Reportage Teil 4: Psychologische Betreuung (Video)
von Oliver ~ 28. Juli 2011. Zu lesen unter: Bundeswehr, ISAF, Video.Günther Henel begleitet die Bundeswehr in Afghanistan
Die Gefahr für die deutschen Soldaten in Afghanistan ist allgegenwärtig – sie lauert immer und überall. Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm, umso seltener sind die Bilder, die SWR-Reporter Günther Henel vom Feldlager in Kundus mitgebracht hat. Entstanden sind acht Reportagen.
Teil 4:
Psychologische Betreuung
Oberstleutnant Edith Kellner ist als Truppenpsychologin im Feldlager Kundus der Bundeswehr eingesetzt. Sie kommt aus der Nähe von Tuttlingen und ist seit 2003 bei der Bundeswehr. Der Job als Truppenpsychologin verlangt Edith Kellner alles ab. Salopp ausgedrückt ist sie die Abladestelle für seelische Angelegenheiten der Soldatinnen und Soldaten. Immer, wenn ein Soldat gefallen ist oder es Verwundete bei Kämpfen mit Taliban gegeben hat, dann ist die Psychologin zur Stelle. Und das war oft in den letzten Monaten. Unterstützt wird sie von einem Militärpfarrer. Manche Soldaten im Einsatz erfahren von Schwierigkeiten der daheim gebliebenen Angehörigen. Oder die Frau oder Freundin trennt sich, weil der Mann oder die Frau zu lange im Auslandseinsatz ist. Manchmal sind es aber auch nur die Ängste und Nöte, die Soldaten im Einsatz durchleben. Edith Kellner ist 24 Stunden zur Stelle und hat Günther Henel bei ihrer Arbeit mit der Kamera zu schauen lassen.
Soldatenglück berichtete: Reportage Teil 3: Elektriker im Feldlager Kundus
Soldatenglück berichtete: Reportage Teil 2: Sicherheit der Soldaten
Soldatenglück berichtete: Reportage Teil 1: Bundeswehr in Afghanistan
(Video- und Textquelle kursiv: SWR Landesschau Baden-Württemberg 27.7.2011 via Youtube; Bildquelle: Stellung Polizei HQ ASB (Task Force Kunduz) mit MG3 in Afghanistan.©Bundeswehr/von Söhnen Aufnahmedatum: 24.10.2010 Bestimmte Rechte vorbehalten)























29. Juli 2011 um 11:22 Uhr
Frage an die Experten:
Warum trägt die Truppenpsychologin Edith Kellner ein Fallschirmspringerbarrett und Oberstleutnant-Rangschlaufen und nicht ein blaues San-Barrett und Oberstabsarzt-Rangschlaufen?? Wie soll man die Sanis von den Kämpfern unterscheiden?
29. Juli 2011 um 14:20 Uhr
Weil eine Psychologin kein Psychiater ist, und somit kein Arzt?
29. Juli 2011 um 14:23 Uhr
Obige Erklärung erklärt natürlich nicht die Farbe ihres Barretts, diese erklärt sich durch ihre Angehörigkeit zu einer Luftlandeeinheit, wäre Frau Kellner Angehörige einer Panzergrenadiereinheit oder einer Sanitätseinheit würde sie analog dazu das betreffende Barrett der angeführten Einheiten tragen.
29. Juli 2011 um 19:51 Uhr
Ach ja und Sanis von den Kämpfern unterscheidet man im Verteidigungsfall durch die weiße Armbinde mit dem roten Kreuz/roten Halbmond, wie in den Genfer Konventionen festgelegt ist.
30. Juli 2011 um 13:35 Uhr
Aha Danke!
Aber wieso wird ein Sani wozu eine Psychologin ja doch eher zählt als zu Faltschirmjägern dann in deren Bataillon verlegt, zumal wenn wie hier die Frau als Seiteneinsteigerin in die BW kam? Sie kann doch auch als Sani nach Afghanistan gehe. Ich habe schon Bilder gesehen, wo Ärztinnen in Afghanistan ein blaues Schiffchen trugen, also von der Marine kamen.
30. Juli 2011 um 18:01 Uhr
Eine Psychologin zählt eben nicht zu den Sanis, eine Psychologin genießt keinerlei medizinische Ausbildung abgesehen vom Erste-Hilfe-Kurs für den Führerschein und der Erste-Hilfe-Ausbildung die jeder Soldat der Bundeswehr erhält. Deshalb wird sie entsprechend ihrer Funktion als Betreuerin den Truppenteilen angeschlossen, welche dieser Betreuung bedürfen. In diesem Fall hat Frau Kellner also instinktiv alles richtig gemacht, und sich einer Luftlandeeinheit angeschlossen. Aber nocheinmal, ein Psychologe ist KEIN Arzt. Psychologie ist ein geistes-/sozialwissenschaftliches Studium. Ein Psychologe kann zwar die Weiterbildung zum Psychotherapeuten machen und somit Gesprächstherapien und ähnliches anbieten, aber ist weiterhin in keinem Falle berechtigt Medikamente zu verschreiben, dies ist die ureigenste Aufgabe von Psychiatern. Ein Psychiater kann in Deutschland nur werden, wer Medizin studiert hat und nach dem Abschluß noch eine 5-6jährige Weiterbildung zum Facharzt für Psychiatrie absolviert.
Die Uniformen von Sanitätern und Sanitätsoffizieren sind etwas komplizierter. Die Sanität innerhalb der Bundeswehr ist abgesehen von wenigen Ausnahmen in einer zentralen Organisationsform zusammengefasst, dem Zentralen Sanitätsdienst. Der ZSanDienst hat aber keine eigene Uniform, deshalb gibt es innerhalb dieser Organisationsstruktur immernoch Heeres-, Luftwaffen- und Marineuniformträger, d.h. die Sanitäter und Sanitätsoffiziere können sich vor Eintritt in die Bundeswehr aussuchen, welche Uniform sie später einmal tragen wollen. Diese tragen sie dann auch im klinischen oder im Truppen-/Einsatzalltag. Das blaue Schiffchen trägt die Luftwaffe, die Marine trägt schwarze Schiffchen und das Heer trägt Barett.
31. Juli 2011 um 11:08 Uhr
Nochmal vielen Dank!
Und trotzdem eine Nachfrage: Wer könnte denn neben Psychologen noch quasi von außen einer solchen Truppeneinheit als Betreuer o.ä. angeschlossen werden und wird dann auch gleich mit so einem hohen Rang versehen? Oberstleutnant ist ja sehr viel für nur ein Psychologiestudium absolviert, Hauptmann würde (analog zum Arzt) ja auch reichen? Oder hat die Psychologin in der Truppe schon Beförderungen erfahren, da sie ja schon länger dabei ist? Sie hat ja so fast den Rang des Battalionschef (Oberst).
31. Juli 2011 um 11:30 Uhr
@Luna – Psychologen sind bei der Bundeswehr eine “Mangel ATN”. Aufgrund der zivilberuflichen Eignung finden Psychologen zB von der zivilen Wehrverwaltung oder aus dem “Zivilleben” gleich mit höherem Dienstgrad (entsprechend ihrer akademischen Vorbildung) Verwendung bei der Bundeswehr. Sie werden gleich als Hauptmann/KptLt oder Major/KorvKpt eingestellt mit den Zusatz “vorläufig”, wenn sie sich im Truppendienst bewähren, entfällt das “vorläufig”. Vergleichbares gilt für Ingenieure, Juristen, Soziologen, Metereologen, Mediziner, Historiker oder andere Akademiker, die die Streitkräfte brauchen, aber nicht genügend aus eigenen Aufwuchs haben.
Wenn eine Regierungsoberrätin aus der Wehrverwaltung in Uniform als StabsOffz und Truppenpsychologin Dienst tut, ist sie Oberstleutnant, ein Seiteneinsteiger, der als Hauptmann eingestellt wurde, macht immer mal wieder eine Wehrübung oder Auslandsverwendung mit, so wird er auch befördert ohne 15-20 Jahre gedient zu haben, aber die dienstlichen Beurteilungen müssen schon stimmen.
31. Juli 2011 um 14:41 Uhr
@Luna: Etwas Off-Topic, aber es freut mich, dass wir beide uns auch mal ohne wüste Beschimpfungen unterhalten können. Ich werde mich in Zukunft also versuchen zu mäßigen, und vielleicht können wir dann beide vom Wissen und der Erfahrung des anderen profitieren. Beide Daumen hoch dafür!!