Verteidigungsexperten beklagen nur sehr bedingte Einsatz- und Rettungsfähigkeit deutscher Spezialkräfte in Afghanistan
von Sebastian ~ 28. September 2011. Zu lesen unter: Parlamentsarmee.Wegen fehlenden eigenen Luftfahrtgeräts könnten sich die Bundeswehr-Spezialkräfte in Afghanistan schon bald als nur bedingt einsatzbereit erweisen, sobald die US-Truppen samt ihrer Spezialluftfahrzeuge wie geplant abziehen. Jahrelang sei der Mangel an rettungs- und gefechtstauglichem eigenem Fluggerät zur Aufrechterhaltung der Rettungskette auch nachts und im Gefechtsfall eher folgenlos beklagt worden. Das kritisierten die Wehrexperten Elke Hoff (FDP) und Omid Nouripour (Grüne) gegenüber der “Leipziger Volkszeitung” (Mittwoch-Ausgabe).
Der Minister räumte in einem Brief an Elke Hoff ein, es gebe nur eine “Teilbefähigung”: Rettung und Rückführung von Personal werde “nur unter Bedrohung geringer Intensität vom bzw. am Boden und ohne Bedrohung aus der Luft sichergestellt werden”. Der Rest müsse “gegebenenfalls” mit Unterstützung von Partnern erfolgen. Dafür gebe es “vorzeigbare Ergebnisse”.
Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Volker Wieker, hatte in der vergangenen Woche bei der Präsentation der neuen Bundeswehrreform vor Journalisten noch gesagt: Man arbeite für Afghanistan an der Zurverfügungstellung eines voll einsetzbaren Rettungs-Medevec-Hubschraubers und beim Fluggerät für die Spezialkräfte “mit Hochdruck” an einer Lösung, wenn die US-Truppen “ausdünnen”.
Für die Umsetzung dieses Versprechens sei die Beschaffung in der Bundeswehr “viel zu schwerfällig und viel zu kompliziert”, meinte Omid Nouripour. Es gebe nur noch die Hoffnung, dass die US-Truppen den Rettungshubschrauber “in ausreichender Zahl” in Afghanistan bei der Bundeswehr belassen. Allerdings werde, “je mehr sich die Lage verschärft, das Defizit der Bundeswehr immer deutlicher”. Wenn sich ein Soldat im Gefechtsfeld verletze, “ist die entscheidende Frage, ob man ihn rechtzeitig herausbekommt und nicht, ob der Minister erklärt, man sei ,schon vorangekommen’”. Nouripour ergänzte: “Wenn man die Generäle vor Ort fragt, was beim US-Abzug mit den taktischen US-Luftfahrzeugen passiert, dann sagen die: Wir werden nicht sterben, aber wir werden einfach nicht mehr in die Fläche gehen.” Man müsse dann im Feldlager bleiben, wie in den Jahren zuvor. Aber abgestimmte Operationen mit der afghanischen Armee, wie es der aktuellen Strategie entspräche, “kann man nicht im Feldlager üben, sondern nur draußen”, so der Grünen-Politiker.
FDP-Wehrexpertin Elke Hoff intervenierte bei de Maizière, dass die Truppe mit der Verweigerung eigener tauglicher Hubschrauber den internationalen Verpflichtungen “nur in unzureichendem Maße” nachkomme und so die Leistungsfähigkeit deutscher Spezialkräfte “in hohem Maße limitiert” sei. (Zitatende)
Berichtet die “Leipziger Volkszeitung” heute.
(Textquelle kursiv: Leipziger Volkszeitung.de;
Bildquelle: Bundeswehr.de, MEDEVAC Übung deutscher ISAF-Kräfte mit U.S. MEDEVAC Black Hawk Hubschrauber in Nordafghanistan)


28. September 2011 um 10:49 Uhr
Guten Morgen,
ich finde dieses schon mehr als Peinlich und beschämend. Diese Punkte die die sogenannten Experten hier ansprechen sind Punkte die schon in meinem Kontingent vor 1 1/2 Jahren angesprochen worden sind und auch an die dementsprechenden Stellen weiter geleitet wurden. Hier ist wieder mal in aller Deutlichkeit zu sehen wie starr und unflexibel der Staatsapparat ist.
Wichtig ist nur das das Geld in die eigene Tasche fließt und die Soldaten am Hindukusch und den anderen Einsatzgebieten Verrecken auf grausame Art und weise nur weil der Staatsapparat zu langsam und nicht Entschlussfreudig ist.
Ich schäme mich für dieses Land
28. September 2011 um 12:30 Uhr
Ceterum censeo: löst den Laden auf.
28. September 2011 um 12:50 Uhr
Ist das peinlich. Deutschlands Spezialkräfte sind ohne unsere Verbündeten nicht zu gebrauchen. Was für Amateure sind dafür eigentlich verantwortlich?
28. September 2011 um 17:31 Uhr
@FF: Du wiederholst Dich und nur weil man was falsches beständig wiederholt wird es nicht richtiger!
28. September 2011 um 20:48 Uhr
Tja, so geht das eben mal, wenn die Amis gehen( mit ihren 40 Helis) werden die halt durch 4 NH90 ersetzt, folglich ist die Überlebensfähigkteit von verwundeten auch nur noch ein bruchteil so groß wie jetzt, —->mehr Gefallene.
Aber 10 Jahre (2001-2011) sind ein Zeitraum indem ein Staat der sich (zurecht) als Technologieführer in den meisten Technologiegebieten schimpft, natürlich kein Zeitraum um 10-15 Medivac Helis für Afg klar zu machen.
29. September 2011 um 01:12 Uhr
Selbst Liechtenstein hat mehr Helicopter in Afghanistan!
29. September 2011 um 05:50 Uhr
Das ist ein Desaster. Die BRD muss bei Geiselsituationen am Horn von Afrika die GSG 9 auf einen amerikanischen Hubschrauberträger verfrachten. Und in Afghanistan fliegt das Kommando Spezialkräfte mit amerikanischen Transporthubschraubern.
Dilettantismus. Ich bin einfach nur noch schockiert.
29. September 2011 um 17:43 Uhr
Das hat nichts mit Dilettantismus zu tun, sonder damit, dass die Bundeswehr politisch gewollt und gesellschaftlich gestützt seit Jahrzehnten chronisch unterfinanziert ist. Würde man die Bundeswehr finanziell besser ausstatten würden sicher auch mehr und vor allem auch bessere Helikopter in AFG fliegen. Aber wie oben schon angeführt, der Bevölkerung ist es egal und die Politik spart die Armee zugrunde. Ein Armutszeugnis für eine der größten Industrienationen der Welt.
1. Oktober 2011 um 18:53 Uhr
@ Dr Stern
Selbst wenn die Bundeswehr das Doppelte an Geld bekäme,an der Trostlosen Situation würde sich rein gar nichts ändern,es fehlt schlichtweg der Wille eine schlagkräftige Armee aufzustellen.
Wie kommt es dass die Holländer oder Kanadier bei wesentlich kleinerem Etat über mehr Fähigkeiten verfügen als die Bundeswehr?
Der Grossteil des Wehretats geht an die Verwaltung und Bürokratie.
Den Schlagkräftigsten Teil unserer Armee.