Kunduz: Partrouille wird angesprengt – Berlin: Wehrbeauftragter beklagt dramatisch schlechte Truppenausrüstung

von Dirk ~ 23. Juli 2010. Zu lesen unter: Parlamentsarmee, Wehrbeauftragter.

“Die Ausrüstung der Soldaten ist ein Drama”

Der Wehrbeauftragte des Bundestags schlägt Alarm: Die Ausrüstung der Bundeswehr in Afghanistan sei in einem dramatischen Zustand, warnt Hellmut Königshaus. Die Schuld gibt er der deutschen Bürokratie – und fordert: Sicherheit muss Vorrang haben vor Vorschriftenzur vollständigen heutigen Meldung bei SPIEGEL ONLINE ”Bundeswehr in Afghanistan – Wehrbeauftragter beklagt dramatisch schlechte Truppenausrüstung” mit ganz konkreten Beispielen.
Zum Original-Artikel der Sächsischen Zeitung aus Dresden: “Die Ausrüstung der Soldaten ist ein Drama” von Sven Siebert.

Wie überlebenswichtig optimale Ausrüstung im Einsatz ist, zeigt diese aktuelle Meldung des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr (EinsFüKdoBw) aufs Neue:

Angriffe im Raum Kunduz
Berlin/Kunduz, 23.07.2010, Einstellzeit: 8.15 Uhr.

Am 22. Juli geriet um 17.04 Uhr MESZ (19.34 Uhr Ortszeit) eine deutsche Patrouille, zwölf Kilometer westlich des Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) Kunduz, in eine Sprengfalle und wurde mit Handwaffen beschossen.

Es gab keine Verwundeten oder Schäden.

Wenige Stunden später, um 22.58 Uhr MESZ (1.28 Uhr Ortszeit), wurden deutsche Kräfte im gleichen Raum, circa sieben Kilometer westlich des PRT erneut angegriffen. Der Angriff erfolgte mit Handwaffen und Panzerabwehrwaffen.

Soldaten wurden nicht verwundet. Es gab keine Schäden.

Stand: 7.50 Uhr

(Textauszug kursiv: SPIEGEL.de;
Textauszug EinsFüKdoBw-Meldung kursiv: Bundeswehr.de;
Bilderquellen: Einsatz.Bundeswehr.de, Hellmut Königshaus in der Region Mazar-eSharif, Artikel “Wehrbeauftragter auf Patrouille in Afghanistan”;
Bundeswehr.de, QRF-Soldaten, Artikel “Schützenpanzer Marder: Das 20-Millimeter-Argument 1″)

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10 Kommentare zu Kunduz: Partrouille wird angesprengt – Berlin: Wehrbeauftragter beklagt dramatisch schlechte Truppenausrüstung

  1. Bang50

    Jetzt knallt es fast jeden Tag. Dabei bleibt die BW aber anscheined total untätig. Nirgends was zu lesen von Feuergefechten die angenommen wurden und zu ende gefochten wurden. Mir wird die militärische Führung der BW immer suspekter.

  2. Chris

    “Total untätig” halte ich für ungerechtfertigt.
    Aber ich verstehe und teile die Zweifel bei der von dir als “suspekt” erachtete Führungsqualität der Bw.

    Wir hören in den Medien so wenig von Afghanistan, wären die exorbitant anmutenden Mängel in der Ausrüstung nicht, wäre der Einsatz schon vergessen, obwohl er andauert.

  3. TheDude

    Da führt die Bundeswehr mit 20 Jahren Verspätung das MG4 ein und schon ist es technologisch veraltet. Wie gewohnt bei der Bundeswehr!

    http://kitup.military.com/2010/07/army-closer-to-era-of-lightweight-ammo.html

    http://kitup.military.com/2010/07/a-saw-at-half-the-weight-its-for-real.html

    http://kitup.military.com/2010/07/lsat-test-shoot-video.html

  4. Bang50

    Das MG4 ist das absolute Gegenteil von veraltet. Sorry TheDude aber hier muss ich dier wiedereinmal wiedersprechen. Diese Art der Munition ist nirgends flächendeckend eingeführt. Von einem Prototypen zu einer Waffe, die irgendwo flächendeckend eingeführt wird, ist es ein weiter Weg. Bestes Beispiel ist z.b das OICW. Auf dem Papier super, für die Praxis nicht tauglich und deswegen auch wieder eingestampft.
    Oder wie wärs mit dem G11? Das ging in die selbe Richtung. Wie wärs mit unterkalibriger Treibspiegelmunition für Sturmgewehre?

    Ich halte das Handwaffenkonzept der BW für mittel bis gut. Viel wichtiger wäre es, die Waffen die Eingeführt sind, auch in ausreichender Stückzahl zu beschaffen. Das sieht es bei MP7,MG4 und G36 mit niedriger picanntyrail und moderner Optik sehr düster aus. DMR wird in kleiner Stückzahl kommen.

  5. Eric

    Stimmt es eigentlich tatsächlich, dass Teile der BW das HK416 haben oder erhalten? Genauso lese ich immer mal wieder in Foren, dass das HK417 als DMR kommen soll?

  6. TheDude

    Nichtsdestotrotz haben die Amis das M249 schon eingeführt als manche hier noch Quark im Schaufenster waren. Die Marines haben schon ein Programm um es teilweise durch ein anderes Bewaffnungskonzept abzulösen (auf Basis HK416) und nebenbei arbeiten sie an o.g. Munition, mit der in Kürze Feldversuche beginnen. Insofern: MG4 ist vielleicht nicht restlos veraltet, aber viel zu spät eingeführt, da hätte man schon etwas Fortschrittlicheres in Angriff nehmen können mittlerweile. Dass wir den Amis hinterherhinken und ihnen fast alles mit großer Verspätung nachmachen, ist ja nun wirklich nicht zu bestreiten.
    @Eric: HK416 ist mir nichts bekannt und wage ich zu bezweifeln, da es kaum einen Fortschritt zum G36 darstellen würde, im Gegenteil, das HK416 hatte in Schusstest sogar eine leicht schlechtere Zuverlässigkeit zu verzeichnen als das G36. Das HK417 ist beim KSK wohl schon in kleinen Stückzahlen in Gebrauch und wird wahrscheinlich weiter zulaufen, wie es für den Rest der Bundeswehr aussieht weiss ich nicht, aber laut BMdV wird ein halbautomatisches Präzisionsgewehr für die Bundeswehr in diesem Kaliber bis Ende dieses Jahres beschafft werden, ob es das HK417 sein wird kann ich nicht absolut bestätigen, halte es aber für sehr wahrscheinlich, da es Bundeswehr-intern schon unter der Bezeichnung “G27″ läuft.

  7. Bang50

    @Eric

    Das H416 ist in der Bw nicht eingeführt. Das HK417 wird noch dieses Jahr in den Einsatzkompanien zu sehen sein. Bis jetzt habe ich aber noch keine genaueren Informationen welche Optik verwendet werden wird.

  8. TheDude

    Genaugenommen hiess es nicht, dass ein “halbautomatisches Präzisionsgewehr” beschafft wird sondern nur, dass ein “Gewehr im Kaliber 7,62×51 als Ergänzung zum G36 beschafft bis Ende 2010″ beschafft wird. Mit hoher Wahrscheinlichkeit HK417 alias G27, würde ich sagen.

  9. Bang50

    Zitat:”Nichtsdestotrotz haben die Amis das M249 schon eingeführt als manche hier noch Quark im Schaufenster waren.”

    Das ist wohl richtig. Das M249 als erstes echtes squad MG war ein Quantensprung für die Infanterie.Gerade weil ich ein großer Fan dieses Ansatzes bin halte ich nicht viel davon dieses jetzt wieder über Bord zu werfen.Im übrigen ist das MG4 eine Waffe der 2000er Ära und damit nochmals einiges moderner was Detaillösungen betrifft.

    Zitat:”Die Marines haben schon ein Programm um es teilweise durch ein anderes Bewaffnungskonzept abzulösen (auf Basis HK416)”

    Jaja das liebe IAR Programm.Die Deutschen haben es mit ihrem MG36 versucht, die Franzosen mit einer FAL auf MG getrimmt. Die Amis versuchen es mit dem HK416. Es gibt nicht wenige in den USA, die das schmunzelnd zur Kenntnis nehmen. Letztlich wird versucht, modernere Sturmgewehre einzuführen und den monopolisten Colt dabei zu umgehen. Mit einem effektiven Ersatz für das M249 hat das wenig zu tun. Vorallem da wir inzwischen genügend solche Projekte hatten, in dennen wir feststellten das ein Sturmgewehr niemals ein MG ersetzen kann.

    Zitat:”MG4 ist vielleicht nicht restlos veraltet, aber viel zu spät eingeführt, da hätte man schon etwas Fortschrittlicheres in Angriff nehmen können mittlerweile. Dass wir den Amis hinterherhinken und ihnen fast alles mit großer Verspätung nachmachen, ist ja nun wirklich nicht zu bestreiten.”

    Das MG4 ist zum richtigen Zeitpunkt gekommen und wird uns noch viele Jahre beglücken. Genauso wie das M249 die Amerikaner noch viele Jahre beglücken wird. Letzlich ist das MG4 dafür noch mal ein gutes Stück moderner. Ob es sinnvoll gewesen wäre, das damit Wehrdienstleistende schon vor 20 Jahren rumgeballert hätten sollen, kann man sich sicherlich streiten.
    Was den hinterherhinken mit den Amerikanern betrifft.Die Amis sind in so ziemlich in allem Trendsetter und die BW kann in so ziemlich allem was von den Amis lernen. Das lustige ist nur, dass das waffenstrotzende Amerika über so gut wie keine Fachkompetenz mehr im Handwaffenbereich verfügt. Colt ist so ziemlich der letzte gehegte Rest mit seinem AR15 System welches inzwischen über 40 Jahre alt ist. Innovation im Handwaffenbereich kommt aus Oberndorf (MP7, GMW, indirektes Gassystem im G36 und HK416/417 (DSR-1)) aus Belgien (FN 2000,SCAR,P90),von den britischen Inseln (Accuracy International).

    Während die Amis also seit 40 Jahren mit der eigentlich fast gleichen Waffe rumrennen und die regelmäßigen Anläufe dies zu ändern von den Lobbyisten geblockt werden, hat der BW Soldat sein G36 aus den 90er Jahren, eine innovative Maschinenpistole MP7,eine sehr moderne und leichte GMW und ein modernes squad MG (MG4).

    Der Krux mit der BW besteht nur darin, das die Kassen dermaßen leer sind, das man die Dinger nicht mal in ausreichender Stückzahl beschaffen kann.

  10. TheDude

    Größtenteils richtig, wobei das mit dem IAR alles nur Mutmassungen sind, so genau weiss das in den USA auch kaum jemand, was da am Ende bezweckt wird. Tatsache ist jedenfalls, dass ein M249 im Häuserkampf und auf Märschen allein durch das Gewicht eine Belastung ist und es in der Theorie unter gewissen Voraussetzungen durchaus Sinn machen kann, es durch ein IAR mit derzeit in Enwicklung befindlichen Magazinen/Trommeln mit größerem Munitionsvorrat zu ersetzen, die nicht mehr die Zuverlässigkeitsprobleme älterer Ausführungen aufweisen (soll angeblich bereits verfügbar sein).
    Für mich ganz persönlich ist es etwas verwunderlich, dass HK beim MG4 praktisch keinerlei Gewichtsvorteil zum M249 herausholen konnte. Sicherlich hätte ein geringeres Gewicht Nachteile beim Rückstossverhalten bewirkt, aber dem hätte man doch eigentlich mit einer gut konstruierten Mündungsbremse und anderen Massnahmen entgegenwirken könne, wobei ich zugeben muss, dass meine Kenntnisse hier nicht erschöpfend sind, bei Waffen wie dem Barret M107/G82 bewirkt die Mündungsbremse jedenfalls offenbar eine Menge.

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