Reportage Teil 1: Bundeswehr in Afghanistan (Video)

von Oliver ~ 22. Juli 2011. Zu lesen unter: Bundeswehr, ISAF, Video.

Günther Henel begleitet die Bundeswehr in Afghanistan

Die Gefahr für die deutschen Soldaten in Afghanistan ist allgegenwärtig – sie lauert immer und überall. Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm, umso seltener sind die Bilder, die SWR-Reporter Günther Henel vom Feldlager in Kundus mitgebracht hat. Entstanden sind acht Reportagen.

SWR-Reporter Günther Henel hat gute Kontakte zur Bundeswehr in Ulm und den stationierten Soldaten in Afghanistan. Die leisten dort einen außergewöhnlichen und sehr gefährlichen Dienst. Sechs Wochen lang war er bei den Truppen in Kundus und hat jede Menge Geschichten mitgebracht. Er begleitete Soldaten in der verschiedensten Funktionen und stellt ihren Alltag vor – vom Kommandanten, über den Elektriker bis zur Truppenpsychologin. Acht Reportagen sind entstanden, die ein eindrückliches Bild der Soldaten in Afghanistan zeigen – darunter auch viele aus Baden-Württemberg.

Teil 1:

Oberst Norbert Sabrautzki, Kommandeur des Feldlagers Kundus.

Kommandeur im Feldlager Kundus zu sein, ist sicher ein gefährlicher Job. Wenn nicht überhaupt der gefährlichste, den die Bundeswehr zur Zeit zu vergeben hat. Oberst Sabrautzki weiß, dass der Gegner – Taliban und andere Terroristen – nach seinem Leben trachten. Wenn man den Kommandeur einer Truppe erwischen würde, würde das die Schwächen der Soldaten aufdecken. Trotzdem fährt Sabrautzki immer wieder zu Treffen mit afghanischen Offiziellen nach Kundus oder Taloqan. Überall im Norden von Afghanistan gibt es Projekte, die von Deutschland gefördert werden. Die Bundeswehr soll die Projekte vor Angriffen schützen. Manchmal ein schwieriges Unterfangen. Günther Henel hat Oberst Norbert Sabrautzki bei seiner Arbeit begleiten dürfen.

Die restlichen Folgen werden in den nächsten Tagen ausgestrahlt. Die Themen:

Sicherheit der Soldaten

Die Soldaten im Feldlager Kundus leben mit einer ständigen Bedrohung. Zwar haben die Raketenangriffe nachgelassen, weil die Truppe verstärkt außerhalb des Lagers nach Taliban – Kämpfern sucht. Zudem wurden die Sicherheitseinrichtungen verbessert. Allerdings kommen jeden Tag rund 500 einheimische Arbeitskräfte ins Feldlager. Es wird gebaut, die Unterkünfte müssen gereinigt werden und im Lager werden auch Handwerker ausgebildet. Für die Überprüfung der Afghanen ist der 34-jährige Hauptfeldwebel Daniel aus Rastatt verantwortlich. Aus Sicherheitsgründen nennen wir nur seinen Vornamen.

Infrastruktur: Elektriker im Feldlager Kundus

Elektromeister Gebhard Stein ist Reservist und arbeitet als Zivilist bei Wehrverwaltung der Bundeswehr in Ulm. Stein ist bereits zum 6. Mal in Afghanistan im Einsatz. Er hat im Feldlager Kundus schon so manchen Taliban-Angriff miterlebt. Und es ist nicht ungefährlicher in Kundus geworden. Der Elektromeister ist auch für die Elektrik in den Außenposten zuständig. Dazu fährt er immer wieder auf den gefährlichen Straßen im Einsatzgebiet. Besonderen Spaß hat Elektromeister, wenn er jungen Afghanen sein Handwerk beibringen kann. Genau dass ist es, was das kriegsgebeutelte Land dringend braucht. Ausgebildete Handwerker! Günther Henel hat den Ulmer Elektromeister im Einsatz begleitet.

Edith Kellner kümmert sich um die Wunden der Seelen

Oberstleutnant Edith Kellner ist als Truppenpsychologin im Feldlager Kundus der Bundeswehr eingesetzt. Sie kommt aus der Nähe von Tuttlingen und ist seit 2003 bei der Bundeswehr. Der Job als Truppenpsychologin verlangt Edith Kellner alles ab. Salopp ausgedrückt ist sie die Abladestelle für seelische Angelegenheiten der Soldatinnen und Soldaten. Immer, wenn ein Soldat gefallen ist oder es Verwundete bei Kämpfen mit Taliban gegeben hat, dann ist die Psychologin zur Stelle. Und das war oft in den letzten Monaten. Unterstützt wird sie von einem Militärpfarrer. Manche Soldaten im Einsatz erfahren von Schwierigkeiten der daheim gebliebenen Angehörigen. Oder die Frau oder Freundin trennt sich, weil der Mann oder die Frau zu lange im Auslandseinsatz ist. Manchmal sind es aber auch nur die Ängste und Nöte, die Soldaten im Einsatz durchleben. Edith Kellner ist 24 Stunden zur Stelle und hat Günther Henel bei ihrer Arbeit mit der Kamera zu schauen lassen.

Operieren im Lazarett Kundus

Im Feldlazarett Kundus gibt es immer wieder dramatische Kämpfe um das Leben von verwundeten Soldaten. Manchmal ist die Hilfe vergebens. Bislang hat die Bundeswehr über 50 gefallene Soldaten zu beklagen. Das Lazarett in Kundus ist so ausgerüstet wie ein deutsches Kreiskrankenhaus. Das medizinische Personal leistet Schwerstarbeit. Aber nicht nur unsere Soldaten werden in Kundus behandelt. Auch Afghanen landen oft auf dem Operationstisch. Manche haben schwere Verletzungen wegen eines Verkehrsunfalls. Andere werden amputiert, weil sie bei Sprengstoffexplosionen schwerste Verletzungen davon getragen haben. Günther Henel hat den OP–Pfleger Dietmar Rehmann und den Unfallchirurgen Hans Joachim Riesner vom Ulmer Bundeswehrkrankenhaus bei ihrer Arbeit begleiten können.

Versorgung aus der Luft

Über 1000 Soldaten leben und arbeiten im Feldlager im afghanischen Kundus. Manche bleiben nur im Lager, um den Betrieb und die Versorgung aufrecht zu erhalten. Andere müssen jeden Tag und Nacht raus, um Taliban–Kämpfer zu suchen. Oft genug werden sie dabei auch in tödliche Gefechte verwickelt. Sämtliche Waffen, Panzer und anderes schweres Gerät muss eingeflogen werden. Alles was zum täglichen Bedarf gehört, wie Verpflegung, Hygieneartikel und Getränke, kommen teils über den gefährlichen Landweg, meist aber aus der Luft. Zuständig dafür ist der Luftumschlagzug. Oft haben die Männer und Frauen von bis zu 180 Tonnen Material zu bewegen. Stabsfeldwebel Gunder Neumeister ist Lufttransportzugführer und in Kundus für den reibungslosen Ablauf verantwortlich. Günther Henel hat den Waiblinger in Kundus bei der Arbeit beobachtet.

Ausbildung von Afghanischen Soldaten

„Partnering“ heißt das neue Konzept der Bundeswehr in Afghanistan. Deutsche Soldaten bilden afghanische Soldaten aus. Es ist eine Mammutaufgabe. Vertrauen ist gefragt. Aber in letzter Zeit haben immer wieder eingeschleuste Taliban–Kämpfer plötzlich das Feuer auf die Ausbilder eröffnet. Auch deutsche Soldaten wurden schon getötet und verwundet. Also bleibt immer ein Misstrauen gegenüber die Afghanen. Denn die Aufgabe ist für die Deutschen ein Himmelfahrtskommando, weil sie zusammen mit den Afghanen auch in die Einsätze müssen. Hauptmann Daniel kommt von der Schwäbischen Alb und bildet afghanische Männer der 2. Kompanie des 6. Afghanischen Kandak–Regiments aus. Günther Henel hat Hauptmann Daniel bei der Arbeit beobachtet.

Personenschutz für den Kommandeur

Uwe Deißler ist Feldjäger und Personenschützer im Bundeswehr–Feldlager im afghanischen Kundus. Deißler kommt aus dem Allgäu und ist zum vierten Mal im Afghanistan-Einsatz. Der 46–Jährige leitet ein Feldjäger Team aus Ulm und ist für die Sicherheit des Kommandeurs des Feldlagers verantwortlich. Eine gefährliche Aufgabe, weil der Kommandeur immer im Visier der Taliban ist. In den vergangenen Wochen gab es mehrere Attacken auf den Oberst und somit auch auf die Personenschützer. Kürzlich explodierte eine Bombe in der Nähe des Teams. Deißler und sein Schützling haben alles gut überstanden. Sie haben Glück gehabt. Aber wie ist das, wenn man ein anderes Leben schützen muss und das eigene verloren gehen kann? Eine Frage, die nicht leicht zu beantworten ist. Uwe Deißler spricht nicht gerne darüber. Er macht nur seinen Job und Günther Henel durfte mit der Kamera dabei sein.

(Video- und Textquelle kursiv: SWR Landesschau Baden-Württemberg 21.7.2011 via Youtube; Bildquelle: German Army Pvt. 1st Class Michael conducts a surveillance of a neighboring village; Members of the German Quick Reaction Force in Camp Marmal, conduct vulnerable checkpoint training; German Army Staff Sgt. Andreas Military Police training, source isafmedia Bestimmte Rechte vorbehalten)

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