Zukunft der militärischen Luftfahrtindustrie steht auf dem Spiel

von Sebastian ~ 14. September 2010. Zu lesen unter: Rüstungsindustrie.

Das BMVg wird nur 25 Airbus400Military beschaffen, von den 185 TORNADOS werden 100 stillgelegt, UAS TALARION wird gestrichen, auf 37 Eurofighter wird verzichtet

(München, 14.09.2010) Auf einer Pressekonferenz in München warnten der Beauftragte der IG Metall für den Gesamtbetriebsrat der EADS Deutschland GmbH, Bernhard Stiedl, und der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der EADS Deutschland GmbH, Thomas Pretzl, vor einem Sterben der militärischen Luftfahrtindustrie in Deutschland: “Werden die Einsparungspläne des Verteidigungsministeriums umgesetzt, wird es in der Zukunft in Deutschland keine militärische Luftfahrtindustrie mehr geben.”

Zukunft der militärischen Luftfahrtindustrie gefährdet

Das Bundesverteidigungsministerium erwägt im Papier “Priorisierung Materialinvestitionen“ erhebliche Einsparungen bei Rüstungsprojekten. 9,3 Milliarden Euro sollen eingespart werden. Betroffen sind hiervon besonders die Programme der EADS:

- Es sollen 15 Transall-Transportflugzeuge stillgelegt werden.
- Von den geplanten 60 A400M sollen nur noch 25 beschafft werden.
-Von den 185 Tornados sollen 100 stillgelegt werden.
- Auf die Tranche 3b des Eurofighter, also 37 Flieger, soll verzichtet werden.
- Und das UAS-Programm (Unmanned Aerial System, UAS) Talarion soll auch dem Rotstift zum Opfer fallen.

Die Zukunft der militärischen Luftfahrtindustrie in Deutschland ist damit in eine entscheidende Phase getreten. “Die Streichung des Talarion oder der Tranche 3b hätte dramatische Folgen für rund 15.000 Arbeitsplätze bei EADS und deren Zuliefererfirmen”, warnte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der EADS Deutschland GmbH, Thomas Pretzl.

Talarion

Es geht bei der Entscheidung über das Talarion-Programm auch darum, ob wir im Zukunftsmarkt der unbenannten Flugzeuge künftig eine eigenständige Rolle spielen oder auf Modelle aus dem Ausland angewiesen sind. Will man eine eigene leistungsfähige Industrie fördern und will man einen Zuwachs an hochqualifizierten Arbeitsplätzen in dieser Zukunftsindustrie, muss man die Risiken der Finanzierung technologischer Entwicklungssprünge angemessen teilen und dafür entsprechende Finanzierungsmodelle finden.

Eurofighter Tranche 3b

Das gleiche gilt für die Tranche 3b des Eurofighter. Kommt die Tranche 3b nicht, hat dies erhebliche Auswirkungen auf die Exportchancen des Eurofighters. Notwendige Weiterentwicklungen werden erst in der Tranche 3b zum Einsatz kommen. Kommt die Tranche 3b nicht, gefährdet dies den geplanten Export.

IG Metall: Nicht tatenlos zuschauen

“Wir werden als IG Metall diesem Streichkonzert nicht tatenlos zusehen und deshalb dagegen mobilisieren und zu Aktionen aufrufen”, sagte der Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Ingolstadt, Bernhard Stiedl. “Hier geht es um einen ganzen Industriezweig der bei der Umsetzung der geplanten Einsparungen in Frage gestellt wird. Wir bezweifeln nicht die Notwendigkeit der Konsolidierung der staatlichen Haushalte. Wir bezweifeln aber die Entscheidung, mit der in Deutschland zukunftsfähige Forschungs- und Entwicklungskompetenzen kaputt gemacht werden sollen.”

Informationen zu den Abeitnehmer-Vertretern:

Thomas Pretzl, geb. 1975, ist seit 2010 der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der EADS Deutschland GmbH, sowie der Vorsitzende des Europäischen Komitees der EADS Defence & Security (DS) und der stellvertretende Konzernbetriebsratsvorsitzende der DaimlerChrysler Luft- und Raumfahrt Holding AG (DLRH).

Bernhard Stiedl, geb. 1970, ist der Zweite Bevollmächtigter der IG Metall Ingolstadt und Beauftragter der IG Metall für den Gesamtbetriebsrat der EADS Deutschland GmbH. Seit 2008 ist er als Arbeitnehmervertreter Mitglied des Aufsichtsrates der EADS Deutschland GmbH.

(Textquelle, Porträtbilder: IG Metall.de;
Bildquelle: Bundeswehr.de, A400M Seitenprofil)

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7 Kommentare zu Zukunft der militärischen Luftfahrtindustrie steht auf dem Spiel

  1. StFwdR

    “Wir werden als IG Metall diesem Streichkonzert nicht tatenlos zusehen und deshalb dagegen mobilisieren und zu Aktionen aufrufen”

    Klar doch : Strassensammlung für den klammen Finanzminister :-)

  2. mietsch

    Komischerweise entdecken die Gewerkschaften die Bundeswehr erst, wenn es um ihre eigene Klientel geht. Ansonsten reiht man sich ja lieber bei irgendwelchen Demos bei linken Friedensfreunden ein und ist ja auch gegen den bösen Krieg in AFG und sonstwo in der Welt.

  3. StFwdR

    Jepp so sind se nun mal unsere Gewerkschafter.

    Sägen halt gerne den Ast ab auf dem sie sitzen :-)

  4. Miles bramarbas teutonicus

    Warum sollen die Gewerkschaftsfunktionäre sich anders vrhalten als linke Kommunalpolitiker, die auch gegen öffentliche Gelöbnisse / Vereidigungen zetern und den (wirtschaftlichen) Wert ihrer Garnison erst dann erkennen, wenn der StO platt gemacht werden soll ? :-( ((

  5. Bang50

    25 statt 60 A400M hört sich fast zu hart an um wahr zu sein (bei einer EADS Meldung liegt diese Vermutung fast nahe). Da würde ich mich fragen wie man die Interventionsarmee der Zukunft in die Krisengebiete befördern will.

  6. StFwdR

    @Bang50

    Was & wozu?

    Kleiner, feiner, und nicht mehr verwendbar ;-(

  7. Bang50

    @StFwdR

    Das schwahnt mir inzwischen auch. In der verkorxten Welt eines Politikers hört sich das wahrscheinlich so an:” Wir machen die BW jetzt so klein das wir in Zukunft darauf hinweisen können das wir es wieso nicht können, wenn wieder ein Konflikt ausbricht. Damit merkt man gar nicht das ich keinerlei gefährliche Entscheidungen treffen möchte weil ich so Angst davor habe! Den diese bösen Soldaten haben seit Afghanistan auch noch die Frechheit tatsächlich kämpfen zu wollen! Ne das kann ich nicht verantworten!”

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