Talokan/Afghanistan: Der deutsche ISAF-General Markus Kneip war Taliban-Anschlagsziel, er wurde verwundet, zwei Bundeswehr-Soldaten fielen, weitere Menschen wurden verwundet oder getötet (Video)
von Sebastian ~ 28. Mai 2011. Zu lesen unter: Auslandseinsätze, ISAF, NATO-Missionen.
Das Einsatzführungskommando der Bundeswehr (EinsFüKdoBw) meldet:
Afghanistan: Sprengstoffanschlag in Talokan
Berlin/Talokan, 28.05.2011, Einstellzeit: 19:30 Uhr.
Am 28. Mai gegen 14:10 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (16:40 Uhr afghanischer Ortszeit) wurde auf den Gouverneurspalast in Talokan ein Sprengstoffanschlag verübt.
Nach derzeitigem Erkenntnisstand sind zwei deutsche Soldaten gefallen. Drei deutsche Soldaten, darunter der Kommandeur des Regionalkommandos Nord, Generalmajor Markus Kneip, wurden verwundet. Die medizinische Versorgung wurde eingeleitet.
Stand: 16:00 Uhr
1. Aktuallisierung (Stand: 20:40 Uhr)
Nach neuesten Informationen wurden bei dem Anschlag fünf deutsche Soldaten verwundet (4 leicht und 1 schwer).
Zum Zeitpunkt des Anschlags befand sich eine hochrangige deutsch-afghanische Delegation zu Gesprächen im Gouverneurspalast. Vermutlich wurde der Angriff von mehreren Selbstmordattentätern durchgeführt.
Die Verwundeten wurden zunächst mit Hubschraubern zur weiteren medizinischen Versorgung in das Rettungszentrum des Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) Kundus ausgeflogen. Vier Soldaten wurden zwischenzeitlich in das Einsatzlazarett Masar-i Scharif verlegt, einer kehrte zu seiner Einheit zurück.
Bei dem Anschlag wurden noch weitere Menschen getötet und verletzt, wobei die Zahlen bisher noch nicht bekannt sind.
Einstellzeit: 21.20 Uhr (Zitatende)
Ein Taliban-Sprecher meldete sich kurz nach dem erfolgten Sprengstoff-Attentat bei dem deutschen Nachrichten-Magazin SPIEGEL und bekannte sich für die radikal-islamische Terrorgruppe zu dem Anschlag, SPIEGEL ONLINE berichtet mit weiteren Detailinformationen und aktuellen Bildern vom Tatort: Taliban töten zwei Bundeswehrsoldaten – General verletzt.
Mit den beiden heutigen Opfern hat Deutschland dem Verlust von 51. Bundeswehr-Soldaten im Afghanistan-Einsatz, die durch Feindeinwirkung fielen, zu ertragen. Erstmals wurde ein kommandierender General (im Bild oben am 26.03.2011 mit VM de Maiziere beim Gedenken an die bis dahin Gefallenen in Mazar) von einem Anschlag getroffen und zum Glück nur leicht verwundet. Die beiden gefallenen Kameraden hatten kein Soldatenglück, sie erlagen ihren schweren Verwundungen noch am Anschlagsort.
(Textquelle kursiv, Bildquelle: Bundeswehr.de, ISAF Einsatz – Der Bundesminister der Verteidigung Dr. Thomas de Maizière, bei seinem Besuch in Mazar-e-Sharif. Zum ersten Mal nach seinem Amtsantritt vor wenigen Wochen besuchte Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière die Truppe im Einsatz. Foto vom: 26.03.2011;
Videoquelle: ARD tagesschau/tagesthemen via YouTube)























28. Mai 2011 um 22:55 Uhr
Unsere Gedanken sind zuerst bei den Verwundeten, und den Angehörigen der Gefallenen. Aber auch bei der Frage, ob die militärische Führung das Regionalkommando Nord mit einem nicht mehr mandatstreuen Auftrag überfordert hat: http://berlin2011.wordpress.com/2011/05/28/erneuter-selbstmordanschlag-auf-bundeswehr/
29. Mai 2011 um 00:45 Uhr
Ich kann Ihnen nicht ganz folgen. Was für eine Überforderung?
29. Mai 2011 um 01:24 Uhr
Dieser Auftrag hier
http://www.tagesspiegel.de/politik/deutsche-elitesoldaten-jagen-gezielt-taliban/1904858.html
überschreitet den dt. Vorbehalt zu den RoE der ISAF, und das Mandat des Deutschen Bundestages, und setzt die Bundeswehr Racheakten aus.
29. Mai 2011 um 02:59 Uhr
Und wo sehen Sie hier eine Überschreitung der caveats?
Ich zitiere:
“Gezielte Tötungen durch Spezialkräfte der Bundeswehr hat das Verteidigungsministerium definitiv ausgeschlossen. Das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr ist jedoch auch dafür eingesetzt worden, Netzwerke von Extremisten auszuschalten.” und “Im Übrigen falle bei 80 Prozent der Spezialkräfteeinsätze kein einziger Schuss.”
Sie sollten die Äußerung “ausschalten” nicht mit “töten” verwechseln. Deutsche Spezialkräfte beteiligen sich nicht an “Kill-Missionen”, natürlich kann man den Einsatz der Schusswaffe in letzter Konsequenz nicht ausschließen. Aber Sie scheinen sich hier an etwas festzuhalten, was nicht den Tatsachen entspricht.
Ich halte es auch für sehr gewagt, daraus die Motivation der Racheakte herauszulesen. Mir scheint, man will nach den letzten Vorfällen in Afghanistan unbedingt eine Erklärung ableiten zu wollen, warum die Aufständischen so handeln, wie sie eben handeln. Hier auf eine Gewaltspirale zu verweisen mag auf der ersten Blick nachvollziehbar und leicht vermittelbar zu sein, richtig muss sie aber dennoch nicht sein.
Warum die Lage momentan so ist, hat einen ganz einfachen Hintergrund: Die Taliban beginnen mit ihrer Frühjahrsoffensive.
Und sie machen sich über eine (nicht existierende) Überschreitung der RoE Sorgen? Das, lieber Berlin2011, ist zu einfach.
29. Mai 2011 um 11:05 Uhr
@turan saheb (“Augengeradeaus”) “Uebrigens erwaehnen die Talibs GM Kneip in ihrer Pressemitteilung gar nicht, nur Daud, Shahjahan Nuri und den verwundeten Gouverneur (http://shahamat.info/index.php?option=com_content&view=article&id=12078:———-303——-35&catid=1:news&Itemid=51)”.
Das Ziel des Anschlags ist vermutlich der Polizeichef Daud Daud gewesen.Warum regt man sich in diesem Land nicht mal über die vielen unschuldigen Opfer auf, die bei jedem Selbstmordattentat enstehen. Diese Unausgewogenheit disqualifiziert!
29. Mai 2011 um 15:33 Uhr
Weil es in der Trauer hoffentlich keinen Unterschied über die Opfer auf Seiten der afghanischen Gastgeber und jenen unter ihren deutschen Gästen gibt. Das Treffen war überdies von beiden Parteien gesichert worden.
29. Mai 2011 um 16:37 Uhr
Auszug aus der morgigen taz: Diese Eskalation war vorauszusehen. Wie jedes Jahr um diese Zeit ist die Frühjahrsoffensive der Taliban mal wieder im vollem Gange – und die Nato schlägt blutig zurück. Für Afghanistan war es deshalb ein rabenschwarzes Wochenende.
Im Norden kamen bei einem Selbstmordattentat am Samstag neben zwei afghanischen Polizeichefs auch zwei Bundeswehrsoldaten ums Leben. In der Südprovinz Helmand sowie im Nordosten des Landes wiederum sollen insgesamt 52 Zivilisten und Polizisten “aus Versehen” durch Nato-Feuer getötet worden sein: 52 Menschen, zu deren Schutz das westliche Militärbündnis mal ausgerückt war.
29. Mai 2011 um 18:59 Uhr
Noch präziser schreibt die NZZ: http://www.nzz.ch/nachrichten/startseite/eskalation_in_afghanistan_1.10741721.html
30. Mai 2011 um 01:11 Uhr
Hans-Heinrich Dieter, Generalleutnant a. D, spricht Klartext über “Gezieltes Töten 04.08.2010″:
http://www.md-office-compact.de/GezieltesToeten.html
Schöner kann man es eigentlich nicht ausdrücken.