Nach Osama bin Ladens Tod: “Anspannung in Pakistan steigt”

von Sebastian ~ 3. Mai 2011. Zu lesen unter: Pakistan, Weltregionen.

tz-Interview mit Britta Petersen, Country Director der Heinrich-Böll-Stiftung in Pakistan

Osama bin Laden ist auf pakistanischem Gebiet getötet worden. Wie wirkt das auf die Bürger im Land?

Britta Petersen: Pakistan ist sehr polarisiert: Wir selbst haben mit Liberalen zu tun, die sich darüber freuen. Pakistanische Taliban dagegen haben schon Vergeltungsschläge angekündigt. Auf dem Land haben die Leute eher ihre eigenen Probleme. Aber man merkt: Die Anspannung steigt und es kann jetzt zu Demonstrationen kommen.

Wie konnte Bin Laden jahrelang unbehelligt in einem Luftkurort nahe einer Militärakademie leben?

Petersen: Ich glaube nicht, dass er dort jahrelang gesessen hat. So gab es letzte Woche erst Gerüchte, dass sich Osama in der Nähe Abbottabads zur medizinischen Behandlung aufhält. Auch US-Sicherheitsexperten glaubten, dass er sich dauernd hin und her bewegte. Nichtsdestotrotz ist die Lage für den pakistanischen Sicherheitsapparat jetzt schwierig: Entweder hat er sich in einer Militärstadt als völlig unfähig erwiesen. Oder er müsste zugeben, mit den USA zusammengearbeitet zu haben.

Pakistans Präsident Zardari hat in einer US-Zeitung eine Beteiligung bei Osamas Tötung abgestritten. Ist er noch Herr seines Landes?

Petersen: Außen- und Sicherheitspolitik hier war immer schon Sache des Militärs und nicht der Regierung. Und es ist nicht in ihrem innenpolitischen Interesse, zu viel Nähe zu den Amerikanern zu zeigen. Es kann daher einen Unterschied geben zwischen der gedruckten Meinung und der Realität.

Unterstützt der pakistanische Geheimdienst Al-Kaida?

Petersen: Darüber kann nur spekuliert werden. Der frühere Chef Hamid Gul jedoch hatte ganz offen mit Osama bin Laden sympathisiert. Und nachdem im Januar ein CIA-Mitarbeiter in Lahore zwei Pakistanis erschossen hat, verschlechterte sich das Verhältnis zwischen beiden Ländern sehr. Trotzdem glaube ich aber den Zeitungsberichten, dass beide Seiten noch viel miteinander kommuniziert haben.

Muss Pakistan jetzt Racheaktionen oder Druck der Amerikaner fürchten?

Petersen: Obama selbst hat hervorgehoben, dass die pakistanische Regierung den Tod Osamas begrüßt hat. Hier kann man ablesen, dass die USA kein Interesse an der Schädigung Pakistans haben.

Wie groß ist die Gefahr, dass Islamisten in den Besitz pakistanischer Atombomben kommen?

Petersen: Das Militär ist in der Lage, seine Waffen zu beschützen. Trotzdem sind islamistische Tendenzen in Teilen der Bevölkerung stark verankert und es ist nicht ausgeschlossen, dass sie irgendwann die Macht übernehmen. Deshalb ist es das wichtigste, dass der Westen die Demokratiebewegung hier unterstützt, den Aufbau des Gesundheitswesens und der Verwaltung.

Gilt das auch für das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet als Rückzugsort der Islamisten?

Petersen: Ja. In den Stammesgebieten gilt etwa noch Recht aus der britischen Kolonialzeit. Auch diese Gebiete müssen in das pakistanische Staats- und Justizwesen eingebunden werden. Die Leute brauchen Anspruch auf staatliche Leistungen. Und auf der afghanischen Seite müssen die internationalen Truppen längerfristig bleiben. (Zitatende)

Das Interview führte Walther Schneeweiß von der tz München.

Dazu ergänzend das HBS-Interview: “Für Pakistan ist das eine sehr gefährliche Situation”.
Und SPIEGEL ONLINE aktuell: US-Erkenntnisse – Bin Laden lebte mehr als fünf Jahre in seiner Residenz.

(Textquelle kursiv: tz München.de;
Bildgrafikquelle: CIA.gov, Flagge Pakistans)

bookmarks

Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Digg
  • del.icio.us
  • StumbleUpon
  • Webnews
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Facebook
  • Google Bookmarks
  • Linkarena
  • Tausendreporter
  • Technorati
  • BlinkList
  • Folkd
  • Furl
  • blogmarks
  • Netselector
  • newskick
  • Newsrider
  • Oneview
  • Weblinkr
  • YahooMyWeb

Einen Kommentar hinterlassen

« Back to text comment