Nationalsozialistischer Untergrund: Hessischer Verfassungsschützer in Verdacht
von Sebastian ~ 14. November 2011. Zu lesen unter: POLIZEI Land/Bund, GSG9.Das Landesamt für Verfassungsschutz in Hessen hat im Zusammenhang mit einem dem rechtsterroristischen “Nationalsozialistischen Untergrund” (NSU) zugerechneten Mord einen Beamten erneut suspendiert.
Der Landesbeamte soll sich zur Zeit des Mordes an einem 21-jährigen Deutschen türkischer Abstammung und Internetcafe-Betreiber Halit YOZGAT am 06. April 2006 gegen 17:00 Uhr in Kassel am Tatort (Bild oben) aufgehalten haben. Halit YOZGAT (Bild rechts) war das 9. Opfer der bundesweiten Mordserie (“Döner-Morde”), die in Nürnberg im Jahr 2000 begann und die nach heutigem Ermittlungsstand von den beiden rechtsextremistischen Akteuren der NSU aus Jena/Thüringen verübt wurde. Die Tatwaffe, eine Pistole des Fabrikats CESKA, Typ 83, Kaliber 7,65 mm (Bild unten), wurde in der Wohnung der mutmaßlichen Täter in Zwickau/Sachsen gefunden.
Gegen den beamteten Mitarbeiter des Hessischen Verfassungsschutzes (Organigramm unten) sei schon einmal in diesem Zusammehang ermittelt worden. Der Verfassungsschützer habe sich in der Zeitphase des Mordes im bzw. nahe des Internetcafes aufgehalten. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung im nordhessischen Hofgeismar seien seinerzeit Waffen gefunden worden, auch ein Buch über Mord-Serien. Seinerzeit wurde das Ermittlungsverfahren von der hessischen Justiz (Staatsanwaltschaft Kassel) eingestellt, es war keine Verbindung zum Tatgeschehen nachweisbar, der Beamte erklärend gab an, er habe sich nach Bekanntwerden des Mordes nicht gemeldet, weil er dort Sex-Internetseiten besucht haben will.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) teilt heute mit:
Zum Thema “Nationalsozialistischer Untergrund” (NSU) nimmt das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) wie folgt Stellung:
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat in der Vergangenheit keine Kontakte zu den getöteten Uwe B. und Uwe M. sowie Beate Z. unterhalten und hatte auch keine Kenntnis über deren Verbleib nach 1998. Das BfV in Verbund mit den übrigen Verfassungsschutzbehörden unternimmt intensive Schritte zur Unterstützung der zuständigen Ermittlungsbehörden. Darüber hinaus wird geprüft, welche weiteren Konsequenzen hinsichtlich der Bearbeitung der Neonazi-Szene und ggf. auch im Hinblick auf organisatorische Veränderungen zu ziehen sind. (Zitatende)
Soldatenglück.de merkt an: Hessen als direktes Nachbarland von Thüringen ist beim Behördenaufbau nach der Wiedervereingung dem Freistaat Thüringen behilflich gewesen. Beamte aus Hessen haben in Erfurt und in der thüringischen Fläche in allen Bereichen des Öffentlichen Dienstes Fuß gefasst, auch im Inneressort inkl. Polizei und Verfassungsschutz.
Der heutige Vizepräsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) in Köln, Dr. Alexander Eisvogel, hat im November 2006 als Direktor des Landesamtes für Verfassungsschutz die hessische Sicherheitsbehörde übernommen und bis Mai 2010 geführt, danach kehrte er als Vizepräsident zum Bundesamt nach Köln zurück. Der Präsident des BfV, Heinz Fromm war ebenfalls Direktor (1991-93) des Verfassungschutzes in Wiesbaden, Fromm kommt aus dem hessischen Justiz- und Innenministerium, seit 2000 leitet er die Kölner Bundesbehörde.
Soldatenglück.de berichtete in der Rubrik “Polizei Land/Bund, GSG9″: BKA übernimmt: Mordanschläge auf Polizisten in Heilbronn und Döner-Morde stehen in Verbindung (Video), Rechtsradikal motivierter tödlicher Terror in Deutschland, Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen, Rechter Terrorismus aus Ostdeutschland – Unions-Innenpolitiker Uhl befürchtet nun eine Verfassungsschutz-Affäre, Rechtsextremismus-Experte Wagner: Militante Gruppierungen schon seit langem bekannt (Video), Polizei prüft Beteiligung des Neonazi-Trios an bislang ungeklärten Anschlägen in Berlin und Saarbrücken, “Braune Armee Fraktion”, Neonazi-Trio der “Braunen Armee Fraktion” wird zum Quartett, vierter Verdächtiger festgenommen und “Verfassungsschutz hat versagt”, so der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages (Video).
(Bildquelle: Polizei Hessen.de, Tatort in Kassel, das 9. Mordopfer;
Bildquelle: Bundeskriminalamt, BKA.de, die Tatwaffe mit Schalldämpfer;
Grafikquelle: Verfassungsschutz Hessen.de, Organigramm 2010, zum Vergößern bitte anclicken;
Textquelle kursiv: Verfassungsschutz.de)
























