Bundeswehr muss auf Kampfhubschrauber “TIGER” warten und warten und warten (Video)

von Dirk ~ 26. Mai 2010. Zu lesen unter: Streitkräfte&Gesellschaft, Verteidigungspolitik, Video.

Bundeswehr setzt Abnahme des Kampfhubschraubers aus

 

Afghanistan-Truppe muss weiter auf den “Tiger” warten

Der geplante Einsatz des Kampfhubschraubers “Tiger” durch die Bundeswehr verzögert sich weiter. Es gebe “eklatante Mängel”, besonders an der Verkabelung, sagte ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums in Berlin. Die ersten einsatzbereiten Hubschrauber würden nicht mehr vor 2012 erwartet.

Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert aus einem internen Bericht des Ministeriums. Dort würden “aufgescheuerte Kabel” bemängelt, die auch bei Hubschraubern mit sehr wenig Flugstunden aufträten. Die Probleme seien offenbar seit 2009 bekannt. Da der Hersteller Eurocopter – eine Tochterfirma des Luftfahrtunternehmens EADS – die Mängel noch nicht beseitigt habe, setze das Ministerium die Abnahme aus. Der Ministeriumssprecher monierte, Eurocopter habe bislang nur elf Testexemplare zur Verfügung gestellt, bei denen es sich jedoch nicht um die angeforderte Version gehandelt habe.

Abnahme zu langsam?

Ein Sprecher von Eurocopter erklärte, in den kommenden zwei Monaten würden zwei weitere Testversionen des Hubschraubers der Bundeswehr übergeben werden. Bis dahin sollten Korrekturen an der Verkabelung vorgenommen werden. Laut Reuters macht die Industrie aber auch die schleppende Abnahme durch deutsche Behörden für die verzögerte Auslieferung verantwortlich.

Der “Tiger” soll unter anderem in Afghanistan eingesetzt werden. Dort sind die deutschen Einheiten bislang auf die Unterstützung durch Kampfhubschrauber und -flugzeuge anderer NATO-Staaten angewiesen. Ein Bundeswehrsprecher kommentierte die neuen Nachrichten, das sei “für die Bundeswehr sehr schmerzlich”, sagte der Sprecher zum Fehlen der Hubschrauber für den Afghanistan-Einsatz. “Wir brauchen die Fähigkeiten sehr dringend.”

Jahre hinter dem Zeitplan zurück

Der “Tiger” ist ein deutsch-französisches Gemeinschaftsprojekt. Insgesamt hat die Bundeswehr 80 Stück zum Preis von jeweils etwa 40 Millionen Euro bestellt. Dem ursprünglichen Zeitplan nach sollte die Bundeswehr bereits 2009 über 67 Exemplare verfügen. Die französische Armee hat den “Tiger” bereits abgenommen und setzt ihn in Afghanistan ein.

Für die militärische Sparte des EADS-Konzerns bedeutet die Verzögerung ein weiteres Debakel nach der Kostenexplosion beim Militärtransporter A400M und den Problemen beim Transporthubschrauber NH-90. Da die Bundeswehr erst bei Auslieferung jedes einzelnen Exemplares zahlt, dürfte die Verschiebung der Abnahme die Konzernbilanz spürbar belasten.

(Videoquelle, Textauszüge kusiv: ARD tagesthemen vom 25.05.2010 via YouTube-Kanal Soldatenglück;
Bilderquelle: Deutsches Heer.de)

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5 Kommentare zu Bundeswehr muss auf Kampfhubschrauber “TIGER” warten und warten und warten (Video)

  1. Oliver

    Ich bin zwar nur ein enthusiastischer Modellflieger, aber wie um alles in der Welt entstehen aufgescheuerte Kabel in einem Kampfhubschrauber? Mag das vielleicht mal einer erklären?

  2. Bang50

    @Oliver – als als ehem. gelernter Elektroniker kann ich sagen das dieser Effekt auch in weniger dynamisch beanspruchten Gerätschaften vorkommt. Gute Kabelverlegung erfordert viel an Hirnschmalz und ggf. konstruktive Maßnahmen für die Kabel. Sehr schönes Beispiel der Kabelbaum am 4er Golf der in die Tür führt. Ein auf Biegung beanspruchter Strang der irgendwann zu Problemen führt. In einem Peugeot habe ich dafür mal eine sehr schöne Lösung gesehen. Dort wurde der Kabelbaum in zwei knicken geführt, so dass beim öffnen und schließen der Kabelbaum auf Torsion beansprucht wurde und somit wesentlich langzeitstabiler ist.

  3. AndyH

    Lösung:
    C-130J, UH-60M und AH-64D. Dazu kann man die gecharterte Iljuschin kaufen (oder vielleicht sogar eine C-17 GMIII).
    Alle sind bereits fertig entwickelt sowie kampferprobt und werden stetig modernisiert. Durch einen multilateralen Einsatz können die Kosten gesenkt und die Ausbildung zentralisiert werden.

    Das Argument, dass dadurch für EADS und so auch für Europa ein riesiger wirtschaftlicher Schaden entsteht, zieht meiner meinung nach nicht. Der Schaden besteht schon längst, und die Bundeswehr ist nur zu einem Teil daran schuld.
    Außerdem: KTzG sagte heute an der FüAkBw in Hamburg, dass regionalpolitische-/ wirtschaftliche Interessen bei Standortentscheidungen nur zweitrangig seien. Ich finde, dass sollte auch für die Rüstung gelten, erst recht nach einem solchen Disaster!

    Mit freundlichen Grüßen

  4. Hoot

    naja, ob die Bundeswehr wartet oder nicht ist eigentlich ziemlich egal, da der Hubschrauber in dieser Ausführung nunmal unbrauchbar ist.

  5. Oliver

    Streit um deutsche «Tiger»-Hubschrauber

    10.06.10 | 14:11 Uhr

    Die technischen Probleme am deutschen Modell des neuen Kampfhubschraubers «Tiger» sind offenbar weniger relevant als bisher von der Bundesregierung dargestellt. Das geht aus Antworten der französischen und australischen Armee auf ddp-Anfragen sowie aus internen Dokumenten der europäischen Rüstungsbeschaffungsbehörde OCCAR hervor.

    Danach fliegen beide Länder «Tiger»-Modelle mit einer laut Industrie gleichen Verkabelung routinemäßig und ohne Sicherheitsprobleme. In Deutschland gelten Schwächen bei der Verkabelung als ein Hauptgrund dafür, dass sich die Indienststellung der Kampfhubschrauber deutlich verzögert hat.

    Der «Tiger»-Hersteller Eurocopter räumt Probleme bei der Verkabelung ein und weist zugleich darauf hin, dass inzwischen mehr als 20 000 Flugstunden mit dem neuen Hubschrauber ohne Zwischenfälle absolviert wurden. So hätten französische Piloten in diesem Jahr bis einschließlich der 19. Kalenderwoche (bis 16. Mai) insgesamt 817 Flugstunden mit dem «Tiger» absolviert, davon 440 sogar in Afghanistan. Jeder dieser Hubschrauber im Kampfgebiet ist danach pro Woche gut 20 Stunden im Einsatz gewesen.

    «Die Betriebsbereitschaft in Afghanistan liegt bei 95 Prozent. Das ist ein exzellenter Wert», sagt ein Sprecher der französischen Beschaffungsbehörde DGA der Nachrichtenagentur ddp. Die französische Armee bezeichnet die Leistungen des «Tiger» in der Kriegsregion als außergewöhnlich gut. Es habe keinerlei größere Vorfälle wegen technischer Probleme gegeben. Das renommierte Fachmagazin «Jane’s International Defense» berichtete im April aus Afghanistan: «’Tiger’-Flotte verleiht Frankreichs Angriffsfähigkeiten größere Durchschlagskraft».

    In den vergangenen Wochen hatten Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und etliche andere Politiker das Luftfahrtunternehmen EADS im Zusammenhang mit dem deutschen Tiger-Modell (UHT) heftig kritisiert. Der Konzern sei bisher nicht in der Lage gewesen, abnahmefähige Hubschrauber zu liefern und daher Schuld an den Verzögerungen. Auf ddp-Anfrage heißt es aus dem Verteidigungsministerium, besonders die Kabelprobleme seien der Grund dafür, dass die «Tiger» nicht beschleunigt in den Einsatz gebracht werden konnten. Frankreich dagegen fliege mit einer technisch einfacheren, nicht vergleichbaren «Tiger»- Version.

    Recherchen der Nachrichtenagentur ddp stützen indes den von der Industrie seit längerem vorgebrachten Einwand, dass in Deutschland vor allem nationale Zulassungsprobleme das eigentliche Hindernis seien. Schließlich haben sowohl das deutsche, als auch das französische und spanische «Tiger»-Modell am 17. Dezember 2008 von der OCCAR die Qualifikation und damit die Bestätigung erhalten, dass der Hersteller das geliefert habe, was der Kunde bestellt hat.

    Nach diesem Schritt kamen die jeweils nationalen Zulassungsbehörden ins Spiel. In dem folgenden Prozess blieb nur der deutsche «Tiger» bisher wegen Scheuerstellen an den Kabeln «hängen». Dabei sei die Verkabelung der französischen und spanischen «Tiger» eindeutig vergleichbar, sagen fachkundige Ingenieure. Von Seiten der französischen Armee heißt es, auch dort habe es anfangs einige Probleme, besonders mit den Kabeln, gegeben. Der Hersteller hätte diese für neue Waffensysteme nicht ungewöhnlichen «Kinderkrankheiten» jedoch gelöst.

    Effektiver als Deutschland gehen offenbar auch andere Staaten mit technischen Schwierigkeiten um. Spanische Piloten haben mit dem «Tiger» in diesem Jahr bis zur 19. Kalenderwoche 276 Flugstunden absolviert, in Australien waren es 436. Probleme mit scheuernden Kabeln gab es zwar, aber: «Australien war in der Lage, sie mit geringen Beeinträchtigungen im Betrieb zu managen», teilte das australische Verteidigungsministerium auf ddp-Anfrage mit. Die Kabel würden zur Sicherheit regelmäßig kontrolliert. Trotz der Schwachstellen sei der «Tiger» akzeptabel und könne routinemäßig eingesetzt werden.

    Die deutschen Verzögerungen haben noch eine andere Ursache. Einer vertraulichen OCCAR-Gesprächsnotiz vom Dezember 2009 zufolge ist die zuständige Einheit zur amtlichen Güteprüfung nicht in der Lage, im Jahr 2010 in Deutschland mehr als fünf Hubschrauber abzunehmen. Es sei «nicht möglich, diese Planung durch die Verschiebung interner Ressourcen zu verbessern», heißt es in dem Papier, das der Nachrichtenagentur ddp vorliegt. So bleiben die Fluggeräte noch vor der Auslieferung im vorgeschalteten, hausgemachten Nadelöhr hängen.

    Im Juni und Juli will Eurocopter Deutschland zwei neu ausgelegte Hubschrauber bereitstellen. Sie sollen bei der Bundeswehr schnell auf 50 Flugstunden gebracht und dann begutachtet werden. Spätestens ab Herbst, so der Plan, stünde dann einer deutschen Zulassung nichts mehr im Wege. Ob die Hubschrauber aber auch in Afghanistan eingesetzt werden können, hängt aber unter anderem davon ab, ob sie Sandfilter haben. Und die hat der Bund bisher nicht bestellt.

    http://www.ad-hoc-news.de/streit-um-deutsche-tiger-hubschrauber–/de/News/21387720

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