Tiger – die teure Fehlplanung (Video)
Dienstag, 30. November 2010Â
Beim Kampf gegen die Taliban in Afghanistan muss die Bundeswehr weiterhin auf eigene Luftunterstützung verzichten. Der von Deutschland und Frankreich gemeinsam seit Anfang der achtziger Jahre entwickelte Kampfhubschrauber “Tiger” ist immer noch nicht einsatzbereit. Inzwischen sei auch die Planung für den “Tiger” überholt, stellt Professor Michael Brzoska vom Hamburger Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik fest. Der “Tiger”, der als Panzerabwehrhubschrauber konzipiert wurde, nütze wenig in den asymmetrischen Kriegen des 21. Jahrhunderts. Brzoska weiter: “Man erwartet weiterhin als Hauptaufgabe für das Heer vor allen Dingen die Abwehr einer Bedrohung aus dem Osten, aus Russland oder der Ukraine. Das ist ein Denken in den Kategorien des Kalten Krieges.” Die deutsche Tiger-Version verfügt über eine Technik, mit der Lenkflugkörper verschossen werden sollen, die aber bis heute nicht ausgereift ist. Ein einziger Schuss mit dem Raketensystem PARS 3 LR koste 1,3 Millionen Euro, kritisiert der Bundesrechnungshof. Die französische Luftwaffe verzichtete auf das teure Raketensystem und bekämpft die Taliban schon jetzt mit “Tiger”-Hubschraubern, die mit einer preiswerteren Maschinenkanone ausgerüstet sind.
“Deutsche Sonderlösung”
Bundeswehr-General a.D. Karl-Heinz Lather saß in diesem Jahr in der Strukturkommission, deren Ziel eine grundlegende Reform der Bundeswehr war. Die Bürokraten im Verteidigungsministerium seien verantwortlich für die Verzögerungen. Denn das Ministerium setze bei der Wehrbeschaffung nicht auf “international nutzbare Produkte”, sondern auf “deutsche Sonderlösungen”. General a.D. Karl-Heinz Lather nennt das Goldrand-Lösungen: “Goldrandlösungen meint, etwas zu haben, was technologisch absolut Spitze ist, auch im Preis Spitze ist”. Das führe – so Lather – dazu, “dass diese Dinge, häufig erst zehn Jahre, häufig 20 Jahre, nach Auftragsvergabe bei der Truppe ankommen”.
Im September diesen Jahres musste die Bundeswehr zugeben, dass die “Einsatzbereitschaft des Unterstützungshubschraubers Tiger … frühestens Anfang 2013 erreichbar” sei. Friedensforscher Brzoska kritisiert, dass “der Tiger erst dann kommt, wenn die deutschen Kampftruppen schon zum großen Teil abgezogen sind”. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) will 2012 mit dem Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan beginnen , “vorbehaltlich der Entwicklung der Sicherheitslage”.
Frontal21 über einen Pleitevogel, der die Steuerzahler vier Milliarden Euro kostet.
(Videoquelle: ZDF Frontal21 vom 30.11.2010 via YouTube;
Bildquelle: Deutsches Heer.de)















