Kabul, Bagdad, …, New York – Autobomben nun auch in der freien Welt? (Video)
Sonntag, 2. Mai 2010Â
Terroralarm am Times Square – Die Mitte der Welt -
Die Menschen in New York leben mit einer pochenden Narbe. Es ist der “Ground Zero” in Manhattan, jener Ort, an dem das World Trade Center mächtig in den Himmel ragte. Dieser Platz, der nun erneut prächtig bebaut werden soll, ist ein Grab. Es erinnert die Menschen nicht nur an die 3000 Toten des 11. September 2001, sondern auch an ihre eigene Verletzbarkeit. Das mächtigste Land der Erde kann seinen Bürgern Sicherheit nicht garantieren. Dies ist der Schock des 11. September. Der Bombenfund am Times Square gemahnt an dieses Trauma. Dieser belebte Platz liegt in der Mitte der Metropole, New Yorker Bürger sehen ihn nicht nur als zentralen Ort ihrer Stadt, er gilt ihnen als Mitte der Welt. Und genau hier sollte ein Inferno ausbrechen, sollten Menschen sterben. Wer immer diesen gottlob stümperhaft ausgeführten Anschlag plante, wollte nicht nur die Stadt, er wollte das Land dort treffen, wo es seinen Charakter am sinnfälligsten offenbart: wo Business und Glitzerwelt, Geld und Vergnügen, Kunst und Kommerz ein einmaliges und typisches Ambiente geschaffen haben. Ob radikale Islamisten, regierungsfeindliche US-Gruppen oder ein hirnverbrannter Einzeltäter dahinter stecken – in ihrer mörderischen “Logik” sind sie vereint.
Schreibt Christopher Onkelbach im Leitartikel der Westdeutsche Allgemeinen Zeitung aus Essen.
Mitteldeutsche Zeitung: zu New York und Terror
Seit den Anschlägen des 11. September 2001 lebt das Schaufenster der westlichen Welt mit dem Gefühl der permanenten Bedrohung. Auch in London, Madrid, Mumbai oder erst recht in vielen Städten des Nahen und Mittleren Ostens ist es zu blutigen Attentaten gekommen. Aber das weltweite Echo auf einen Terrorangriff in New York ist immer noch am größten. Das macht die Situation so unübersichtlich. Denn längst lauert auch in den USA die Gefahr von innen. Islamisten sind nicht die einzigen, die Angst verbreiten wollen. Die New Yorker haben gelernt, damit zu leben, ohne in Panik zu verfallen. Aber ihre Wachsamkeit darf nicht nachlassen, denn vermutlich wird es neue Anschlagsversuche geben.
Kommentiert die Mitteldeutsche Zeitung aus Halle.
Alarm in New York
Der Times Square als pulsierende Kultur- und Amüsiermeile ist ebenso ein Wahrzeichen New Yorks wie es das World Trade Center als Herz des Kapitalismus war. Wer immer den mörderischen Plan ersann, eine Autobombe in der Nähe des Broadway zu zünden, mag unprofessioneller vorgegangen sein als jene, die die Zwillingstürme am 11. September 2001 pulverisierten. Ziel und Zeit aber wählte er mit Bedacht: An solchen Orten zeigt sich, wie verletzbar offene Gesellschaften sind. Das ist die alarmierende Botschaft vom “Big Apple”. Eine zweite, mindestens genauso wichtige, lautet: Wachsamkeit bleibt die wirksamste Waffe gegen Terror. “See something, say something” – “Sag es, wenn du etwas siehst”, heißt es überall in New York auf Schildern und Aufklebern. Dieses Prinzip hat am Wochenende funktioniert. Der Straßenverkäufer am Times Square reagierte sofort, als er den rauchenden Geländewagen bemerkte. Die Polizei, die seit den verheerenden Al-Qaida-Attacken massiv verstärkt wurde, war sofort zur Stelle, der Gefahrenbereich schnell geräumt. Auch wenn eine Riesenportion Glück hinzukam, durch die Schlimmeres in New York verhindert wurde, gilt für jeden von uns: “Sag es, wenn du etwas siehst.”
Kommentiert Martin Bewerunge von der Rheinischen Post aus Düsseldorf.
Verstärkt im Fadenkreuz
Die USA liegen wieder verstärkt im Fadenkreuz des islamistischen Terrorismus. Viele Anschläge konnten die Sicherheitsbehörden seit dem Massaker vom 11. September 2001 zwar verhindern, doch die Zahl der versuchten Attacken steigt. Und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis El Kaida oder eine andere Extremistengruppe ein Loch im dichten Sicherheitsnetz findet, wie die Autobombe auf dem Times Square im Herzen New Yorks zeigt.
Nur einer Reihe von Zufällen ist es zu verdanken, dass der Sprengsatz nicht explodierte. Zum Glück scheiterte der wohl von einer Taliban-Gruppe ausgearbeitete Plan, am Broadway ein Blutbad anzurichten. Doch gewiss ist: Islamistische Terrorgruppen werden den Westen erst aufhören anzugreifen, wenn sie ausgeschaltet sind.
Wann dies gelingen wird, ist ungewiss. Aber die Fanatiker werden nicht obsiegen, wenn die USA, die Europäer und ihre Verbündeten in der islamischen Welt nicht aufgeben. Siehe Afghanistan. Es gibt viel an dem ISAF-Einsatz zu kritisieren, doch eines sollte klar sein: Wenn Kabul fällt und die NATO geschlagen abziehen müsste, hätten die Fanatiker wieder einen Staat unter Kontrolle, den sie zu einem einzigen Terrorlager umfunktionieren würden. Zudem drohte der Zusammenbruch der Nuklearmacht Pakistan. Ein Horrorszenario, denn Osama bin Laden trachtet nach Atomwaffen, die er einsetzen würde – in New York, Neu-Delhi, London oder Berlin.
Kommentiert die Neue Osnabrücker Zeitung.
(Videoquelle: New York Post via YouTube;
Textquellen kursiv: Westdeutsche Allgemeine Zeitung.de, Mitteldeutsche Zeitung.de, Rheinische Post.de, Neue Osnabrücker Zeitung.de)










