Lothar-Günther Buchheim: Das Boot – Die Fotografien (Video)
von Dirk ~ 24. Juli 2010. Zu lesen unter: Soldatenglück Kultur, Video.Soldatenglück Kultur
Ausstellung im Buchheim Museum
vom 06. Juli bis 10. Oktober 2010,
heute am 24. Juli um 18:15 Uhr das Klaus Doldinger’s Passport Open Air Konzert am Starnberger See im Park des Museums im Zeichen der Ausstellung “Lothar-Günther Buchheim: Das Boot – Die Fotografien.
Die rund 250 Fotografien von Lothar-Günther Buchheim, die im Buchheim Museum erstmals in einer Ausstellung gezeigt und von Textauszügen aus Buchheims Büchern aus dem U-Boot-Krieg begleitet werden, sind unmittelbar vor Ort, im Zweiten Weltkrieg, vorwiegend während Unternehmungen mit dem U-Boot U 96 entstanden, also Jahrzehnte bevor Buchheims Roman “Das Boot” (1973) erschien, nach dem der gleichnamige Film von Wolfgang Petersen (1981) gedreht wurde.
Die Aufnahmen vergegenwärtigen den U-Boot-Krieg aus dem Blickwinkel des jungen Malers, der seit Herbst 1940 als Marinekriegsberichter zunächst von Stützpunkten in der Bretagne auf Zerstörern, Vorpostenbooten und anderen Schiffen der Kriegsmarine eingesetzt und schließlich einer Unterseebootsflottille zugeteilt war.
Maßgeblich für die Ereignisse, welche sich in seinem Roman “Das Boot” und in seinen Fotografien widerspiegeln, waren seine Erfahrungen auf der 7. U-Boot-Unternehmung von U 96 im Herbst 1941 unter Kommandant Heinrich Lehmann-Willenbrock, “dem Alten” seiner Romantrilogie “Das Boot”, “Die Festung”, “Der Abschied”. Alle Fotografien entstanden im eigenen Auftrag, da sich Buchheim damals, wie er später betonte, zur Zeugenschaft aufgerufen fühlte.
Auf der Brücke von U 96
“Der Seekrieg ist die grauenhafteste Form des Krieges” schreibt Buchheim in seinem Bildband “U-Boot-Fahrer” (1998): “Der Seekrieg war weitaus schrecklicher als es die versammelten Bilder zeigen können. Er verschaffte manchem Erlebnisse, die so grauenhaft waren, daß er sie nicht mehr wahrhaben will. Im Seekrieg haben beide Gegner stets einen zweiten Feind, die See – ‚the cruel sea’”. Die große Wassergarotte wartet im Krieg auf jeden Seemann. Der Seekrieg ist ein pervertierter Krieg. Er ist es auch deshalb, weil er ein ganz und gar “sauberer” Krieg ist: keine im Stacheldraht hängenden Verwundeten, keine Trümmer und Ruinen, keine aufgedunsenen Leichen. Die Seeschlacht hinterlässt keine Spuren… Ich habe selber erlebt, wie spiegelglatt die See im Morgendämmern dalag, nachdem sie eben ein von einer Fliegerbombe getroffenes Kameradenboot verschlungen hatte…”.
Anlässlich der Ausstellung konnten in den erstmals zugänglichen Archiven rund fünftausend Fotografien in Form von Kontaktbogen, die weder datiert noch näher bezeichnet sind, durchgesehen werden. Dabei zeigte sich, dass viele der Buchheim’schen Fotografien noch nicht publiziert sind. Zudem fanden sich ausführliche Fotosequenzen von Ereignissen, die bislang nur durch einige wenige Fotografien überliefert waren. Sie führen uns das Geschehen wie einen Film vor Augen. Während eines Wasserbombenangriffs auf U 96 beispielsweise, hat Buchheim eine Reihe von Aufnahmen gemacht, die die Situation im Inneren des Bootes und das Verhalten des Kommandanten und einiger seiner Besatzungsmitglieder auf beklemmende Weise veranschaulichen. Diese und andere Bildsequenzen, etwa die Begegnung von U 96 mit einem anderen deutschen U-Boot während eines Sturms im Atlantik oder die Rettung Überlebender eines soeben untergegangenen deutschen U-Bootes, werden erstmals vollständig in der Ausstellung gezeigt.
“Der Alte” in Buchheims Roman “Das Boot” (1973),
Heinrich Lehmann-Willenbrock, Kommandant von U 96
Die Auswahl der Fotografien konzentriert sich auf Bilder von U 96: Sie berichten von den Besatzungsmitgliedern und ihren Aufgaben, vom Alltag an Bord, von Verrichtungen wie “Torpedoziehen”, die tägliches Pensum waren. Auch das Innere des U-Bootes, etwa Zentrale, Diesel- , E-Maschinen- sowie Bugraum, ist durch Buchheims Fotografien überliefert. Den Gegensatz zur bedrückenden Enge im Boot bilden Aufnahmen, die Buchheim auf der Brücke des U-Bootes machte. “Für mich ist es eine Erlösung, auf der Brücke zu stehen”, schreibt er in seinem Roman “Das Boot”. “Ich nütze die Gelegenheit aufzuentern, sooft sie sich bietet. Kaum habe ich den Kopf zum Turmluk hinausgesteckt, überkommt es mich schon wie eine Befreiung: Ich steige aus dem Maschinenpferch, aus der Enge der Wände, aus Dunst, Gestank und Feuchtigkeit ans Licht zur reinen Luft empor. Zuerst suche ich den Himmel nach Wetterzeichen ab, dann lasse ich den Blick schnell ringsum über die Kimm gehen. Erst dann drehe ich den Kopf hierhin und dahin und lege ihn schließlich in den Nacken. Durch ein paar Wolkenlöcher kann ich in die Tiefe des Kosmos blicken…”. Bilder von den wachhabenden Brückenposten vergegenwärtigen die stete Gefahr.
Desaster
Zu diesem Komplex von Fotografien kommen Aufnahmen vom Atlantikstützpunkt Saint-Nazaire: vom Bau der Bunker, von den Werftanlagen, von zurückkehrenden U-Booten und den seinerzeit üblichen Flottillenritualen, dem Schlösschen Kernével, in dem Karl Dönitz eine zeitlang Quartier bezogen hatte, von Kommandanten und weiteren U-Boot-Fahrern. Aber auch Bilder der Zerstörung hat Buchheim dokumentiert: zerschellte Flugzeuge, ausgebrannte Eisenbahnwaggons und zerbombte Städte und Landschaften.

Lothar-Günther Buchheim als Kriegsberichter, um 1941
Und weil die Durchsicht des Archivs mit Buchheims Fotos aus der Kriegszeit ergab, dass der Maler, wie schon auf seinen privaten Reisen zuvor, hingebungsvoll die Menschen, die Landschaft und das Leben in der Bretagne fotografierte, ist auch diesem Aspekt der Buchheim’schen “Kriegsfotografie” ein eigener Raum gewidmet worden.
Schreibt Dr. Clelia Segieth, die Kuratorin des Buchheim Museums über die Ausstellung im Buchheim Museum – Museum der Phantasie / Sammlung Buchheim, Am Hirschgarten 1, 82347 Bernried.
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Das Rahmenprogramm zur Ausstellung “Das Boot”:
24. Juli 2010, 18.15 Uhr
Klaus Doldinger’s Passport
Open Air Konzert im Museumspark am See
o5. September 2010, 16 Uhr
Hans A. Neunzig
Lesung aus Buchheims Roman “Das Boot” und dem soeben posthum erschienenen Erlebnisbericht des jungen Buchheim “Vagabund und Flusspirat – Mit dem Faltboot auf der wilden Drina”
19. September 2010, 11 Uhr
Dr. Mirko Wittwar
Das Bild vom Krieg in Buchheims Romanen
Vortrag und Lesung
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(Textauszug kursiv, Bild-, Grafikquelle: Buchheim Museum.de;
Videoquelle: via YouTube)







24. Juli 2010 um 08:06 Uhr
Bester Film aller Zeiten
24. Juli 2010 um 14:30 Uhr
Ein wirklich guter Film, dass dieser auch noch aus deutscher Produktion stammen konnte, verwundert mich immerwieder.
25. Juli 2010 um 08:56 Uhr
Vorallem war ich ja mal in den Bavaria-Filmstudios und habe gesehen wie die das gemacht haben. Vereinzelt war auch nur ein Eimer voll Wasser am Drehort…einfach Klasse!
7. Oktober 2011 um 14:42 Uhr
Typisch deutsch aber dennoch: Das Ende wurde entgegen der Geschichte im Buch geändert: Die Versenkung fand dort nicht statt- aber die moralinsaure Zeit verlangte , daß die Deutschen nicht ungeschoren davonkommen. Ich würd mich fragen, wie wohl heute der Folgeband “Die Festung” verfilmt würde…warscheinlich, wie üblich, mit ner unsäglichen Liebesgeschichte (siehe “Stalingrad” )
24. Januar 2013 um 01:04 Uhr
Zeer goed gespeeld en het is een prachtige film.
24. Januar 2013 um 06:33 Uhr
Hier geht es nicht um den Film. Alle hier gezeigten Fotos sind Originale aus der Kriegszeit, die Buchheim teils für sein geplantes Buch “Jäger im Weltmeer”, teils für die Nachwelt geschossen hat. Einiges Material musste er vor den eigenen Vorgesetzten und vor allem den diversen politischen Polizeien auf die Seite schaffen. Wen das Thema über “Sach mal, hast du Haare in der Nase?” hinaus interessiert, dem empfehle ich die Lektüre des Romans, seines von jens prager erwähnten Nachfolgers “Die Festung” (meiner Meinung nach Material für drei Filme der Länge von “Boot”) und der Vollständigkeit halber auch “Der Abschied”, in dem die letzten losen Fäden verknotet werden. “Abschied” findet nach dem Krieg statt, auf dem Nuklearschiff “Otto Hahn”, mit dem “Alten” als Kapitän dieses einzigen atomgetriebenen Schiffs, das jemals unter deutscher Flagge fuhr.