Verteidigungsauschussvorsitzende Susanne Kastner kritisiert Gesetzesvorlage zur Wehrdienstverkürzung als “Gesetz ohne Substanz”
von Dirk ~ 11. Juni 2010. Zu lesen unter: Verteidigungspolitik, Wehrpflicht/Freiwilligenarmee.Ernst-Reinhard Beck (CDU): Faire Chance im Hinblick auf Zivildienst geben
“Was wir heute debattieren, wird ein Gesetz völlig ohne Substanz”, hat Susanne Kastner (SPD) im PHOENIX-Interview die Gesetzesvorlage zur Verkürzung der Wehrpflicht von neun auf sechs Monate kritisiert. Es liege die Vermutung nahe, dass dies der Einstieg in die Freiwilligenarmee sei, so die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses. “Ich verstehe nicht, warum das Gesetz im Eilzugtempo innerhalb einer Woche durchgeboxt wird.” Man hätte die Ergebnisse der Strukturkommission, die für Ende September angekündigt sind, abwarten sollen. So werde es nur weiter Gerangel zwischen FDP und CDU/CSU geben. “Das ist für die Planungssicherheit und die Sicherheit unserer Soldaten ganz und gar nicht gut”, so Kastner.
Der verteidigungspolitische Sprecher der CDU, Ernst-Reinhard Beck, der selbst ein Anhänger der Wehrpflicht ist, gab gegenüber PHOENIX zu, dass der Gesetzesvorschlag ein Kompromiss der Koalition ist. Doch er würde sich wünschen, dass die Verkürzung der Wehrpflicht vor allem im Hinblick auf den Zivildienst eine faire Chance bekomme. “Wenn die Wehrpflicht fällt, ist der Zivildienst weg.”
Beck betonte, dass sich die Bundeswehr auf die Anforderungen des 21. Jahrhunderts einstellen müsse und eine Überprüfung im Hinblick auf Personal und Auslandseinsätze geboten sei. “Diese Auseinandersetzung muss ergebnisoffen geführt werden.” Zugleich verdeutlichte er, dass eine Freiwilligenarmee keine Ersparnis bringe. “Wenn der gleiche Umfang beibehalten werden soll, ist eine Freiwilligenarmee teurer.” Zudem seien die Erfahrungen mit der Freiwilligenarmee in Frankreich und Spanien bezüglich Qualität und Kosten nicht positiv. “Wir wären schlecht beraten, das Thema alleine unter der Kostenersparnisbrille zu betrachten”, so Beck. (Zitatende)
Berichtet PHOENIX in einer Presemeldung.
(Textquelle kursiv: PHOENIX.de;
Bildquelle: Susanne Kastner, MdB, Die Konstituierung des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages am 17.11.2009, die Ausschussvorsitzende Susanne Kastner in der Bildmitte, links daneben der Parl StS im BMVg Thomas Kossendey, CDU))























11. Juni 2010 um 20:23 Uhr
“Zudem seien die Erfahrungen mit der Freiwilligenarmee in Frankreich und Spanien bezüglich Qualität und Kosten nicht positiv”
Toll, aber die positiven Erfahrungen bezüglich Qualität und Kosten in Großbritannien, Kanada und den USA scheint diesen Mann nicht zu interessieren.
In der Bundeswehr als kleinere Berufsarmee würde die Qualität der Ausbildung und der Ausrüstung merklich zunehmen. Schafft die Wehrpflicht endlich ab, wenn irgendwelche Einrichtungen auf Zivis angewiesen sind ist das ihre eigene Schuld!
In anderen Ländern funktioniert das doch auch…
11. Juni 2010 um 22:40 Uhr
Ja, und wenn die Qualität nicht stimmt, dann raubt man den Menschen einfach ihre Freiheit…
Die Qualität stimmt sofort, wenn man die nötigen Schritte unternimmt. Der Dienst muss einfach nur attraktiv genug sein, sowohl was seine gesellschaftliche Achtung, seine Bezahlung und seinen Anspruch angeht. Je höher der Anspruch, desto mehr Bewerber. Die Legion hatte vermutlich noch nie Rekrutierungsprobleme…