Kundus – die Folgen
von Sebastian ~ 3. September 2010. Zu lesen unter: Auslandseinsätze, ISAF, NATO-Missionen.Heute vor einem Jahr fielen in der Provinz Kundus die Bomben auf zwei entführte Tankwagen. Auch viele Zivilisten starben. Ähnlich tragische “Kollateralschäden” hatte es in Afghanistan beim Kampf gegen die Taliban bereits etliche Male gegeben. Doch diesmal waren es nicht die Amerikaner oder Briten – es war ein deutscher Offizier, der den tödlichen Befehl gab. Der Luftangriff ließ die lange gepflegte Lüge zerplatzen, die Bundeswehr sei als eine Art bewaffnetes Technisches Hilfswerk zum Bau von Schulen und Brunnen im Einsatz. Nachkriegs-Deutschland hatte plötzlich seine Unschuld verloren. Den verzweifelten Verschleierungsversuchen der Bundesregierung zum Trotz kam aber nicht nur die traurige Wahrheit über das Bombardement ans Licht. In der Folge wurde erschreckend klar, dass die Politik die katastrophale Gesamtlage schöngeredet hatte: eine Bundeswehr in der Region Kundus auf fast verlorenem Posten. Minister und Generalinspekteur stürzten im Strudel der Vertuschungsaffäre. Doch wirkliche Konsequenzen, die eine Wende am Hindukusch bewirken könnten, wurden bis heute nicht gezogen. Der Luftangriff von Kundus könnte deshalb der Zeitpunkt gewesen sein, an dem der Westen den Kampf um Afghanistan verloren hat. (Zitatende)
Kommentiert die Rheinische Post aus Düsseldorf in seiner morgigen Ausgabe.
Soldatenglück.de berichtete regelmäßig über die Entwicklungen nach der militärischen Operation am 04. September 2009, die Tragik des Geschehnisses und die humanitären und politischen Folgen mit dem Tod vieler Menschen, dem Rücktritt eines Bundesministers, der Ablösung des Generalinspekteurs und eines BMVg-Staatssekretärs. Zuletzt mit dem Beitrag “KUNDUZ, 04. September 2009 – Eine Spurensuche”, Buch und Ausstellung über die Opfer des ISAF-Luftschlages (Video), der bis heute 134 Diskussion-Kommentare und viele Direktmails an Soldatenglück.de nach sich zog. Die Nacht von Kunduz mobilisierte, emotionalisierte und spaltet bis heute. Hat der deutsche Oberst i.G. Georg Klein militärisch und juristisch richtig gehandelt bei der notwendigen Bekämpfung von Taliban, blieb ihm keine andere Entscheidung oder fordert der bewaffnete Konflikt am Hindukusch, der eine Art Guerillia-Krieg genannt wird, womöglich solche Entscheidungen militärischer Führer mit all ihren menschlich traurigen Folgen. Und wie wäre die nächtliche Operation am Kunduz River ausgegangen, wenn schon im September 2009 beim PRT Kunduz APACHE Hubschrauber als Einsatzmittel zur Verfügung gestanden hätten, an den TIGER wollen wir gar nicht denken.
(Textquelle kursiv: Rheinische Post.de;
Bilderquellen: Bundeswehr.de/BMVg.de, BM zu Guttenberg am 22. Mai 2010 in Potsdam in der Kunduz-Ausstellung;
DoD.gov, Mission discussion – U.S. Army Chief Warrant Officer 2 Mark Davis, left, and Chief Warrant Officer 3 Mike Croslin discuss their last mission after landing an AH-64 Apache helicopter from Company B, 1st Battalion, 4th Aviation Regiment, Attack Reconnaissance Battalion in Kunduz, Afghanistan, on July 24, 2010. The Apache landed to refuel after a firefight with insurgents. DoD photo by Petty Officer 2nd Class Walter M. Wayman, U.S. Navy.)
























7. September 2010 um 02:13 Uhr
Wird hier der Luftschlag nicht wieder einmal deutlich zu hoch gehängt und der gesamte Erfolg/Mißerfolg des Afghanistan-Einsatzes daran festgemacht? Wir Deutschen können den Luftschlag anscheinend immer noch nicht richtig verdauen. Kritische Selbstreflektion schön und gut. Unsere Verbündeten im Süden und Osten des Landes führen solche Schläge fast täglich zu Lande und in der Luft aus.
Welche Konsequenzen meint der Kommentator? Sofortiger Abzug oder den Kampf verstärken?
Mithilfe der US-Apaches werden wir im RC North nun über weitaus mehr und schneller verfügbarere Feuerkraft aus der Luft verfügen als bisher. Evtl. können die Apaches in der Tat Kollateralschäden verringern.