Briefe von der Heimatfront – Ich kämpf’ mich zu dir durch, mein Schatz
Mittwoch, 3. August 2011Von Feldpost-Briefen von Soldaten aus dem Einsatz in die Heimat – war schon viel zu lesen. Doch was schreiben die Angehörigen den Soldaten? Wie sieht die andere Seite der Feldpost von heute aus?
Mit dem Buch “Ich kämpf’ mich zu dir durch, mein Schatz. Briefe von der Heimatfront (2000 – 2010)”
rückt die Herausgeberin Katrin Schwarz einen wichtigen Briefwechsel in den Blickpunkt: “Unbeschreiblich Weibliches und tief Bewegendes” schrieb die Rhein-Zeitung:
Die Sammlung von Briefen von “Soldatenfrauen” – Partnerinnen, Mütter, Schwestern und Ehefrauen von Bundeswehrsoldaten – an ihre Männer in Afghanistan, im Kosovo oder vor Somalia beschreibt das Erleben an der “Heimatfront”, erzählt von Ängsten und Sorgen der Familien während eines Auslandseinsatzes, aber auch von Liebe und Sehnsucht, und der Bewältigung des nicht-alltäglichen Alltags als Angehörige eines Soldaten.
In berührender Weise lässt Katrin Schwarz jene zu Wort kommen, die zuhause bleiben, wenn der Soldat ins Ausland geschickt wird, und die versuchen, hinter ihm zu stehen, egal wo er ist.
“Würde mich schon irgendwie zu Dir durch kämpfen, oder ich würde es jedenfalls versuchen! Liebe und Sehnsucht sind da sicher sehr hilfreich.”
Julia, 17. April 2010
In einer Auswahl aus über 200 Briefen aus den letzten zehn Jahren zeigt Herausgeberin Katrin Schwarz die andere Seite der Feldpost – die Welt der Angehörigen von Soldaten im Auslandseinsatz. Frauen, die mit einem Soldaten verheiratet, anderweitig verwandt oder liiert sind, haben fast schon Exotenstatus.
Und von “Soldatenfrau” zu sprechen klingt in diesen emanzipierten Zeiten etwas rückständig. Aber der Beruf spielt im Falle der Bundeswehrangehörigen auch für die Familie eine so große Rolle, dass der Begriff “Soldatenfrau” Erfahrungswelten beschreibt, die sich im “zivilen” Leben kaum finden lassen. Seit 1993 beteiligt sich die Bundeswehr an friedenserhaltenden, stabilisierenden und auch friedenserzwingenden “Out of area”-Operationen.
Frau oder Freundin eines Soldaten zu sein bedeutet damit ebenfalls an einem Einsatz teilzunehmen, wenn es auch zuhause im gewohnten Umfeld ist. Nicht erst seit man vom “Krieg” in Afghanistan spricht, ist die Soldatenfrau auch von Kriegsschäden, Tod, Verwundung, Traumatisierung, in jedem Fall aber von der Angst davor, unmittelbar betroffen. Diese Erfahrungen außerhalb des Bundeswehrumfeldes zu teilen, ist schwer.
Auch in telekommunikations-verwöhnten Zeiten ist der klassische, handgeschriebene Brief für viele Angehörige wesentlichster Träger persönlicher Botschaften. Katrin Schwarz lässt die oft über Tage entstandenen Briefe zu Wort kommen und begleitet die Leser durch die Etappen eines Auslandeinsatzes aus der Sicht der Daheimgebliebenen.
In berührender Weise zeigt dieses Buch das Auf und Ab der Gefühle, das Vor und Zurück zwischen Offenheit und Rücksichtnahme, das Hin und Her zwischen banalem Alltag und herzzerreißender Sehnsucht und Angst, das die Angehörigen während eines bis zu zwölf Monate dauernden Auslandseinsatzes ihres Soldaten durchleben.
“Gott, Du fehlst mir so sehr. Es ist wie sterben. Wenn einem die Luft genommen wird oder einem das Leben ausgesaugt wird. Aber ich weiß, dass Du wieder kommst, auch wenn es sechs Jahre dauert, ich warte auf Dich. Bis ans Ende meiner Tage.
Ich liebe Dich über alles mein Held”
Melanie, ohne Datum
Herausgeberin:
Katrin Schwarz (Bild rechts) wurde 1964 in Berlin geboren. Aufgewachsen in Hessen wohnt sie nach mehreren Umzügen mit ihrem Ehemann und ihren vier Kindern nun in Rheinland-Pfalz. Die Diplomverwaltungswirtin engagiert sich seit dem Jahr 2000 ehrenamtlich für die Interessen von Soldatenfamilien und betreibt die Internet-Plattform http://www.frauzufrau.de/joomla/
Ich kämpf’ mich zu dir durch, mein Schatz
Briefe von der Heimatfront (2000 – 2010)
Broschur, 176 Seiten, € 14,90 (D)
ISBN 978-3-940461-16-2
adatia Verlag / Sankt Augustin
Juli 2011
(Bild-, Grafikquelle, Textauszüge: adatia Verlag)







