Die Demontage des “Mr. Googleberg”

von Sebastian ~ 18. Februar 2011. Zu lesen unter: BMVg.

Affäre Die Entschuldigung von Verteidigungsminister zu Guttenberg macht die Sache nur noch schlimmer.

Dass der zurzeit Doktortitel-ledige Bundesverteidigungsminister die Berliner Journalisten düpierte und seine Erklärung feige vor auserwählten Mikrofonen von sich gab: geschenkt. Zumindest diesen Schnitzer seiner Öffentlichkeitsarbeit versuchte er mit einer verspäteten Pressekonferenz zu beheben. Wer dermaßen unter Feuer steht, kann leicht gute Umgangsformen aus den Augen verlieren. Doch dass der adelige Minister nur mit einer dürren Entschuldigung an die Öffentlichkeit trat und die offenkundige Schummelei in seiner Doktorarbeit als lässliche Sünde abtat, die bei einem überarbeiteten Juristen, gestressten Abgeordneten und geplagten Familienvater schon mal vorkommen könne, macht die unappetitliche Sache nur noch schlimmer. Dem sonst so auf moralische Werte, auf Wahrheit, Aufrichtigkeit, Ehre und Anstand pochenden “KT” zu Guttenberg fehlte gestern vor allem eines: Demut. Mit der Attitüde des zu unrecht Beschuldigten wischte der blaublütige Oberfranke die massiven Vorwürfe gegen seine Doktorarbeit vom Tisch. Die von ihm verfasste Dissertation sei kein Plagiat, verlas der sonst so redegewandte Minister. Es fehlte eigentlich nur noch der Satz “Ich gebe ihnen mein Ehrenwort”. Zu Guttenberg versuchte mit seiner merkwürdigen Selbstverteidigungs-Taktik, den Spieß umzudrehen. Er haben bestenfalls ein paar kleine Fehler gemacht. Der große und gemeine Plagiats-Vorwurf jedoch komme von den Anderen, den Gegnern, die dem beliebtesten deutschen Politiker ans Leder wollen. Zugleich versuchte zu Guttenberg, sich gewissermaßen zu teilen: Hier der mäßig reuige Träger eines Doktorhutes, den er großmütig nicht mehr aufsetzen will. Vorläufig. Dort der pflichtbewusste politisch Verantwortliche der Bundeswehr. Da ein kleiner Sünder im weiten Feld der Wissenschaft, aber dort der erfolgreiche Reformer einer verstaubten Armee. Zu Guttenberg ist offenbar nicht klar, dass solcherart Trennung nicht funktionieren kann. Ein Politiker, der in seiner wissenschaftlichen Arbeit im Nachhinein beim Schummeln erwischt wird, ist kein glaubwürdiger Minister mehr. Als “Mr. Googleberg” ist er bereits zum Gespött der Internet-Gemeinde geworden, nun droht der CSU-Hoffnungsträger an seinen eigenen moralischen Maßstäben zu scheitern. Dass die Kanzlerin und die übrigen Unions-Granden jedoch im “vollsten Vertrauen” hinter dem Nicht-mehr-Doktor stehen, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Solange Merkel den Verteidigungsminister nicht rauswirft, bleibt es vor allem das Problem des Ministers. Schickte sie ihn die Wüste, wäre es sofort nur noch ihr Problem. Sie müsste nicht nur einen Nachfolger suchen, sondern sich auch des Vorwurfs erwehren, sie habe einen Kronprinzen gemeuchelt. Ganz ähnlich ist die Situation in der CSU, wo Förderer Horst Seehofer unbeirrt zu seinem Minister steht. Man lässt einen in ganz Deutschland überaus beliebten Politiker nicht so einfach fallen. Auf der anderen Seite kommt manchem in der Union ein etwas gestutzter Überflieger gar nicht so ungelegen. Hinter dem Pulverdampf um Guttenbergs Doktorarbeit sollte sich der Minister vor allem um sein Amt kümmern. Die Nachricht von zwei getöteten Bundeswehrsoldaten in Afghanistan ging hinter der politischen Aufregung um eine Doktorarbeit nahezu unter. Und das ist nun wirklich beschämend. (Ztatende)

Kommentiert die Mittelbayerische Zeitung aus Regensburg in ihrem Leitartikel.

(Textquelle kursiv: Mittelbayerische Zeitung.de;
Bildquelle: Bundeswehr.de, BM Dr. zu Guttenberg während seiner Asienreise 2010 vor der Presse)

4 Kommentare zu Die Demontage des “Mr. Googleberg”

  1. StUffz

    Beschämend finde ich auch, dass der Herr BMVg diese gefallenen Kameraden am Ende seiner “Verteidigungsrede” erwähnte. Damit zu versuchen, die eigenen, persönlichen Defizite zu relativieren, ist einfach nur noch verachtenswert. Mir haben seine ständigen Showeinlagen schon nicht gefallen, die Truppe ist nicht zu seiner Profilierung gedacht. Seine Konsequenz gerade in Bezug auf Perosnalentscheidungen möge er nun bei sich selbst anwenden.

  2. mwk

    Die Hauptaufgabe des KTzG ist die des Bundesministers für Verteidigung und nicht die Erklärung seines Privatlebens. Dementsprechend ist der Hinweis auf diese Aufgabe, dies umfasst auch den Umgang mit Gefallenen, nichts weiter als notwendig. Alles andere ist mE. hysterisches Geschrei zur Diskreditierung dieser Funktion.
    Er hatte es geschafft, die Bundeswehr etwas aus der Nische der “freundliche Desinteresse” heraus zu manövrieren und der Politik ein Gesicht zu geben, welches als Vorbild gereicht hätte – dies durfte nicht sein und so versuchte man dies zu revidieren. Hierbei war der Boulevardpresse und der Opposition jedes Mittel recht, um es gegen die Armee anwenden zu können – wenn hierdurch nur das Ansehen der Bundeswehr und die Person zGs geschädigt werden. Wie sonst lassen sich die Schlagzeilen der letzten Wochen erklären?
    Dass der Minister sich selbst ein Ei gelegt hat, dessen Ausmaße noch gar nicht abzusehen sind, macht es seinen Unterstützern und auch den Soldaten nicht einfacher.
    Seine Erwähnung der ermordeten Kameraden als “Beschämend” zu bezeichnen, finde ich als aufgesetzt – tut mir leid.

  3. Amun-Re

    Rezension bezieht sich auf: Verfassung und Verfassungsvertrag: Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU von Karl-Theodor zu Guttenberg

    Vorweg gesagt, leider ist dieses geistreiche bemerkenswerte Buch-Plagiat ausverkauft, oder man tut so als ob, um sich nicht der Mittäterschaft strafbar zu machen. Dabei ist es doch ein herausragendes Beispiel in bemerkenswerter Weise, was in kollektiver Arbeit einer Autorenschaft als Werk entstehen kann, wen man es versteht mit Strg-c und Strg-v umzugehen, wissenschaftliche Quellen beauftragt und deren Mitarbeit verschweigt, um sie nicht zu kompromittieren. Dieses Vorgehen kann man nur böblichst erwähnen.

    Frei nach dem Motto „es wurde alles schon mal geschrieben“, man muß nur suchen wo es im großen übermächtigen Textbaustein-Kasten Internet steht, um es als Zitaten-Collage zusammen zufügen, bediente sich der Herr von und zu bei seinen Untertanen. Wunderbar gesampelten Einzelteile zu einen neuen Gesammt-Kunst-Werk zu vereinen ist die herausragende wissenschaftliche Leistung die nur durch Summa cum laude durch die Universität Bayreuth gewürdigt werden konnte. Diese aufwändige Google-Text-Recycling-Recharge kostete sieben Jahre seiner doch so kostbaren Zeit, wie der mittelständische Dreimann betriebliche Vorsitzende, vielbeschäftigte Familienvater und abgeordneter Parteigänger, Verteidigungsminister und Freiherr verlauten lies.

    In einer zunehmend globalen Welt sind wir derlei Aktivitäten eher von den Chinesen gewohnt, aber wie man Schwarz auf Weiß lesen konnte, hinken wir nicht hinterher sondern setzten ein Höchstmaß in dieser Kunstform als Standart. Damit hat uns Karl-Theodor zu Guttenberg in Plagiarismus an die Spitze katapultiert. Anstatt diesen Mann nun zu ehren und ihm als Vorreiter zukünftiger Dissertationen zu sehen, zerreißt die Internetgemeinde sein Modernes-Kunst-Plagiat auf http://de.guttenplag.wikia.com/wiki/GuttenPlag_Wiki und überführt ihn als Lügner und Betrüger.

    Künstler im allgemeinen wurden meist zu Lebzeiten verkannt, ihm trifft das selbe Schicksal. Herr Guttenberg sollte sein Dr. jur. in Dr. plag. ändern und ein Buch schreiben Namens „summa cum laude“ , mit den Untertitel „Vom Halbjuristen zum Doktor-Plagiator“, solange sein Ruhm noch anhält. (Doktor)Hut ab Herr Guttenberg für diese herausragende Leistung. Als überführter Lügner und Betrüger dazustehen adelt sie in der Politik und sie haben sich damit als nächster Bundeskanzler qualifiziert.

    Erstellt ohne Verwendung von Textbausteinen durch Amun-Re. 22.02.2011

  4. Waldschrat

    Für mich ist es erstaunlich, das dieser Herr als beliebster Politiker des Landes apostrophiert wird, nach meiner absolut unmassgeblicher Meinung ist dieser gelgestärkte, nach Gutsherrenart agierende (Gorch Fock…) Nochminister einfach unerträglich. Was mich noch verwundert, erst Cum Laude, dann kein Dr., was geht eigentlich in der Uni Bayreuth vor? Mir hat mal ein Pforfessor vor vielen Jahren gesagt, “wenn sie mich schon zitieren, dann möchte ich auch für die Nachwelt genannt werden”, es war das einzige Zitat welches ich vergessen hatte zu dokumentieren. Es war allerdings keine Dr.-Arbeit, Mathe-Professoren sind da komisch.
    Selbst verfasst, nur ein mündliches Zitat.

Einen Kommentar hinterlassen

±±¾©²»Ôв»ÓýÒ½Ôº

²»Ôв»ÓýÒ½Ôº

²»Ôв»ÓýÒ½Ôº

±±¾©²»Ôв»ÓýÒ½Ôº

ÓÑÇéÁ´½Ó: