Archiv für September, 2011

Deutscher UN-Vizegeneralsekretär und neuer UN-Koordinator Kobler im Irak: Afghanistan auf gutem Weg (Video)

Mittwoch, 7. September 2011

Deutsche haben in der Region Ruf wie Donnerhall

Als eine “Chance für die friedliche Entwicklung der Krisenregionen in Afghanistan und im Irak” hat der derzeit hochrangigste deutsche UN-Diplomat, UN-Vizegeneralsekretär Martin Kobler, die Freiheitsbewegungen in Nordafrika bezeichnet. Es sei vielleicht ganz gut, wenn der grelle Tagesblick auf die Umwälzungen in Libyen, Syrien und benachbarte Regionen gerichtet sei, “daraus kann für Afghanistan und für den Irak ein weiterer Anstoß zur Schaffung einer selbsttragenden Entwicklung erwachsen”, meinte Kobler in einem Gespräch mit der “Leipziger Volkszeitung” (Mittwoch-Ausgabe). Kobler war bisher stellvertretender Leiter der UN-Unterstützungsmission in Afghanistan und wurde jetzt zum Sonderbeauftragten der Vereinten Nationen für den Irak und Leiter der UN-Unterstützungsmission UNAMI berufen.

Das beim Abgang von Diktatoren entstandene Machtvakuum in diesen Ländern könne durch die Vereinten Nationen “durch Hilfe, Überparteilichkeit und Garantiegeber für Rechtsstaatlichkeit” aufgefüllt werden, meinte Kobler. Dazu gehöre aber “zwingend der Respekt der internationalen Gemeinschaft vor der regionalen Bevölkerung”. Kobler benannte den großen Vorteil der UN-Mission im Irak: “Wir wollen kein Öl.” Als seine wichtigste Aufgabe nannte er es, “Kontakte zu vermitteln zwischen politischen Mitspielern, die eigentlich nicht miteinander reden wollen”. Es müsse “ein Forum für sich selbsttragende Lösungen” geschaffen werden durch ein Prinzip der offenen Türen. “Die besten Gesprächsanstöße sind die, wo die UN-Vertreter dabei sitzen und gar nichts sagen müssen”, bilanzierte Kobler seine Erfahrungen aus der bisherigen UN-Afghanistan-Mission.

Der Irak sei “in seiner Entwicklung besser dran als Afghanistan”. Dabei verwies Kobler auf die Tatsache eines unbestritten notwendigen Zentralstaates im Irak, im Gegensatz zu Afghanistan und angesichts der Tatsache, dass der Abzug der US-Soldaten aus dem Irak erfolgreich große Fortschritte gemacht habe. Von einst 255 000 US-Soldaten im Irak sind derzeit noch knapp 50 000 vor Ort.

Mit Blick auf die Entwicklung in Afghanistan meinte der krisengestählte deutsche UN-Diplomat, “ich stehe voll und ganz hinter dem Jahr 2014 als internationales Abzugsdatum für die Truppen”. Das Land am Hindukusch, internationales Schwerpunkt-Hilfs- und Einsatzgebiet für die Bundesrepublik und die Bundeswehr, sei “auf gutem Weg”. Es müssten Bedingungen geschaffen werden, dass die Afghanen selbst Lehrer ausbildeten, Krankenhäuser bauten, Schulen etablierten. “Wir müssen zurück zu den Grundsätzen einer vernünftigen Entwicklungspolitik.” In diesem Zusammenhang begrüßte Kobler ausdrücklich die Ankündigung der EU-Kommission, die weitere Entwicklungszusammenarbeit mit Afghanistan deutlich zu steigern.

Kobler warnte vor zwei gefährlichen Entwicklungen: “2014 darf sich das sowjetische Rückzugssyndrom nicht wiederholen.” 1989 war die damalige afghanische Besatzungsmacht Sowjetunion abgezogen, die Herrschaft im Land wechselte später von kommunistischen Diktatoren zu den radikal-fundamentalistischen Taliban. Deshalb müsse die internationale Gemeinschaft als auch die afghanische Regierung “den pragmatischen Teil der Taliban” heute “politisch einhegen”. Dazu gehörten aber “klare Bedingungen für einen Deal mit den Taliban: Sie müssen die Verfassung achten”. Dazu gehöre dann auch der Erhalt der gesellschaftlichen und demokratischen Menschenrechte, “nicht zuletzt auch die Pressefreiheit”, so Kobler.

Diese rechtsstaatliche Fundamentierung der Entwicklung sei “Teil der UN-Geschichte und ihr Erfolg”, sagte Kobler. Den Deutschen riet der UN-Vizegeneralsekretär, sich auch künftig der Tatsache bewusst zu bleiben, dass sie in dieser Region “einen Ruf wie Donnerhall haben”. Dies könne der Vorteil auch für privatwirtschaftliches Engagement in der Krisenregion bleiben. Von der internationalen Gemeinschaft verlangte Kobler “das Bewusstsein, dass es unsere Verantwortung ist, Afghanistan als Land im bestmöglichen Zustand zurückzulassen”. (Zitatende)

Berichtet die “Leipziger Volkszeitung” heute.
Dazu das UN-Video: Martin Kobler, UN in Afghanistan und Irak

[Textquelle: Leipziger Volkszeitung.de;
Grafikquelle: CIA.gov, Irak Karte;

Bildquelle: UN.org, Vergleichsphoto: Secretary-General Meets his Deputy Special Representative for Afghanistan - Secretary-General Ban Ki-moon (right) meets with Martin Kobler, his Deputy Special Representative (Political) for Afghanistan. As one of the two deputy heads of the United Nations Assistance Mission in Afghanistan (UNAMA), Mr. Kobler is responsible for political issues, including electoral and parliamentary matters, as well as questions relating to peace and stability, security-sector reform and human rights. 17 May 2010, New York;
Videquelle: UN.org: Martin Kobler, UN in Afghanistan and Iraq - United Nations Secretary-General Ban Ki-moon has appointed Martin Kobler of Germany as his Special Representative for Iraq and Head of the United Nations Assistance Mission for Iraq (UNAMI). Mr. Kobler has served as Deputy Special Representative (Political) for Afghanistan since March 2010. He brings to the position his vast experience in developing policies for conflict areas with more than 25 years in his country's Foreign Service. He previously served as Director-General for Culture and Communication in Germany's Ministry of Foreign Affairs, and was Ambassador to Iraq and Egypt.]

Hintergrundinformationen: United Nations Assistance Mission in Iraq, UNAMI



Bundeswehr in Laupheim: Operation Standort-Rettung (Video)

Dienstag, 6. September 2011

Für den Erhalt des Bundeswehr-Standortes in Laupheim kämpfen die dort stationierten Heeresflieger auf ungewöhnliche Weise: Rund 50 von ihnen starteten am Montag zu einem Protest-Lauf. Dem Standort droht im Zuge der Bundeswehr-Reform die Schließung.

(Videoquelle: SWR Landesschau Baden-Württemberg vom 05.09.2011;
Grafikquelle: Deutsches Heer.de, Regimentswappen)

Hintergrundinformationen: Mittleres Transporthubschrauberregiment 25 der Heeresflieger

COMMANDER ISAF RC NORTH Generalmajor Kneip: Gefährliche Zeit in Afghanistan

Dienstag, 6. September 2011

Der deutsche ISAF Regional Commander der ISAF-Truppe in Nordafghanistan, Generalmajor Markus Kneip, hat vor einer gefährlichen Zeit gewarnt.

Im Winter werde sich zeigen, ob die Aufständischen (Insurgents) zurück kämen, sagte GenMaj Kneip der Zeitung “Die Welt”. Bis dahin würde der Gegner alles versuchen, um wieder die Initiative zu gewinnen oder spektakulär zuzuschlagen.

“Ich denke aber, wir sidn auf dem richtigen Weg”, so Markus Kneip. “Insgesamt merken wir, dass die Komplexität derAngriffe und die Intensität etwas nachgelasen haben”.

Unterdessen meldet das Einsatzführungskommando (EinsFüKdoBw) heute ein Feuergefecht im ISAF Regionalkommando Nord:

Afghanistan: Feuergefecht nördlich von Pol-i Khomri
Pol-i Khomri, 06.09.2011, Einstellzeit: 10.50 Uhr.

Am 6. September um 5.41 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (8.11 Uhr Ortszeit) wurden deutsche ISAF-Kräfte nördlich von Pol-i Khomri (Provinz Baghlan, Afghanistan) in ein Feuergefecht verwickelt.

Die feindlichen Kräfte wichen aus und wurden von der Afghan National Police (ANP) verfolgt. Die ANP untersuchte den Ereignisort mit Unterstützung deutscher ISAF-Kräfte. Es gab keine Verwundeten oder Schäden.

Stand: 10.35 Uhr (Zitatende)

[Bild-, Kartengrafik-, Textquelle kursiv: Bundeswehr.de, der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung, Thomas Kossendey, reist nach Afghanistan. Im Bild: ParlSts Kossendey (links) und Generalmajor Markus Kneip,Kommandeur der Internationalen Schutztruppe ISAF in Nordafghanistan, gedenken der gefallenen Kameraden am Ehrenhain. Hinter ParlSts Kossendey, Hans-Werner Kammer (CDU), Mitglied des Deutschen Bundestages]

Der tödliche Befehl – Der Luftangriff von Kunduz

Montag, 5. September 2011

ZDF zeigt Doku-Fiction über den umstrittenen Luftangriff auf Kunduz
Beteiligte und Experten analysieren Bombardement in Afghanistan

Der Luftangriff von Kunduz in der Nacht vom 3. auf den 4. September 2009 ist der blutigste deutsche Militäreinsatz seit dem Zweiten Weltkrieg. Das ZDF zeigt zwei Jahre nach dem umstrittenen Bombardement in Afghanistan am Mittwoch, 7. September 2011, 22.45 Uhr, eine Doku-Fiction, die diese Nacht rekonstruiert: “An einem Tag in Kunduz – Der tödliche Befehl”.

Oberst Georg Klein (Bild oben), der militärische Leiter des Provinz-Wiederaufbauteams (PRT) in Kunduz, bittet an jenem Donnerstagabend die Besatzung eines amerikanischen B1-Bombers, nach zwei gestohlenen Tanklastern Ausschau zu halten. Die Laster waren an einer fingierten Straßensperre von Taliban entführt worden. Kurz nach Mitternacht entdeckt die Bomber-Crew die beiden Fahrzeuge, die auf einer kleinen Insel im Fluss Kunduz, zirka sieben Kilometer südlich des PRT, festsitzen. Die Bundeswehr bekommt Informationen, wonach einige Personen im Umfeld der Lastwagen Panzerfäuste und Handfeuerwaffen tragen würden.

Als der Bomber kurz danach abdrehen muss, ordert Oberst Klein ein neues Flugzeug. Der deutsche Offizier stellt den Vorfall als unmittelbare Bedrohung des PRT dar. 20 Minuten nach der Anforderung der Luftunterstützung durch Klein erreichen zwei F-15-Kampfflugzeuge der US-Luftwaffe den Kunduz-Fluss. Sie senden ein Live-Video an Kleins Einsatzzentrale. Darauf erkennt man die beiden Lastwagen und mehrere Dutzend Personen. Zur selben Zeit erhält der Kommandostand von einem afghanischen Informanten, der die Szene beobachtet, den Hinweis, dass alle Menschen in der Nähe der Lastwagen Aufständische seien.

Diese Information und die Video-Bilder aus den F-15 hätten hundertprozentig zusammengepasst, sagt Klein später. Gegen 1.49 Uhr ordnet der Oberst die Bombardierung an, zwei Minuten später stehen die Laster in einer Flammenhölle.

In den nächsten Tagen wird bekannt, dass bei dem Angriff auch viele Zivilisten ums Leben gekommen sind. Der Luftschlag wird zum Politikum, in dessen Folge der Verteidigungsminister und der Generalinspekteur der Bundeswehr zurücktreten müssen.

Was ist in dieser Nacht im Bundeswehrlager von Kunduz passiert? Warum wurden diese Entscheidungen getroffen, die letztlich zum Tod von über 100 Menschen führten? Warum konnte ein Bundeswehroffizier eine solch schwerwiegende Entscheidung treffen? Auf diese Frage versuchen Mathis Feldhoff, Andreas Huppert, Winfried Oelsner und Birgit Maiwald in ihrem Film eine Antwort zu geben. Die Entscheidungen dieser Nacht werden nacherzählt, Beteiligte und Experten versuchen eine Analyse.

(Textquelle: ZDF.de;
Bilderquellen: U.S. Air Force.mil, F-15 Kampfjet von der Bagram Air Force Base über Afghanistan;
Bundeswehr.de, Oberst i.G. Georg Klein als PRT-Kommandeur in Kunduz;
Gosser Zapfenstreich aus Anlass der Verabschiedung des Staatssekretaers des Bundesministeriums der Verteidigung, Dr. Peter Wichert und des Generalinspekteurs der Bundeswehr, General Wolfgang Schneiderhan. v.l. General Schneiderhan, der Bundesminister der Verteidigung, Karl-Theodor zu Guttenberg und StS Wichert.)

Selbstmorde bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr

Montag, 5. September 2011

Die Suizidrate bei Auslandseinsätzen der deutschen Streitkräfte ist offenbar hoch.

Einem SPIEGEL-Bericht zufolge nahm sich jeder fünfte der fast 100 bei Auslandseinsätzn gestorbene Bundeswehr-Soldaten das Leben. Seit Beginn der Auslandsmissionen vor fast 20 Jahren seien 99 deutsche Soldaten ums Leben gekommen.

Aus einer Antwort des Bundesverteidigungsministeriums (BMVg) auf eine Anfrage des SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Bartels (Kiel) gehe hervor, dass davon 19 Soldaten Selbstmord begangen haben. Elf Soldaten seien eines natürlichen Todes gestorben.

Dazu der Soldatengück.de-Artikel vom 16. Juli 2010: Rekord-Selbstmordrate bei der US Army im Juni (Video).

(Bildquelle: Bundeswehr.de, ISAF Einsatz – Stellung auf Höhe 321 in Charar Darah bei Kunduz. Foto vom:25.09.2010)



Als Deutschland in den Krieg zog – Afghanistan – Die Geschichte eines Irrtums

Montag, 5. September 2011

titelt der SPIEGEL in seiner heutigen Wochenausgabe. Mit den Titelgeschichten:
Warum Deutschland nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den Afghanistan-Krieg zog – eine Rekonstruktion
Wie der BND Hamid Karzai rettete

Dazu der TV-Tipp, Ausstrahlungstermin, Das Erste - Montag, 05.09.2011, 22.45 Uhr (Trailer): ARD-Dokumentation “Fischer, Schily: Mein 11. September - Als der Anschlag die deutsche Regierung traf”: Otto Schily bangte um seine Tochter

Der ehemalige Innenminister Otto Schily berichtet in der ARD-Dokumentation von seiner schwierigen Situation als Politiker und Familienvater (Das Erste, 05.09., 22.45 Uhr). Schily hatte am 11. September 2001 Angst, dass seine Tochter Anna unter den Opfern des Terror-Anschlags in New York war. Der damalige Bundesinnenminister stand an diesem Tag somit nicht nur unter großem beruflichen, sondern auch unter privatem Druck.

In der ARD-Dokumentation “Fischer, Schily: Mein 11. September – Wie der – Als der Anschlag die deutsche Regierung traf” berichtet er: “Ich hatte größte Sorge, dass meiner Tochter auch etwas zugestoßen sein könnte. Ich versuchte sie zu erreichen, doch der Mobilfunk war total zusammengebrochen.” Die damals 20jährige Anna Schily arbeitete 2001 als Assistentin in einem wissenschaftlichen Institut in unmittelbarer Nähe des World Trade Centers.

Während ihr Vater im Berliner Krisenstab die Notfallmaßnahmen u.a. an deutschen Flughäfen koordinierte, versuchte er pausenlos, mehr über das Schicksal seiner Tochter zu erfahren: “Meine Frau hat mich natürlich auch bedrängt in der Richtung.” Der damalige Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye war Zeuge: “Der Innenminister hatte fast Tränen in den Augen”. Schließlich die Aufklärung: Anna Schily ist bei ihrer New Yorker Gastfamilie in Sicherheit.

Otto Schily berichtet in der ARD-Dokumentation von Stephan Lamby und Michael Wech (Das Erste, 05.09.2011, 22.45 Uhr, Redaktion Petra Nagel) ungewohnt freimütig von seinen Ängsten. Doch die will er nur als Familienvater empfunden haben, nicht aber als Innenminister. “Als Innenminister darf man keine Angst haben”. Dennoch räumt Otto Schily ein, dass der 11. September ein Schrecken war, der ihn bis heute verfolgt: “Ich kann das aus meinem Leben nicht mehr verbannen. Als Innenminister verbringt man schlaflose Nächte, ob man irgendwas versäumt hat und dann womöglich mit Verantwortung trägt für einen Anschlag gleicher Größenordnung in Deutschland. Das verlässt einen nicht wieder – bis zum Lebensende.” (Zitatende)

(Grafikquelle: SPIEGEL.de;
Textquelle kursiv: ARD.de, WDR)

Zu dünn für die Bundeswehr? (Video)

Sonntag, 4. September 2011

Ein junger Mann aus dem Vogtland wollte sich freiwillig für den Dienst bei der Bundeswehr melden. Diese aber lehnte ab: Mit knapp über 50 Kilo ist er angeblich zu leicht.

(Videoquelle: MDR Sachsenspiegel vom 02.09.2011;
Bildquelle: Bundeswehr.de, Kommando Spezialkräfte – Ein Trupp Kommandosoldaten macht sich in der Abenddämmerung zu einem Nachtmarsch bereit.)

Türkei überzieht – Palästinenser-Hamas begrüßt türkische Schritte gegen Israel (Video)

Samstag, 3. September 2011

Weitgehend verlassen sieht die türkische Botschaft in Israel inzwischen aus. Die Beziehungen sind inzwischen gründlich eingefroren: Die jüngsten Geschehnisse finden aber durchaus auch Beifall.

Im Gazastreifen selbst regiert seit Jahren die Hamas-Bewegung, gegen die sich Israels Blockade vor allem richtet. Hamas-Sprecher Sami Abu Suchri (Video oben) begrüßt die türkische Entscheidung. Es sei eine logische Antwort auf den damaligen Angriff auf die Hilfsflotte, sagt er.

Türkei überzieht

Die Eiszeit zwischen der Türkei und Israel hat bedrohliche Formen angenommen. Die Ausweisung des israelischen Botschafters und die Drohung Ankaras, mit Waffen zu reagieren, falls Israel erneut türkische Schiffe angreife, ist inakzeptabel. Der UN-Untersuchungsbericht zum Angriff auf die als Hilfsflotte für die Palästinenser deklarierten Schiffe nennt die Blockade des Gaza-Streifens ausdrücklich rechtmäßig und billigt den Israelis in diesem Fall auch zu, Schiffe außerhalb der eigenen Hoheitsgewässer zu stoppen. Den türkischen Aktivisten darf dagegen unterstellt werden, dass sie provozieren wollten und den Kampf für die TV-Kameras suchten. Zwar war die israelische Militäraktion mit neun Toten gänzlich überzogen. Doch das rechtfertigt die Reaktion Ankaras nicht, die leider kein Einzelfall ist: Das Säbelrasseln erinnert an die Drohung von Regierungschef Erdogan, die Beziehungen zur EU einzufrieren, wenn Zypern 2012 die EU-Ratspräsidentschaft übernehme. Im Fall Gaza will Erdogan offenkundig vor allem in der muslimischen Welt punkten. Dafür spielt er mit dem Feuer. Den Israelis sei das Sprichwort ans Herz gelegt, wonach der Klügere nachgibt. Eine offizielle Entschuldigung könnte die brisante Lage vielleicht noch entschärfen. (Zitatende)

Kommentiert die “Rheinische Post” aus Düsseldorf heute.

Die BERLINER MORGENPOST kommentiert:
Die Türkei sucht den Eklat mit Israel
Leitartikel von Clemens Wergin

Es ist die türkische Außenpolitik, wie wir sie in den vergangenen Jahren kennengelernt haben: Wenn es um Israel geht, neigt die Regierung von Recep Tayyip Erdogan zu wohlkalkulierten Wutausbrüchen. Nun wurde gar der israelische Botschafter ausgewiesen. Auslöser der Krise ist ein UN-Bericht über das israelische Aufbringen der Gaza-Flottille Ende Mai 2010, bei dem neun Menschen starben. Der Bericht kritisiert zwar das Vorgehen der israelischen Soldaten auf der “Mavi Marmara”, stellt sich aber in vielen anderen Punkten auf die Seite Israels. Die Blockade Gazas sei legal und angemessen. Israel habe die Blockadebrecher auch in internationalen Gewässern abfangen dürfen. Außerdem werden Zweifel angemeldet an dem Organisator der Flotte, der islamistischen IHH, die Kontakte ins türkische Regierungslager unterhält. Ankara hätte auch mehr tun können, um die Eskalation zu verhindern. Das ist eine Ohrfeige für die Türkei von einer Organisation, die nicht als Freund Israels bekannt ist. In Ankara verlangt man seit Wochen ultimativ eine Entschuldigung von Israel, was Jerusalem verweigert. Der UN-Bericht empfiehlt Israel, “angemessenes Bedauern” über die türkischen Toten auszudrücken. Das hat Regierungschef Benjamin Netanjahu getan und Bereitschaft zur Entschädigung signalisiert. Deshalb ist die von Ankara betriebene Eskalation inakzeptabel, und es wäre wünschenswert, wenn dies auch von der Bundesregierung klar zum Ausdruck gebracht werden würde. Es stünde auch dem Bundestag gut an, seine unausgewogene Gaza-Resolution zu überdenken, die in Teilen vom UN-Bericht widerlegt wird. Es war das erste Mal in der Nachkriegszeit, dass sich alle Parteien auf einen gemeinsamen Beschluss einigen konnten. Es handelt sich nicht um ein Ruhmesblatt der deutschen Parlamentsgeschichte. Man darf jedenfalls erwarten, dass der Bundestag nicht weniger Verständnis für Israels Sicherheit aufbringt als die UN und mehr vom Völkerrecht versteht als in der Resolution zum Ausdruck kommt. Sie ist auch ein Beleg für schwindende außenpolitische Expertise im Parlament. Erdogans versucht nun erneut, mit antiisraelischen Tönen um Sympathien in der arabischen Welt zu werben. Angesichts der engen Kontakte, die die Türkei noch bis vor Kurzem etwa zum libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi und seinem syrischen Kollegen Baschar al-Assad unterhielt, ist das ein leicht durchschaubarer Schachzug aus dem Handbuch arabischer Autokraten. Sicher, auch Israel hat in den letzten Jahren viele Fehler gemacht, die zu einer Entfremdung beider Länder beigetragen hat. Aber Europa sollte sich nichts vormachen: Die Eklats, die Erdogan mit Israel sucht, sind Teil einer strategischen Neuorientierung. Die Türkei definiert sich immer mehr als islamisches und immer weniger als westliches Land. Und Europa und die USA schauen meistens nur zu und hoffen, es möge nicht gar so schlimm werden. Dabei tritt die Türkei besonders in Nah- und Mittelost oft nicht mehr als Partner, sonders als Konkurrent des Westens auf. Es wird langsam Zeit, nicht mehr nur als bloßen Betriebsunfall zu werten, was tatsächlich ein allmählicher Abschied der Türkei vom Westen ist. (Zitatende)

(Videoquelle: euronews.net; Grafikquellen: CIA.gov;
Textquellen kursiv: Rheinische Post.de, Berliner Morgenpost.de)

Thomas Oppermann (SPD) könnte 2013 Verteidigungsminister werden?

Freitag, 2. September 2011

SPIEGEL ONLINE berichtet aktuell: Bundestagswahl 2013 – Rot-Grün träumt schon von den Top-Jobs. Dort heißt es: “Einer, der sich gleich für multi-ministrabel hält, ist Thomas Oppermann. [...] Manche in der Fraktion meinen, noch lieber würde er das Verteidigungsministerium führen. Jedenfalls ist ihnen aufgefallen, wie intensiv sich Oppermann inzwischen mit dem Thema Afghanistan beschäftigt.” (Zitatende)

Soldatenglück.de ergänzt: Der Bundestagsabgeordnete Thomas Oppermann (Jahrgang 1954) mit Wahlkreis 54 in Göttingen/Niedersachsen ist studierter Jurist und Landesminister a.D., derzeit Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion und Leiter der Fraktionsverwaltung, Grundsatzfragen der Geschäftsführung, Fraktionsgremien, Koordinierung der parlamentarischen Abläufe Finanzen der Fraktion, Sprecher der Fraktion im Vermittlungsausschuss.
Als Wehrpflichtiger bei der Bundeswehr gedient hat Thomas Oppermann nicht, dafür war er nach dem Abitur von 1976 bis 1978 in den USA mit Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste (ASF) in Washington D. C. und New York.

(Textauszug kursiv: SPIEGEL.de;
Bildquelle: Thomas Oppermann MdB.de)

Kanzlerinnen-Airbus der BMVg-Flugbereitschaft im Anflug auf Köln-Bonn von Laserpointer geblendet

Freitag, 2. September 2011

Der Regierungs-Airbus von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist in der vergangenen Nacht beim Anflug auf den Köln-Bonner Flughafen von unbekannten Tätern mit einem Laserpointer geblendet worden. Das erfuhr der WDR aus Sicherheitskreisen. Die Kanzlerin war mit der Maschine zuvor von Paris nach Berlin zurückgeflogen, anschließend war der Airbus nur mit der Besatzung zur Luftwaffen-Flugbereitschaft nach Köln-Bonn zurückgekehrt. Nach WDR-Informationen blendeten die unbekannten Täter vergangene Nacht auch die Piloten dreier anderer Maschinen im Anflug auf Köln-Bonn. Die Kölner Polizei setzte bei der Fahndung einen Hubschrauber ein, konnte aber keine Täter ermitteln. Die Bundesluftwaffe bestätigte dem WDR, dass ein Airbus der Bundeswehr Ziel einer Laser-Attacke geworden sei. (Zitatende)

(Textquelle kursiv: WDR.de, WDR-Lokalzeit Köln;
Bildquelle: Luftwaffe.de, der Kanzlerin-Airbus der BMVg-Flugbereitschaft mit der Kennung German Airforce 16+01;
Grafikquelle: Luftwaffe.de, Wappen BMVg Flugbereitschaft)

Hintergrundinformationen: BMVg Flugbereitschaft