Archiv für Februar, 2011

Tödlicher Unfall mit dem MUNGO fordert zwei Menschenleben, vier weitere Soldaten verletzt

Dienstag, 1. Februar 2011

Wieder der MUNGO

Auf dem Truppenübungsplatz Baumholder im Bundesland Rheinland-Pfalz ist es in den gestrigen (31.01.2011) Nachmittagstunden gegen 14:00 Uhr zu einem schweren Unfall mit dem MUNGO gekommen. Zwei Soldaten wurden dabei getötet, vier weitere zum Teil schwer verletzt, einer der Verletzten liegt im künstlichen Koma, die betroffenen Soldaten sind zwischen 19 und 24 Jahre alt.

Am ersten Tag einer einwöchigen Übung in Baumholder nahe Idar-Oberstein auf dem Truppenübungsplatz-Gelände sind die Soldaten aus der Graf-Haeseler-Kaserne des Fallschirmjägerbataillons 261 aus Lebach/Saarland der Fallschimjägerbrigade 26 “Saarland” der Division Spezielle Operationen (DSO) mit dem Einsatzfahrzeug (Spezialisierte Kräfte) ESK MUNGO verunglückt.
Das Transportfahrzeug kam aus einem bisher nicht geklärtem Grund von der abschüssigen Fahrbahn ab und überschlug sich. Der MUNGO fuhr auf den abschüssigen Wegstrecke gegen eine steinerne Panzersperre am Fahrbahnrand und wurde dadurch in einen Wald katapultiert. Ein Baum hat das komplette Dach aus Planen und Stangen vom Fahrzeugkörper abgerissen. Alle aufgesessenen Insassen wurden aus dem Fahrzeug geschleudert. Der MUNGO verfügt über Anschnallgurte, ob diese genutzt wurden, wird die Untersuchung zeigen. Mit dem persönlichen Ausrüstung und dem Gerödel werden die Gurte in der Praxis oft als hinderlich und unpraktikabel empfunden. Die beiden getöteten und die schwer verletzten Kameraden sassen im “offenen” hinteren Teil des MUNGO.
Das Allrad-Fahrzeug MUNGO hat eine Besatzungsoption von 2+8, erreicht eine Höchstgeschwidigkeit von 110 km/h, hat eine Länge von 4,24 Meter, eine Höhe von 2,25 Meter dabei nur eine Breite von 1,85 Meter, die Steigfähigkeit beträgt 60 Prozent, die Seitenneigung 30 Prozent.

Der MUNGO war auch im Zusammenhang mit einem Sprengstoffanschlag in Afghanistan eine “Todesfalle”, die hinten aufgesessenen Insassen waren vor der IED-Splitterwirkung nicht geschützt, auch das improvisierte über die Stangen hängen von Splitterschutzwesten kann diesen Effekt nicht vermeiden (hier zum “Beweis-Foto”).
In einem MUNGO im Afghanistan-Einsatz kamen auch durch diese Schwäche am Montag, 20. Oktober 2008 der 25-jährige Patrick Behlke (StUffz, Z8) und sein 22-jähriger Kamerad Roman Schmidt (Stabsgefreiter, FWDL) vom Fallschirmjägerbataillon 263 bei einem Selbstmordanschlag der Taliban in Afghanistan nahe Kunduz ums Leben. Die beiden Soldaten des Fallschirmjägerbataillon 263 (Zweibrücken) waren das 29. und 30. Opfer des Afghanistan-Einsatzes seit dem Jahr 2001, bei diesem Taliban-Anschlag wurden durch den Sprengstoffanschlag auch fünf afghanische Kinder getötet.

Das FschJgBtl 261 der verunfallten Lebacher Soldaten wird seit 2009 kommandiert von Oberstleutnant Thomas Blank, das Motto des Bataillons ist ein kameradschaftliches: “wie Pech und Schwefel”, die Soldaten der Einheit sind alle betroffen von dem schweren Manöverunfall und besorgt um ihre teils schwer verletzten Kameraden in den Krankenhäusern, das tiefe Mitgefühl gilt den Angehörigen der verunglücken jungen Soldaten. Die getöteten Soldaten waren 20 und 23 jahre jung, einer stammte aus Hessen, der zweite war ein Saarländer.

Die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach ermittelt aktuell nach der Unfallursache und einer möglichen menschlichen oder technischen Ursache.

In seiner Geschichte ist dies der zweite Schicksalsschlag für die Bundeswehr-Standort im saarländischen Lebach. Im Jahr 1969 geschah dort der “Soldatenmord von Lebach”.
Am 20. Januar 1969 drangen zwei bewaffnete Männer in das Standortmunitions-Depot ein, töteten vier der fünf diensthabenden Wachsoldaten durch gezielte Todesschüsse und verletzten den fünften Soldaten schwer. Die Täter konnten ermittelt und verurteilt werden, ein zuerst vermuteter terroristischer Hintergrund bestätigte sich seinerzeit nicht, es war krimineller mehrfacher Raubmord.

(Bild-, Grafikquelle: Deutsches Heer.de;
Mehrzwecktransportfahrzeug Mungo bei der Kommandoübergabe ISAF in Kabul. Das Luftlandefahrzeug Mungo kann bis zu zehn Soldaten gegen Splitter, Beschuss mit Infanteriemunition und gegen Anti-Personen-Minen schützen. Trotzdem ist der Mungo lufttransportfähig. Er kann rund zwei Tonnen Nutzlast transportieren. Allradantrieb, Differenzialsperre und ein Kriechgang sorgen für eine hohe Geländegängigkeit)