Deutschlands Rüstungsschmiede KMW verkauft 200 Kampfpanzer LEOPARD 2 A7 an Saudi-Arabien (Video)
von Sebastian ~ 2. Juli 2011. Zu lesen unter: Rüstungsindustrie, Video.Die Bundeswehr baut den Kampfpanzer LEOPARD ab und vergibt seine ausgedienten Modelle an NATO und andere LEOPARD-Nutzerstaaten, der Hersteller Krauss-Maffei Wegmann (KMW) baut den Spitzen-Panzer hingegen modernisiert weiter.
Der Rüstungskonzen KMW entwickelt die HighTech-Waffe weiter und produziert für den Weltmarkt, zuletzt die modernste Version LEOPARD 2 A7 (Video unten, der erste LEO im Bild oben), zumindest für den Absatzmarkt, den die Bundesregierung zulässt – der Ölstaat Königreich Saudi-Arabien gehört nun auch im Segement schwere Waffen dazu.
Â
Deutschland war bis vor kurzem Exportweltmeister aller Güter im Welthandel, in Sachen Rüstungsgüter hat es sich amtlich kontrolliert durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) in Eschborn im Geschäftsbereich des Berliner Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) eine gewisse Zurückhaltung mit “Demokratie-Vorbehalt” auferlegt, wenn es um wenig demokratische Länder oder um Krisenstaaten als Export-Adressaten ging. Denoch ist die Bundesrepublik weltweit bei Waffenexporten nach den Berechnungen des Stockholmer SIPRI-Institutes auf dem dritten Platz nach den USA und Russland. Dieses LEOPARD-Waffengeschäft von KWM (auch Rheinmetall aus Düsseldorf meldet glänzende Geschäftsjahre) mit Riad könnte im Milliardenumfang den vorderen Platz sichern und das deutsche “Demokratie-Vorbehalt”-Zöllibat künftig weiter aufweichen, zuletzt gingen EADS-Eurofighter nach Indien, das mit Pakistan im Konflikt liegt.
SPIEGEL ONLINE berichtet dazu: Waffen-Deal – Deutschland verkauft Saudi-Arabien 200 Kampfpanzer und bemängelt dass es sich bei Saudi-Arabien um keine Vorzeige-Demokratie handelt und saudisches Militär und Sicherheitskräfte noch vor wenigen Wochen im kleinen, östlichen Nachbarstaat Bahrain (Karte unten) Proteste des “arabischen Frühlings” niederschlugen.
Die letzte Pressemitteilung von KWM lautet:
“Krauss-Maffei Wegmann (KMW) hat vom Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) in Koblenz den Auftrag zur Fertigung und Lieferung von 39 DINGO 2 in der modernsten Version DINGO 2 GE A3.3 erhalten. Der Vizepräsident des BWB, Reinhard Schütte, und KMW Geschäftsführer Jürgen Weber unterzeichneten heute in Koblenz einen entsprechenden Vertrag. KMW wird die Fahrzeuge noch bis November 2011 an die Bundeswehr ausliefern … mehr“
Vom LEO-Deal mit den Saudis wurde von der Münchner KWM-Zentrale offiziell noch nichts mitgeteilt.
(Videoquelle: via YouTube, der Prototyp des Leopard 2A7+, erstmalig vorgestellt bei der ILÜ 2010 auf dem TrpÜbPl Munster;
Bildquelle: Bundeswehr.de, historisches Foto: erster Leopard rollt vom Band – Der erste Leopard rollt im Beisein des Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Ulrich de Maizière (Vater des derzeitigen Verteidigungsministers), und dem Bundesminister der Verteidigung, Kai-Uwe von Hassel, in München vom Band;
ein LEOPARD durchfährt ein Gewässer;
Grafikquelle: CIA.gov, Karte von Saudi-Arabien)

























3. Juli 2011 um 02:41 Uhr
Der Deal ist noch nicht in trockenen Tüchern und ich persönlich fände ihn angesichts des Verhaltens der saudischen Streitkräfte in Verlauf der Volksaufstände im Nachbarland auch tatsächlich ziemlich fragwürdig, zudem da es sich mit dem Räumschild so wunderbar gegen Barrikaden brettern lässt. Das sendet falsche Signale vom Allerfeinsten aus.
3. Juli 2011 um 04:42 Uhr
Der Tag wird kommen, an dem wir gegen unsere eigenen Waffen ins Gefecht ziehen. Und dann wird das gejammer gross sein und man wird von schweren Fehlern beim Rüstungsexport sprechen. Aber dann will es wieder keiner gewesen sein, während Leo 2 Panzer deutsche Soldaten angreifen….
3. Juli 2011 um 14:03 Uhr
Sehr fragwürdig das Ganze. Ich kann mich noch gut an den Zwist in der rot-grünen Koalition unter Gas-Gerd erinnern. Damals ging es um das Vorhaben der Türkei Leopard II Panzer zu beschaffen. Der Bitte des langjährigen und verlässlichen NATO-Partners wurde nicht entsprochen, KMW musste das Geschäft (leider) abschreiben. Die Türkei baut nun – mit südkoreanischer Hilfe – einen eigenen Panzer (Altay genannt) und hat nur geringe Stückzahl Leopard aus Ex-BW Beständen übernommen. Grund für die Ablehnung des Geschäfts war die Befürchtung, dass die Türkei die Systeme evtl. in den Kurdengebieten einsetzen könnte. Janusköpfig (aber typisch für die Haltung der Grünen) war, das der gegen das Geschäft opponierende Joseph Fischer gleichzeitig für einen EU-Beitritt des Landes eintrat – er attestierte sogar Fortschritte im Bezug auf die Einhaltung der Menschenrechte, der Achtung und dem Schutz von Minderheiten und sah das Land auf einem guten Weg in Richtung Europa/EU (was falsch war, siehe die Entwicklung unter Erdogan in den vergangenen Jahren). Wie will man denn nun seitens der Politik einen Deal (moralisch/rechtlich) rechtfertigen, der ein völlig undemokratisches, anti-westliches, anti-christliches, anti-jüdisches Regime mit derart schlagkräftigen Waffensystemen versorgt? Das schlägt doch dem Fass den Boden aus! Von was für Hasardeuren werden wir eigentlich regiert? Gehört das schon zum Aufmarschplan gegen den Iran? Dessen Ambitionen in der Region kommen ja bei den saudischen Verbrechern nicht so gut an…um ein anderes Übel zu beseitigen wird aber nur ein weiteres Übel geschaffen, so schaut´s doch aus. Wer Libyen bombardiert müsste eigentlich in Riad weitermachen. Der Feind meines Feindes ist mein Freund – aber das kann sich auch schnell mal ändern, siehe Taliban in Afghanistan…Nein zum Deal, aber ja zu neuen Leopard 2A7 für die BW. Die hat es nötiger als die Wüstensöhne…(Töchter zählen in diesem fortschrittlichen, toleranten und sympathischen Land ja nichts…). Aber wen juckt das schon in Anti-Atom-”Schland”…Die Wahhabiten bekommen eh was sie wollen…
3. Juli 2011 um 14:29 Uhr
Noch ein kleiner Nachtrag zum Thema Saudi-Arabien…sehr lesenswert!
http://www.faz.net/artikel/C30923/verfassungsschuetzer-warnen-saudi-arabien-unterstuetzt-salafisten-in-deutschland-30453586.html
3. Juli 2011 um 15:01 Uhr
Keine Panik. Falls wir mal gegen Saudi Arabien kämpfen, können wir ihnen einfach die logistische Unterstützung verweigern :p
Die Saudis haben amerikanische Abrams und russische T-90. Ein bunter Fuhrpark und bei anderen Waffensystemen sieht es ähnlich aus. Um eigenständige Wartung und Logistik kümmert man sich wenig (wie in anderen arabischen Armeen auch). Statt dessen werden die Hersteller und andere Firmen damit beauftragt.
3. Juli 2011 um 15:30 Uhr
Das saudische Militär is n Witz. Zusammengekauft wie von einem Kind bei Toys R Us, aber kaum jemand kann da mit dem ganzen High End Zeug umgehen. Saudische Piloten auf internationalen Übungen gelten gemeinhin als Gefährdung für sich selbst und andere…. Die haben WIRKLICH zuviel Geld, diese Saudis. Ich würde vermuten, die würden in einem echten Krieg gegen den Iran auf Basis 1 vs. 1 den kürzeren Ziehen, weil kein Schwein zum rechtzeitigen Zeitpunkt die richtigen Knöpfe drücken kann, die Iraner mit ihren Steinzeitwaffen (relativ gesehen) hingegen haben da wenig Probleme… ^^
3. Juli 2011 um 15:45 Uhr
Also Kampfpanzer sind ein Relikt aus einer anderen Zeit! Heutzutage werden von modernen Armeen keine großen Stückzahlen an Kampfpanzern mehr unterhalten. Einen klassischen Panzerkrieg wird es nicht mehr geben. Sie lassen sich von Flugzeugen, Raketen (Satelitengeführt) und Kampfhubschraubern (Apache, Tiger) leicht ausschalten. Einen Krieg gegen (“eigene”) Kampfpanzer wird von der NATO relativ leicht zu gewinnen sein. Also lasst die Saudis doch die Panzer kaufen.
3. Juli 2011 um 17:23 Uhr
@Bruno: Täuschen sie sich da mal nicht. Kampfpanzer haben auf einem Schlachtfeld auch heute noch ihren Nutzen. Desweiteren ist mit dem Aufkommen moderner aktiver Schutzsysteme (s. israelisches “Trophy”) auch mit einem Kampfhubschrauber in Zukunft nicht so einfach ein Stich gegen Panzertruppen zu machen. Das ist nicht zu vergleichen mit dem “Müll” von Panzerheer, welches Sadam damals auffahren liess.
3. Juli 2011 um 17:29 Uhr
Panzer sind und bleiben eine Schwerpunktwaffe. Wenn es nicht gelingt ALLE gegnerischen Panzer auszuschalten, bzw. wenn zwei Panzerheere gegeneinander kämpfen, dann kann selbst ein kleiner Trupp von übriggebliebenen Kampfpanzern, sagen wir 10 von ursprünglich 200 Stück, mutterseelenalleine noch schweren Schaden anrichten und die Schlacht entscheiden, weil niemand mehr etwas dagegen ausrichten kann, weil alle Panzerabwehrwaffen verschossen sind, etc., desweiteren können sie mit einem modernen Panzer problemlos auf mehrere Kilometer angreifende Hubschrauber vom Himmel holen.
6. Juli 2011 um 08:15 Uhr
man beachte die landkarte in der mitte. strategisch gesehen zieht sich die schlinge um den iran immer weiter zu. mit 200 solcher hochmodernen geräte wird der saudische staat ein nützlicher unterstützer, wenn es dort soweit ist.
noch anzumerken: dieser deal wurde von den usa und israel abgenickt, sonst wäre er gar nicht erst zustande gekommen.
es wird zeit, mal 1 und 1 zusammen zu zählen… danke für eure aufmerksamkeit.
6. Juli 2011 um 12:03 Uhr
Die Saudis hätten auch ohne die 200 Leopard 2 ausreichend Wehrmaterial um den Iran theoretisch im Alleingang zu besiegen. Praktisch fehlt es ihnen aber an Ausbildung und und Kompetenz und daran würden auch 1000+ Leopard 2 nichts ändern.
11. August 2011 um 00:48 Uhr
[...] http://soldatenglueck.de/2011/07/02/60504/deutschlands-rustungsschmiede-kmw-verkauft-200-kampfpanzer... [...]
11. August 2011 um 00:58 Uhr
[...] http://soldatenglueck.de/2011/07/02/60504/deutschlands-rustungsschmiede-kmw-verkauft-200-kampfpanzer... [...]