Hans-Ulrich Klose (SPD), Lobby-Experten, Nato-General und Wirtschaftsvertreter sollen Bundeswehr durchforsten
von Dirk ~ 11. April 2010. Zu lesen unter: Streitkräfte&Gesellschaft, Verteidigungspolitik.Ziel sind Beschränkung des Lobby-Einflusses und verbesserte Führungs- und Kommunikationsstrukturen
Der von Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit und Oberst der Reserve, geleiteten Strukturkommission zur effizienteren Gestaltung der Bundeswehr werden, nach einem Bericht der
“Leipziger Volkszeitung” (Montag-Ausgabe) unter anderem der SPD-Außenpolitiker und neu bestellte Regierungskoordinator für die deutsch-amerikanischen Beziehungen, Hans-Ulrich Klose (Bild rechts), der derzeit noch höchste deutsche Offizier bei der Nato, Vier-Sterne-General Karl-Heinz Lather, sowie ein hochrangiger Vertreter der Wirtschaft angehören. Darüber hinaus sind auch Hedda von Wedel (CDU), Mitglied des Europäischen Rechnungshofes, frühere Präsidentin des Bundesrechnungshofes und heutige Transparency-Vizechefin, einer nichtstaatlichen Organisation zur Korruptionsbekämpfung, sowie der langjährige Deutschland-Chef der internationalen Unternehmensberatung McKinsey und heutige Vorstandsvorsitzende des Milliardenkonzerns Haniel, Jürgen Kluge, als weitere Mitglieder vorgesehen. Noch nicht endgültig entschieden ist, ob neben dem Sozialdemokraten Klose und der CDU-Politikerin von Wedel auch ein Vertreter der FDP, beispielsweise deren Verteidigungsexpertin Elke Hoff, der kleinen Kommission angehören wird. Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wird die Ziele und Aufgaben der Kommission zusammen mit Heinrich Weise an diesem Montag der Öffentlichkeit vorstellen. Die Kommission soll bis Ende dieses Jahres Vorschläge zur effizienteren Gestaltung der Führungsaufgaben in der Bundeswehr, zur rationelleren Organisation der Planungsstrukturen sowie zur ökonomischeren und zielgenaueren Kontrolle in Auftrag gegebener Rüstungsprojekte entwickeln. Zu den Zielen der Kommissionsarbeit soll es danach auch gehören, Vorschläge zur radikalen Begrenzung des Einflusses der Rüstungslobby auf Milliardenprojekte der Bundeswehr vorzulegen und klare Kommunikationsstrukturen auch in Krisenfällen sicher zu stellen. Dabei gelten auch Vorschläge zur Vermeidung ähnlich negativer Informationserfahrungen wie bei den jüngsten Verwicklungen der Bundeswehr im Afghanistan-Einsatz von der Spitze des Ministeriums offenbar als ausdrücklich erwünscht. General Lather hatte nach dem umstrittenen Luftangriff bei Kundus, befehligt im September 2009 vom deutschen Oberst Georg Klein, noch vor dem Minister die heute gängige Vokabel von “kriegsähnlichen Zuständen” in Afghanistan geprägt. Der deutsche Nato-General verlangt seit langem eine deutliche Truppenverstärkung auch seitens der Bundeswehr. Der Luftangriff selbst war von Lather sofort als militärisch legitimes Vorgehen verteidigt worden.
Meldet die Leipziger Volkszeitung vorab.
Soldatenglück.de berichtete über die ersten personellen Entscheidungen für die Einrichtung der Bundeswehr-Strukturkommission.
Soldatenglück.de meint, hilfreich wäre es, wenn zum Beispiel ein Hauptfeldwebel, der dreimal im Afghanistan-Einsatz war, mit in der Struktur-Kommission säße, der Vogelperspektive fehlt es gelegentlich an Einsatz-Praxis und Blick für das Wesentliche.
(Textquelle kursiv: Leipziger Volkszeitung.de;
Bildquelle: Hans Ulrich Klose, MdB.de)






















11. April 2010 um 17:26 Uhr
Naja ob der arme Hauptfeldwebel das verdient hat. Da soll er dann den ExChef von McKinsey erklären wie es weitergehen soll?
Ein Brig. Gen. Vollmer wäre da wohl eher mit der notwendigen Erfahrung ausgestattet.
Es geht bei der Reform darum eine Armee einsatztauglich, bei begrenzten Budget, zu machen. Der Hauptfeldwebel verlangt dann bessere Munition für seinen Zug. Na der wird sich was anhören können.
Einsatzerfahrung allein ist nicht alles. Es ist auch die Ebene wichtig.
pi
11. April 2010 um 18:21 Uhr
[...] nimmt das wohl ernst, während ich da eher Satire sehe und einen Satz wie ‚ ‚der Vogelperspektive [...]
11. April 2010 um 20:00 Uhr
Bestes Beispiel für einen absolut schädlichen Lobby-Einfluss: die Wahl von Heron Drohnen statt der in jeder Hinsicht überlegenen Reaper (nicht wegen der Bewaffnung, sondern weil sie erprobt und nachweislich zuverlässiger sind)
Die BW wollte Reaper, aber ein Politiker hatte die Partner-Firma der Israelis in seinem Wahlkreis und hat aus rein wirtschaftspolitischen Gründen blockiert.
12. April 2010 um 06:21 Uhr
@pi
In der Regel haben Personen dieses Kreises die Mitgliedschaft im Verein der deutlichen klaren Sprache
Und bei Praktikern mit Einsatzerfahrung kann ein Bericht aus erster Hand erfolgen, das sollte effektiver sein als stille Post
12. April 2010 um 10:36 Uhr
Zitat:”sowie der langjährige Deutschland-Chef der internationalen Unternehmensberatung McKinsey”
Oh oh, dieser Name lässt nicht`s gutes vermuten. McKinsey ist als Unternehmensberater bekannt, für horente Honorare (Im 6 stelligen Bereich) und sehr schwacher Arbeit. Wenn McKinsey gerufen wird, geht es eigentlich nur darum, die Vorschläge des Hausherren umzusetzen (Die des Verteidgungsministers) weil dieser es nicht alleine Verantworten will. Wir werden sehen. Wenn zu Guttenberg unpopuläre Entscheidungen treffen möchte und deshalb McKinsey braucht, so ist es ein gutes Zeichen.
Zitat:” rationelleren Organisation der Planungsstrukturen sowie zur ökonomischeren und zielgenaueren Kontrolle in Auftrag gegebener Rüstungsprojekte entwickeln. Zu den Zielen der Kommissionsarbeit soll es danach auch gehören, Vorschläge zur radikalen Begrenzung des Einflusses der Rüstungslobby auf Milliardenprojekte der Bundeswehr vorzulegen”
Hier hat man tatsächlich die Kernschwäche der BW erkannt. Wenn es gelingt, die BW hier modern zu organisieren, wird sich so mancher wundern, wieviel Geld aufeinmal frei wird.