Afghanischer Mob stürmt in Mazar-i Sharif nach Freitagsgebet UN-Office und tötet und enthauptet Internationale (Videos)

von Dirk ~ 2. April 2011. Zu lesen unter: Auslandseinsätze, ISAF, NATO-Missionen, Video.

Wo war ISAF, die International Security Assistance Force Afghanistan, als der aufgepeitschte Mob die UN-Mitarbeiter in Nordafghanistan brutal ermordete?

Nahe Mazar-i Sharif im Camp Marmal ist das ISAF Regional Command North unter deutscher Führung stationiert, mit über 2.000 multinationalen ISAF-Soldaten, Kampfhubschrauber, Quick Reaction Force, gepanzerten und kampfstarken Verbänden, einem Einsatzlazarett, kampferprobten Spezialeinheiten, alles, was die NATO aufzubieten hat.

In der bislang als relativ sicher geltenden Stadt Mazar-i Sharif, der über 300.000 Einwohner zählenden Hauptstadt der Provinz Balkh, war die vollständige Sicherheitübergabe der Stadt und Region von internationalen auf afghanische Sicherheitskräfte für Sommer 2011 geplant. Beim gestrigen Freitagsgebet hatten Islamprediger in der Blauen Moschee (Bild oben) eine (verwerfliche) öffentliche Koranverbrennung im US-Bundesstaat Florida vor zwei Wochen thematisiert und die Moscheebesucher gegen die USA und in Afghanistan präsente United Nations (UN) aufgehetzt. Der aufgewiegelte und gleichwohl organisierte Mob machte sich daraufhin angeheizt und mit vorbereiteten Spruchbändern (u.a. “Down with America”) und teilweise unter Bewaffnung durch die Straßen Mazars auf den Weg zum geschützen und bewachten UN Office (UNAMA Regional Office Mazar-i Sharif), dort spitzte sich die Situation gegen 16:30 Uhr Ortszeit zu, anwesende afghanische Polizei machte von der Schusswaffe Gebrauch, der überlegende Mob stürmte das UN-Gelände, drang trotz Mauern, Toren, nepalesischen Sicherheitspersonal und Wachtürmen in die Liegenschaft ein, dabei wurden die UN-Wachleute als erste getötet, zwei von Ihnen geköpft, in der weiteren Folge der Menschenjagd auf die andersgläubigen Internationalen wurden insgesamt mindestens 5 UN-Bedienste umgebracht, darunter eine Schwedin und ein Norweger. Büros im UN-Komplex wurden vom Mob in Brand gesteckt. Der Freitag in islamischen Staaten gilt als “arbeitsfreier Sonntag”, so dass die Personalstärke im UN Office weitaus geringer als sonst war.

Notice to move

Diese Attacke als spontane Gewaltausbruch darzustellen, der die afghanischen Sicherheitskräfte überforderte, wäre zu billig, vorbereite Spruchbänder und Organisationsaufwand und der Einsatz von Waffen waren in Vorbereitungsumfang zu erheblich. Vom Feldlager Camp Marmal ist das UN Office etwa 30 Fahrminuten und 8 Flugminuten entfernt.
ISAF hat mit seinem UN-Mandat den Wiederaufbau und die Zivilbevölkerung im Land am Hindukusch zu schützen, ISAF hat die unbewaffneten internationalen Aufbauhelfer und Mitarbeiter von Internationalen Organisationen zu schützen und den afghanischen Sicherheitskräften zu assistieren, zu den zu Schützenden gehört das UN-Personal der UNAMA-Mission in Afghanistan, aber auch jeder zivile Helfer, Experte, Diplomat oder Polizist aus Deutschland oder anderen Nationen, die in Afghanistan ihren Dienst tun, ebenso wie die Soldaten ihren gefährlichen Dienst tun.

Zwei APACHE Hubschrauber am Himmel über dem UN Office Mazar-e Sharif hätten gereicht, um der Menge ein deutliches Signal zu geben und das Blutbad zu verhindern.
Die so genannte Notice to move der ISAF, das heisst die Zeit und Geschwindigkeit militärisch zu handeln und einzugreifen, ist zu hinterfragen. Wo war eine schnelle Truppe vor Ort oder am Himmel, wo waren die Informationsquellen, wo war der Informationsfluß zwischen einheimischen Sicherheitskräften und wo die nachrichtendienstlichen Erkenntnisse der internationalen NATO-ISAF-Truppe am Freitag, dem 01. April 2011 in Nordafghanistan, viele Fragen, denen sich das ISAF Regional Command North unter Führung (Lead Nation) der dort verantwortlichen Bundeswehr stellen muss.

(Videoquellen: stratfor.org, U.N. personnel killed in Afghanistan protest; TOLO tv;
Grafikquelle: NATO.ISAF.int; Bilderquelle: UNAMA.org;
Bildquelle: Bundeswehr.de, Martin Stollberg)

Hintergrundinformationen: United Nations Assistance Mission in Afghanistan (UNAMA)

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9 Kommentare zu Afghanischer Mob stürmt in Mazar-i Sharif nach Freitagsgebet UN-Office und tötet und enthauptet Internationale (Videos)

  1. Alexander

    Naja, die Frage stellt sich zunächst dem zuständigen Governeur Atta und dem schwedischen PRT …

  2. Jugendoffizier

    Die Frage richtet sich vor allem an die ISAF!!!
    Ich bin schier fassungslos, wie diese Geschichte einfach so passieren konnte, ohne dass HUMINT davon Wind bekommen hat und dementsprechende Vorbereitungen getroffen werden konnten.
    Und ich finde die Frage durchaus gerecht, wo die ISAF war, wenn es nur 30min bis zum UN Compound sind und wo Unterstützung aus der Luft gewesen ist???
    Vermutlich haben wieder alle per Drohne zugesehen…
    So etwas darf nicht passieren.

  3. Jugendoffizier

    Kleiner Nachtrag:
    Hat man denn aus dem Kosovo nichts gelernt???

  4. JFHF

    Diese Scheisse war von echten Fachleuten und selbst von Laien wie mir und Scholl-Latour vorhergesehen worden. Am Hindukusch gibt es weder etwas zu verteidigen, noch etwas zu gewinnen. Bloss kriminelle Drogengeschäfte werden dort gemacht. Sehr bemerkenswert auch die offensichtlichen Freudenschüsse der nach deutschem Muster ausgebildeten Polizisten. Echt gute Arbeit. Und Stechschritt noch dazu, wie ja schon vor einer Woche mitgeteilt.

  5. Minotaur

    Verdammte Bastarde und das nur, weil man irgendwo in den Staaten ein kleines Büchlein verbrannt hat… vlt. jagen ja Special Forces jetzt wieder nach den Anstiftern, ich hoffe es zumindest.

  6. hermann

    Der Koran ist ein religiöses Buch für mindestens eine(!)
    milliarde Menschen auf der Welt. Wer es anzündet und das
    auch noch öffentlich verbreitet, ist ein Provokateur, der darauf
    aus ist, die Gläubigen zu provozieren.
    Die unschuldigen Toten hat so ein Haßprediger gewollt und
    bei seiner Handlungsweise einkalkuliert.
    Dieser Typ ist auf Randale aus!!
    Sowas ist weder durch Meinungsfreiheit noch Demokratie
    gedeckt

  7. luger

    Doch hermann,
    du darfst sogar die Nationalflagge verbrennen.
    Das bedeutet Freedom of Speech.

    Ich fürchte, das was du meinst, ist benevolente Zensur.

  8. Jan

    also, die Meinungsfreiheit in allen Ehren…

    ABER, das Verbrennen von Nationalflaggen oder Bilbel/ Koran ist kein Ausdruck der Meinungsfreiheit…

  9. energist

    Werter Jan, das Verbrennen einer (National-)Flagge ist absolut eine Meinungsäußerung und daher (zumindest in den USA) durch den dort etwas ernster als bei uns genommenen Grundsatz der Rede-/Meinungsfreiheit gedeckt. Vgl. dazu http://de.wikipedia.org/wiki/Flag_Desecration_Amendment

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