Online-Sucht: 2,5 Millionen Deutsche sind “problematische Internetnutzer”, 560.000 sind “internetsüchtig” (Video)

von Sebastian ~ 26. September 2011. Zu lesen unter: Bund & more, Video.

Etwa 560.000 Menschn zwischen 14 und 64 Jahren leiden in Deutschland an einer Internet-Sucht. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmanns MdB (FDP) vorgestellt hat. 2,5 Millionen Deutsche werden demnach als “problematische Internetnutzer” eingestuft.

Die Süchtigen können der Studie zufolge ihre Online-Zeit nicht mehr kontrollieren. Sie leiden unter Entzugserscheinungen und verachlässigen ihr Sozial-Leben. Die Zahlen basieren auf einer vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten Studie “Prävalenz der Internetabhängigkeit (PINTA I)” der Universitäten Lübeck und Greifswald.

Dazu erklärt die Drogenbeauftragte: “Wir brauchen zielgenaue Präventionsarbeit und gute und effektive Beratungs- und Behandlungsangebote besonders für die junge Altersgruppe. Die Computerspiel- und Internetsucht wird im nächsten Jahr ein Schwerpunkt meiner Arbeit sein: Ich werde mich der Frage widmen, wie die Behandlung von Computerspiel- und Internetsüchtigen weiter verbessert werden kann, indem z. B. standardisierte Diagnose- und Behandlungsleitlinien entwickelt werden. Ich möchte zusammen mit Experten klären, ob und wie die Sucht-gefährdung in die Altersbewertung von Computerspielen aufgenommen werden kann. Besonders suchtgefährdende Spiele sollten anhand von klaren Kriterien ermittelt werden und eine höhere Altersbewertung erhalten.”

Internetabhängigkeit wird in der Studie unter anderem durch eine Reihe von Merkmalen bestimmt. Internetsüchtige leben fast nur noch in der virtuellen Welt des Internets. Die Betroffenen verlieren die Kontrolle darüber, wie viel Zeit sie im Internet verbringen, sie leiden unter Entzugserscheinungen wie Missstimmung, Angst, Reizbarkeit oder Langeweile, wenn sie nicht online sind. Abhängige nutzen das Internet, um schlechten Gefühlszuständen zu entrinnen und nehmen dabei auch negative Konsequenzen in Kauf. Sie gehen nicht mehr zur Arbeit oder zur Schule, vernachlässigen soziale Kontakte und verwahrlosen teilweise sogar körperlich. Wenn mehrere von diesen Kriterien gleichzeitig vorliegen, spricht man von einer Internetabhängigkeit.

Auffällig ist, dass in der Altersgruppe der 14- bis 16-Jährigen deutlich mehr Mädchen (4,9 %) als Jungen (3,1 %) internetabhängig sind. Die auffälligen Mädchen nutzen vorwiegend soziale Netzwerke im Internet (77,1 % der Abhängigen) und eher selten Onlinespiele (7,2 %). Die jungen Männer nutzen seltener soziale Netzwerke (64,8 %) und häufiger Onlinespiele (33,6 %). “Wir vermuten, dass Mädchen und junge Frauen besonders empfänglich sind für die Bestätigungen, die man in sozialen Netzwerken findet, und dadurch auch eher eine Abhängigkeit entwickeln können”, erklärt Privatdozent Dr. Hans-Jürgen Rumpf von der Universität Lübeck. “Das genaue Ausmaß dieser Störungen können wir aber erst in vertiefenden Befragungen untersuchen.”

Die Broschüre “Online sein mit Maß und Spaß” der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist unter : http://www.bzga.de/infomaterialien/suchtvorbeugung/ abrufbar.

Dazu das Video: Fluch und Segen – wenn das Internet zur Sucht wird | Politik direkt

[Textquelle: Drogenbeauftragte der Bundesregierung.de;
Bilderquelle: U.S. Army.mil, Computer-Vergleichsfotos: NCO Academy Teaches Leadership in Virtual Environment -Soldiers attending the 7th Army's NCO Academy learn leadership skills during simulated missions at the Joint Multinational Training Command in Grafenwoehr, Germany;
Army National Guard Sgt. Rebecca Pilmore talks to her team as driver Pfc. Lucas Graham (right) maneuvers through simulated convoy training Aug. 9. In the back of the “Humvee” are Spc. John Maddox, Pfc. Edward Seddon, and Staff Sgt. Jason Keirn (far back). The simulator allows the soldiers to talk back and forth while watching their progress on computer screens embedded in their goggles. Photo by Fred W. Baker III;
Videoquelle: Deutsche Welle.de, das Internet ist für viele junge Menschen DAS Kommunikationsmedium geworden. Doch einige macht es auch krank. Schätzungsweise rund eine halbe Million Menschen in Deutschland sind süchtig nach Chats, Sex-Websites oder Computerspielen. Das beunruhigt auch die Suchtexpertin der Regierung und den Gesundheitsminister. Eine Untersuchung beschreibt nun, wie schlimm Internetsucht ist.]

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