Privatisierung der Piratenbekämpfung

von Sebastian ~ 17. August 2011. Zu lesen unter: Auslandseinsätze, EU NAVFOR Somalia, EU-Missionen.

Mehr Schlagkraft erforderlich

Was Deutschland und die EU bislang gegen die Piraterie vor Somalia unternehmen, sind allenfalls gezielte Nadelstiche. Eine schlagkräftige Anti-Piraten-Mission sieht anders aus. Die beteiligten EU-Länder haben bisher viel zu wenige Kriegsschiffe in den Einsatz gegen die perfekt organisierten Seeräuber geschickt.

So ist es kein Wunder, dass die Zahl der Piraten-Attacken in den vergangenen Monaten neue Höchststände erreicht hat. Doch es geht längst um weit mehr als Piraterie: Jeder Beutezug der Kriminellen zur See mästet auch die somalischen Al-Shabaab-Milizen, die kräftig mitverdienen. Und ein Teil des Geldes fließt nach Erkenntnissen der Geheimdienste an Al-Kaida weiter. Es ist also höchste Zeit, den Kampf gegen die Piraterie deutlich zu verschärfen.

Weil das Militär in einem riesigen Seegebiet vor Ostafrika aber niemals lückenlosen Schutz garantieren kann, müssen sich die Reeder auch selbst helfen. Es ist der richtige Ansatz, Handelsschiffe verstärkt mit Schutzteams zu verteidigen. Ob dafür auf deutschen Schiffen private Sicherheitsleute, Polizisten oder Soldaten eingesetzt werden dürfen, sollte zweitrangig sein. Entscheidend ist, die gesetzlichen Grundlagen schnell zu schaffen. Zudem gilt es, das Mandat für die Anti-Piraten-Mission der EU so zu erweitern, dass auch Mutterschiffe der Seeräuber zerstört werden dürfen. Und drittens bedarf es eines politischen Aktionsplans, der den Zerfall Somalias stoppt. (Zitatende)

Kommentiert die “Neue Osnabrücker Zeitung”.

Soldatenglück.de ergänzt: Bundesregierung und Bundestag wollen nach der Sommerpause eine Gesetzes-Initiative auf den Weg bringen bzw. beschliessen, die privaten Sicherheitsfirmen erlaubt und ermöglicht, weltweit und schwer bewaffnet den Schutz der deutschen Handelsschifffahrt an Bord zu gewährleisten. Maritim spezialisierte Sicherheitsfirmen sollen von der Bundespolizei geprüft und zertifiziert werden, um mit deutschen Reedereien zusammenwirken zu können.
Spezialisierte Einsatzkräfte der Bundeswehr etwa von der Marine (Bild unten, Boardingteam der SEK M) oder den KSK sowie die GSG 9 der Bundespolizei können für solche Schutz-Erfordernisse nicht dauerhaft gestellt werden, sie kommen z.B. im Rahmen von EU NAVFOR, in Geiselnahmesituationen oder sonstig aktuellen Gefährdungen zum Einsatz.
Gleichwohl bietet sich für ehemalige Soldaten (SaZ) nach Dienstzeitende, insbesondere der SEK M oder sonstiger Spezialkräfte, ein interessantes Tätigkeitsfeld bei solchen Private Security Companies. Wir werden weiter über die Entwicklungen informieren.

(Textquele kursiv: Neue Osnabrücker Zeitung.de;
Kartengrafik: Marine.de, weltweite Piraterie als Bedrohung für die Handelswege und die Schiffe der Reddereien;
Bildquelle: Marine.de, Boardingskräfte der SEK M

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1 Kommentar zu Privatisierung der Piratenbekämpfung

  1. JFHF

    Dieser Artikel http://www.zeit.de/2010/08/Somalia beschreibt treffend den “Zustand der somalischen Marine” und ist ein weiterer Beweis für die Nicht-Existenz dieses Staates, Es fragt sich auch angesichts des Hamburger Prozesses, ob nicht die Hintermänner der Piraterie eher in Anwaltskreisen zu suchen sein sollten. Jedenfalls macht diese Personengruppe einen gewaltigen Reibach damit. Was wäre, wenn …

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