.de;
Videoquelle: ZDF Heute Journal vom 24.02.2012, Uli Gack aus Afghanistan]























25. Februar 2012 um 09:35 Uhr
Die Deutschen sind gegangen und haben das Material zurückgelassen, man hoffe, dass man es später noch holen könne, “nach Lage”. Der Gouverneur Abdul Dschabar Takwa hat sich bei dpa beschwert, daß die Deutschen gegangen sind, ohne Bescheid zu geben. Man hat sich also nicht mal verabschiedet!
25. Februar 2012 um 14:34 Uhr
Man hat den Zeitpunkt verpasst, wo ein Distrikt, noch zu berechenbareren Zeiten “symbolisch” übergeben werden konnte. Die Bundeswehr hätte auch ihrer Rolle gerecht werden können, wenn sie sich eben doch wie ein “bewaffnetes Technisches Hilfswerk” verhalten hätte. Stabilisierung ja, Kampf nur dort, wo es sein MUSS. Aber im Gleichschritt mit den “friedenserzwingenden Verbündeten” zu marschieren, steht unserer Nation nicht zu. Die historische Verantwortung wäre gewesen, Diplomatie zu leisten und keine jungen freiwilligen Wehrdienstleistenden in den Kampf zu entsenden. Können wir auf das von uns in den letzten zwei bis drei Jahren, seit der Doktrin der kriegsähnlichen Szenarien wirklich stolz auf uns sein. Was waren es noch für Zeiten als unsere Soldaten mit dem Gefühl aus Afghanistan zurückkehrten und sagen konnten: “Ich war einer von den Guten”.