Guttenberg – Abgang nach der Trauerrede
Sonntag, 27. Februar 2011Ehrlichkeit und Ehrverständnis sind die Basis aller Kameradschaft und Loyalität ist keine Einbahnstraße
Guttenberg ist nicht mehr zu halten. Hatte Soldatenglück.de in der Vorwoche – wie viele Soldaten in der Heimat und in den Auslandseinsätzen – dem Stabunteroffizier d.R. Karl-Theodor zu Guttenberg Loyalität und Kameradschaft auch in schweren Zeiten erwiesen und dabei unterstellt, dass der “Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt” und beliebte Verteidigungsminister bei seiner Doktorarbeit 2006 wissenschaftliche Fehler gepaart mit menschlichen Schwächen auf Fauxpas-Niveau begangen hat, so lassen bei Lichte besehen die Entwicklungen und offenbar gewordenen Handlungen, Unterlassungen und Hintergründe in ihrer Intensität und Methode ein Pro-Guttenberg nicht mehr zu.
Nach dem Kriegswort-Verweigerer Franz Josef Jung war dessen Nachfolger Karl-Theodor zu Guttenberg für die Soldaten und Soldatinnen und auch für die Öffentlichkeit eine willkommene und nötige Steigerung dessen, was die Politik der Bundeswehr als Minister zu bieten hat. Dazu noch einer, der beherzt die Nähe zu den Soldaten zwischen Heimatstandort und Kampfgebiet suchte und fand. Mit schneidiger Erscheinung, Dienstzeit beim Gebirgsjägerbataillon Mittenwald im Tornister und Abstammung aus dem Deutschen Widerstand, die Themen Bundeswehr, Soldaten, Auslandseinsätze auf die politische und mediale Tagesordung ganz nach oben katapultierte.
Das Thema Verteidigungspolitik als Mauerblümchen der Außenpolitik gewann an Eigenständigkeit und Profil, nicht zuletzt durch den direkten Popularitätsvergleich des Außenministers Westerwelle mit den Verteidigungsminister zu Guttenberg.
Soldaten wollen nicht viel, doch Immaterielles wie Respekt, Dankbarkeit und Anerkennung für den Einsatz schon. Die gefühlte Temperatur des Interesses der Bevölkerung und der politisch Verantwortlichen an der Bundeswehr und seinen Soldaten im Einsatz ist durch den Protagonisten Zu Guttenberg zweifensohne gestiegen.
Begünstigt wurde Zu Guttenberg in der letzten Phase unter medialen und Oppositions-Beschuss durch die Medien des Axel-Springer-Verlages, besonders durch den auflagenstarkes Flaggschiff BILD-Zeitung, die in jeder Baubude der Republik mit ihren verkürzten Aussagen in Großschrift das Leitmedium ist und an den Stammtischen die Lufthoheit inne hat.
Der freie Fall des Ministers Zu Guttenberg mit rasant ablaufender Dienstzeit darf sich nicht auf das gewonnene Vertrauen und das Interesse der Bevölkerung an seinen Soldatinnen und Soldaten im weltweiten Einsatz, seinen Staatsbürgern in Uniform, übertragen.
Es geht um mehr als um den 15. Bundesminister der Verteidigung bzw. ein austauschbares Regierungsmitglied oder den aktuellen obersten Dienstherrn und damit ersten Trauerredner für gefallene Soldaten, es geht um die Verbindung Bürger und Soldat in Deutschland, um Gesellschaft und Streitkräfte in der Bundesrepublik, um Frieden bewahren und Krieg führen müssen auch an fernen Orten - auch am Hindukusch – und nicht zuletzt für jeden Soldaten darum, beim militärischen, parlamentarisch mandatierten Einsatz die Unterstützung und das Grundvertrauen von der Bevölkerung Daheim zu haben – auch und besonders in politisch umstrittener bis heikler Mission unter welchem Minister auch immer.
[Foto nachträglich beigefügt, Bildquelle: Bundewehr.de, Ernennung von Dr. Thomas de Maizière zum Bundesminister der Verteidigung, der aus dem Amt scheidende Karl-Theodor zu Guttenberg (re.) und sein Nachfolger Dr. Thomas de Maizière (li.) im Schloss Bellevue in Berlin, dem Amtssitz des Bundespräsidenten. Foto vom: 03.03.2011]













