Was der Fußball lehrt – Deutschland hat gewonnen.
von Dirk ~ 8. Juli 2010. Zu lesen unter: Bund & more.Aus der Traum.
Die deutsche Mannschaft hat verloren. Verloren? Tatsächlich gibt es keinen Grund zu trauern. Denn sie hat gewonnen. Deutschland hat gewonnen. Rundum hat diese Mannschaft ein positives Bild abgegeben, bei ihren Siegen ebenso wie in ihrer Niederlage. Die anderen waren eben besser – jeder der deutschen Spieler gab es offen zu. Sympathisch.
Überhaupt schlägt dem Land eine neue, ungewohnte Sympathie entgegen. Bei einer Befragung in 34 Ländern der Welt schnitt Deutschland kürzlich als das beliebteste aller Länder ab. Erstaunt nehmen wir Inländer zur Kenntnis, wie sich das Bild Deutschlands im Ausland gewandelt hat – erstmals deutlich spürbar 2006. Verblasst ist das Image der beflissenen, pünktlichen, fleißigen, erfolgreichen, aber irgendwie spießigen, langweiligen und großkotzigen Deutschen. Für die berühmten “deutschen Tugenden” werden wir nicht mehr ängstlich verspottet, sondern maßvoll geachtet. Weil sie ihren ideologischen Unterton verloren haben.
Bis hierhin war es ein langer Weg. Wer noch vor 15 Jahren auf die Idee gekommen wäre, eine Deutschlandfahne in seinem Vorgarten zu hissen, hätte sich dem Vorwurf des Nationalismus ausgesetzt. Der unbefangene – nicht unkritische! – Umgang mit der Nation und ihren Symbolen konnte erst möglich werden durch eine ernsthafte und weiter andauernde Beschäftigung mit der Vergangenheit. Auch ausgelöst durch den Unmut, ja die Wut der Nachkriegsgeneration in den 60er- und 70er-Jahren über das Schweigen der Väter und eine restaurative Politik hat sich die Bundesrepublik wie kaum ein anderes Land mit ihrer Geschichte und ihrer Schuld beschäftigt. Dies geschah, auch gegen Widerstände, offen und breit in Kunst, Wissenschaft, Literatur und Politik. So lässt sich eine – unvollständige – Linie ziehen von Brandts Kniefall in Warschau über Grass’ Blechtrommel, die Studentenproteste und die Wiedervereinigung bis zum Holocaust-Mahnmal in Berlin.
Dieses neue, offenere Verständnis von Nation will die NS-Vergangenheit nicht entsorgen. Es baut vielmehr auf der Gewissheit auf, sich deren Ursachen und Folgen gestellt und eine stabile, freie und weltoffene Demokratie errichtet zu haben. Und es belegt die alte Weisheit, dass eine Gesellschaft nur dann eine Chance auf eine gute Zukunft hat, wenn sie sich ihrer Vergangenheit gewiss ist.
So hat Deutschland trotz der Niederlage gewonnen. Bei der WM wurde sichtbar, was Jahrzehnte dauern musste. Auf dem Platz standen übrigens Gomez, Khedira, Trochowski, Özil, Klose und Podolski. (Zitatende)
Kommentiert Christopher Onkelbach im Leitartikel der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung aus Essen.
Schluss-Ekstase fällt aus
Die Nationalmannschaft bricht alle Publikums-Rekorde: Man muss die TV-Quoten nur mal vergleichen mit den Zahlen, die Champions-League-Spiele oder der Bundesliga-Alltag produzieren: 12 Millionen sahen beim Finale des FC Bayern gegen Inter zu, bei der “Sportschau” schaut im Schnitt die Hälfte zu. Mit der reinen Klasse des gebotenen Fußballs kann das nicht zu tun haben, denn alle Experten wissen: Das Niveau einer europäischen Vereinself der Spitzenklasse erreicht keine Nationalelf – höchstens die als Spanien verkleidete Mannschaft des FC Barcelona. Die Begeisterung rund um die DFB-Auswahl hat für viele mit Partylust und Gemeinschaftsgefühl im Schwarz-Rot-Gold-Dressing zu tun. Sollen sich Wissenschaftler mal Gedanken machen, wonach wir uns da wirklich sehnen und warum wir es nur beim Fußball zu finden glauben. Das wäre auch für die Politiker eine Überlegung wert. Mehr denn je suchen sie die Nähe zum populären Phänomen Nationalmannschaft, mit Flugreisen nach Südafrika, Glückwunsch-Telegrammen und PR-Fotos, die Politiker bei der fußballpatriotischen Pflichterfüllung zeigen.
Das alles war manchmal etwas viel, und man muss nicht traurig sein, dass es nicht zum Party-Showdown am Brandenburger Tor kommt. Auch die Mannschaft wollte der Schluss-Ekstase lieber ausweichen und untermauert damit auch ihren sauberen Fußball-Charakter: Gefeiert wird erst, wenn es wirklich was zu feiern gibt. In diesem Sinne bitte vormerken: Die nächste WM findet vom 13. Juni bis zum 13. Juli 2014 in Brasilien statt. (Zitatende)
Kommentiert die Neue Osnabrücker Zeitung.
Soldatenglück.de fiebert mit und berichtet mit Text und Video-Zusammenfassungen über die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika.
(Textquelle: Westdeutsche Allgemeine Zeitung.de, Neue Osnabrücker Zeitung.de;
Bildquelle: Deutsches Heer.de, Fußballfans jubeln in Kunduz, Bild der Woche, 26. Kalenderwoche, Begeisterung in Lummerland. Bundeswehrsoldaten freuen sich in der Betreuungseinrichtung in Kunduz über das Spiel der deutschen Fußballnationalmannschaft am 27.06.2010 gegen Großbritannien. Der mit 4:1 fast historische Sieg gab ausreichend Grund zur Freude.)
Hintergrundinformationen: FIFA Fußball-Weltmeisterschaft Südafrika 2010 und Deutscher Fußballbund, DFB und die Spanische Nationalmannschaft
























8. Juli 2010 um 22:02 Uhr
Ich darf da nochmal an 2006 erinnern: http://www.welt.de/politik/article2832689/Gruener-Stroebele-fuehlt-sich-im-Fahnenmeer-unwohl.html