Archiv für Oktober, 2011

Von 281.500 Bundeswehr-Dienstposten auf 197.500 zusammengeschmolzen – Neues Stationierungskonzept der Bundeswehr

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Hier ist das neue Stationierungskonzept der Bundeswehr aufgeteilt nach Bundesländern, mit allen Standorten und Einheiten der Truppe zu finden.

Im Zuge der Bundeswehr-Reform und mit der Aussetzung der Wehrpflicht sowie dem Einspardruck werden 31 der knapp 400 Standorte und Stützpunkte der deutschen Streitkräfte komplett geschlossen. 90 weitere werden stark dezimiert, das heißt um 50 Prozent und mehr oder um 500 Dienstposten.
An 33 Standorten werden so reduziert, dass es einer Schließung gleichkommt, dann werden dort nur noch weniger als 15 Soldaten oder Zivilbeschäftigte der Bundeswehr Dienst tun. Diese Mini-Standorte sind wohl Zugeständnisse an die Ministerpräsidenten der Länder und geben den Bürgermeistern und Landräten der Regionen das Gefühl, politisch etwas erreicht zu haben.

Diese Entscheidungen, die bis zuletzt gestern um 18:25 Uhr gefällt wurden, gab Bundesverteidigungsminister Dr. Thomas de Maiziere (CDU) heute in Berlin dem Verteidigungsausschuss bekannt. Um 15:00 Uhr wird der Verteidigungsminister in der Berliner Bundespressekonferenz die Details den Medien und der Öffentlichkeit bekannt geben, PHOENIX wird live übertragen (zum livestream).

Neue Kommandos der Teilstreikräfte und Organisationsberiche werden gebildet, die Inspekteure verlegen aus dem BMVg in Bonn und Berlin mit ihren Stäben und Ämtern an neue Standorte verteilt im Bundesgebiet, die Kommandos werden ihre Fähigkeiten beibehahlten, doch an Personalstärke verringert sein:
Kommando Heer in Strausberg (Brandenburg), dort wird beispielsweise der Inspekteur des Heeres, seinem Stab und mit dem Heeresamt in verkleinerter Form Quartier nehmen:
Kommando Luftwaffe in Berlin-Gatow,
Kommando Marine (Marinekommando) in Rostock (Mecklenburg-Vorpommern),
Kommando Sanitätsdienst in Koblenz (Rheinland-Pfalz),
Kommando Streitkräftebasis in Bonn (Nordrhein-Westfalen).

Die 10. Panzerdivision (Sigmaringen/Baden-Württemberg) in der Graf-Stauffenberg-Kaserne ist der größte Verband, der verlegt wird nach Veitshöchheim in Bayern, die Luftbewegliche Brigade (Fritzlar/Hessen) wird am nordhessischen Standort aufgelöst, viele kleinere Einheiten zusammengeführt, werden zusammengelegt oder ebenfalls wie z.B. die Fenrnspählerkompanie 200 in Pfullendorf (Ba-Wü) aufgelöst. Die Militärmusikkorps kommen allesamt zur Streitkräftebasis. Wehrbereichskommandos (WBK) in Erfurt und Düsseldorf werden aufgelöst, die Kreiswehrersatzämter werden bundesweit aufgelöst und ersetzt durch weniger Bundeswehr-Karriercenter als Teil der neuen Nachwuchsgewinnung.
Ein Eurofightergeschwader entsteht aus den Luftwaffen-Geschwadern Boelcke (JaboG 31 in Nörvenich), Steinhoff (JG 73 in Laage).

Standort-Schliessungen gab es in 10 der 16 Bundesländer: In Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Saarland und Sachsen-Anhalt wird kein Standort geschlossen. Laut de Maiziere soll die Truppe trotz Konsolidierung des Bundeshaushaltes in der Fläche anwesend bleiben. Ein wesentlicher Meilenstein der Neuausrichtung der Streitkräfte ist erreicht. Der Zeitpaln der Umsetzung beginnt jetzt, Schritt für Schritt wird die Neustruktur umgesetzt, 2017 ist die Zielmarke der fertigen Umsetzung.

Frei gewordene Unterkünfte in Kasernen sollen zum Beispiel für Pendler zur Verfügung gestellt werden, die Wahl zwischen Trennungsgeld und Umzugsbeihilfe soll großzügig ausgelegt werden.

Die Bundeswehr hat für Betroffene des neuen Stationsierungskonzeptes eine Informations-Hotline und einen E-Mail Service eingerichtet:
Hotline TelefonNr: (0228) 12-12 02 (Montag bis Freitag, 9 bis 16 Uhr),
E-Mail: stationierung @ bundeswehr.org



Nordrhein-Westfalen: Nur einer von 31 Bw-Standorten dicht, ansonsten erhebliche Dienstposten-Kürzungen

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Standortentscheidung Bundeswehr: ausgewogenes Konzept – mehr gute als schlechte Nachrichten für NRW

Zum heute vorgestellten Standortkonzept der Bundeswehr erklärt der Bundestagsabgeordnete für Solingen, Remscheid, Wuppertal II und Mitglied im Verteidigungsausschuss, Jürgen Hardt MdB (CDU):

Mit der Reduzierung um 90.000 Dienstposten auf zukünftig insgesamt 240.000 Soldaten und Zivilisten (185.000 Uniformträger und 55.000 Beamte und Angestellte) steht die Bundeswehr vor ihrer größten Reform. Von den 328 Standorten bundesweit werden 31 komplett geschlossen und weitere 33 soweit reduziert, dass dies einer Schließung nahezu gleich kommt.

Das von Bundesminister Thomas de Maizière heute im Verteidigungsausschuss vorgestellte Standortkonzept ist angesichts der Größe der Aufgabe ausgewogen und wohl durchdacht. Auch Nordrhein-Westfalen ist natürlich betroffen. Das Konzept sieht vor, dass bei Soldaten und zivilen Mitarbeitern der Bundeswehr in Nordrhein-Westfalen 26.800 der bisher 36.600 Dienstposten im Verantwortungsbereich des Bundesverteidigungsministers erhalten bleiben. Weitere rund 600 zivile Dienstposten in der Personalverwaltung werden voraussichtlich einem anderen Ressort der Bundesregierung zugeordnet, so dass die Arbeitsplätze am bisherigen Standort verbleiben.

20 der 31 Standorte mit über 100 Bundeswehrdienstposten in NRW sind von der Reduzierung kaum betroffen. Mit Kerpen wird nur einer dieser Standorte komplett aufgegeben. Neben den vielen guten Nachrichten für NRW gibt es aber auch schmerzliche Einschnitte.

In Düsseldorf fällt die Wehrbereichsverwaltung West weg. Die Zahl der zivilen Dienstposten im Verantwortungsbereich des Bundesministers der Verteidigung wird zwar von heute 1.470 auf 620 reduziert, rund 600 Dienstposten der bisherigen WBV West verbleiben jedoch am Standort in der Verantwortung des Bundes, denn es ist geplant, die Personalverwaltung auch der Bundeswehr innerhalb der Bundesregierung in einem Ressort zu konzentrieren.

Für die Beschäftigten wird sich deshalb voraussichtlich nur wenig ändern. Mit rund 1.200 Arbeitsplätzen in und für die Bundeswehr in Düsseldorf ist die Bundeswehrreform in der Landeshauptstadt gut verkraftbar.

Erhalten bleibt auch der Standort Hilden. Der Feldjägerbataillonsstab wird zum Regimentsstab, der Standort somit sogar aufgewertet.

Einen erheblichen Verlust an Dienstposten, rund 2.200, wird Köln erleiden. Hauptgrund hierfür ist der Wegfall der Führungsebene der Kommandos und Ämter in den Streitkräften. Sie werden zukünftig mit den Stäben der Inspekteure verschmolzen. Lediglich der Inspekteur der Streitkräftebasis bleibt in NRW auf der Hardthöhe.

Bonn behält den Dienstsitz des Bundesministeriums der Verteidigung und wichtige andere Dienststellen.

Schmerzlich ist der Weggang der Heeresflieger aus Rheine. Dieser Standort muss auf zukünftig rund 1.800 Soldaten und Zivilisten verzichten – eine harte Zäsur für Rheine und die Region, die durch Konversionsmaßnahmen aufgefangen werden muss. Die Hubschrauber der Bundeswehr werden zukünftig in Schönewalde-Holzdorf (Brandenburg) und Laupheim (Baden Württemberg) konzentriert.

Weitere signifikante Reduzierungen erfahren die Standorte Augustdorf (-1.570) und Münster (- 510), dies vor allem wegen des Wegfalls der Wehrpflicht. Zahlreiche dieser Dienstposten sind bereits heute nicht mehr besetzt. Allerdings muss Augustdorf zukünftig auch auf die Artillerie verzichten.

Von signifikanten Reduzierungen betroffen sind auch die Standorte Eschweiler, Siegburg und Wesel sowie in geringerem Maße Höxter und Unna. Kerpen mit seinen 720 Bundeswehrarbeitsplätzen wird komplett aufgegeben. Dafür wächst Nörvenich als Standort für ein Geschwader der Eurofighter um über 100 Dienstposten auf. Weitere Standorte mit deutlichen Zuwächsen sind Erndtebrück, Euskirchen, Kalkar und Rheinbach.

Nicht von signifikanten Reduzierungen betroffene Standorte mit über 100 Bundeswehrarbeitsplätzen in NRW:

· Aachen

· Ahlen

· Bonn

· Dorsten

· Erndtebrück

· Euskirchen

· Geilenkirchen

· Hilden

· Höxter (aber dennoch deutlicher Dienstpostenabbau)

· Hürth

· Jülich

· Kalkar

· Mechernich

· Minden

· Mönchengladbach

· Nörvenich

· Ochtrup

· Rheinbach

· Sankt Augustin

· Uedem

· Unna (aber dennoch deutlicher Dienstpostenabbau)

· Warendorf

Von signifikanten Reduzierungen betroffene Bundeswehrstandorte in NRW:

Ort
heute
Künftig
Differenz

Augustdorf
4.050
2.480
- 1.570

Düsseldorf
1.470
620
-850

Eschweiler
490
160
-330

 Kerpen
720
0
-720

 Köln
7.910
5.720
-2.190

Münster
1.300
790
-510

 Rheine
1.940
120
-1.820

 Siegburg
780
370
-410

 Wesel
680
300
-380 (Zitatende)

(Textquelle: Jürgen Hardt MdB.de;
Grafikquelle: NRW.de, Landeswappen)

Mecklenburg-Vorpommern: Drei Standorte und 3.000 Dienstposten weg, Flottenkommando kommt nach Rostock

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Das Küstenland Mecklenburg-Vorpommern im Nordosten Deutschlands wird im Zuge der Bundeswehr-Reform drei Standorte einbüßen und mehr als 3.00o Dienstposten verlieren.
Betroffen sind der Fliegerhorst Trollenhagen bei Neubrandenburg, das Gerätedepot Rechlin an der Müritz und der Truppenübungsplatz Lübthen im Landkreis Ludwigslust-Parchim.
Andere Standorte wie die Marinetechnikschule in Parow sollen drastisch verkleinert werden.
Ein Aufwertung erfährt die Hansestadt Rostock, dort wird das Marinekommando angesiedelt, der bisherige Standort des Flottenkommandos im schleswig-holsteinischen Glücksburg nahe Flensburg wird aufgelöst.

(Grafikquelle: Mecklenburg-Vorpommern.de, großes Landeswappen)

Niedersachsen: 3 von 46 Standorten geschlossen, 10.800 Dienstposten abgebaut – Hamburg bleibt

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Niedersachsen und Hamburg

In Schwanewede wird die Lützow-Kaserne geschlossen, der Truppenübungsplatz Ehra-Lessien wird aufgegeben und das Munitionsdepot Lorup im Emsland wird abgeschafft.

Damit werden bei der Bundeswehr im Bundesland Niedersachsen drei der 46 Standorte geschlossen und 10.800 Dienstposten abgebaut. An mehreren weiteren Standorten soll es zudem erhebliche Stellenstreichungen geben, u.a. in Hannover, in Munster und in Aurich.

In der Freien und Hansestadt Hamburg ist von den Standort-Streichungen nicht betroffen, die Kasernen und Liegenschaften bleiben erhalten. Inwieweit die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAkBw), das Hamburger Bundeswehrkrankenhaus (BWK) swie das Landeskommando Hamburg und die Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr (HSUBw) von Stellenstreichungen und Kürzungen/Einsparungen von Teilbereichen betroffen sein werden, wird der Verteidigungsminister heute Nachmittag in Berlin verkünden.

(Grafikquelle: Niedersachsen.de, Landeswappen)

Berlin-Brandenburg: Kürzungen und Zugewinn, Inspekteur des Heeres kommt nach Strausberg, LwKdo nach Berlin-Gatow

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Die Bundesländer Berlin und Brandenburg bleiben von Standort-Schließungen im Rahmen der Bundeswehr-Reform verschont. Allerdings werden im Land Brandenburg zahlreiche Dienstposten abgebaut. Die Stellenzahl wird von 8.800 auf 7.000 reduziert.

Im Gegenzug zu den Kürzungen soll der Inpekteur des Heeres (Kommando Heer) am Standort Strausberg angesiedelt werden. Das Kommando Luftwaffe wird nach Berlin-Gatow kommen.

(Grafikquellen: Berlin.de, Brandenburg.de; Landeswappen)



Bundeswehrreform-Kürzungen in Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen: Streichungen mit Augenmaß

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Sachsen-Anhalt wird von Standort-Schleißungen verschont, aber es werden landesweit über 1.200 Stellen gestrichen, damit reduziert sich die Zahl der Dienstpsoten in Sachsen-Anhalt von 5.600 auf 4.400 Stellen.
Am stärksten betroffen ist der Standort Weißenfels, dort sollen 460 Stellen gekürzt werden, in Havelberg fallen 250 Stellen weg, beim Truppenübungsplatz Klietz sollen 230 Dienstposten gestrichen werden, in Halle an der Saale 54 Stellen.

Von der aktuellen Streichliste in in Mitteldeutschland Thüringen am stärksten bestroffen, dort wird ein kompletter Standort dicht gemacht, der Truppenübungsplatz in Ohrdruf wird geschlossen, am Standort Mühlhausen wird am stärksten gekürzt und quasi geschlossen, dort sollen von 700 nur 15 Stellen übrig bleiben.
Das Wehrbereichskommando II (WBK) mit Sitz in Erfurt wird aufgelöst, dort arbeiten rund 250 Soldaten und 20 Zivilisten.

Im Bundesland  Sachsen wird nur das Munitionslager Mockrehna mit 50 Dienstposten schliessen müssen. Die “Bundeswehr-Dichte” in Sachsen war bereits nch der letzten Reform in 2004 sehr dünn, von 18 Standorten wurden seinerzeit bereits 8 geschlossen, auf 1.000 Einwohner kommen heute statistisch rund ein Soldaten-Dienstposten, im bundesweiten Vergleich ist Sachsen damit Schlußlicht, was die Präsenz der Truppe in der Fläche angeht.

(Grafikquelle: Sachsen-Anhalt.de)

Schleswig-Holstein: Von 26.000 auf 14.000 Dienstposten, 8 Standorte geschlossen

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Am härtesten betroffen

Die Bundeswehr-Reform mit Standort-Schließungen trifft das nördliche Bundesland Schleswig-Holstein am härtesten von sämtlichen Bundesländern.

Die Standorte Alt Duvenstedt, Bargum, Glücksburg, Hohn, Hürup, Ladelund, Lütjenburg und Seeth werden geschlossen. Damit büßt Schleswig-Holstein 11.000 von 26.000 Dienstposten ein.

Der Standort Boostedt bei Neumünster wird quasi geschlossen, von 1.980 wird dort auf 40 Beschäftigte reduziert/eingespart. Auch die Landeshauptstadt Kiel ist betroffen, von 5.290 wird an der Kieler Förde auf 3.590 Stellen verringert.

(Grafikquelle: Schleswig-Holstein.de, Landeswappen Schleswig-Holstein.de)

Bayern: Von 50.700 auf rund 30.000 Dienstposen, Standort-Schließungen und Verkleinerungen

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Im größten Bundesland Deutschlands, in Bayern mit 12 Millionen Einwohnern auf 70.000 qkm Fläche sind die Auswirkungen der Bundeswehr-Reform mit Standort-Schließungen und -Verkleinerungen besonders spürbar. Die Dienstposten der Bundeswehr und Wehrverwaltung werden im Freistaat Bayern um fast die Hälfte reduziert.
Bundesweit sollen von den 328 Bundeswehr-Standorten 31 Kasernen geschlossen werden, 58 Standorte verkleinert. Weitere 33 Dienstorte sollen in socl erheblichen Umfang dezimiert werden, dass sie weniger als 15 Beschäftigte umfassen, so zum Beispiel in Kempten im Allgäu.

Von den 50.700 Dienstposten im Bundesland Bayern werden fast 20.000 Dienstposen gestrichen bzw. eingespart. Geschlossen werden sollen die bayerischen Bundeswehr-Standorte in:
Kaufbeuren, Fürstenfeldbruck und Penzing, der Penzinger Fliegerhorst soll allerdings bis 2020 in Betrieb bleiben.
Der Standort Kempten im Allgäu wird quasi geschlossen, von der Dienstpostenzahl 870 wird dot auf sechs Mann verringert.
Die meisten Standort in Bayern werden nicht geschlossen, sondern verkleinert.

Weniger Personal wird an folgenden Standorten weiterbeschäftigt:
Altenstadt/Schongau, Amberg, Bamberg, Deggendorf, Donauwörth, Bayerisch Einstein, Erding, Füssen, Hammelburg, Manching, München, Regensburg, Roth, Sonthofen, Volkach, Wildflecken, Würzburg und Untermeitlingen.

Die beiden großen Luftwaffen-Kasernen im fränkischen Roth und in Lagerlechfeld bleiben bestehen. In Roth wird es zu Umstrukturierungen kommen.

(Kartengrafikquelle: Bayern.de)

Bundeswehrreform verschont Standort Höxter in Nordrhein-Westfalen

Mittwoch, 26. Oktober 2011

“Nebel ahoi!” heißt es heute bei dem ABC-Abwehrbataillon 7 in Höxter, wenn die Soldaten endlich freie Sicht auf ihre Zukunft haben werden. Eineinhalb Jahre schon warten die 1000 Männer und Frauen in Uniform auf diesen Tag, an dem Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) die Entscheidung über das Wohl und Wehe der Garnisonsgemeinden offiziell bekannt geben wird.

Neben Höxter sind bundesweit 400 Standorte mit 209 000 Soldaten betroffen. Mindestens 30 bis 40 Standorte werden dicht gemacht. Die Folgen für jede einzelne Stadt sind derzeit noch nicht absehbar. Die tatsächlichen Sorgen und Nöte einer Garnisonsgemeinde kann man aber nur dann verstehen, wenn man selbst in einer lebt. 1000 Soldaten weniger – für Höxter mit 14 500 Einwohnern in der Kernstadt wäre der Wegbruch eine Katastrophe. Der Supermarkt nebenan, die Pizzeria auf der anderen Straßenseite, die Autowerkstatt und die Tankstelle, das Bekleidungsgeschäft und der Handwerksbetrieb – sie alle leben von und mit der Bundeswehr. Ohnehin befindet sich die Bevölkerung am östlichsten Zipfel Nordrhein-Westfalens auf dem Rückzug. Bis 2030 wird ein Bevölkerungsrückgang von mehr als 18 Prozent (6000 Menschen) prognostiziert. Der Verlust des Bundeswehrstandortes würde den Landflucht-Effekt zusätzlich anheizen und den Schwund an Menschen wohlmöglich noch vergrößern. Der Verlust an Kaufkraft, der Verlust an Aufträgen von der Bundeswehr an die heimische Wirtschaft, der Wegbruch sozialer Kontakte und der Zugewinn einer 20 Hektar großen Kasernenfläche kann eine Kleinstadt ohne Hilfe von Außen nicht verkraften. Hinzu kommen die persönlichen Beziehungen, die zwischen den Menschen vor und hinter dem Kasernenzaun bestehen. Es gibt langjährige intensive Freundschaften in Vereinen sowie aktive Patenschaften mit den Dörfern. Generell gilt: Die meisten Soldaten sehen die Notwendigkeit für den anstehenden Umbruch innerhalb der Streitkräfte ein. Nur viele von ihnen sind an einem Punkt angekommen, wo ihnen das ständige Transformieren und Reformieren zu weit geht. Es ist ein Alarmsignal, wenn bei einer Umfrage des Bundeswehrverbandes zwei Drittel der Befragten sagen, sie würden den Soldatenberuf nicht weiterempfehlen. Ein Grund ist sicher der Wunsch nach einem privaten Ankerpunkt.

Das ABC-Abwehrbataillon 7 in Höxter stellt seine Spezialisten für Einsätze in der ganzen Welt zur Verfügung. In diesem Jahr erst waren große Kontingente in Afghanistan und im Kosovo. Die Spezialisten waren sogar bei der Atomkatastrophe in Japan im Gespräch für einen Einsatz. Diese Aufgaben können sie natürlich auch von jedem anderen Standort in Deutschland aus leisten. Aber dennoch: Die Bundeswehr ist für Höxter und Höxter für die Bundeswehr mehr als nur ein Standort. Es ist ein enges Beziehungsgeflecht, in das keine Löcher gerissen werden dürfen. (Zitatende)

Berichtet das “Westfalen-Blatt” aus Bielefeld.
Soldatenglück.de merkt an: In Ostwestfalen-Lippe (OWL) wird am größten Bundeswehrstandort in Augsutdorf von 4000 auf etwa 2500 Dienstposten verkleinert werden. In Höxter an der Weser bleibt das ABC-Abwehrbataillon 7 mit rund 1000 Soldaten dagegen erhalten, auch Holzminden bleibt als Standort erhalten.
Die NRW-Landesregierung wurde gestern Abend über die Standort-Veränderungen im Bundesland vorab informiert.
Bundesweit sollen 30 Kasernen geschlossen werden, 58 Standorte verkleinert.

(Textquelle kursiv: Westfalen-Blatt.de;
Grafikquelle: Deutsches Heer.de, Wappen ABC AbwehrBtl 7)

Kasernenschließungen: Arbeitsagenturen sollen Vermittlungsinitiative starten

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Angesichts des Personalabbaus und der Standortschließungen bei der Bundeswehr hat die Bundesagentur für Arbeit eine Vermittlungsinitiative für die betroffenen Mitarbeiter angekündigt. “Wir werden sicherlich beim Übergang in eine Stelle auf dem normalen Arbeitsmarkt behilflich sein”, sagte Arbeitsagentur-Vorstand Heinrich Alt der in Düsseldorf erscheinenden “Rheinischen Post” (Mittwochausgabe). Dabei sollen die Jobcenter direkt in den leerlaufenden Kasernen Präsenz zeigen. “Ich empfehle allen Arbeitsagenturen und Jobcentern an den betroffenen Bundeswehr-Standorten, den ehemaligen Soldaten und Zivilbeschäftigten direkt vor Ort Angebote zu machen und aufzuzeigen, was wir bieten können”, erklärte Alt. Bisher hätten die Arbeitsagenturen mit ehemaligen Bundeswehr-Angehörigen gute Erfahrungen gemacht: “Sie verfügen oftmals über eine gute Ausbildung und eine ordentliche Qualifikation”, betonte Alt. (Zitatende)

Berichtet die “Rheinische Post” aus Düsseldorf heute.
Soldatenglück.de merkt in diesem Zusammenhang an: Die Bundeswehr will die Kreiswehrersatzämter (KWEA) nun Karriere-Center nennen.

(Textquelle kursiv: Rheinische Post.de;
Grafikquelle: Bundesagentur für Arbeit.de)

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