Afghanistan-Einsatz: Bundeswehr räumt vorzeitig deutsches ISAF-Camp in Talokan
von Sebastian ~ 23. Februar 2012. Zu lesen unter: Auslandseinsätze, ISAF, NATO-Missionen.Es wird derzeit noch gefährlicher in Afghanistan
Nach ZDF-Informationen hat die Bundeswehr vorzeitig ihren Stützpunkt in Talokan im ISAF Regional Command North (RC N) aufgegeben. Das deutsche Feldlager war von Demonstranten im Zuge der unbedachten Koran-Verbrennungen durch amerikanische Soldaten im US-Camp Bagram und anschließenden Tumulten angegriffen worden. Nach den Freitagsgebeten könnte es wieder zu Auschereitungen kommen. Landesweite sich ausbreitende Spannungen mußten am 3. Tag festgestellt werden, die ISAF-Einrichtungen und internationalen Botschaften haben ihre Sicherheitsvorkehrungen nochmals verschärft, die NATO-Truppe ISAF befürchtet einen Flächenbrand.
Aufrufe zu Gewalt aus der Bevölkerung und der religiösen Akteure führen zu gewalttätigen, unberechenbaren Massendemonstrationen. Die Taliban ruft die afghanischen Soldaten zur Fahnenflucht auf, im Osten Afghanistan sind zwei US-Soldaten von einer afghanischen Sicherheitskraft erschossen worden, vor den Fretagsgebeten wurde aufgerufen, die Besatzer anzugreifen und zu töten.
Für den morgigen Gebetsfreitag mußte damit gerechnet werden, dass Tausende von aufgeheizten Afghanen die Soldaten im deutschen Feldlager Talokan (Provincial Advisory Team), stadtnah gelegen, nach den dortigen Erfahrungen der Vergangenheit, angreifen und stürmen.
Laut ZDF-Korrespondent Uli Gack sollten 60 Soldaten und Soldatinnen in dem Lager in Nordafghanistan bleiben. Am 09. März sollte der Stützpunkt plaungsgemäß aufgegeben werden. Doch angesichts der heutigen Ausschreitungen vor dem Bundeswehr-Lager Talokan und drohender neuer Unruhen habe die Sorge um das Wohl der Truppe überwogen. Die Bundeswehr ISAF-Soldaten wurden ins PRT Kunduz in Sicherheit gebracht.
Soldatenglück.de berichtete Afghanistan: Commander ISAF General John R. Allen reagiert auf die Protestwelle nach unabsichtlicher Koran-Verbrennung (Video) und Afghanistan – Zu früh für Truppenabzug? (Video).
Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr (EinsFüKdoBw) meldete heute diese Gesamtübersicht zur Sicherheitslage der deutschen Stützpunkte in Nordafghanistan:
Afghanistan: Demonstrationen nach Koran-Verbrennung
Berlin/Masar-i Scharif, 23.02.2012, Einstellzeit: 16.45 Uhr.
Demonstrationen in Folge der Verbrennung von Koranexemplaren und anderer religiöser Schriften.
Nachdem es am gestrigen Tag (22. Februar) in ganz Afghanistan zu Demonstrationen gekommen war, wobei es in der Nordregion lediglich eine kleinere friedliche Demonstration in Baghlan gab, finden derzeit zahlreiche Demonstrationen in der Nordregion statt.
Im Regionalkommando Nord gab es heute Demonstrationen in Maimanah, in Baghlan in der Nähe des OP Nord, in Talokan und in Faisabad. Die Demonstrationen wuchsen im Umfang an, es handelt sich dabei um jeweils 100 bis zu circa 2.000 Beteiligte.
Im Rahmen einer Demonstration vor dem unter norwegischer Führung stehendem Regionalen Wiederaufbauteam (PRT) in Maimaneh kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der afghanischen Polizei. Auch durch ISAF-Kräfte mussten Warnschüsse abgegeben werden. Dabei wurde ein ISAF-Soldat verwundet.
In Baghlan-Stadt demonstrierten bis zu 2.000 Personen. Hier kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen afghanischen Sicherheitskräften und den Demonstranten, wobei nach unbestätigten Informationen ein afghanischer Zivilist getötet und zwei weitere Zivilisten sowie zehn afghanische Polizisten verletzt wurden. Zur Unterstützung der Polizei wurden afghanische Soldaten eingesetzt.
In Faisabad sind die Demonstrationen zwischenzeitlich beendet.
In Talokan demonstrierten rund 300 Personen unmittelbar vor dem bereits am 15. Februar vom Auftrag entbundenen deutschen Provincial Advisory Team (PAT). Die mit der Räumung beschäftigten Kräfte verlegten daraufhin auf Weisung des Kommandeurs der Nordregion in das PRT Kundus.
In Shebergan kam es zu einer kurzfristigen, nicht gewalttätigen, inzwischen aufgelösten Demonstration von rund 50 Personen.
In den Städten Masar-i Scharif und Kundus blieb es bisher ruhig.
Das Regionalkommando Nord steht in ständiger Verbindung mit den afghanischen Sicherheitskräften der Nordregion und hat den in der Region tätigen internationalen Organisationen und Hilfsorganisationen Schutz in den Feldlagern und Außenposten der ISAF-Kräfte angeboten.
Der Vorfall ist nicht abgeschlossen.
Stand: 16.15 Uhr (Zitatende)
(Grafik-, Textquelle kursiv: Bundeswehr.de)























23. Februar 2012 um 23:09 Uhr
Da is Feuer im Blut, holt die Jungs raus ! Das Land ist Verloren….
24. Februar 2012 um 06:18 Uhr
Zitat aus obiger Meldung: “Auch durch ISAF-Kräfte mussten Warnschüsse abgegeben werden. Dabei wurde ein ISAF-Soldat verwundet.”
Wie kam es zur Verwundung des ISAF-Soldaten durch eigene Kräfte?
24. Februar 2012 um 08:41 Uhr
Wir haben in AFG endgültig verloren! Dies hätte verhindert werden können, hätte man Empfehlungen vieler Kritiker dieses Krieges bereits vor Jahren aufgegriffen.
Die Generale und Diplomaten, die alles immer schön redeten sind gefördert und Kritiker sind mundtot gestellt worden.
Sehr schade: Wir hätten die Afghanen gewinnen können. Doch um dies zu erreichen, braucht man keinen Krieg zu führen.
@Michael
Sie bringen es auf den Punkt: Das Land ist verloren.
Aber das war doch bereits spätestens 2007 klar.
Ich habe damals als militärpolitischer Berater aus Kabul den deutschen Außenminister über die wirkliche Lage informiert. Ihm wurde vermutlich diese Information nie vorgelegt. Der Apparat “funktionierte” und ich wurde gefeuert.
https://presselounge.wdr.de/unternehmen/presselounge/pressemitteilungen/2007/05/20070531_monitor_nato.phtml
http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Afghanistan/heiducoff.html
24. Februar 2012 um 11:02 Uhr
@Jürgen Heiducoff
Volle Zustimmung! Das Ergebnis hätten DIE nicht nur wissen können, sondern wissen MÜSSEN. Nun werden SIE aus dem Land getrieben – aber man wird es UNS als Erfolg verkaufen.
“Wir werden immer weiterkämpfen und unsere Kinder auch noch”. Hat Petraeus dafür den hohen deutschen Orden neulich bekommen?
24. Februar 2012 um 17:19 Uhr
@ Jürgen H.: Die Korruptionrate in Afgahnistan: 100 % (Gefühlt)
4. März 2012 um 09:00 Uhr
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