Buch “Feldpost – Briefe deutscher Soldaten aus Afghanistan” jetzt im Handel erhältlich
von Oliver ~ 13. Februar 2011. Zu lesen unter: Soldatenglück Kultur.Eine ferne Front ist plötzlich ganz nah
Seit fast zehn Jahren kämpfen deutsche Soldaten in Afghanistan in einem zermürbenden Krieg. Bis heute haben Politiker und die Führung der Bundeswehr es nicht verstanden, den Menschen in Deutschland zu erklären, warum. Im Gegenteil: Als die Bundeswehr von der Recherche des Magazins der Süddeutschen Zeitung erfuhr und von ihrem Vorhaben, die Feldpostbriefe deutscher Soldaten zu veröffentlichen, tat sie alles, um dieses Projekt zu verhindern. Die Briefe erzählen von schrecklichen Anschlägen und quälender Langeweile, von gefährlichen Einsätzen und den Menschen vor Ort, von Wut, Sehnsucht und Tod. Und sie erzählen davon, was die Frauen und Männer, die sie schrieben, von den deutschen Politikern halten, die sie in den Krieg geschickt haben. Die Briefe, Emails und SMS wurden von Marc Baumann, Martin Langeder, Mauritius Much, Bastian Obermayer und Franziska Storz gesammelt und zusammengestellt, dafür wurden sie 2010 mit dem Henri-Nannen-Preis ausgezeichnet.
“Es geht nach Kundus, in den Krieg?
Jedenfalls sterben dort Menschen.”
Nach über sechs Jahrzehnten gibt es wieder Feldpost deutscher Soldaten, es gibt wieder deutsche Briefe von einer Front. Der Einsatz ist umstritten, und kaum jemand hier weiß, was die deutschen Soldaten dort genau tun, Friedensmission oder Krieg?
Soldatenglück Kultur
Wer könnte besser erklären, wie die Lage in Afghanistan ist, als die Männer und Frauen, die jeden Tag dort ihren Dienst tun? Was wäre besser geeignet, uns den Einsatz näherzubringen, als die Botschaften, die diese Soldaten Woche für Woche nach Hause schicken? In diesen Briefen, E-Mails und SMS-Nachrichten, deren ausschnittweise Veröffentlichung im Magazin der Süddeutschen Zeitung die Bundeswehr verhindern wollte, kommen die Frauen und Männer zu Wort, die für uns in den Krieg ziehen müssen. Sie bieten einen bestürzenden und bewegenden Einblick in ihren Alltag und erzählen offen von einer Wirklichkeit, von der wir kaum eine Vorstellung haben.
“Diese Feldpost vermittelt ein authentisches Gefühl dafür, wie die Deutschen in den Krieg und der Krieg zu den Deutschen kam. Eine ferne Front ist plötzlich ganz nah”, so Elke Heidenreich in ihrer Laudatio zum Henri-Nannen-Preis.
Zur Leseprobe: Von Bunkermentalität, ungewollten Einsichten und einem umstrittenen Krieg
Es gibt wieder Feldpost aus einem Krieg mit deutscher Beteiligung, es gibt wieder deutsche Briefe von einer Front. Wieder.
Viele Jahrzehnte stand der Begriff Feldpost für etwas aus der Vergangenheit, das in staubigen Kisten auf Großmutters Speicher lag und das ungemein anrührte, weil in jedem Brief ausgesprochen oder unausgesprochen mitschwang, dass diese Zeilen das Letzte sein könnten, was man voneinander hört.
Der Krieg der Deutschen ist ein anderer, die Angst der Soldaten und die der Daheimgebliebenen bleibt die gleiche: Dass es kein Wiedersehen gibt.
Aus der Erkenntnis, dass wieder Feldpost nach Deutschland geschrieben wird, entspringt 2007 die Idee, eine ganze Ausgabe des Süddeutsche Zeitung Magazin mit Briefen deutscher Soldaten aus Afghanistan zu bestücken. Der Beitrag erscheint schließlich Weihnachten 2009, daraus geht dieses Buch hervor … zur Leseprobe
Rowohlt, Hardcover, 208 Seiten, 09.02.2011, 17,95 €, 978-3-498-00670-9
zur Lesung im Literaturhaus München (Audio-Beitrag)
Soldatenglück.de unterstützte vielfältig und berichtete am 25. Januar 2009 Das ‘Süddeutsche Zeitung Magazin’ sucht Feldpost-Briefe von Bundeswehr-Soldaten aus dem Afghanistan-Auslandseinsatz, am 19. Oktober 2009 Briefe aus Afghanistan, am 08. Mai 2010 Henri-Nannen-Preis mit bescheidener Beteiligung von Soldatenglück.de an SZ Magazin und am 08. Januar 2011 Feldpost: Briefe deutscher Soldaten aus Afghanistan.
(Text-, Grafikquelle: Rowohlt-Verlag.de;
Bilderquellen: Bundeswehr.de, ISAF-Einsatz, Patrouille des PRT Kunduz; Geländeüberwachung deutscher Soldaten auf Patrouille in den Bergen von Feyzabad; ein verwundeter Soldat wird evakuiert, MEDIVAC; DINGO im Einsatzland;
Soldatenglück.de, Feldpost)




























